Also, es gibt zwei Gründe warum ich das folgende schreibe.
Erster Grund war, daß ich gefragt wurde welchen Park ich mit meinem Posting ‚Ein Nachmittag im Park’ gemeint habe. Zu meinem zweiten Grund später.
Also, es ist der Burggarten. Eigentlich ist am Park selber nichts besonderes, er heißt ja nicht mal Park… Selbst Wiener Neustadt hat schönere Parks. (Entschuldigung an alle Wiener Neustädter °wink°) Die Höhepunkte sind der Ententeich und die Denkmäler von Mozart und Kaiser Franz Joseph. – Liebe Besucher dieses Parks, wenn ihr das Denkmal von Franz Joseph nicht findet, macht Euch nichts draus. Die Repuplikaner haben rund um ihn dichten Busch gepflanzt und ihn damit gut versteckt. Bemerkenswert ist schon eher die Umgebung des Parks, man sitzt zwischen der zur Burg gehörenden Nationalbibliothek und der Albertina, beide sieht man von der Rückseite. Zwischen Park und Albertina ist noch ein schönes Glashaus (sind wahrscheinlich Palmen drin, ich habe es immer nur von außen gesehen). Schon ein bemerkenswertes Panorama. Aber das ist es noch immer nicht, warum der Burggarten für mich DER Park ist.
Ich war schon als kleines Kind in diesem Park. Nach dem Ententeich beginnt ein kleiner Abhang, und ganz unten ist ein kleines Kinderparadies. Man kann dort mit Rollern herumsausen, Fußball spielen und Lärm machen so viel man will. Ich habe damals nicht begriffen, warum die älteren Leute wie in anderen Parks nichts dagegen hatten, wenn wir schrecklichen Radau gemacht haben. Später habe ich es begriffen.
Später, so mit 13 oder 14 sind wir an den Rand der große Wiese umgesiedelt. Dort wo die coolen und angesagten Jugendlichen waren. (jaja, so hat man damals gesprochen). Die hatten schon Autos, tranken Bier, knutschten herum, und gaaaaanz cool: rauchten Haschisch und spielten Beetleslieder auf der Gitarre. Und sicher hatten einige von ihnen schon Sex. Oh ja, wir haben zu ihnen aufgeschaut.
Wie schnell doch die Zeit vergeht… nur ein paar Jahre später hatten wir selber Autos (na ja einige von uns). Tranken Bier und rauchten (ein einziges Mal sogar Haschisch). Und wir hatten Sex (na ja, ein paar wenige von uns) (Liebe Leute, besucht Franz Joseph niemals nach Mitternacht) Unser Platz war nun die Mitte der Wiese unter dem Ententeich. Nein, wir waren niemals cool oder angesagt, aber für die nachgerückten 14jährigen waren wir es.
Auch ein kleiner Meilenstein ist in diesem Park passiert. Da hab ich zum ersten Mal mit einem Mädchen Händchen gehalten.
Für kurze Zeit bin ich wieder ganz nach unten gerückt. Das war die Zeit als mein Sohn klein war und ich aufgepasst habe, daß er sich nicht mehr als notwendig gefährdet und beim Unfug machen nichts kaputtmacht (z.B. das Palmenhaus oder die Nationalbibliothek).
Wenn ich wieder in diesen Park gehe, bin ich wieder ein Stück hinaufgerückt. Jetzt sitze ich zwischen den Alten und den Jugendlichen. Und jetzt begreife ich warum die Alten nichts gegen den Lärm der Jugendlichen haben. Sie haben ihre Karriere selbst ganz unten begonnen und sind ganz langsam aufgerückt. Und so manches Kind von ganz unten wird auch diesen Weg gehen.
Also, für mich ist dieser Park schon ein Park des Lebens.
So, jetzt bin ich Euch noch den anderen Grund schuldig, warum ich dieses schrieb… Ein Mitschüler und ich haben in genialer Selbstüberschätzung daran gedacht, Schriftsteller zu werden. Wir haben unsere Deutschprofessorin gefragt, woran man erkennt, daß man schreiben kann. Sie hat lange nachgedacht, und hat dann gemeint, den ersten Schritt von vielen vielen Meilen hat man getan, wenn man einen Park so beschreiben kann, daß man zumindest einen Leser dazu bringt den Wunsch zu verspüren sich den Park anzusehen. Oh, bitte bitte, hab ich Euch neugierig gemacht? Nein? Wußte ich doch, meine Deutschprofessorin hat recht gehabt.
Servus
Euer Herbert
) Natürlich gibt es in Wr. Neustadt einen Park. Sogar mehrere.