Weil ich heut´so traurig bin

und für alle, denen es ähnlich geht, mal was von Hermann Hesse:

Die mir noch gestern glühten,
Sind heute dem Tod geweiht,
Blüten fallen um Blüten
Vom Baum der Traurigkeit.

Ich seh sie fallen, fallen
Wie Schnee auf meinen Pfad,
Die Schritte nicht mehr hallen,
Das lange Schweigen naht.

Der Himmel hat nicht Sterne,
Das Herz nicht Liebe mehr,
Es schweigt die graue Ferne,
Die Welt ward alt und leer.

Wer kann sein Herz behüten
In dieser bösen Zeit?
Es fallen Blüten um Blüten
Vom Baum der Traurigkeit

und für alle, denen es ähnlich geht, mal was von Hermann
Hesse

Mir geht es (leider) ähnlich ;-( Dazu passend eines meiner Lieblinsgedichte von Hermann Hesse:

Kennst du das auch?
Kennst du das auch, daß manchesmal
Inmitten einer lauten Lust,
Bei einem Fest, in einem frohen Saal,
Du plötzlich schweigen und hinweggehn mußt?

Dann legst du dich aufs Lager ohne Schlaf
Wie Einer, den ein plötzlich Herzweh traf;
Lust und Gelächter ist verstiebt wie Rauch,
Du weinst, weinst ohne Halt - Kennst du das auch?

Hermann Hesse

Trotzdem eine schöne Woche, irgendwie geht’s ja doch immer weiter…
Frauke

Trotzdem eine schöne Woche, irgendwie geht’s ja doch immer
weiter…

Hi Frauke,

manchmal badet man ja auch ganz gerne in Selbstmitleid. Wie könnte man das besser, als mit einem schönen traurigen Gedicht an einem Regentag? Vielen Dank für Deines. Hier noch ein Klassiker von Rilke zum Thema:

„Der Panther - Im Jardin des Plantes, Paris“

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müde geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein grosser Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf–. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille–
und hört im Herzen auf zu sein.

Hallo Klaus!

manchmal badet man ja auch ganz gerne in Selbstmitleid. Wie
könnte man das besser, als mit einem schönen traurigen Gedicht
an einem Regentag? Vielen Dank für Deines. Hier noch ein
Klassiker von Rilke zum Thema:
„Der Panther - Im Jardin des Plantes, Paris“

Ohja, wie recht Du hast-eine Runde Selbstmitleid und ein großes Eis helfen bei mir oft :wink: Das Gedicht von Rilke ist auch eines meiner Liebsten, wir scheinen einen ähnlichen Geschmack zu haben…

Hier auch noch ein etwas trauriges Gedicht von Heinrich Heine:

Der Asra

Täglich ging die wunderschöne
Sultanstochter auf und nieder
Um die Abendzeit am Springbrunn,
Wo die weißen Wasser plätschern.
Täglich stand der junge Sklave
Um die Abendzeit am Springbrunn,
Wo die weißen Wasser plätschern;
Täglich ward er bleich und bleicher.

Eines Abends trat die Fürstin
Auf ihn zu mit raschen Worten:
Deinen Namen will ich wissen,
Deine Heimat, deine Sippschaft!

Und der Sklave sprach: Ich heiße
Mohamet, ich bin aus Yemen,
Und mein Stamm sind jene Asra,
Welche sterben, wenn sie lieben.
.
.
.
.
Und, aus gegebenem Anlass, nochmal der Herr Rilke:

Herbsttag
Rainer Maria Rilke

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Viele Grüße aus den kalten Bergen :wink:
Frauke

zu singen!
Anton Rubinstein hat das Heine-Gedicht vertont,
das Lied ist einfach herzerweichend (schluchz!!) zu singen,
die Klavierbegleitung wird auch für AnfängerInnen
nicht allzu schwierig sein…
Wer sich also dem Traurigsein in seiner ganzen
Schönheit hingeben möchte - bitte sehr…

Gruss - Arnica

PS: Zu kaufen gibt’s Noten und CD

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