Die Nacht...
Von: , Frage gestellt am Sa, 26. Okt 2002
... in der ich mit einem betrunkenen Poeten schlief
(Erste Rohversion einer Kurzgeschichte. Stark ausbesserungsbrdürftig)
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Wie lange kannten wir uns?
Ich weiß es nicht. Ein halbes Jahr vielleicht? Eher weniger.
Endlich wieder ein Mensch, mit dem man wirre Ideen austauschen kann.
TukTuk und Fipsy rauben Banken aus und machen das große Geld.
So in der Art. Es kamen schon einige grandiose Gedanken zustande.
Wir schrieben uns fast nur, trafen uns irgendwann dann aber mal auf ein Bier.
Die erste Begegnung war geprägt von gespannter Erwartung. Ich hatte viel erwartet, aber das übertraf alles.
Sportlich reiste er mit dem Fahrrad an, die Haare standen wild in alle Richtungen. Attraktiver, als auf dem Foto.
Ich glaube er trug sogar eine Sonnenbrille.
Ein Sommerabend.
Wir redeten lange über dies und jenes. Autos, Musik, Vergangenheit.
Ein angenehmer Gesprächspartner.
Danach schrieben wir uns wieder, dann mal treffen auf einen Cocktail. Spontan entstanden während eines Schriftwechsels: Massage.
Also besuchte ich ihn.
Er hatte Essen gemacht. Einen Salat und Tiefgefrorenes. Gespräche. Punk-Musik.
Einen Tequila Sunrise dazu.
Wir reden wieder. Über die Zukunft und über Belanglosigkeiten.
-Zimmerwechsel-
Ich liege langgestreckt auf dem Bett. Wohliges Gefühl, seine Hände und Babyöl auf meinem Rücken. Dazu: Nirvana – In Utero. Gute Idee.
Es tut gut, massieren kann er.
Zehn, vielleicht zwanzig Minuten, was weiß ich.
So entspannend, daß ich einschlafen könnte. Wir sprechen kein Wort. Es sind vertraute Berührungen.
Er ist dran, zieht sein T-Shirt aus und legt sich hin.
Ich habe das noch nicht oft gemacht, außerdem kenne ich ihn kaum und da liegt er nun vor mir. Schöne Oberarme hat er.
Hm...netter Hintern.
Ich verwerfe den Gedanken.
Als ich Öl auf seinen Rücken tropfe und meine Hände darauflege, grummelt er wohlig.
Ich beginne ihn zu massieren und hin und wieder stöhnt er leicht.
Scheinbar mache ich das gar nicht so schlecht.
Bauchkraulen ist auch nicht schlecht, murmelt er. Ich lache. Er soll sich umdrehen.
Seinen Bauch bedeckt ein leichter Flaum, ebenso die Brust, aber nur ein einer Stelle.
Gott sei Dank. Kein Teddybär.
Ich muß schmunzeln.
Ich bin nervös, weil auf einmal die Distanz zwischen uns fehlt. Nur ruhig bleiben.
Ich streichle leicht über seinen Bauch.
Es fühlt sich gut an, ihn zu berühren. Seine Haut ist warm und weich, sein Körper fest.
Es klingt unglaubwürdig, aber ich hatte bisher nie daran gedacht, ihn zu berühren, zu küssen
oder gar mit ihm zu schlafen.
Trotzdem führt eins zum anderen.
Einerseits war ich erstaunt, aber unterbewusst hatte ich es wohl doch darauf angelegt.
Er beteuert eigentlich schüchtern zu sein, aber seine Hände wissen genau, was sie tun.
Er ist sanft, fast vorsichtig.
Es ist nicht nur die pure Befriedigung sexueller Triebe.
Es ist schön.
Wir liegen noch eine Weile beieinander und reden.
Nach und nach ziehen wir uns an, es ist auch schon recht spät.
Er beginnt aufzuräumen, ich ziehe meine Schuhe an und nehme meine Tasche.
Auf dem Flur küsst er mich.
Im Treppenhaus unterhalten wir uns noch kurz, er legt seinen Arm von hinten um meine Taille und küsst mich wieder.
Dann gehe ich die Treppe hinunter und verlasse das Haus, daß ich, wie es mir scheint, gerade erst betreten habe.
Ich weiß nicht, warum es dazu kam oder was jetzt wird.
Wir schreiben uns immer noch, bisher fiel kein Wort über diese Nacht.
Vielleicht wird das auch nie passieren.
Ich behalte es in Erinnerung und werde sehen, was aus uns wird.
Aber die Nacht mit dem betrunkenen Poeten hat mich verändert.
Mein Denken, meine Pläne, meine Wünsche.
Und ich liebe ihn. Auf die ein oder andere Weise.
