Annehmen, auch wenn der andere anders ist

Hallöchen zusammen,
ich möchte Euch mal wieder einen Kalendertext weitergeben, den ich heute morgen gelesen habe:

Eine kleine Tat des Friedens
Ich fahre in der U-Bahn Richtung Tegel. Die meisten lesen oder dösen vor sich hin. Ein junges Paar, nachlässig gekleidet, verwegene Frisuren, sitzt mit im Wagen. Ihnen gegenüber ein älterer Mann. Plötzlich geraten sie ohne ersichtlichen Grund an einander. Der Alte beschimpft die beiden in grober Weise. Die beiden schweigen zunächst, aber er gibt keine Ruhe, bis es zu einem heftigen Streit kommt.
Die Atmosphäre wird für alle unerquicklich. Die Mitfahrenden ergreifen unwillkürlich Partei für die eine oder andere Seite. Der alte Mann gibt keine Ruhe. Die beiden Jungen kontern mit bissigen Bemerkungen. Eine unangenehme Spannung liegt in der Luft.
Da steht ein anderer junger Mann auf, stellt sich zwischen die Parteien und sagt: „Ist das nötig, was ihr macht? Könnt ihr nicht Frieden halten? Es ist doch Platz für alle hier. Ihr wundert euch über Jugoslawien und könnt nicht mal zwanzig Minuten friedlich miteinander U-Bahn fahren!“
Ich weiß nicht, wie viel Mut es den jungen Mann gekostet hat, diesen Streit zu schlichten. Aber es war eine kleine Tat des Friedens.

Soweit der Kalendertext.
Und hier noch ein kurzer Text von mir, den ich schon früher geschrieben habe:

Du bist anders

Sich treiben lassen
auf den Wellen der Sympathie

Grenzen offen lassen
für die Schwingungen des Du

Begegnungen zulassen
im Einklang mit sich selbst und
gegen die Meinung der Welt.

Liebe Grüße
Wolf

Hallo,

Begegnungen zulassen
im Einklang mit sich selbst und
gegen die Meinung der Welt.

…ist rundrum gelungen und voller Wahrheit.
Wenns denn immer so einfach wäre.

Einen schönen Sonntag
d.

Hallo, liebe Dilarah,
danke für Deine Zuschrift. Da kann ich ja wirklich einen schönen Sonntag haben, wenn die so anspruchsvolle Dilarah meinen Text für „rundrum gelungen und voller Wahrheit“ hält…:smile:)
Danke speziell auch dafür!
Sicher ist es nicht einfach, das sagt keiner - aber genauso, wie der junge Mann in der U-Bahn Zivilcourage bewiesen hat, genauso ist die letzte Zeile meines Textes Erfahrungswert und erfahrens-wert.
Denn darin habe ich letztlich nur beschrieben, wie eine Freundschaft entstanden ist zwischen einem, der bei uns am Arbeitsplatz einen schlechten Ruf hatte und der sich - vielleicht auch gerade deswegen - ziemlich arrogant gab.
Entsprechend meinen Wertvorstellungen von Menschen, also im Einklang mit mir selbst, und sicherlich gegen die Meinung der Welt, in dem Fall der anderen Beschäftigten, die mein Verhalten sicherlich nicht nachvollziehen konnten, habe ich mich auf ihn eingelassen, ihn zu mir nach Hause eingeladen und lange Gespräche geführt. Und es entstand daraus eben eine Freundschaft, die über mehrere Jahre hielt (obwohl auch sie wahrscheinlich ein Grund dafür gewesen ist, dass ich trotz guter Noten damals fast nicht zur Abschlussprüfung zugelassen worden wäre…).
Du siehst, liebe Dilarah, es geht durchaus.
Und das war es, was ich mit meinem Artikel kund tun wollte - zum einen mit dem Kalenderblatt, zum anderen, ergänzend, mit meinem Text.

Ich wünsche auch Dir einen schönen Sonntag - und natürlich auch allen anderen, die dies hier lesen…:smile:)

Liebe Grüße
Wolf

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Ich weiß nicht, wie viel Mut es den jungen Mann gekostet hat,
diesen Streit zu schlichten. Aber es war eine kleine Tat des
Friedens.

Ist kein Mut. Ist normales Verhalten in Hamburg.

Gruß