Mein (kurioses) Lieblingsgedicht...

Von: , Frage gestellt am Di, 9. Mär 2004

...entstammt "Alice hinter den Spiegeln" (Teil 2 von "Alice im Wunderland" von Lewis Carroll) in der Übersetzung von Christian Enzensberger. Es ist ein Spiegelgedicht, und wirklich kurios. *g*


DER ZIPFERLAKE

Verdaustig war's und glasse Wieben
Rotterten gorkicht im Gemank
Gar elump war der Pluckerwank
Und die gabben Schweisel frieben.

"Hab acht vor'm Zipferlak' mein Kind!
Sein Maul ist beiss, sein Griff ist bohr,
Vor'm Fliegelflagel sieh Dich vor,
Dem mampfen Schnatterrind!"

Er zückt sein scharfgebifftes Schwert,
Den Feind zu futzen ohne Saum,
Und lehnt sich an den Dudelbaum,
Und stand da lang in sich gekehrt.

In sich gekeimt, so stand er hier,
Da kam verschnoff der Zipferlak
Mit Flammenlefze angewackt
Und gurgt in seiner Gier.

Mit eins und zwei! Und bis auf's Bein!
Die biffe Klinge, ritscheropf!
Trennt er vom Hals den toten Kopf
Und wichernd sprengt er heim.

"Vom Zipferlak' hast uns befreit,
Komm an mein Herz aromer Sohn,
O blumer Tag, o schlusse Frohn"
So kröpfte er vor Freud.

Verdaustig war's und glasse Wieben
Rotterten gorkicht im Gemank
Gar elump war der Pluckerwank
Und die gabben Schweisel frieben.


Das Original (in Englisch) und diverse Übersetzungen sind dort -> http://www76.pair.com/keithlim/jabberwocky/translati... zu finden.


CU DannyFox64

6 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 15 Stunden hilfreich
    Re: Mein (kurioses) Lieblingsgedicht...

    ...entstammt "Alice hinter den Spiegeln" (Teil 2 von "Alice im
    Wunderland" von Lewis Carroll) in der Übersetzung von
    Christian Enzensberger. Es ist ein Spiegelgedicht, und
    wirklich kurios. *g*
    Lieber DannyFox64 (schöner Name, btw, wie haben Deine Eltern den beim Standesamt durchgekriegt ?),

    ich weiß nicht recht, was ein Spiegelgedicht ist. Das was ich lese könnte aber auch von Prostetnik Vogon Jeltz stammen.

    Die vogonische Dichtkunst gilt als zweitschlechteste im Universum. Hier ein Beispiel:
    Oh zerfrettelter Grunzwanzlig
    Dein Harngedränge ist für mich
    Wie Schnatterfleck auf Bienenstich.
    Grupp, ich beschwöre dich,
    Mein punzig Turteldrom.
    Und drängeln reifig mich
    mit krinklen Bindelwördeln
    oder ich werde dich rändern
    in deine Gobberwarzen
    mit meinem Börgelkranze,
    wart's nur ab!

    Gruß
    Bernd
    (auch "Wonko der Verständige" genannt)

    • Antwort von nach 17 Stunden hilfreich
      Re^2: Mein (kurioses) Lieblingsgedicht...

      ...entstammt "Alice hinter den Spiegeln" (Teil 2 von "Alice im
      Wunderland" von Lewis Carroll) in der Übersetzung von
      Christian Enzensberger. Es ist ein Spiegelgedicht, und
      wirklich kurios. *g*
      Lieber DannyFox64 (schöner Name, btw, wie haben Deine Eltern
      den beim Standesamt durchgekriegt ?),
      Nein, lieber Blatza,
      ähem, Wonko, *g*
      das ist ein Kunstname. ich weiß nicht recht, was ein Spiegelgedicht ist. Das was ich
      lese könnte aber auch von Prostetnik Vogon Jeltz stammen.
      [...]
      Oh zerfrettelter Grunzwanzlig
      [...]
      Das kannte ich auch schon, irgendwo aus dem Netz. Wobei man sagen muss:
      (1) Sinn oder Humor kann natürlich nicht ohne eine gewisse Lust auf Blödsinn, vielleicht sogar mit vorherigem Alkoholgenuss erfolgen.
      (2) Dienten solche Ausdrücke als Beschimpfung ("Du zerfrettelter Grundzwanzlig, Du!"), könnte unser soziales Zusammenleben in Krisensituationen um eine Ecke besser ausfallen. *ggg*

      Aus dem Zusammenhang gerissen, ist "Der Zipferlake" wahrscheinlich sehr verwirrend. ;o) Das Wissen um Alicens Traumgeschichten (Alice im Wunderland) ist allerdings sehr hilfreich. Bedenke man, dass "Alice hinter den Spiegeln" im Wesentlichen auf einem gigantischen Schachbrett mit lebenen Traum-Figuren statt findet. Besonders kurios wird dann da die Begegnung mit der Schwarzen Königin, die Alice immer wieder "Moral" einflössen will... bevor Alice (weisser Bauer) dann doch auf dem letzten Feld selbst zur Königin wird.

      Na, ja. Noch ganz lustig finde ich "Das Walross und der Zimmermann", da Carroll hier mit Paradoxen spielt.

      CU DannyFox64
      (derImRealenLebenNatürlichGanzAndersHeisst-AuchWennManSichEineMischungAusDannyDeVitoUndMichaelJFox-vorstellenKönnte)

      • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
        schön...


        Wie witzig!

        Beide Gedichte gehören zu meinen Lieblingsgedichten.

        *seufz* schön...

        Gruß
        Karioka (AuchKleinesPelzigesWesenAusDemKrebsnebelGenannt)

        • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
          Re: schön... Na, gut, eine Zugabe *g*

          Hi!



          Na, wenn Du sie so magst, dann gibt's noch 'ne "kleine" Zugabe aus
          Alice hinter den Spiegeln:


          Zwiddeldum empfiehlt: >>Das Walroß und der Zimmermann<<
          ist am längsten... Zwiddeldei fing auf der Stelle an.
          "Das Walroß und der Zimmermann"
          Die Sonne schien aufs Meer herab,
          Sie schien mit aller Macht;
          Gab sich die allergrößte Müh,
          Daß sie das Meer zum Glitzern bracht' --
          Und das war seltsam, denn es war
          Schon kurz nach Mitternacht.
          Der Mond sah dieses gar nicht gern:
          Die Sonne, wie ihm deuchte,
          Die habe sich hinwegzuscher'n,
          Wenn man sie nicht mehr bräuchte.
          >>Das ist doch keine Art!<< sprach er,
          >>Wo ich doch hier schon leuchte!<<
          Das Meer war nässer noch als naß,
          Der Sand wars weniger.
          Kein Wölkchen stand am Himmel, denn
          Die Nacht war wolkenleer.
          Kein Vögelchen flog drüber hin,
          Denn es flog keines her.
          Das Walroß und der Zimmermann
          Spazierten hier am Strand
          Und weinten herzlich über den
          Entsetzlich vielen Sand:
          >>O weh und ach!<< so seufzten sie,
          >>Der Sand nimmt überhand!<<
          >>Wenn sieben Mägde sieben Jahr
          Hier täglich siebenmal kehren,
          Ob sie dann wohl<<, das Walroß sprach,
          >>Den Strand vom Sand entleeren?<<
          >>Wohl schwerlich<<, sprach der Zimmermann
          Und weinte heiße Zähren.
          >>Ihr Austern, kommt!<< das Walroß rief,
          >>Wollt ihr uns nicht begleiten?
          Und unter traulichem Gespräch
          Mit uns am Strande schreiten?
          Doch höchstens vier! Mehr können wir
          Nicht an der Hand geleiten.<<
          Die Austernmutter schaute auf
          Und schloß das Auge stumm
          Und klappte ihre Schalen zu,
          Das machte leise: >>Schrumm!<<
          Und hieß: >>Fort von der Muschelbank?
          Da wäre ich ja dumm!<<
          Vier Austernkinder aber schrien
          Gar eifrig im Vereine:
          >>Den Hals geschrubbt! Den Mantel her!
          Die Schuhe blank und reine!<< --
          Und das war gleichfalls seltsam, denn
          Sie hatten keine Beine.
          Schon folgten ihnen weitre vier
          Und vier noch hinterdrein
          Und hinter ihnen wieder vier
          Und vier und vier in Viererreihn --
          So wimmelte es aufs Ufer zu
          Über Schaum und Stock und Stein.
          Das Walroß und der Zimmermann
          Spürten des Weges Mühn
          Und machten Rast bei einem Stein,
          Der ihnen passend schien;
          Die Austern aber liefen nach
          Und drängten um sie hin.
          >>Die Zeit ist reif<<, das Walroß sprach,
          >>Von mancherlei zu reden --
          Von Schuhen -- Schiffen -- Siegellack,
          Von Königen und Zibeben --
          Warum das Meer kocht, und ob wohl
          Die Schweine manchmal schweben.<<
          >>Halt ein!<< so schrie die Austernschar,
          >>Eilt das Gespräch denn so?
          Das Laufen hat uns angestrengt,
          Und wir sind zart und roh!<<
          >>Pressiert nicht!<< sprach der Zimmermann.
          Da war'n sie herzlich froh.
          >>Einen Laib Brot<<, das Walroß sprach,
          >>Muß man als erstes haben;
          Pfeffer und scharfen Essig dann --
          Zwei wahre Gottesgaben! --
          Und somit, wenn ihr fertig seid,
          Dann woll'n wir uns jetzt laben.<<
          >>Doch nicht an uns!<< schrien sie im Chor,
          Und ihr Gesicht ward bläulich,
          >>Das wär nach soviel Freundlichkeit
          Doch durch und durch abscheulich!<<
          >>Die Nacht ist lau<<, das Walroß sprach,
          >>Nicht wahr? Das ist erfreulich.<<
          >>Wie gut ihr seid! Wie wohl mir wird
          In eurer lieben Mitte!<<
          Der Zimmermann bemerkte nur:
          >>Gib mir noch eine Schnitte --
          Es ist nun schon das dritte Mal,
          Daß ich dich darum bitte!<<
          >>Es wirkt beinah<<, das Walroß sprach,
          >>Wie ein recht übler Streich;
          Die Kleinen sind vom langen Gehn
          Ja immer noch ganz bleich!<<
          Der Zimmermann bemerkte nur:
          >>Die Butter ist zu weich.<<
          >>Ihr dauert mich<<, das Walroß sprach, 
          >>Ich kenne eure Qualen.<<
          Und suchte dabei schluchzend aus
          Die mit den größten Schalen
          Und führt' das Taschentuch ans Aug
          Zu wiederholten Malen.
          >>Ihr Austern<<, sprach der Zimmermann,
          >>Nun machet alle kehrt,
          Denn jetzt wirds für den Heimweg Zeit!<<
          Doch hat sich keine drum geschert --
          Und das war gar nicht seltsam, denn
          Sie war'n allsamt verzehrt.
          ---------------------------------------- 

          Ich liiiebe Alice!
          Und deshalb:
          Und wer's nicht glaubt, der höre her: 
          da gibt's dazu sogar Musike
          Die ist gar fürchterlich verquer
          als spielte eine Sport-Riege
          auf Flöte, Viola und Klaveer
          ein ganz lust'ges Gequike! :-)
          
          http://www.meiningermusik.de/quartettosereno_walross...

          LG & CU DannyFox64 [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
    Re: Mein (kurioses) Lieblingsgedicht...

    ...entstammt "Alice hinter den Spiegeln" (Teil 2 von "Alice im
    Wunderland" von Lewis Carroll) in der Übersetzung von
    Christian Enzensberger. Es ist ein Spiegelgedicht, und
    wirklich kurios. *g*
    Hallo, DannyFox,

    danke - du hast mich damit an eines meiner Lieblingsgedichte erinnert, das ich schon fast vergessen hatte:


    Christian Morgenstern

    Gruselett

    Der Flügelflagel gaustert
    durchs Wiruwaruwolz,
    die rote Fingur plaustert,
    und grausig gutzt der Golz.


    Besonders gefällt mir die letzte Zeile ;)

    Gruß
    Kreszenz


  3. Antwort von nach 7 Tagen hilfreich
    Melusine

    Wenn wir schon dabei sind...

    Krawehl!
    Taubtrüber Ginst am Musenhain
    Trübtauber Hain am Musenginst
    Krawehl!
    Krawehl!

    (Loriot)

    Es grüßt der
    taubtrübe Dude

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