Grenzkontrolle

Von: , Frage gestellt am Do, 8. Apr 2004

Hi!

1989 fiel die Berliner Mauer, und mit ihr die innerdeutsche Grenze. Wer heute jünger ist als 32, der wird sich nicht vorstellen können, wie es war, wenn man mit dem Auto auf den Transitstrecken vom alten Bundesgebiet nach Berlin/West gefahren ist. Das Besondere dabei war nicht die Fahrt durch die DDR, sondern die Grenzabfertigungen an jenen Übergangsstellen, die heute links und rechts der Autobahnen kaum noch zu erkennen sind.

Nachfolgende Geschichte ist wahr und ereignete sich in den 80er Jahren am Grenzübergang Helmstedt/Marienborn:

Peter, ein Freund von mir aus Schultagen und bekannt für sein ausgesprochen loses Mundwerk, war wieder einmal mit seinem Golf auf dem Weg nach Berlin, um dort ein verlängertes Wochenende zu verbringen. Hinter Helmstedt folgte er vorschriftsgemäß der Ausschilderung zu den Grenzposten der DDR, reihte sich in die Schlange der wartenden Pkw ein und rückte langsam, aber stetig vor.

An der ersten Kontrollstelle überreichte er einem Soldaten der Grenztruppen der DDR seinen Reisepass und wartete, dass der Soldat ihn zur nächsten Kontrollstelle passieren ließ, wo man den Pass abgestempelt zurück bekam.

Ein ganze Weile tat sich nichts.

Plötzlich trat ein zweiter Grenzsoldat hinter dem Kontrollhäuschen hervor, deutete kurz mit dem Finger auf Peter und gab ihm ein Zeichen, das er als Aufforderung zum Weiterfahren verstand.

Peter legte den Gang, rollte los - und kam keine zwei Meter weit. Ein dritter Grenzsoldate tauchte auf und stellte sich ihm breitbeinig in den Weg. Peter hielt an.

Der dritte Grenzsoldat trat an die Fahrertür und fragte in recht barschem Ton: "Sagen Sie mal, wer hat Ihnen gestattet weiterzufahren?"

"Na, der Beamte da vorne." Peter deutete auf den zweiten Grenzsoldaten am Kontrollhäuschen.

Der Grenzsoldat neben seinem Auto: "Hören Sie mal gut zu. Wir sind hier in einem Arbeiter- und Bauernstaat. Bei uns gibt es keine Beamten. Und jetzt frage ich Sie noch einmal: Wer hat Ihnen gestatte weiterzufahren?"

Peter deutete erneut auf den zweiten Grenzsoldaten. "Na, der Bauer da vorne."

Darauf durfte er seinen Golf an der Seite parken und wurde für sechs Stunden von den Grenztruppen der DDR festgenommen. In Berlin/West kam er erst spät in der Nacht an.


Grüße
Heinrich

10 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde hilfreich
    Re: Grenzkontrolle

    Hallo, 1989 fiel die Berliner Mauer, und mit ihr die innerdeutsche
    Grenze. Wer heute jünger ist als 32, der wird sich nicht
    vorstellen können, wie es war, wenn man mit dem Auto auf den
    Transitstrecken vom alten Bundesgebiet nach Berlin/West
    gefahren ist.
    Doch. Sehr gut. Selbst als Mitfahrer bekommt man sowas mit, denn nicht alle Autos haben hinten die Scheiben schwarz abgeklebt...

    Den Strafzettel der DDR wegen Geschwindigkeitsübertretung (102 km/h, bei 100 erlaubt) hat mein Vater sich aufgehoben..

    Vampy

    • Antwort von nach 3 Stunden hilfreich
      Re^2: unerlaubtes Verlassen der Transitstrecke

      [Dieser Artikel ist nicht fuer das Archiv freigegeben.]

  2. Antwort von nach einem Tag hilfreich
    Weißt Du egentlich...

    ..wieviele Leute ich kenne, die behaupten, daß der Bruder, Vater, Onkel, Nachbar, Arbeitskollege u.s.w. dies an der DDR-Grenze erlebt hätten. Dieser Witz kreist schon seit den 80ern durch alle Stammtische

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Die Spinne in der Yuccapalme lässt grüssen... owt

      ...

    • Antwort von nach 4 Tagen hilfreich
      Re: Weißt Du egentlich...

      ..wieviele Leute ich kenne, die behaupten, daß der Bruder,
      Vater, Onkel, Nachbar, Arbeitskollege u.s.w. dies an der
      DDR-Grenze erlebt hätten. Dieser Witz kreist schon seit den
      80ern durch alle Stammtische
      Echt?

      Wir haben es ihm damals abgekauft. Ist ja nun auch schon über 20 Jahre her.

      Dann ist die Story eines Arbeitskollegen wohl auch getürkt (???). Der hat früher regelmäßig seine Verwandten in der DDR besucht und sein Auto vollgepackt mit irgendwelchen Waren aus dem Westen. Natürlich wurde er bei der Einreise in die DDR gründlich gefilzt. Und um sich das Durchsuchen des ganzen Autos zu ersparen bzw. es abzukürzen, hat er irgendwann angefangen, den neuesten Playboy in den Kofferraum zu packen. Wenn die Grenzer ihn dann aufforderten, mal den Kofferraum aufzumachen, kam mein Kollege der Aufforderung nach und begann beim Anblick des Playboy-Heftes sofort zu fluchen. Er nahm dann das Heft, drückte es dem Grenzer in die Hand und sagte zu ihm: "Ich weiß, dass diese Zeitschrift in der DDR verboten ist, ich habe einfach vergessen, sie aus dem Auto zu nehmen. Bitte entsorgen Sie die Zeitschrift. Ich möchte keinen Ärger bekommen." Der Grenzer nahm den Playboy, und die Durchsuchung des Autos verkürzte sich dramatisch.
      Nur einmal, so sagte mein Kollege, hätte er Pech gehabt. Da ist er an eine Grenzerin gekommen.

      Ob's stimmt?

      Grüße
      Heinrich

      • Antwort von nach 5 Tagen hilfreich
        Re^2: Weißt Du egentlich...

        hallo heinrich,

        der is ja noch älter: schätze ende 60er, anfang 70er.
        kann meinem vorredner nur beipflichten.


        strubbel
        T:O)

        • Antwort von nach 6 Tagen hilfreich
          ....es ging noch weiter östlich....

          Würd ich so nicht behaupten. Mit dem "Trick", ob nun beabsichtigt oder unbeabsichtigt, wollte 1986 ein Bürger der Deutschen Demokratischen Republik mit offensichtlich guten Beziehungen in das damals westliche Ausland, die rumänischen Grenzbeamten bestechen. Leider mit dem Erfolg, das sie dann erstmal 10h gar nichts mehr gemacht haben, außer Zeitungen anschauen und das außerdem gefundene und gleich beschlagnahmte Bier zu trinken natürlich.
          Ich kenn die Gegend jetzt genauer als mir lieb ist.......... ;o)

          Gruß Legolas

  3. Antwort von nach 4 Tagen hilfreich
    geschwindkeitskontrolle

    waehrend meiner 12 jahre cssr (damals)
    habe ich auf jeder fahrt -egal ob hinein,hinaus,durch-
    stets den hoechsten obulus gezahlt.
    bis ich dahinter kanm, dass die sowieso abzocken,
    egal wie schnell man fuhr. hauptsache wessi.
    dann hab ichs fluchen gelernt (auf tschechisch und slowakisch),
    und dann hatte ich ploetzlich -o wunder- respekt.
    aloha - digi

  4. Antwort von nach 10 Tagen hilfreich
    Re: Grenzkontrolle

    Ein Bekannter fuhr mit der Bahn aus der Tschechei in die "DDR". Mit ihm saßen einige junge Leute im Abteil. Bei der Grenzkontrolle wurden die stereotypen Fragen mit ebenso stereotypen Antworten quittiert: "Wo genau waren Sie in der CSSR ? Haben Sie zu verzollende waren, welche Waren führen Sie überhaupt in die Deutsche Demokratische Republik ein ?" --- "Kekse, eine Dose Ölsardinen, eine Flasche Cola [in der Tschechei gab´s Pepsi & Coke !!! (HM)], ein Rücklicht für den Skoda und eine Schallplatte." --- "SCHALLPLATTE ???? Was für eine Schallplatte ???" --- "Na, so ´ne runde, schwarze, mit einem Loch in der Mitte".

    Der wurde sofort aus dem Zug genommen und wahrscheinlich bis in alle Körperöffnungen gefilzt.

    "DDR" - Uniformträger zu verarschen bekam selten jemandem gut.

    Andererseits wurde einiges aber auch beträchtlich lockerer genommen. So stand ich einmal im Parkverbot vor dem Postamte, aber nicht ohne mich zu vergewissern, dass da auch wirklich ein PV herrschte und mich zu beruhigen, dass der Verwaltungsakt im Amte sicher nur etwa 3 Minuten dauern dürfte. Als ich mit meiner Briefmarke in der hand wieder zu Fz. kam, sprang unser Abschnittsbevollmächtigter hinter einem Baum hervor und gebot: "HALT! Sie haben doch vorhin das Verbotsschild gesehen und haben trotzdem zuwider gehandelt! Das war eine vorsätzlich begangene Tat! Ich müsste Ihnen jetzt eine Ordnungsstrafe von 10 Mark auferlegen. Aber, Sie sind jung und wollen sicher in die Disko gehen. Sagen wir: 3 Mark." Ich: "Ja, aber ich hab jetzt gar kein Geld mehr mit. " --- "Naja...", sagte er betont bürgernah und kumpelhaft, "es gibt zwei Möglichkeiten, entweder Sie bekommen eine schriftliche Zahlungsaufforderung, das ist so ein Zettel aus Papier oder Sie geben es mir, wenn wir uns mal wieder sehen!"

    Ich versprach ihm, die Vorgabe aus Variante 2 zu beherzigen und im Nachgang ließ es sich immer trefflich vorbeugen, dem Unterleutnant der VP über den Weg zu laufen. Hoffentlich ist die "DDR" nicht wegen dieser meiner 3 Mark pleite gegangen. Die habe ich stattdessen angelegt und jetzt sind nach 2 Währungsreformen stolze 1,17 EUR daraus geworden !


    HM :-)



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