Betriebsausflug die 2. / Für Yvonne
Von: , Frage gestellt am Mo, 30. Aug 1999
Ich habe lange überlegt, womit ich meinen Chef
1. in der Hauptsache von mir und
2. davon überzeugen kann, dass der Betriebsausflug
unbedingt stattfinden sollte.
Schliess- und endlich kam mir der Gedanke mit den Telefonregeln. Mein Chef, er heisst übrigens 'Adalbert Hallmackenreuther' – wir nennen ihn immer 'Hallmacke' – ist ein absoluter Telefonfetischist. Ständig belauscht er die Mitarbeiter/innen dahingehend, ob sie auch richtig telefonieren. Natürlich kann es ihm keiner recht machen.
Nun kam mir der Gedanke, ein paar Telefonregeln zusammenzustellen (zu klauen) und Hallmacke zum Aushang am 'schwarzen Brett' (das ist bei uns in der Firma von allen Normen abweichend in dezentem Gelb gehalten) zu übergeben. Du hättest ihn heute morgen sehen sollen, als ich ihm diese übergeben habe, wobei ich die Übergabezeremonie mit einem deutlichen Hinweis auf den Betriebsausflug garniert habe.
Aber zunächst zu den Telefonregeln:
1. Eine gründliche Vorbereitung auf ein Telefongespräch ist nutzlos. Man muß immer damit rechnen, daß die Nummer des Gesprächspartners besetzt ist. Voraussichtlich ist er überhaupt nicht da oder, wenn man ihn erreicht, wird er sicher über etwas anderes sprechen wollen goldene Telefonregel: Erst wählen, dann reden, dann denken, dann suchen, dann auflegen !
2. Fassen Sie niemals mehrere Themen zu einem Gespräch zusammen. Das Aufnahmevermögen des Gesprächspartners reicht häufig nur für einen Gesprächsgegenstand. Im übrigen hat jedes Thema Anspruch auf einen besonderen Anruf.
3. Es ist sinnlos, sich den Inhalt eines Telefongespräches aufzuschreiben, denn der Zettel kann verloren gehen. Motto: Was man im Gedächtnis hat, das weiß man !
4. Melden Sie sich kurz und knapp mit "Ja", "Hallo", "Bitte", vielleicht auch mit "Wer da?". Wo kämen wir hin, wenn sich jeder täglich zum x-ten Male mit seinem Namen meldet?
5. Telefonieren wird erst schön durch Privatgespräche. Nichts fördert das Betriebsklima mehr als die Benutzung des Geschäftstelefons für Privatgespräche. Mit freudigen Ereignissen können Sie die Kolleginnen und Kollegen am Telefon auflockern, so daß sich diese - positiv motiviert - mit ihren Gedanken voll und ganz auf die berufliche Tätigkeit stürzen.
6. Die meisten Menschen leben so unter Zeitdruck, daß man ihnen eine lange Erholungspause gönnen muß. Deshalb ist es unfair, einen Anrufer zu schnell weiterzuverbinden. Mit "bitte war-
ten, bitte warten, bitte warten..." können Sie seine Erholungspause, die ihm zusteht, beliebig verlängern.
7. Niemals soll man einen Anrufer direkt mit der richtigen Person verbinden. Das wäre schon psychologisch falsch. Der Anrufer soll merken, daß sich die ganze Firma um ihn kümmert.
Wenn er mit 6-8 Stationen reden kann, ist er beeindruckt.
8. Melden Sie der Telefonzentrale auf keinen Fall, wer für was in der Firma zuständig ist. Der Betreffende und seine Kollegen könnten es erfahren, und dann geht der Kampf um Kompetenzen von neuem los.
9. Die meisten Anrufe, die kommen, sind unwichtig. Versprechen Sie deshalb, zurückzurufen, und vergessen Sie diese Rückrufe. Die Anrufe erledigen sich meistens von selbst.
10. Eine Abmeldung bei der Telefonistin ist nicht notwendig. Der Kunde kann sich während der Suchaktion taxpflichtig ausruhen. Er ist besonders glücklich, wenn er nach 5 Minuten erfahren
darf, daß der Sachbearbeiter nicht gefunden werden konnte.
"Kleiner (so nennt er mich immer, obwohl meine Körpergröße durchaus der eines durchschnittlichen Mitteleuropäers entspricht), das ist der Höhepunkt ihres Schaffens in meinem Unternehmen, das ist Spitze und beförderungswürdig". So sprudelte es aus Hallmacke heraus, wobei seine Nickelbrille vor Erregung beschlug, der Bauch wie immer auf und nieder wabbelte und seine Mundwinkel fast hinter den übergrossen Ohrlappen verschwanden.
Was soll ich lange erzählen, er sagte nun doch das Stattfinden des Betriebsausfluges zu und zu meiner überaus grossen Freude versetzte er mich in die FRSA (Frosch-Rollstuhl-Abteilung). Dort darf ich jetzt unter der Leitung von Meister Muckeleder pro Tag die Nippel an ca. 40 Frosch-Rollstühlen abschmieren (im abschmieren war ich eh schon immer gut) und ausserdem an den motorbetriebenen FRS die Nockenwellenbeleuchtungen einbauen. Da kommt helle Freude auf, sag ich Dir. Diese Arbeit macht mir wesentlich mehr Spass als Wundertüten füllen, Fussmatten knüpfen und Stickrahmen polieren.
So Yvonne, das war das Neueste aus unserem Unternehmen und von mir. Ich brauch jetzt ausgiebige Nachtruhe, denn morgen geht es an den Einbau von ca. 53 Nockenwellenbeleuchtungen. Da muss ich voll und konzentriert sein, damit nichts schief geht und jedem Frosch die Erleuchtung kommt.
Ich kann nur sagen: Lieber bei unserer Firma beschäftigt sein, als arbeiten. Mein Freigang ist übrigens für drei Wochen verlängert worden. Ob das wohl auf meine gute Führung und meine Strebsamkeit zurückzuführen ist?
Wie weit bist Du eigentlich mit Deinem Training für den Betriebsausflug gekommen?
Viele Gruesse in die weite Welt
vom 'Kleinen'
PS:
Ach ja, ich habe noch eine Frage, doch zuvor die Geschichte:
Ich habe zwei Brüder. Der eine ist wegen Verführung Minderjähriger im Zuchthaus, der andere ist bei der SPD beschäftigt. Mein Vater verkauft Haschisch an mittellose Kunststudenten und meine Mutter sitzt seit vier Jahren in einer Trinkerheilanstalt. Und ich selbst ... na Du weißt ja schon.
Nun habe ich ein Mädchen kennengelernt, das wegen Erdrosselung eines Pfennigfuchsers fünf Jahre im Zuchhaus zugebracht hat und dort hart arbeiten musste. Ich liebe diese Frau und möchte sie heiraten.
Nun meine Frage:
Kann ich diesem Mädchen sagen, dass mein Bruder in der SPD ist?
