Kurzgeschichte

Von: , Frage gestellt am Do, 18. Mär 2004

Hallo,

dies ist eine Kurzgeschichte von mir und ich möchte Euch um Eure Meinung dazu bitten. Wie ich sehen konnte, gibt es hier einige, denen ich durchaus zutraue einen solchen Text zu beurteilen - deshalb würde ich mich freuen, viele Antworten zu bekommen :-)

Gruß

Allison



Der Schlüssel

Er kam von der Arbeit. Wie jeden Freitag hatte er lange arbeiten müssen. Er fuhr durch die dunklen Straßen in das was man Zuhause nennt. Sein noch nicht abgezahltes Haus glänzte im Regen als er aus dem Auto stieg. Er nahm seinen Haustürschlüssel und ging zur Tür, die so warm erleuchtet war. Er hasste den Herbst und die fallenden Blätter.

Der Schlüssel hatte sich noch nicht ganz im Schloss gedreht als die Tür sich öffnete. Seine Frau stand vor ihm. „Du kommst spät“ sagte sie nur. Er stellte seine schwarze Ledertasche neben seine Schuhe und hängte den Schlüssel an das Schlüsselbrett, gleich neben die Tür.

Sie tischte ihm das lauwarme Abendessen auf und erzählte irgend etwas. Die Kinder waren schon im Bett. Draußen regnete es, als er sein Essen aß. Der Herbst kam immer näher. Er sah zum Schlüsselbrett. Dort hing er, blinkend im Flur, direkt neben der Tür. Sie sprach von den Hausaufgaben der Jüngsten. Er nickte immer mal wieder. Sein Blick war leer als er sein Bier trank und den leeren Teller in die Tischmitte schob. Tief sog er den Geruch der Endlichkeit in sich auf. Gleich würde sie gehen um nach den Kindern zu sehen. Gleich. Er sah zum Schlüsselbrett. Dort hing er, blinkend im Flur, direkt neben der Tür.

Sie ging hinauf zu den Kindern und deckte ihnen die kuscheligen Decken über. Gab hier und dort noch einen Kuss. Als sie die Treppe wieder hinunter kam, zog ein kalter Wind durch die Ritzen der neuen Tür. „Der Herbst ist da“ rief sie zur Küche. Doch nur der Schlüssel konnte sie noch hören.

7 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 7 Tagen hilfreich
    Re: Kurzgeschichte

    Hi Allison,
    ich finde das sehr interessant. Wie willst Du da weitergehen? Der Einstieg ist schön, aber jetzt musst Du zur Sache kommen...
    Viel Spaß beim schreiben, mach weiter so!
    Ricarda

    • Antwort von nach 10 Tagen hilfreich
      Re^2: Kurzgeschichte

      Hallo. ich finde das sehr interessant. Wie willst Du da weitergehen?
      Der Einstieg ist schön, aber jetzt musst Du zur Sache
      kommen...
      Wieso? Die Geschichte ist doch schon fertig. Kurzgeschichte eben...
      Aber es könnte ein Ende von einer Geschichte sein...

      Gruss
      Thomas

  2. Antwort von nach 13 Tagen hilfreich
    Re: Kurzgeschichte

    Sicherlich gehöre ich nicht zu denen, die einen Text nach literarischen Gesichtspunkten beurteilen können. Ich möchte Dir nur schreiben, daß die Geschichte einen gewissen "Gänsehautfaktor" hat, wie ich finde und mich an das Lied "ich war noch niemals in New York" erinnert.

    Gefällt mir,
    Sascha


    P.S.: was ist der Herbst?

  3. Antwort von nach 18 Tagen hilfreich
    Re: Kurzgeschichte

    Hi!

    Anmerkungen von mir in [] im Text.


    Der Schlüssel

    Er kam von der Arbeit. Wie jeden Freitag hatte er lange arbeiten müssen. Er fuhr durch die dunklen Straßen in das[,] was man [ein] Zuhause nennt [er fährt 'in' sein Haus? Allen Ernstes?]. Sein noch nicht abgezahltes [Ist das wichtig? Wieso?] Haus glänzte im
    Regen[,] als er aus dem Auto stieg. Er nahm seinen
    Haustürschlüssel und ging zur Tür, die so warm erleuchtet war [Erleuchtet? Durch was? Es regnet, also keine Sonne. Türlampe?]
    Er hasste den Herbst und die fallenden Blätter [sehr abrupte Information, ohne jede Andeutung].

    Der Schlüssel hatte sich noch nicht ganz im Schloss gedreht[,]
    als die Tür sich öffnete [Ist die Tür kaputt?]. Seine Frau stand vor ihm [Die Frau hat die Tür geöffnet, also hätte es vorne 'als die Tür geöffnet wurde' heißen müssen]. [Sprecherwechsel sollte immer mit einem neuen Absatz kombiniert werden!] „Du kommst
    spät“ sagte sie nur [Vorne hieß es noch, er würde jeden Freitag lange arbeiten. Was veranlasst die Frau also zu dieser Bemerkung?]. Er stellte seine schwarze Ledertasche neben seine Schuhe [Hat er sie noch an?] und hängte den Schlüssel an das Schlüsselbrett, gleich neben die Tür.

    Sie tischte ihm das lauwarme Abendessen auf und erzählte
    irgend etwas. Die Kinder waren schon im Bett. Draußen regnete
    es [unnötige Wiederholung, ist bereits bekannt], als er sein Essen aß ['Essen aß' ist eine unschöne Wiederholung. Was kann man sonst mit dem Essen tun als essen?]. Der Herbst kam immer näher [dann ist also noch Sommer? Vorne erweckst du den Eindruck, es sei bereits Herbst]. Er sah zum Schlüsselbrett. Dort hing er, blinkend im Flur, direkt
    neben der Tür. Sie sprach von den Hausaufgaben der Jüngsten.
    Er nickte immer mal wieder. Sein Blick war leer[,] als er sein
    Bier trank und den leeren Teller in die Tischmitte schob. Tief
    sog er den Geruch der Endlichkeit [Aua! Stilbruch! Und ein Klischee!]in sich auf. Gleich würde sie gehen um nach den Kindern zu sehen. Gleich. Er sah zum Schlüsselbrett. Dort hing er, blinkend im Flur, direkt neben der Tür [diese Wiederholung finde ich sehr gut!].

    Sie ging hinauf zu den Kindern und deckte ihnen die
    kuscheligen Decken über [Bruch in der Erzählperspektive! Bisher war 'er' die Erzählstimme, nun ist es 'sie' - personale Erzählperspektive]. Gab hier und dort noch einen Kuss.
    Als sie die Treppe wieder hinunter kam ['hinunter' mit 'kommen' funktioniert nicht, denn 'hinunter' ist eine Bewegung 'von hier oben nach dort unten', während 'herunter' eine Bewegung 'von dort oben nach hier unten' ist - und 'kommen' ist eine Bewegung auf mich zu. Folglich: 'hinunter ging' oder 'herunter kam'], zog ein kalter Wind
    durch die Ritzen der neuen Tür. „Der Herbst ist da“ rief sie
    zur Küche. Doch nur der Schlüssel konnte sie noch hören [erneuter Wechsel in der Erzählperspektive, hier jetzt auktorial].


    Gesamtbewertung:
    Die Story hat einen guten Klang, es mangelt aber an der Technik. Von der Figurengestaltung her ist die Geschichte zu kurz geraten. Das Verhältnis von 'er' und 'sie' wird nur angerissen, aber nicht sauber ausformuliert. Die Motivation - und damit das Verständnis des Lesers für die Entscheidung des 'er', das Heim zu verlassen - bleibt völlig unklar. Was treibt ihn weg? Die tägliche Routine? Zwistigkeiten mit seiner Frau? Unerfüllte Wünsche und Sehnsüchte? Mehr täte hier gut.
    Außerdem solltest du dir dringenst die Kommaregeln anschauen - auch wenn die Neue Rechtschreibung vieles zulässt.

    Ratschlag:
    Überarbeiten, den Figuren mehr Raum geben, die Geschichte atmosphärischer machen, z.B. durch besseren Einsatz der Sinne (Menschen sehen oder hören nicht nur, sie riechen, fühlen und schmecken auch! Wie riecht es in der Wohnung? Wie fühlt es sich an, wenn der Mann am Tisch sitzt? Schmeckt er etwas vom Essen?).
    Und über den ersten Satz der Geschichte nachdenken. Am besten kommen Geschichten, wenn sie einen Kreis beschreiben. Warum also nicht mit dem Schlüssel anfangen?

    Auf jeden Fall: Weitermachen!

    Grüße
    Heinrich

    • Antwort von nach 18 Tagen hilfreich
      schade..

      ...daß ich Dir kein Sternchen geben kann, denn Du hast richtig prima in Worte gefaßt, was ich eigentlich auch hätte sagen wollen, aber nicht hingekriegt hab ;-)

      Fühl Dich also hiermit reich besternt *

      Petzi

    • Antwort von nach 34 Tagen hilfreich
      Re^2: Kurzgeschichte

      Hallo! Möchte noch einiges an Heinrich's Bewertung ergänzen. Ich bin sicher kein Literaturexperte, sondern möchte nur zum Ausdruck bringen, was mir beim simplen Durchlesen der Geschichte aufgefallen ist. Der Schlüssel

      Er kam von der Arbeit. Wie jeden Freitag hatte er lange
      arbeiten müssen. Er fuhr durch die dunklen Straßen in das[,]
      was man [ein] Zuhause nennt [er fährt 'in' sein Haus? Allen
      Ernstes?].
      --> zustimmung *g*, das sollte man noch mal überarbeiten. Sein noch nicht abgezahltes [Ist das wichtig?
      Wieso?]
      ---> ich finde das 'nicht abgezahlte Haus' gut, es passt zum dargestellten Bild vom 08/15 Leben mit 08/15 Familie und 08/15 Haus. Haus glänzte im
      Regen[,] als er aus dem Auto stieg. Er nahm seinen
      Haustürschlüssel und ging zur Tür, die so warm erleuchtet war
      [Erleuchtet? Durch was? Es regnet, also keine Sonne.
      Türlampe?]
      ---> finde ich eher unwichtig, spiegelt bloss seine wahrnehmung wieder, vielleicht nimmt er den Ursprung des Lichtes nicht wahr? Das 'warm' finde ich allerdings etwas irritierend. Er hasste den Herbst und die fallenden Blätter [sehr abrupte
      Information, ohne jede Andeutung].
      ---> finde ich auch etwas aprupt, sollte aber vermutlich eine Andeutung seine Stimmung (und der Jahreszeit) sein. Der Schlüssel hatte sich noch nicht ganz im Schloss gedreht[,]
      als die Tür sich öffnete [Ist die Tür kaputt?]
      ---> das dachte ich momentan auch... wird allerdings im nächsten Satz aufgeklärt: Seine Frau
      stand vor ihm [Die Frau hat die Tür geöffnet, also hätte es
      vorne 'als die Tür geöffnet wurde' heißen müssen].
      ---> finde ich nicht unbedingt, ich finde das ganze auch so verständlich; spiegelt seine Sicht wieder: die Türe öffnet sich. Schon mal erschrocken weil du aufsperren willst und auf einmal öffnet sich die Tür? (Man bemerkt erst nach der Schrecksekunde dass sie jemand geöffnet hat.) [Sprecherwechsel sollte immer mit einem neuen Absatz
      kombiniert werden!] „Du kommst
      spät“ sagte sie nur [Vorne hieß es noch, er würde jeden
      Freitag lange arbeiten. Was veranlasst die Frau also zu dieser
      Bemerkung?].
      ---> hat mich auch etwas iritiert. Nicht ganz schlüssig, kann man aber IMHO lassen. Er stellte seine schwarze Ledertasche neben seine
      Schuhe [Hat er sie noch an?]
      ---> Stimmt hier fehlt ein Teil. Man kann aber eventuell auf die Phantasie des Lesers vertrauen, der sich das 'Schuhe ausziehen 'zusammenreimt. (Habe ich zumindest gemacht.) Aber es wäre bestimmt kein Fehler das noch einzufügen. und hängte den Schlüssel an das
      Schlüsselbrett, gleich neben die Tür.

      Sie tischte ihm das lauwarme Abendessen auf und erzählte
      irgend etwas. Die Kinder waren schon im Bett. Draußen regnete
      es [unnötige Wiederholung, ist bereits bekannt], als er sein
      Essen aß ['Essen aß' ist eine unschöne Wiederholung. Was kann
      man sonst mit dem Essen tun als essen?].
      ---> Stimmt! Diese Wortwiederholung hat mich beim ersten Lesen am meisten gestört. Der Herbst kam immer
      näher [dann ist also noch Sommer? Vorne erweckst du den
      Eindruck, es sei bereits Herbst].
      ---> sehr irritierend, dank ihrer Bemerkung am Schluss 'der Herbst ist da' könnte man darauf schliessen dass gerade der Übergang von Sommer auf Herbst ist. Das ist aber schon mehr Spekulation, alles in allem sehr verwirrend! Sollte Herbst eine Metapher (ist das der richtige Ausdruck? Deutsch ist schon so lange her *g*) für Wandlung (hier: im Leben des Mannes) sein (find ich eigentlich vom Ansatz her gut!) müsste das noch besser herausgearbeitet werden. Ich musste die Geschichte zweimal lesen, bevor ich den Zusammenhang zwischen Wetter und Leben des Mannes erahnen konnte.(Falls das so gedacht ist!) Aber: Tolle Idee! Er sah zum Schlüsselbrett.
      Dort hing er, blinkend im Flur, direkt
      neben der Tür. Sie sprach von den Hausaufgaben der Jüngsten.
      Er nickte immer mal wieder. Sein Blick war leer[,] als er sein
      Bier trank und den leeren Teller in die Tischmitte schob. Tief
      sog er den Geruch der Endlichkeit [Aua! Stilbruch! Und ein
      Klischee!]in sich auf. Gleich würde sie gehen um nach den
      Kindern zu sehen. Gleich. Er sah zum Schlüsselbrett. Dort hing
      er, blinkend im Flur, direkt neben der Tür [diese Wiederholung
      finde ich sehr gut!].

      Sie ging hinauf zu den Kindern und deckte ihnen die
      kuscheligen Decken über [Bruch in der Erzählperspektive!
      Bisher war 'er' die Erzählstimme, nun ist es 'sie' - personale
      Erzählperspektive].
      ---> stimmt! Er könnte es eventuell noch durch die Routine erahnen (dann würde ich das aber anders ausdrücken) was er aber sicher nicht kann, ist beurteilen ob die Decken kuschelig sind. Diese Wort finde ich überhaupt sehr deplaziert, es zerstört die Atmosphäre und passt einfach nicht. (Keine Ahnung wieso, mich stört es aber *g*) Gab hier und dort noch einen Kuss.
      Als sie die Treppe wieder hinunter kam ['hinunter' mit
      'kommen' funktioniert nicht, denn 'hinunter' ist eine Bewegung
      'von hier oben nach dort unten', während 'herunter' eine
      Bewegung 'von dort oben nach hier unten' ist - und 'kommen'
      ist eine Bewegung auf mich zu. Folglich: 'hinunter ging' oder
      'herunter kam']
      --->richtig! , zog ein kalter Wind
      durch die Ritzen der neuen Tür. „Der Herbst ist da“ rief sie
      zur Küche. Doch nur der Schlüssel konnte sie noch hören
      [erneuter Wechsel in der Erzählperspektive, hier jetzt
      auktorial].
      Gesamtbewertung:
      Die Story hat einen guten Klang, es mangelt aber an der
      Technik. Von der Figurengestaltung her ist die Geschichte zu
      kurz geraten. Das Verhältnis von 'er' und 'sie' wird nur
      angerissen, aber nicht sauber ausformuliert. Die Motivation -
      und damit das Verständnis des Lesers für die Entscheidung des
      'er', das Heim zu verlassen - bleibt völlig unklar. Was treibt
      ihn weg? Die tägliche Routine? Zwistigkeiten mit seiner Frau?
      Unerfüllte Wünsche und Sehnsüchte? Mehr täte hier gut.
      Außerdem solltest du dir dringenst die Kommaregeln anschauen -
      auch wenn die Neue Rechtschreibung vieles zulässt.

      Ratschlag:
      Überarbeiten, den Figuren mehr Raum geben, die Geschichte
      atmosphärischer machen, z.B. durch besseren Einsatz der Sinne
      (Menschen sehen oder hören nicht nur, sie riechen, fühlen und
      schmecken auch! Wie riecht es in der Wohnung? Wie fühlt es
      sich an, wenn der Mann am Tisch sitzt? Schmeckt er etwas vom
      Essen?).
      Und über den ersten Satz der Geschichte nachdenken. Am besten
      kommen Geschichten, wenn sie einen Kreis beschreiben. Warum
      also nicht mit dem Schlüssel anfangen?
      Erstmal: tolle Bewertung von Heinrich.

      Zweitens: Ich bin bestimmt kein Profi, kann dir aber sagen, dass mir die Geschichte wahnsinnig gut gefällt. Bis auf einige Unschlüssigkeiten, die ja schon erwähnt wurden, wirklich gut!

      Verrat mir wenn das erste Band rauskommt,
      Bettina

  4. Antwort von nach 21 Tagen hilfreich
    Re: Kurzgeschichte

    Hi Allison!

    Beim Lesen Deiner Geschichte, die imho sehr gut geschrieben wurde, mußte ich dauernd denken, daß dazu ein Bild von Howard Hoper passen würde.
    Er ist nämlich als "Maler der Einsamkeit" bekannt.

    Hier ein paar Links:

    http://www.ibiblio.org/wm/paint/auth/hopper/street/h...
    oder
    http://www.ibiblio.org/wm/paint/auth/hopper/interior...
    oder
    http://www.ibiblio.org/wm/paint/auth/hopper/street/h...
    (dieses Bild, z.Zt. In Berlin zu sehen)

    Als Musik dazu Jimmy Croice???

    Schönen, lebensfrohe und lustige Grüße
    Helena

Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!