Gedicht zu Platons Wiedergeburt

Von Platons Wandelung der Seele
will ich auf meine Art erzählen.
Wie sie, beim Tode von uns allen
durch Weltraums schwarze Weiten fallen
um Zwischenwelten zu durchschreiten
danach in neue Körper gleiten.

Doch erst, so will es Platon lehren
ist eine Wüste zu durchqueren
an deren heissen, staubig Schluss
fliesst Lethe, der Vergessens-Fluss.
Die ausgedörrten Seelen sinken
auf Knie, um gierig, rasch, zu trinken
und streifen damit alles ab
was Erinnerung ihnen vorher gab.
Frei von Erinn’rung, frei von Wissen
sie dann ins Leben treten müssen.
Doch ach, nicht jeder will vergessen,
und manche sind genug vermessen
und trotzen stark des Durstes Qual,
trinken nur wenig, dieses Mal.

Sag Platon, was geschieht mit denen
die stärker sich als Schicksal wähnen?
Wer in sich trägt des Todes Lied
und nicht vergass, im Unterschied,
der will fortan darüber reden
gehört zu Dichtern und Poeten.

Doch kann das sein? Doch ist es wahr
dass Denker- und Poetenschar
die Sehnsüchte am meisten plagen,
nach Sinn von Gott und Leben fragen –
sie, die durstigsten der Menschen
die ach, so oft mit Schwermut kämpfen
dass sie, vor Lethes Angesicht
freiwillig taten den Verzicht?

Und wenn sie nun mit letzter Kraft
den Weg durch Wüstensand geschafft
erzitternd in die Knie sinken
um Schmerz und Gram hinweg zu trinken –
Wenn nun ein Gott dann sagte „Nein,
nicht gänzlich nehm’ ich dir die Pein
Sei Bote mir, trag in die Welt
das Licht, das von den Sternen fällt !“ ?
Hat er gefesselt ihre Hände,
so dass sie, dürstend, doch am Ende
nur soviel schöpften dass ihr Wissen
verbleichte, doch ein kleiner Bissen
von Ahnung und Gefühl verblieb
und fortan sie zum Suchen trieb?
Nicht freiwillig war diese Wahl
sie strebten nicht nach Todes Mal
erwünschten nicht den Funken Weh
der treibt zur Seelen-Odysee.

Wie sich’s begab, wie es geschah
das weiss kein Mensch. Was wirklich war
kein Lebender wird jemals wissen
wird bis zum Tode warten müssen.
Gestattet ist uns nicht der Blick
zu Lethes dunkler Flut zurück.
Dicht ist der Vorhang, der versperrt
den Blick zur Wahrheit, den begehrt
so mancher. Doch ist’s nicht vergönnt
das zu durchschauen, was da trennt
das Hier vom Dort, den Tod vom Leben.
Kein Mensch darf diesen Vorhang heben.
Auf Antwort müssen wir verzichten,
nur grübeln können wir – und dichten.


Talent
Talent ist, wenn es furchtbar brennt
in einer Seele, die dann rennt
und schaut, ob es das auch verrichtet,
was das Talent dahergedichtet.

Die Lyrik, hier auf Reim getrimmt
wird musikalisch abgestimmt
in Rhytmus, Reim und Klang der Seelen,
die sich dabei auch gern vermählen.

Du hast fürwahr recht viel Talent,
das oftmals dann nur deshalb pennt,
weil Resonanz und Feedback fehlt
und Deine Dichterseele quählt.

Pachelbels Kanon klingt in Dir,
harmonisch gravitätisches Gespür
klingt hier aus Platons Seelenwandlung:
das ist mitnichten Kultverschandlung.

LG Richard