Weihnachtspost, Briefmarken und andere Hindernisse
Der 4. Adventssonntag ist mein traditioneller Schreibtag für Weihnachtspost. Dumm ist in diesem Jahr nur, dass Heiligabend bereits auf den Dienstag danach fällt – somit bleibt nicht viel Zeit für den Postweg. Um so wichtiger, dass die Briefe noch am Sonntagabend auf den Weg gebracht werden.
Nach dem Schreiben – es sind sieben Briefe geworden – ein Blick ins Markenmäppchen: verflixt, nur noch zwei Briefmarken drin! Und die Briefe sollen doch heute doch noch weg … was tun?
Ich wohne in einem Vorort einer mittelhessischen Stadt. Schon seit längerer Zeit hat die örtliche Postfiliale geschlossen, statt dessen haben wir eine Postagentur im Rewe-Markt. Werktags kein Problem, aber sonntags natürlich geschlossen. Halt, gibt es nicht vor dem Rewe-Markt einen großem Briefkasten und einen Briefmarkenautomaten?
Also, trotz Nieselregen ab ins Auto und hingefahren. Dort angekommen – großer Briefkasten: stimmt, Briefmarken-Automat: Fehlanzeige. Also weiterfahren zur Hauptpost.
Dort habe ich Glück: Gegenüber, vor dem Mathe-Museum, ist ein Parkplatz frei. Im Eingangsbereich der Hauptpost ein wunderschöner Briefmarkenautomat mit leuchtendem Bildschirm. Ich suche den Knopf für 0,56 Euro-Marken und drücke ihn zehnmal – fünf Marken für die Weihnachtspost, fünf in Reserve. Nun gehts ans Bezahlen – da fällt mein Blick auf eine rote Schrift in der rechten oberen Ecke des Displays: „Keine Bargeldzahlung möglich!“ Ja, wie denn sonst? Aha, nur mit Geldkarte: Mist. Die erst vor kurzem erhaltene Sparkassen-Card ist noch nicht aufgeladen. Also: keine gefüllte Geldkarte – keine Briefmarken.
Wohin jetzt? Der Bahnhof ist nicht weit, dort gibt es sicher noch einen Marken-Automaten. Schließlich ist unsere Stadt ein Verkehrs-Knotenpunkt – haben wir doch in der Schule gelernt. Ab zum Bahnhof durch den Regen, sind immerhin nur ca. 6-8 Minuten. Dort frage ich den freundlichen Mann am Infoschalter: Briefmarkenautomat? Nein, gibt es im Bahnhof nicht, Aber die Hautpost ist ganz in der Nähe, und dort gibt es einen …
Das hatten wir schon. Also zurück zum Auto. Was nun? Jetzt fällt mir nur noch die Stadtpost ein. Unterwegs zur Neuen Bäue, denke ich schmerzlich an die Zeiten, wo man neben vielen Briefkästen die alten Markenautomaten mit der kleinen Kurbel fand – zwei mal drehen – Kling! Eine Breifmarke. Lang, lang ists her …
In der Neuen Bäue gibt es natürlich keinen freien Parkplatz. Ich stelle meinen Wagen vor das geschlossene Posttor und steuere den Markenautomaten an. Das gleiche Modell wie an der Hauptpost und – oh welches Glück – ohne rote Schrift in der rechten oberen Ecke. Also los: wieder zehnmal drücken für 10 x 0,56 Euro-Marken, dann zahlen – halt! Wo steckt man die Banknote hinein, wie man es inzwischen von jedem Parkhaus-Automaten kennt? Gibt es nicht, nur Münzannahme! Und zudem vermeldet der Automat: „Rückgeld als Marken!“ Na prima – was soll ich am Ende mit einer 40-Cent-Marke ?
Zum Glück findet sich das Münzgeld noch nach längerem Krabbeln passend in meiner Börse. Ich zahle, es brummt zehnmal, und nach und nach fallen die gewünschten Marken in das Ausgabefach. Geschafft! Nun rasch aufgeklebt und in den Säulenbriefkasten daneben. Doch was ist das? Ich lese: „Leerung. Sonntags: 11 Uhr“! Das heißt: Meine Briefe bleiben bis Montagmorgen im Kasten liegen! Da sollten sie doch längst auf Achse sein. Also wieder rein ins Auto, erneut zur Hauptpost in der Bahnhofstraße. Dort steht schon eine Wagenschlange vor dem Auto-Briefkasten, und einiges Rangieren ist angesagt. Als ich drankomme, werfe ich einen Blick auf die Leerungszeit: Sonntags, 18.00 Uhr! Die Digitaluhr in meinem Auto sagt: Es ist 17.36 Uhr – das war knapp. Also Klappe auf, rein mit der Post – aber auch das ist nicht so einfach: Randvoll ist der Kasten, nur mit Mühe kann ich meine Umschläge noch hineinquetschen. Hoffentlich holt sie keiner wieder raus – nach der Odyssee würde mich das echt säuern.
So viel zum Thema „Unternehmen Zukunft - Deutsche Post AG“. Rationell mag es sein, Postfilialen zu schließen, Markenautomaten abzumontieren, Leerungszeiten zu verringern – aber kundenfreundlich? Irgendwie sehne ich die Zeit herbei, wo das Briefmonopol der Post endgültig fällt.
(Klingt wie eine Glosse - ist aber leider wahr und mir genau so passiert!)
Lieben Gruß
Martin
