Urlaubsbericht
Von: , Frage gestellt am Di, 17. Jun 2003
Hallo,
nun habe ich auch einmal etwas, was ich hier posten möchte, nämlich meinen Urlaubsbericht:
Samstag: mit dem Zug nach Hannover, erster Flug, mein älterer Sohn kotzt kurz nach der Landung in Paris die Sitze voll, gleichzeitig noch im Rollen löst der jüngere eigenmächtig seinen Sicherheitsgurt und geht im Flieger spazieren, was die Stewardess etwas überfordert, da gleichzeitig meine Frau aufspringt, um dem Älteren ein Tuch zu reichen ... den zweiten Flug (nach Montpellier) verschlafen zum Glück beide Söhne, dafür macht die Tochter Radau ... die Taxifahrt nach Palavas-les-flots (zur Ferienwohnung) wird überschattet von angedrohten, aber wieder zum Glück nicht ausgeführten, Magenattacken des ersten Sohnes ... Lektüre: Schumann, Buddhismus, Vorwort und erstes Kapitel, S. 9-54 ... ein bisschen lang geraten ...
Sonntag: nach erstem Bad im Meer und Ortserkundung gönnen wir uns ein Minigolfspiel, das sich bis 19 Uhr 30 erstreckt (Schließung an diesem Tag eigentlich schon um 19 Uhr); kurz vor dem Gehen stürzt der völlig übermüdete jüngere Sohn von einem etwa ein Meter hohen Hindernis (er selbst ist auch ca. 1 Meter groß) rückwärts direkt mit dem Kopf, also nicht abgefedert, auf den Steinasphalt einer Golfbahn (1m+1m=2m tief) ... der Krankenwagen muss aus La Grande Motte (2 Orte entfernt) angefordert werden, trifft nach ca. einer dreiviertel Stunde ein und bringt den Verletzten zusammen mit meiner Frau und dem Baby in das Kinderkrankenhaus von Montpellier ... ich kehre mit meinem Ältesten zurück in die Ferienwohnung ... bange Stunden, weil keiner weiß, wie schwer die Verletzungen wirklich sind ... um 23 Uhr 30 schließlich kommt meine Frau mit den beiden Kindern zurück (Taxi: 80 EUR) und berichtet, dass der Kleine zwar genäht wurde (8-cm-Narbe am Hinterkopf), sonst aber - jedenfalls bisher - ohne schwerwiegende Schäden geblieben ist ... zur Sicherheit sollen wir ihn zweimal in der Nacht wecken, um eine Gehirnerschütterung auszuschließen (ansonsten müsse er stationär weiterbehandelt werden) ... die Ängste bestätigen sich aber nicht ... an diesem Tag aus gegebenem Anlass keine Lektüre ...
Montag: Da der Kleine wegen der Wunde nicht baden darf, beschließen wir einen Ruhetag und sehen uns den Aussichtsturm des Ortes von innen an ... für mich schwierig, weil ich nicht schwindelfrei bin (11 Stockwerke) und der Turm fast (!) ausschließlich aus Glas besteht ... Lektüre: Schumann, Theravada-Kapitel, S. 55-116, neue Erkenntnisse über die von mir bisher vernachlässigte Seelenlosigkeit ...
Dienstag: Erkundung Montpelliers, wo wir vor einigen Jahren schon einmal waren ... herrliche Stadt, studentisches Flair (250.000 Einw., 50.000 Studenten) ... Besichtigung der (umstrittenen) "Antigone"-Architektur ... uns gefällt es ... Ausklang auf dem Place de Comedie (schweineteuere Getränke) ...
am Abend Baden mit dem Großen ... Nahverkehrsstreik in Montpellier ... lange Wartezeiten ... Lektüre: Schumann, vormahayanische Schulen, S. 117-123 (124-132 Bilder) und Salmon, Logik, erstes Kapitel, S. 7-40 (zur Vorbereitung einer Veranstaltung nach dem Urlaub) ...
Mittwoch: ... mein Geburtstag (der 42ste *seufz*) ... wir fahren mit dem kleinen Stadtzug durch den Ort ... für die Kinder ein Erlebnis ... ansonsten wieder Ruhetag ... wir kaufen dem verletzten Kind eine Badekappe, damit er wenigstens ein wenig Spaß im Meer hat ... erster Waschtag im Waschcenter ... Lektüre: Salmon, Logik, zweites Kapitel, S. 41-162 ...
Donnerstag: ... wir besichtigen die (ehemalige, früher aber für die Region sehr bedeutende) Kathedrale von Maguellonne, die völlig abseits von jeder Ortschaft auf einer kleinen (Halb-)Insel liegt ... der Stadtzug dorthin ist kostenlos ... in der Kathedrale findet gerade ein Festival für Alte Musik statt, aber die Preise (25 EUR) sind ziemlich hoch, zudem man auch noch das dorthin bestellen müsste ... schade! ... die teueren Preise sind durch die in Frankreich ziemlich hohe Mehrwertsteuer (19,6 %) mitverschuldet ... Lektüre: Schumann, Mahayana-Kapitel, S. 133-169 ...
Freitag: ... der Ruhetag führt nicht nur bei mir zu einem Sonnenbrand und sogar einem leichten Sonnenstich mit Übelkeit am Abend ... deshalb heute keine Lektüre ...
Samstag: ... zweiter Montpellier-Besuch ... wir gehen in den Zoo ... es ist heiß, aber überall stehen Schilder, dass es den wirklich interessanten Tiere wie etwa den Löwen für einen Spaziergang zu kalt ist ... am Ende eine Karussellfahrt für die Kinder (2 EUR/Fahrt) ... im Automaten kann man Wunschkugeln mit Inhalt für die Kinder ziehen (2 EUR/Stück) ... der Kleinere bekommt eine Elefantenfigur, der Größere eine (immerhin funktionsfähige, da kann man für 2 EUR nicht meckern) Armbanduhr ... Lektüre: Putnam, Gifford Lectures I, S. 11-32 ... Erkenntnis: widerstreitende induktive Schlüsse sind ein wichtiges Problem für die KI ... (S. 24), wichtige Bemerkung auf S. 11, wo Putnam eine Kluft zwischen Wissenschaft und privatem Leben thematisiert ... weitere Lektüre: "Die Welt" (einzige greifbare deutsche Zeitung), Möllemann-Artikel und den "Spiegel"
Sonntag: ... wieder Ruhetag ... morgens Strand (und abends nochmal) ... wir machen spontan eine Meeresrundfahrt und erkennen unser altes Reiseziel Sete sofort in der Ferne ... auch die Architektur von La Grande Motte mit den Pyramidenhäusern ist vom Meer aus besser zu sehen als vom Land (von dort aus nur schemenhaft) ... aus der Ferne sieht es interessanter aus als im Katalog ... am Abend gehen wir wie jeden Abend im Restaurant essen, haben aber diesmal eines erwischt, das überhaupt nicht zu empfehlen ist ... null Service ... wir werden zwischen den Gängen einfach vergessen, müssen jede Bestellung dreimal tätigen, damit überhaupt etwas gebracht wird ... sonst überall standardmäßig Vorhandenes ist nicht zu bekommen, dafür aber Kuriositäten wie etwa eine "Sauce de chiens" (igitt!) ... Lektüre: Salmon, Logik, drittes Kapitel, S. 163-239 ...
Montag: ... eingebrochen ... nein, nicht bei uns ist eingebrochen worden, sondern wir sind eingebrochen, indem wir erneut wegen der Hitze (die es ja auch in Deutschland gegeben haben soll) keinen Ausflug machen, sondern erneut einen Ruhetag einlegen ... Lektüre: Putnam II und III, hier stimmt irgendwas mit der Übersetzung nicht, muss ich nochmal im Original lesen: wird das "Purple-Gila-Monster" (?) wirklich mit "Hexen" (S. 63) übersetzt ?? ... Erkenntnis: Fodors Kausalbegriff ist interessegebunden (S. 70, weiterverfolgen!) ... S. 53: längeres Nachdenken über die Formulierung: "Katzen lösen 'Katze-Einzelzeichen-Äußerungen' aus" ...
Dienstag: ... zweiter Waschtag im Waschcenter ... Fäden ziehen beim Kleinen ... sonst Ruhetag ... anfangs recht kühl, dann aber umso heißer ... Lektüre: Schumann, Mahayana-Kapitel, 2. Teil, S. 170-218 (länger drüber nachdenken!) ... und Putnam IV-VI, S. 82-171 ... Erkenntnis: interessante Angriffe auf die Analytische Philosophie mit einem Appell "Zurück zu Wittgenstein!", ansonsten unbedeutend ...
Mittwoch: ... wir entschließen uns, dass jeder von uns Erwachsenen einmal allein zum Shoppen nach Montpellier hineinfährt (weil der große Sohn den Bus nicht verträgt) ... heute ist meine Frau dran ... Lektüre: Putnam VII-VIII, Wittgenstein-Kapitel, S. 172-226 ... (muss ich nochmal näher anschauen)
Donnerstag: ... mein Vormittag in Montpellier ... ich besuche kurz ein Internetcafé (doch!) und schaue bei wer-weiß-was herein, aber ohne mich einzuloggen ... dann 90 Minuten im Fnac Buchlektüre, am Ende kaufe ich philosophisch-fachdidaktische Literatur (darin sind die Franzosen ganz groß, wie ich finde) ... Lektüre: Salmon, viertes Kapitel ... Entwurf eines Seminarverlaufplans ...
Freitag: ... auch der letzte Urlaubstag wird versumpft ... am Kiosk ... im Schatten eines Strandcafés ... am Strand selbst ... im Meer ... Lektüre: Schumann, Tantra-Kapitel bis Schluss ... und Putnam IX, Dewey-Kapitel ...
Samstag: ... Rückflug (diesmal glücklicherweise ohne Zwischenfälle, aber mit längerem Aufenthalt auf dem Flughafen zwischen der Flügen) ... Anschluss in Hannover schwierig ... Ankunft zuhause gegen 22 Uhr ... keine nennenswerte Lektüre ...
Sonntag: ... wir erfahren, dass es hier ein Unwetter mit Hagel gegeben hat ... noch habe ich mein Archiv im Keller nicht überprüft, aber der Heizungskeller soll einen halben Meter unter Wasser gestanden haben ... wenn das auch für unseren Keller gilt, ist das Archiv (incl. vieler Bücher) verloren ...
Montag: ... wir erfahren, dass es im Kindergarten in unserer Abwesenheit Hepathitis-A-Fälle und entsprechende Impfungen gegeben hat ...
Heute ist Dienstag! Nach der Sichtung der Post habe ich mich noch immer nicht getraut, im Keller nach dem Rechten zu sehen ... Positiver Effekt: Wir planen einen Umzug, der ohne den Kellerinhalt leichter zu bewerkstelligen sein wird ...
Herzliche Grüße
Thomas Miller
