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Re^2: Kurzgeschichte
Hallo! Möchte noch einiges an Heinrich's Bewertung ergänzen. Ich bin sicher kein Literaturexperte, sondern möchte nur zum Ausdruck bringen, was mir beim simplen Durchlesen der Geschichte aufgefallen ist.
Der Schlüssel
Er kam von der Arbeit. Wie jeden Freitag hatte er lange
arbeiten müssen. Er fuhr durch die dunklen Straßen in das[,]
was man [ein] Zuhause nennt [er fährt 'in' sein Haus? Allen
Ernstes?].
--> zustimmung *g*, das sollte man noch mal überarbeiten.
Sein noch nicht abgezahltes [Ist das wichtig?
Wieso?]
---> ich finde das 'nicht abgezahlte Haus' gut, es passt zum dargestellten Bild vom 08/15 Leben mit 08/15 Familie und 08/15 Haus.
Haus glänzte im
Regen[,] als er aus dem Auto stieg. Er nahm seinen
Haustürschlüssel und ging zur Tür, die so warm erleuchtet war
[Erleuchtet? Durch was? Es regnet, also keine Sonne.
Türlampe?]
---> finde ich eher unwichtig, spiegelt bloss seine wahrnehmung wieder, vielleicht nimmt er den Ursprung des Lichtes nicht wahr? Das 'warm' finde ich allerdings etwas irritierend.
Er hasste den Herbst und die fallenden Blätter [sehr abrupte
Information, ohne jede Andeutung].
---> finde ich auch etwas aprupt, sollte aber vermutlich eine Andeutung seine Stimmung (und der Jahreszeit) sein.
Der Schlüssel hatte sich noch nicht ganz im Schloss gedreht[,]
als die Tür sich öffnete [Ist die Tür kaputt?]
---> das dachte ich momentan auch... wird allerdings im nächsten Satz aufgeklärt:
Seine Frau
stand vor ihm [Die Frau hat die Tür geöffnet, also hätte es
vorne 'als die Tür geöffnet wurde' heißen müssen].
---> finde ich nicht unbedingt, ich finde das ganze auch so verständlich; spiegelt seine Sicht wieder: die Türe öffnet sich. Schon mal erschrocken weil du aufsperren willst und auf einmal öffnet sich die Tür? (Man bemerkt erst nach der Schrecksekunde dass sie jemand geöffnet hat.)
[Sprecherwechsel sollte immer mit einem neuen Absatz
kombiniert werden!] „Du kommst
spät“ sagte sie nur [Vorne hieß es noch, er würde jeden
Freitag lange arbeiten. Was veranlasst die Frau also zu dieser
Bemerkung?].
---> hat mich auch etwas iritiert. Nicht ganz schlüssig, kann man aber IMHO lassen.
Er stellte seine schwarze Ledertasche neben seine
Schuhe [Hat er sie noch an?]
---> Stimmt hier fehlt ein Teil. Man kann aber eventuell auf die Phantasie des Lesers vertrauen, der sich das 'Schuhe ausziehen 'zusammenreimt. (Habe ich zumindest gemacht.) Aber es wäre bestimmt kein Fehler das noch einzufügen.
und hängte den Schlüssel an das
Schlüsselbrett, gleich neben die Tür.
Sie tischte ihm das lauwarme Abendessen auf und erzählte
irgend etwas. Die Kinder waren schon im Bett. Draußen regnete
es [unnötige Wiederholung, ist bereits bekannt], als er sein
Essen aß ['Essen aß' ist eine unschöne Wiederholung. Was kann
man sonst mit dem Essen tun als essen?].
---> Stimmt! Diese Wortwiederholung hat mich beim ersten Lesen am meisten gestört.
Der Herbst kam immer
näher [dann ist also noch Sommer? Vorne erweckst du den
Eindruck, es sei bereits Herbst].
---> sehr irritierend, dank ihrer Bemerkung am Schluss 'der Herbst ist da' könnte man darauf schliessen dass gerade der Übergang von Sommer auf Herbst ist. Das ist aber schon mehr Spekulation, alles in allem sehr verwirrend! Sollte Herbst eine Metapher (ist das der richtige Ausdruck? Deutsch ist schon so lange her *g*) für Wandlung (hier: im Leben des Mannes) sein (find ich eigentlich vom Ansatz her gut!) müsste das noch besser herausgearbeitet werden. Ich musste die Geschichte zweimal lesen, bevor ich den Zusammenhang zwischen Wetter und Leben des Mannes erahnen konnte.(Falls das so gedacht ist!) Aber: Tolle Idee!
Er sah zum Schlüsselbrett.
Dort hing er, blinkend im Flur, direkt
neben der Tür. Sie sprach von den Hausaufgaben der Jüngsten.
Er nickte immer mal wieder. Sein Blick war leer[,] als er sein
Bier trank und den leeren Teller in die Tischmitte schob. Tief
sog er den Geruch der Endlichkeit [Aua! Stilbruch! Und ein
Klischee!]in sich auf. Gleich würde sie gehen um nach den
Kindern zu sehen. Gleich. Er sah zum Schlüsselbrett. Dort hing
er, blinkend im Flur, direkt neben der Tür [diese Wiederholung
finde ich sehr gut!].
Sie ging hinauf zu den Kindern und deckte ihnen die
kuscheligen Decken über [Bruch in der Erzählperspektive!
Bisher war 'er' die Erzählstimme, nun ist es 'sie' - personale
Erzählperspektive].
---> stimmt! Er könnte es eventuell noch durch die Routine erahnen (dann würde ich das aber anders ausdrücken) was er aber sicher nicht kann, ist beurteilen ob die Decken kuschelig sind. Diese Wort finde ich überhaupt sehr deplaziert, es zerstört die Atmosphäre und passt einfach nicht. (Keine Ahnung wieso, mich stört es aber *g*)
Gab hier und dort noch einen Kuss.
Als sie die Treppe wieder hinunter kam ['hinunter' mit
'kommen' funktioniert nicht, denn 'hinunter' ist eine Bewegung
'von hier oben nach dort unten', während 'herunter' eine
Bewegung 'von dort oben nach hier unten' ist - und 'kommen'
ist eine Bewegung auf mich zu. Folglich: 'hinunter ging' oder
'herunter kam']
--->richtig!
, zog ein kalter Wind
durch die Ritzen der neuen Tür. „Der Herbst ist da“ rief sie
zur Küche. Doch nur der Schlüssel konnte sie noch hören
[erneuter Wechsel in der Erzählperspektive, hier jetzt
auktorial].
Gesamtbewertung:
Die Story hat einen guten Klang, es mangelt aber an der
Technik. Von der Figurengestaltung her ist die Geschichte zu
kurz geraten. Das Verhältnis von 'er' und 'sie' wird nur
angerissen, aber nicht sauber ausformuliert. Die Motivation -
und damit das Verständnis des Lesers für die Entscheidung des
'er', das Heim zu verlassen - bleibt völlig unklar. Was treibt
ihn weg? Die tägliche Routine? Zwistigkeiten mit seiner Frau?
Unerfüllte Wünsche und Sehnsüchte? Mehr täte hier gut.
Außerdem solltest du dir dringenst die Kommaregeln anschauen -
auch wenn die Neue Rechtschreibung vieles zulässt.
Ratschlag:
Überarbeiten, den Figuren mehr Raum geben, die Geschichte
atmosphärischer machen, z.B. durch besseren Einsatz der Sinne
(Menschen sehen oder hören nicht nur, sie riechen, fühlen und
schmecken auch! Wie riecht es in der Wohnung? Wie fühlt es
sich an, wenn der Mann am Tisch sitzt? Schmeckt er etwas vom
Essen?).
Und über den ersten Satz der Geschichte nachdenken. Am besten
kommen Geschichten, wenn sie einen Kreis beschreiben. Warum
also nicht mit dem Schlüssel anfangen?
Erstmal: tolle Bewertung von Heinrich.
Zweitens: Ich bin bestimmt kein Profi, kann dir aber sagen, dass mir die Geschichte wahnsinnig gut gefällt. Bis auf einige Unschlüssigkeiten, die ja schon erwähnt wurden, wirklich gut!
Verrat mir wenn das erste Band rauskommt,
Bettina