Meine Kurzgeschichte

Von: , Frage gestellt am Mo, 23. Feb 2004

Hallo Leute, ich hoffe, der ein oder andere will sich meine Geschichte mal durchlesen und mir sagen, was er davon hält und ob man diese Geschichte vielleicht irgendwo herausbringen kann, in einer Zeitung o.ä. - für Tipps bin ich dankbar....

Also, genug geredet....

Angst

Schon 2 Uhr durch, sagte sie und blickte immer wieder auf die Uhr, die sie nun schon ihr halbes Leben lang trug.
‚Jetzt warte noch ein wenig’, sagte er zu ihr, in der Hoffnung, sie würde sich beruhigen.

Aber die Ungeduld hielt sie nicht länger in diesem dreckigen Motelzimmer.
Sie lief auf die Straße; um sich blickend stand sie nun da und der Regen fiel auf ihren dunklen Körper.
Doch die Straße war leer, alle Lichter erloschen und nur in der Ferne hörte man das Bellen eines Hundes und die Sirenen der Polizei, die, seitdem sie hier waren, ständig in ihrer Nähe zu hören waren.
Sollte sie bleiben und warten oder doch in Richtung Dunkelheit laufen. Sie wusste es nicht und so blieb sie auf der Straße stehen, umhüllt vom Licht der aufflackernden Straßenlaterne und durchnässt vom Regen, der nicht aufzuhören schien.

In ihre Stimmung schlich sich langsam Angst, mal wieder, ganz so, als ob sie vorausahnen würde, dass es nicht klappen würde.
Hätte ich es selber tun sollen, anstatt ‚ihn’ zu beauftragen? Die Fragen der Ungewissheit schossen durch ihren Kopf und doch konnte sie keine Antwort finden. Nicht gestern, nicht heute, nicht jetzt.
Sie war mal wieder Gefangene ihres eigenen Unvermögens. Wie schon früher hatte sie die unbequemen Angelegenheiten lieber abgegeben, als sie selber aus-zuführen.
Aber diesmal, das wusste sie jetzt, musste es anders laufen. Sie wollte, sie konn-te es besser und war dann doch in die Ohnmacht der eigenen Angst zurückgefal-len.

‚Okay, ich mach es‘, sagte er am Telefon. Keine Fragen. Alles wurde bisher am Telefon geklärt, mit der Nummer, die sie von einem ihrer dubiosen Bekannten oder von Gott weiß wem hatte.
Der Typ macht das. 100%ig. Keine Angst, wurde ihr damals gesagt. Aber Angst hatte sie jetzt umso mehr.
Es konnte schiefgehen, es würde schiefgehen. Einfach alles. Weg hier? Lieber nicht.

Unvermittelt stand sie wieder im Zimmer und sah ihn an. Besser gesagt, schaute sie durch ihn hindurch, als sei er einer von vielen, was er vielleicht auch war, aber man merkte, dass es ihm recht war, keinen Augenkontakt zu ihr zu haben.
Kein Blick, kein Augenaufschlag. Alles schon zu lange her.
Routine. Vergessen. Ohnmacht. Kälte. Und immer wieder Angst.
So setzte sie sich wieder auf den Holzstuhl, sah zu Boden und ließ das Wasser durch ihr Gesicht nach unten fallen. Regen? Tränen? Sie wusste es nicht.
Weinte sie aus Angst, aus Wut, vor Glück oder war es letztendlich doch nur das Wasser der Wolken, welches sie ins Zimmer trug.

Irgendwann muss sie dann eingeschlafen sein und bemerkte erst am Hupen der Autos vor der Tür, dass der Tag längst angebrochen war.
Da lag sie nun. Zugedeckt im Bett. Ihre Haare wieder trocken, die Augen immer noch geschwollen. Ihr Blick fiel auf den alten Wecker, den sie schon früher mit auf Reisen hatte.
Halb Zwölf – Zwölf – Halb Eins .
Sie wollte nicht aufstehen und sie merkte, dass sie es auch nicht konnte. Zu müde war sie und lag da im Zimmer, welches sie bezahlt hatte. Im voraus. Für einen Monat. Oder länger.

Kaum als sie begann, sich über ihre Müdigkeit Gedanken zu machen, stand er in der Tür und lächelte sie an. Dieses Lächeln, dass sie zuvor so oft gesehen hatte. Kaum freundlich, mehr aus Mitleid oder Resignation.
Sie versuchte zurückzulächeln, konnte es aber nicht, die Schmerzen waren einfach zu groß.
Und wieder die Angst vor dem, was passieren könnte, würde. Grenzenlose Angst.
Zur Müdigkeit mischt sich wieder diese Angst und Übelkeit steigt in ihr hoch, wenn sie daran denkt und sie ist kurz davor, sich zu übergeben.

In diesem Moment klopfte es an die Tür. Vorsichtigen Schrittes ging er zu ihr und fragte laut nach, wer da sei. ‚Zimmerservice’ hallte es von draußen. Er öff-nete die Tür, trat heraus und machte dem Zimmermädchen mit 20 $ klar, dass sie diese Woche nicht mehr vorbeischauen müsse. Sie packte die Handtücher in ihren Wagen und schob ihn zum nächsten Verlierer eine Tür weiter.

Sind wir alleine hier? War das gestern das Licht des Mondes an das sie sich erinnern konnte oder war dort drüben im Park wirklich der Umriss einer Gestalt sichtbar gewesen. Angst.
Sie schlief wieder ein, die Tablette hatte offensichtlich gewirkt, die er ihr gab.
Endlich, dachte er sich, endlich ein wenig Ruhe, vor allem Zeit und keine para-noiden Vorstellungen, nächtlicher Verfolgungswahn und Hysterie.
‚Ich will dir doch helfen’, sagte er zu ihr ,wirklich’. Doch sie war bereits im Land der Träume versunken. Lange. Zu lange.

Ein weiterer Tag in diesem Motel. Wo bleibt der Typ vom Telefon? Hatte ich geschlafen, als er da war? Waren da fremde Stimmen, als ich kurz erwachte? Gedankenspielerei. Angst. Ohnmacht. Schlaf.
Am nächsten Tag war wieder alles so wie vorher; nichts passiert seit gestern, sagte er.
Sie frühstückten und Carol fühlte sich wohl, mit frischem Orangensaft und Muffins. War das Leben früher nicht viel einfacher? Damals, als die Welt zu Hause noch in Ordnung zu sein schien. Als Mutter darauf bestand, am Wochenende gemeinsam zu essen. Gemocht hat Carol das nicht, aber rückblickend betrachtet, waren es wohl die einzigen Stunden in der Woche, an der die Familie zusam-mensaß.
Familie. Familie?

Vater war oft im Auftrag der Firma unterwegs und als Carol ungefähr 15 war, bemühte er sich nicht mehr, die Seitensprünge vor ihr und Mutter geheim zu hal-ten. Warum auch, dachte er sich, ich verdiene doch hier das Geld, da wird man sich ja wohl noch amüsieren dürfen. Durfte er.
Mutter wusste zwar davon, aber nicht, wie sie darauf reagieren sollte. Der äuße-re Schein war ihr wichtiger als die eigene Identität. Bis es eines Tages krachte.
Carol wollte bei Nicole übernachten und hatte, wie immer, das Einverständnis ihrer Mutter bekommen. Es war schließlich Wochenende und da will man sich in diesem Alter nicht zu Hause auf der Couch liegend irgendwelche Fragen anhören müssen.
Doch an diesem Abend war Nicole so schnell mit irgendeinem Typen ver-schwunden, dass Carol keine Lust mehr hatte, nach dem ganzen Alkohol auch noch auf Nicole zu warten und sich dann die ganze Nacht wieder anhören zu müssen, dass doch alle Männer nur das eine wollen. Flittchen, dachte Carol und beschloss, nach Hause zu laufen.
Es war spät als sie ankam und deshalb wollte sie ihre Eltern nicht unnötig wecken. Das tat sie auch nicht, denn beide waren schon an der Haustür zu hören.
Also ging sie langsam ins Haus, immer noch leicht benebelt vom Alkohol.
Die Eltern waren jedoch so sehr mit sich beschäftigt, dass sie Carol nicht wahr-nahmen, als sie fast mitten im Wohnzimmer stand. Durch den Alkohol in ihr bekam sie nur noch Fetzen von Wörtern mit.
.........Betrüger......... Ehebrecher........ Scheidung......
Doch dann wurde Carol schlagartig nüchtern, als ihr Vater sich, ohnmächtig Worte gegen all das zu finden, nur noch mit Schlägen gegen seine eigene Frau wehren konnte. Und so bröckelte ein weiteres großes Stück der Fassade ab.
Carol hat sich am nächsten Tag nichts anmerken lassen, keiner sah ihre verweinten Augen, jeder hatte mit sich und seiner unmittelbaren Umgebung zu tun. Von diesem Zeitpunkt an nahm sie die schlechten Seiten ihres Vaters erstmals wirk-lich wahr und fing an, ihn dafür zu hassen, was er Mutter und damit auch ihr an-etan hatte.
In der Folgezeit bekam Carol erst mit, wie schlimm es um die Familie stand. Es war nicht der erste Schlag gegen ihre Mutter und von nun an distanzierte sie sich vor allem von ihrem Vater. Der wiederum führte ihr Verhalten auf die typischen Pubertätserscheinungen zurück und lebte sein Leben sorglos weiter. Sie traute sich jedoch nicht, ihre Mutter darauf anzusprechen. Zu deutlich klang die Drohung des Vaters in ihren Ohren, bei Bekanntwerden der Angelegenheit die Familie zu verlassen.

‚Willst du noch einen Muffin, Süße?’ Die Worte von John rissen sie aus ihrem Tagtraum der so real war, dass sie zitternd am Tisch saß. ‚Was hast du denn? Willst du dich hinlegen oder eine Tablette oder endlich mal darüber reden?’
‚Ja’, sagte Carol, meinte jedoch nur die Tablette, denn obwohl sie ihn mochte, konnte sie ihm ihre Vergangenheit nicht verraten. Alle Männer sind doch gleich, hörte sie Nicole und ihre Mutter in ihrem Kopf schreien, aber die Tabletten halfen über den ersten Schmerz hinweg und besiegten die Stimmen in ihrem Kopf. So hörte sie bald die Stimmen nicht mehr, sah keine Schatten auf der anderen Straßenseite, sondern nur noch wie die Zimmerdecke weiß verschwommen ins Schwarze glitt. Ruhe.

‚Carol! Carol! Es ist soweit. Er ist da.’
Schlagartig war sie wach, ihr Kopf hatte zwar die Schmerzen noch nicht verges-sen, aber das war jetzt egal. Er war da.
So schnell sie konnte, zog sie sich an, lief aus dem kleinen Zimmer und stand mitten im Raum, mit einem Blick voller Hoffnung und Angst.
Genau so. Genau so hatte sie ihn sich vorgestellt. Klein, kräftig und wenig Haare auf dem Kopf, dafür umso mehr auf der Brust und dem Rücken. Eine Narbe zierte seine rechte Wange. Nicht groß, aber deutlich zu sehen. Seine Augen wa-ren dunkel und musterten sie von oben bis unten und obwohl Carol eine Pullover und die alte Hose anhatte, fühlte sie sich nackt, durchschaut und hilflos. Mehrere Zähne fehlten ihm, wohl aufgrund einer Schlägerei oder ähnlichen Zu-sammentreffen.
Der Rest von ihm war eher unscheinbar. Untersetzt mit kurzen Beinen, denen sie hätte mühelos entkommen können. Aber warum sollte sie?
Sicher hatte er eine Waffe dabei. Nicht sichtbar, aber man wusste einfach, dass sie griffbereit irgendwo versteckt war.
Dennoch hatte sie kaum Angst vor ihm. War es, weil auf seinem Oberarm ein riesiges Herz mit der Inschrift ‚Mom’ prangte oder eher weil er, als er sie erblickte ‚Hallo Carol. Lernen wir uns endlich mal kennen’ sagte, fast freundlich.
Er hatte sogar etwas vertrauenswürdiges, ehrliches und schließlich 20.000 $ von ihr, um den Job zu erledigen.

‚Wie sieht es aus’, fragte Carol, immer noch wie abwesend dastehend, immer noch in der Ungewissheit, irgendetwas könne schiefgehen.
‚Na ja’, sagte Mike, so hieß der eigentlich Unbekannte vom Telefon, ‚wir sollten noch mal über die finanzielle Situation sprechen.’
Das finanzielle? Es waren 20.000 abgemacht und jetzt will der Typ mehr, als er ohnehin schon bekommt für diesen Job?
‚Beruhige Dich’, sagte John, aber Carol wollte sich nicht beruhigen. Sie wusste nicht, wieso er mehr haben wollte, wieso er erst jetzt auftauchte, woher sie noch mehr Geld nehmen sollte, wieso der Typ genauso aussah, wie sie ihn sich vorge-stellt hatte.
‚Es ist schwieriger, als ich dachte’, sagte Mike. ‚Ich will keinen Ärger und die Sache ist ziemlich heiß.’ ‚Ziemlich heiß? Ziemlich heiß?’ schrie Carol ihn an und gab ihm zu verstehen, dass er doch weiß, was auf ihn zukommtund er den Job trotzdem angenommen hatte, wohlwissend, welche Konsequenzen ihn treffen können.
Sie war außer sich, rannte durch das kleine Zimmer und konnte einfach nicht aufhören zu schreien. Sie fuchtelte mit den Armen und tippte Mike immer wie-der beschwörend auf die Brust, immer mehr, bis sie merkte, dass sie selber zu Boden ging.
‚So nicht, Lady! Es ist schwieriger, als sie mir gesagt hatten. Es ist kein einfacher Job, also brauche ich 10.000 mehr, verstanden?’
Sie hatte verstanden. Verstanden, dass es vielleicht bald vorbei sein würde. Dass sie bald ruhig schlafen könnte und dass sie bald wieder bei ihrer Mutter wäre. Verstanden, dass sie jetzt unbedingt das restliche Geld brauchte.
Endlich Ruhe. Endlich Freiheit. Endlich!
‚John? Ich brauche dein Geld. Sofort oder ich werde es niemals schaffen.’
John sah sie mit großen Augen an, flehend, dass er eigentlich nicht anders konnte, aber er wusste von dem Plan und wollte es nicht. Auf keinen fall. Um keinen Preis.
‚Nein’, sagte John ‚du bist wahnsinnig geworden. Ich will das nicht.’
Aber Carol war längst mit dem Kuvert der Bank bei Mike, gab es ihm und fragte ernst ‚Wann und wo Mike?’
‚Übermorgen. 20 Uhr, Richmond Street – Ecke Carlington. Dort im Park ist es dunkel, die Laterne sind defekt. Keiner wird etwas sehen.’
‚Wir werden sehen’, sagte Carol und nach diesen Worte erwachte John und brach zusammen. Mike ging, wie ihm aufgetragen und wartete die Tage ab und plötzlich war es Carol, die sich um jemanden kümmern musste.

John war fertig. Er wollte einfach nicht wahrhaben, dass sie diesen Plan wirklich realisieren wollte. Er versuchte, es ihr auszureden, bettelte, flehte, drohte ihr so-gar, aber die einzigen Worte von ihr darauf waren – er hat es verdient.
Und plötzlich fühlte sie es wieder. Angst. Angst davor, dass es falsch war. Angst vor den Konsequenzen. Angst davor, dass es nicht klappen würde.
Auch John hatte Angst. Er machte sich Vorwürfe, Carol nicht davon abbringen zu können, es zu tun. Aber er war einfach zu schwach für sie.
Konnte er die Angst nicht überwinden, halfen ihm Drogen dabei.
So wie dieses Mal auch.
Das letzte Mal – für John.

Carol sah ihn erst am nächsten Morgen, als sie ins Bad wollte, aber die Tür sperrte.
Ein Schrei, dann Stille, Trauer, Wut, Verzweiflung, Enttäuschung, Übelkeit!
Es darf mich nicht davon abhalten, es zu tun – er hat es verdient. Sie sprach schon den ganzen Tag mit sich und den Wänden, die sie noch fernhielten, vom Ort der Wahrheit. Dann brach sie zusammen und verlor sich in der Welt ihres einzigen Traumes.

Hoch oben über der Stadt steht sie nun da. Die Sonne verschwindet gleich hinter dem Horizont und sie genießt den Augenblick ohne Sorgen. Die Liebe. Der Augenblick. Sie atmet noch einmal tief ein, dreht sich um, sieht ihren Vater. Und fällt. Wird das Opfer zum Täter? Schweißgebadet wacht sie auf.

Tag X. Endlich. Heute abend ist es vorbei. Und dennoch. Ein Tag wie jeder an-dere.
Frühstück. Diesmal allein. Wie früher mit Orangensaft und Muffins. Home sweet Home.
Welch toller Tag, denkt sich Carol und rührt das Essen überhaupt nicht an.
Die Zeit vergeht nicht. Tick Tack. Die Uhr an ihrem Arm, aus ihrer Jugend, vom Vater geschenkt, zählt die Stunden herunter.
Endlich. Um sieben schon. Ich muss jetzt los, sagt sie zu John, aber der antwor-tet nicht, wie auch?
‚Warte nicht auf mich’ sind ihre letzten Worte, bevor sie das Zimmer verlässt. John wartet. Immer noch. Auf dem Boden liegend. Starr.
Er hat es sich verdient.
Sie spricht auf dem Weg zum Treffpunkt immer wieder vor sich hin, mal leise, mal laut, je nachdem, ob ihr jemand entgegenkommt.
Der Plan war genial. Einfach, effektiv, durchdacht und aus ihrem Kopf entstan-den. Sie war so stolz auf sich. Auf diesen Plan. Schade nur, dass sie keinem da-von erzählen konnte.
Keiner war früher stolz auf sie. Nicht in der 4. Klasse, als sie den Chemiewett-bewerb gewonnen hatte. Nicht später, als sie gute Noten nach Hause brachte und erst recht nicht, als sie abtreiben ließ, aber wer sollte da schon stolz auf sie sein.
Jetzt war sie es und es brannte in ihrer Brust. Stolz. Angst!
‚Ich bin stolz auf Dich Carol’, sagte sie zu sich selber, als sie von weitem schon den Treffpunkt erkannte.
Kurz vor acht. Eine letzte Zigarette, obwohl Carol gar nicht raucht. Sie hat sie von John genommen, der braucht sie nicht mehr.
‚Ganz allein ?’ fragt Mike, während Carol die Zigarette ausdrückt. ‚Hör auf’, raunt ihn Carol an ‚es geht los.’
Und es geht wirklich los. Sie geht in Richtung ihrer geistigen Markierung. Lehnt sich an die Mauer und wartet. Da ist er.
Er hat es verdient. Und wie er es verdient hat.

Sie sieht ihn schon von weitem kommen. Ehebrecher. Mein Dad, der uns allen soviel angetan hat, der auch dafür vor Gericht stand. Und freigesprochen wurde. Notwehr hieß es damals. Notwehr gegen die eigene Frau? Das hat ihr Herz zer-rissen.
Er hat es verdient.
Da ist er. Fett ist er geworden, seit sie ihn das letzte Mal gesehen hat. Aber er ist es. Nur das zählt jetzt noch.
‚Hallo Dad!’ Carol‘s Vater dreht sich erschrocken um. Sie ist es wirklich, denkt er sich und schreit im nächsten Moment los ,Geh zu deiner Mutter!’ , doch in diesem Augenblick ist Carols Angst verschwunden.
‚Genau das habe ich vor!’ sagt sie ihrem Vater ins Gesicht.
Angst. Wut. Hass.
‚Was zum Teufel?’ , weiter kommt Carol’s Vater nicht, denn da steht Mike vor den beiden und hält seine Waffe in ihre Richtung.
‚Was wollen Sie?’ Zitternd steht der alte Mann jetzt da, Schweiß läuft ihm über seine Stirn. Die Aktentasche vor die Brust gepresst, fragt er immer wieder. Zit-tert. Wimmert.
Da sieht in Carol an, Dad kommt es vor wie in Zeitlupe, seine kleine Tochter, die erst in der Pubertät so komisch geworden ist und jetzt vor ihm steht.
„Das ist für Mom, mein Leben und Deine Zukunft!“

Ein Schuss. Der Körper sackt zu Boden. Blut. Starrende Augen. Hilferufe. Mike ist längst verschwunden. Sein Job ist getan und Carol sieht durch ein helles Licht ihre Mutter endlich wieder.
Keine Angst! Nicht hier! Nie mehr!

Danke, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt.

Copyright by M.Hirsch (dieser Artikel wurde markenrechtlich geschützt und darf ohne Einverständnis des Autors nicht veröffentlicht werden)

9 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
    Soll ich ganz ehrlich sein?

    Lieber Mathias!

    Ich habe mir die Zeit genommen, aber ehrlich gesagt habe ich keine richtige Freude beim Lesen empfunden.
    Die Sätze (oder teilweise nur Worte) sind mir zu abgehackt (dieses Stilmittel war irgendwann einmal revolutionär, ich finde es inzwischen überholt und nervig), auch den Spannungsbogen finde ich nicht so recht in Deiner Geschichte.
    Die englischen Namen finde ich ein wenig an den Haaren herbei gezogen, und irgendwie fließt der Text nicht. Er muss "bewältigt werden".

    Auch wenn es harte Kritik sein sollte, aber ehrlich finde ich besser als heuchlerisch.

    Als Empfehlung kann ich Dir die Kurzgeschichtensammlung von Judith Herrmann mit dem Titel "Sommerhaus später" nur an`s Herz legen, sie ist wirklich eine Meisterin der Kurzgeschichte, sowohl formal, inhaltlich, als auch sprachlich.

    Ich finde es bewundernswert, dass Du den Mut aufbringst, zu schreiben (ich viel zu selten) und dies hier zur Rede zu stellen. Lass Dich durch meine Kritik nicht entmutigen, lass Dich inspirieren.

    Gruß
    Lea

    • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
      Nachtrag

      Betrachte nur einmal den ersten Satz:

      Die Uhr, die sie schon ihr halbes Leben trug.

      Das interessiert den Leser nicht, hat nichts mit der Handlung zu tun, ist Füllmaterial.
      Und ein solches hat in einer Kurzgeschichte einfach nichts zu suchen.
      Es ist gerade eines der Merkmale der Kurzgeschichte, dass sie nur Details enthält, die der Handlung nützlich sind.

      Gruß
      Lea

      • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
        Re: Nachtrag

        Hi Mathias,

        ich schließe mich den anderen Meinungen an.

        Mir persönlich fehlt einfach diese Spannung, die sich gewöhnlich immer in Kurzgeschichten entwickelt. :(

        Lieber Gruß
        Kathi

        • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
          Re^2: Nachtrag

          Hallo,

          Es fehlt nochwas:
          Die überraschende Wendung und das offene Ende. Kurzgeschichten enden offen. Die hier ist eigentlich abgeschlossen. Beide tot..
          Und das Ende fand ich jetzt nicht besodners überraschend, war aus der Stimmungslage ja schon abzusehen.

          Vampy

          • Antwort von nach 4 Tagen hilfreich
            Danke

            Hallo an alle Vorredner,
            danke für die offene Kritik und die Versuche, mir zu helfen.
            Ich werde versuchen, mir dies zu Herzen zu nehmen und wenn mal wieder eine kleine Geschichte fertig ist, werde ich sie vielleicht wieder einstellen.
            Bis dahin werde ich ein wenig üben.
            PS. Nur Mut an all die anderen.... ;-)

  2. Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
    Re: Meine Kurzgeschichte

    Hallo Mathias,

    na aber holla! Da gibt es doch tatsächlich noch mehr Männer, die sich ans Schreiben wagen... Die Geschichte habe ich bisher lediglich überflogen; ich werde sie natürlich in einer stillen Minute gründlich lesen.

    Im Detail werde ich es per Mail kritisieren und auch das erst, wenn ich die Story wirklich gelesen habe. Im Augenblick kann ich Dir nur sagen, daß Du noch sehr viel an Deinem Schreibstil arbeiten mußt. Mir ist aufgefallen, daß Du entweder zu viel oder aber zu wenig schreibst und es manchmal mit den 'logischen Erklärungen' (dazu komme ich zum Schluß) übertreibst.

    Verabschiede Dich jedenfalls schon einmal von 'sagte sie... und dann sagte er zu ihr... und darauf sagte sie zu ihm...' - das ist ermüdend. Auch solltest Du nicht vergessen, daß Deine Figuren Namen haben. Als kleiner Trost: viele Autoren haben Probleme mit den Dialogen.

    Nehmen wir diese kurze Passage hier als Beispiel... Schon 2 Uhr durch, sagte sie und blickte immer wieder auf die
    Uhr, die sie nun schon ihr halbes Leben lang trug.
    ‚Jetzt warte noch ein wenig’, sagte er zu ihr, in der
    Hoffnung, sie würde sich beruhigen.

    Aber die Ungeduld hielt sie nicht länger in diesem dreckigen
    Motelzimmer.
    Sie lief auf die Straße; um sich blickend stand sie nun da und
    der Regen fiel auf ihren dunklen Körper.
    Doch die Straße war leer, alle Lichter erloschen und nur in
    der Ferne hörte man das Bellen eines Hundes und die Sirenen
    der Polizei, die, seitdem sie hier waren, ständig in ihrer
    Nähe zu hören waren.
    Sollte sie bleiben und warten oder doch in Richtung Dunkelheit
    laufen. Sie wusste es nicht und so blieb sie auf der Straße
    stehen, umhüllt vom Licht der aufflackernden Straßenlaterne
    und durchnässt vom Regen, der nicht aufzuhören schien.
    Ich würde es so schreiben (schaut bitte nicht zu genau hin; das ist mal eben auf die Schnelle runtergekritzelt):

    'Es ist schon nach zwei' sagte sie (gelangweilt/gähnend?).
    'Nun warte noch ein wenig' versuchte er sie zu beruhigen, während sie immer wieder (verstohlen/genervt?) auf die Uhr, die sie schon ihr halbes Leben lang trug, blickte.

    Nur ein paar Minuten später trieb sie die Ungeduld aus dem dreckigem Motelzimmer: sie lief barfuß und nackt auf die dunkle und menschenleere Straße, breitete die Arme aus und ließ den Regen auf ihren dunklen Körper prasseln. Bis auf das wütende Bellen eines Hundes und die irgendwo in der Nachbarschaft heulenden Polizeisirenen, die sie während der Zeit im Motel immer wieder hörte, war es absolut still.

    * * *

    Dieser Absastz wiederum ist absolut logikfrei! Sollte sie bleiben und warten oder doch in Richtung Dunkelheit
    laufen. Sie wusste es nicht und so blieb sie auf der Straße
    stehen, umhüllt vom Licht der aufflackernden Straßenlaterne
    und durchnässt vom Regen, der nicht aufzuhören schien.
    1. Es heißt, alle Lichter seien erloschen! Wo kommt auf einmal 'ne aufflackernde Straßenlaterne her?
    2. Der Regen kann nicht auf ihren dunklen Körper fallen, sofern sie nicht nackig ist. Durchnäßt kann sie aber nur sein, wenn sie in voller Montur auf die Straße stürmt. Was denn nun???

    Weißt Du, was ich meine?

    Wie gesagt: der Rest folgt per Mail, sobald ich die Story gelesen habe.

    Grüßlis

    Renee

  3. Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
    Re: Meine Kurzgeschichte

    Hallo zusammen,

    nachdem ich diesen Text und alle Kommentare dazu gelesen habe möchte ich auch etwas dazu loswerden bzw. anregen. Was deine Geschichte betrifft, so habe ich sie gelesen. Mein Urteil dazu muss ich hier nicht auch noch schreiben, da die Vorredner schon so ziemlich alles gesagt haben, was auch ich an Kritik habe.

    Grundsätzlich möchte ich aber zu dem Gesagten insgesamt einen Kommentar abgeben: Es freut mich als seltenem Nutzer des WWW diese aufmunternden und unterstützenden Texte zu lesen. Im Gegensatz zu anderen Beiträgen in den hier vorhandenen Brettern zeigt diese "Diskussion", dass es auch anders geht als mit Häme, Spott und unterschwelliger Aggression (ja, die gibts m.E. auch manchmal)

    Ich finde, dass dieser Thread insgesamt als Beispiel für gelungene gegenseitige Hilfe bei www dienen sollte und niemalsnicht gelöscht werden darf (vorausgesetzt es kommen nicht doch noch ein paar "ausreisser" dazu).

    Das wollte ich nur mal loswerden und wünsche euch ein schönes Wochenende.

    Es Grüßt

    der NF
    P.S. wenn´s ginge, dann würden jetzt Sterne auf euch regnen...;-)

  4. Antwort von nach 8 Tagen hilfreich
    Re: Meine Kurzgeschichte

    Hi! Hallo Leute, ich hoffe, der ein oder andere will sich meine
    Geschichte mal durchlesen und mir sagen, was er davon hält und
    ob man diese Geschichte vielleicht irgendwo herausbringen
    kann, in einer Zeitung o.ä. - für Tipps bin ich dankbar....
    Ehrliche Meinung?
    Der Text ist für eine Veröffentlichung untauglich. Und dies aus mehreren Gründen.

    Es gibt einige formale Unzulänglichkeiten am Text, z.B. die unterschiedliche Darstellung von direkter Rede. Mal ohne, mal mit Anführungszeichen. Der Text wirkt dadurch dahingeschludert, unredigiert, nicht korrekturgelesen (ein K.O.-Kriterium in jedem Lektorat).

    Die Gestaltung der Absätze erscheint willkürlich. In der ersten Zeile spricht die Frau, in der zweiten der Mann. Sprecherwechsel sollten deutlich gekennzeichnet sein, etwa durch einen Absatz (im Manuskriptformat gibt es da keinen Leerzeile, sondern einen Einrücker).

    In literarischen Texten sollte nach Möglichkeit die Erzählperspektive durchgehalten werden, insbesondere in kurzen Texten wie einer Short Story (nicht zu verwechseln mit der deutschen Literaturart "Kurzgeschichte", die ganz eigene Regeln hat). Ich bin davon ausgegangen, dass die Erzählperspektive die der Frau ist. Schon in den ersten beiden Sätzen springt die Erzählperspektive von "sie" auf "ihn": Sie weiß, dass sie die Uhr ein halbes Leben lang trägt, kann aber nicht wissen, dass er seinen Satz "in der Hoffnung" sagt, sie beruhigen zu können. Einhalten der Erzählperspektive ist Grundhandwerk des Schreibens und sollte wie Fahrrad fahren oder Schwimmbewegungen verinnerlicht sein.

    Der Text sollte unbedingt auf Fehler in der Grammatik geprüft werden. Sätze wie "Sie schlief wieder ein, die Tablette hatte offensichtlich gewirkt, die er ihr gab" sind einfach falsch (richtig wäre hier Plusquamperfekt: "die er ihr gegeben hatte").

    Zum Text selbst:
    Der Text wirkt auf mich viel zu unsinnlich. Ich bekomme sehr, sehr viel genannt, aber wenig gezeigt. Beispiel: "In ihre Stimmung schlich sich langsam Angst". Das ist von außen betrachtet und erzählt (dieser Satz kommt nicht von der Protagonistin, sondern vom Autor, womit wieder die Erzählperspektive durchbrochen wird). Wie sieht das aus, wenn die Frau langsam von Angst beschlichen wird? Was fühlt die Frau? Was für Veränderungen finden in ihr statt? Gibt es körperlichen Reaktionen? Der Text - und damit der Leser - bleibt meilenweit weg von der Figur. Keine Beziehung zu ihr, keine Emotion, keine Empathie.
    Diese Manko zieht sich durch den gesamten Text und lässt die Figuren allesamt uninteressant bleiben. Dies ist umso schlimmer, da es sich um eine Story mit einem inneren Konflikt als Kern handelt. Gerade bei Erzählungen mit innerem Konflikt müssen die Figuren perfekt gezeichnet sein.

    Die Handlung schleppt sich mühselig dahin. Es gibt keine Wendepunkte, keine Überraschungen, keine Verschärfung des Konfliktes. Ein Spannungsbogen ist also kaum auszumachen. Mit anderen Worten: Was soll den Leser in der Geschichte halten?

    Ich könnte noch einiges zum Text schreiben, aber das würde den Platz hier sprengen. Die Story ist nach meinem Erachten für eine Veröffentlichung ungeeignet. Hinsetzen, lernen, üben, nochmal schreiben, würde ich sagen.

    Grüße
    Heinrich

  5. Antwort von nach 58 Tagen hilfreich
    Re: Meine Kurzgeschichte

    Hallo! Ich hab mir die Kurzgeschichte durchgelesen, aber ich muss gestehen, nicht bis zum Ende, da ich schon mitten drin mehrmals den Faden verloren hatte. Was mir aber aufgefallen ist (ich bin kein Profi!):

    1.) Satzzeichen: Fragen werden mit Fragezeichen beendet, direkte Rede erkennt man an den Anführungszeichen,...

    2.) Erzählerperspektive: die meiste Zeit erzählst du aus ihrer sich, dann aber wieder aus seiner, (wer ist überhaupt er und sie, das ganze ist schon so sehr verwirrend, Namen wären vielleicht kein Fehler)

    3.) Dass die geschichte so schwer nachvollziehen ist liegt vor allem an einem: deiner Verwendung der Zeiten! Wenn eine Handlung in der Vergangenheit passiert ist, sollte man das an der Zeit erkennen! Das heisst: die Erzählzeit ist Mitvergangenheit -> etwas das davor passiert ( er gab ihr die Tabletten BEVOR sie wirkten, Kindheitserinnerungen,...) sollte im Plusquamperfekt geschrieben sein!
    Über diese Regel setzt du dich die ganze Geschichte lang hartknäckig hinweg :-) Da man daher nie weiss, was gerade passiert und was schon früher war, wirds ziemlich schwer der Handlung zu folgen.

    Probiers nochmal von vorne :-)

    lg Bettina

Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!