Zweifel, ob in Zukunft Ehrlichkeit angebracht ist

Hi.

Ich muss mal etwas Frust und Ärger loswerden.
Es geht um die Anerkennung meiner Ehrlichkeit beim Finden von Geldbörse (2x passiert).

  1. Mal:
    Ich arbeitete vor einiger Zeit in einem Haus mit vielen Großraumbüros. Insgesamt liefen dort ca 200 Angestellte plus Kunden herum. In einer Teeküche (für allen frei zugänglich ist) fand ich eine Geldbörse. Ein erster kurzer Blick zeigte, dass ca 300-400 Euro (!) drin waren. Ich hätte die Geldbörse locker heimlich einstecken können. Da ich aber ehrlich bin (obwohl ich das Geld damals dringend benötigt hätte *schluchz*), schaute ich auf den Personalausweis, und stellte fest, dass es ein mir bekannter Kollege war (der übrigens Geld zu Hauf hat, daher auch der hohe Betrag). Ich brachte es ihm also zurück, und erhielt nur ein „Danke“. Kein Finderlohn. Okay, dachte ich, ist ja auch mein Kollege. Finderlohn wäre schön gewesen… Aber… Pustekuchen!

  2. Mal:
    Letzte Woche geh ich in einem Geschäft einkaufen. In einem Regal finde ich eine Geldbörse. Erster Blick: Ca. 200 Euro. Hätte ich gerne gehabt. Auch hier hätte ich es in meiner Tasche verschwinden lassen können, aber nein, ich gehe zum einem Angestellten und zeige, was ich gefunden habe. Wir beide versuchen den Besitzer ausfindig zu machen (kein Perso drin), als nach einer halben Minute die aufgeregte Besitzerin (Frau, ca. 55 Jahre) kommt. Wir stellen anhand einer Monatfahrkarte fest, dass es die Eigentümerin ist (Foto). Sie nimmt ihre Geldbörse und dampft ab.
    Finderlohn wäre schön und angebracht gewesen. Aber… Pustekuchen…

Das Ganze hat mich ziemlich frustriert.
Ich habe mir also wegen meiner Ehrlichkeit über 500 Euro (1000 DM !) durch die Lappen gehen lassen, und dabei noch nichtmals einen Finderlohn bekommen. Keinen einzigen Cent! :frowning:

Nun zweifle ich an dem Sinn der Ehrlichkeit, und überlege, ob ich das beim nächsten Mal lasse. Ob ich also dann das Geld behalten soll.

Was meint ihr? :frowning:(

☼ Markuss ☼

Hallo,

ich finde es eher bedenklich dass du dir überhaupt die Frage stellst, ob du etwas gefundenes zurückgeben sollst. Warum wollen die meisten Menschen für alles was sie tun auch eine Gegenleistung haben? Wenn du die Geldbörse findest und meinst, dass es dir zuviel Aufwand ist, den Besitzer ausfindig zu machen, dann gib sie im Büro eurem Empfang, im Geschäft einem Verkäufer oder auf der Straße der Polizei.
Es ist ja nicht so, dass du einen Tag schwere Arbeit leisten musstest, um die Geldbörse zu finden und wieder loszuwerden.
Ich hatte auch schon mehr als 100 EUR im Geldbeutel und wäre doch froh gewesen, wenn ich diese bei einem Verlust wiederbekommen hätte, aber ob ich dann einen entspr. Finderlohn abgegegen hätte find ich mehr als Fragwürdig. Eher hätte ich mir die Adresse notiert und dem Finder anders gedankt. Ich hab mal von einem netten Menschen, dessen Geldbeutel ich fand ein Jahreslos für die Aktion Mensch bekommen. Das fand ich im Gegensatz zu Geld eine sehr schöne Idee. Aber notwendig war das bestimmt auch nicht.

Nur meine Meinung.

Gruß
Steffen

oh
Hallo Markuss,

haben Dir die Antworten im Brett „allgemeine Rechtsfragen“ nicht behagt?

Freundliche Grüsse
Anonym

Hi.

Huhu,

also ich bin auch so eine ehrliche Haut, und erwarte von dem anderen keine Gegenleistung von denen. Der glückliche Ausdruck in den Gesichtern reicht mir meistens.

Mir wurde auch schon mein Geldbeutel wieder gebracht, von zwei 13 Jährigen, den ich es nie zugetraut hätte, und habe ihn Geld in die Hand gedrückt, darüber waren sie sehr überrascht, sie hatten wohl auch nicht mit etwas gerechenet. Ich hatte zwar kein Geld in der Börse, aber sämtliche Geldkarten, Ausweise usw. Dafür bin ich dankbar, das ich sie wieder habe und nicht wegen der Kohle.

Man sollte einfach keine Erwartungen haben, dass man dafür etwas bekommt, darauf ist die Gesellschaft wohl heutzutage immer aus.

Nach dem Motto: Was hab ich davon, wenn ich das und das mache?

Gruß Wölkchen

Hallo Markus.

zu Hauf hat, daher auch der hohe Betrag). Ich brachte es ihm
also zurück, und erhielt nur ein „Danke“. Kein Finderlohn.
Okay, dachte ich, ist ja auch mein Kollege. Finderlohn wäre
schön gewesen… Aber… Pustekuchen!

Hm, ein „Danke“ ist Dir nichts wert? Wenn Du so scharf auf’s Geld bist, dann steck das nächste Mal die Börse doch einfach ein, dann mußt Du Dich nicht über fehlenden Finderlohn ärgern :wink:

Keinen einzigen Cent! :frowning:

Ich bezweifle stark, daß Du mit einem Cent zufrieden gewesen wärst.

Ich habe auch mal meine Geldbörse verloren und wurde dann nach einer, für mich kurzen Nacht, morgens um 8 aus meinem Hotelzimmer geklingelt. Die edlen Finder bestanden nämlich darauf, die Geldbörse persönlich auszuhändigen und nicht an der Rezeption abzugeben (ich war dem Hotelbesitzer persönlich bekannt!). So mußte ich also total verschlafen (und verkatert :wink: ) in die Hotelhalle tapern und meine (wohlgemerkt bis auf Papiere und Kreditkarten leere) Geldbörse den gierigen Händen der Finder entreißen :wink: Mein ehrlich gemeintes Dankeschön war denen offensichtlich auch nicht genug, das fand ich ziemlich unverschämt!

Gruß
Frauke

Ich versteh die Lamentiererei auch nicht. Ein herzlich gemeintes Danke ist doch auch was wert, meine ich.

Ich habe vor einigen Wochen eine Laptop-Tasche im Gebüsch gefunden. Darin ein paar Fachbücher (teuer!), Seminarunterlagen und -mitschriften, und zum Glück ein paar Visitenkarten. Ich habe sämtliche Telefonnummern des durchgewählt und hatte endlich auch den „Verlierer“ an der Stippe. Der erzählte, dass ihm die Tasche aus dem Auto geklaut worden war, wahrscheinlich hatten die Diebe gehofft, einen Laptop abzugreifen.

Er holte sich die Tasche abends bei mir ab und dankte mir mit einer Flasche Sekt. Jeden anderen Finderlohn hätte ich abgelehnt, ich weiß selber, wie blöde es ist, Fachbücher zu verlieren. Aber den Sekt habe ich gerne genommen, war eine nette Geste.

Mir kommen die Tränen!

Du stellst deine Ehrlichkeit hier also etwas Besonderes dar, dabei wäre die Alternative (rechtswidrige) Unehrlichkeit gewesen.

Da kannst du gleich den ganzen Tag durch die Gegend rennen und heulend erklären: Ich bin soooo ehrlich, ich klaue nicht, ich betrüge nicht, seht her, ich bin so toll!

Albern.

Levay

Oberschlaumeier

haben Dir die Antworten im Brett „allgemeine Rechtsfragen“
nicht behagt?

Deinen Beitrag kann ich nur so interpretieren, dass du dich hier als Oberschlaumeier outen willlst, nach dem Motto „Haha, hab dich in 2 Brettern mit dem gleichen Thema gefunden!“.
Das ist mir soooo egal wie sonst was…

Ob mir die rechtlichem Antworten ‚behagen‘ oder nicht, interessiert in diesem Brett nicht. Das eine ist der rechtliche Aspekt (‚allgemeine Rechtsfragen‘), das andere (‚Storys‘) ist eine Diskussionsanregung zum (sozialen) Verhalten des Finders und – nicht zu vergessen – das desjenigen, der sein Geld verloren hat.

Mal ehrlich: Wenn du bei Rot über die Ampel gehst (ich unterstelle dir einfach mal, dass du das schon mindestens einmal in deinem Leben gemacht hast), geht es dir wohl auch nicht (ausschließlich) darum, dass es ein Ordnungwidrigkeit ist, sondern vielleicht, ob das Überqueren bei Rot angebracht ist, wenn neben dir Kinder stehen.

☼ Markuss ☼

Du stellst deine Ehrlichkeit hier also etwas Besonderes dar,
dabei wäre die Alternative (rechtswidrige) Unehrlichkeit
gewesen.

Tut mir leid, dass ich widersprechen muss.
Ich habe meine Ehrlichkeit nicht als etwas Besonderes dargestellt. Das entspringt vielmehr deiner Phantasie. Ehrlichkeit ist für mich etwas Normales (auch wenn ich zur Zeit meine Zweifel äußere).

Da kannst du gleich den ganzen Tag durch die Gegend rennen und
heulend erklären: Ich bin soooo ehrlich, ich klaue nicht, ich
betrüge nicht, seht her, ich bin so toll!

Albern.

Genau: Total albern ist dieser Satz von dir.
Du hast es anscheinend nicht begriffen: Es geht nicht um meine ‚achsotolle Ehrlichkeit‘, sondern um das prinzipielle Verhalten bei Fundsachen und um das Verhalten der Geldbörsenbesitzer, wenn sie ihr Geld zurückerhalten.

☼ Markuss ☼

Ich hätte Finderlohn gegeben

Wenn Du so scharf auf’s
Geld bist, dann steck das nächste Mal die Börse doch einfach
ein, dann mußt Du Dich nicht über fehlenden Finderlohn ärgern
:wink:

Ich bin nicht ‚scharf‘ auf das Geld, aber eine kleine Anerkennung hätte ich als gerechtfertigt gesehen.
Wenn ich derjenige gewesen wäre, der seine verlorene Geldbörse zurückbekommen hätte, ich hätte auf jeden Fall dem Finder neben einem ‚Danke‘ eine Belohnung gegeben! Denn ich wäre sehr dankbar, wenn mir jemand den Verlust von 300 Euro nebst Papieren und EC-Karten durch seine Ehrlichkeit erspart.
Das ist doch eine Milchmädchenrechnung: Ist der Finder nicht ehrlich habe ich 300 Euro Verlust, muss meine Bankkarten sperren lassen, neue besorgen, neuen Perso beantragen und bezahlen und, und, und…
Alternative: Ist der Finder ehrlich, hat er mich davor bewahrt; da verkrafte ich gerne einen Finderlohn!

☼ Markuss ☼

Hi.

Huhu,

also ich bin auch so eine ehrliche Haut, und erwarte von dem
anderen keine Gegenleistung von denen. Der glückliche Ausdruck
in den Gesichtern reicht mir meistens.

Mir wurde auch schon mein Geldbeutel wieder gebracht, von zwei
13 Jährigen, den ich es nie zugetraut hätte, und habe ihn Geld
in die Hand gedrückt, darüber waren sie sehr überrascht, sie
hatten wohl auch nicht mit etwas gerechenet. Ich hatte zwar
kein Geld in der Börse, aber sämtliche Geldkarten, Ausweise
usw. Dafür bin ich dankbar, das ich sie wieder habe und nicht
wegen der Kohle.

Man sollte einfach keine Erwartungen haben, dass man dafür
etwas bekommt, darauf ist die Gesellschaft wohl heutzutage
immer aus.

Nach dem Motto: Was hab ich davon, wenn ich das und das mache?

Das ist mir zu simpel.
Eigenartigerweise wird hier in der Diskussion ausschließlich die Frage gestellt, was der Finder zu tun hat (keinen Finderlohn erwarten etc.). Es wird aber nicht die andere Seite beleuchtet, nämlich, ob derjenige, der sein Geld zurückbekommt, vielleicht sein Verhalten ändern könnte (z.B. kleine Anerkennung, Finderlohn, oder eine kleine Sektflasche, wie hier schon mal erwähnt wurde). Dass in deinem Beipiel die 13-Jährigen über den Finderlohn überrascht waren, zeigt doch, dass man solche ehrlichen Finder auch glücklich machen kann, eben mit einer Belohnung. So ist nicht nur der Verlierer glücklich, sondern auch der Finder!

☼ Markuss ☼

Hallo,

ich finde es eher bedenklich dass du dir überhaupt die Frage
stellst, ob du etwas gefundenes zurückgeben sollst.

Ja, in der Tat, es ist bedenklich. Für mich ist Ehrlichkeit auch ein oberstes Prinzip, nach wie vor.
Dennoch sind mir einfach Zweifel gekommen, die ich hier zur Diskussion gestellt habe.

Wenn du die Geldbörse findest und meinst,
dass es dir zuviel Aufwand ist, den Besitzer ausfindig zu
machen, dann gib sie im Büro eurem Empfang, im Geschäft einem
Verkäufer oder auf der Straße der Polizei.
Es ist ja nicht so, dass du einen Tag schwere Arbeit leisten
musstest, um die Geldbörse zu finden und wieder loszuwerden.

Error!
Hab ich mich irgendwo über einen Aufwand beschwert…? Nein.

Ich habe mal vor meiner Haustür einen Personalausweis einer jungen Frau gefunden. Daraufhin habe ich nach langer Internetsuche eine Telefonnummer dieser Frau ausfindig gemacht. Der Anruf ergab, dass die Frau inzwischen eine ander Telefonnummer hat. Mehrere zusätzliche Telefonate quer durch Deutschland waren nötig, um schließlich ihre richtige Nummer zu ermitteln. Endlich hatte ich sie an der Strippe…

Du siehst, dass ich als Finder weder Kosten noch Mühe scheue, den Besitzer ausfindig zu machen.

Nebenbei, wen es interessiert: Es stellte sich heraus, dass der Frau vor 6 Jahren (!!) bei einem Aufenthalt in meiner Satdt ihre Handtasche geklaut wurde. Darin war u.a. ihr Personalausweis und ihr Handy. Die Tasche fand man einige Tage später in einem Gebüsch: leer. Geld weg, Papiere weg, Handy weg. Mehrmals versuchte sie ihr Handy anzurufen. Sie erreichte tatsächlich den Dieb, und versuchte so, zumindest ihren Perso zu bekommen. Wie man sich denken kann ohne Erfolg. Und 6 Jahre später taucht ihr (inzwischen abgelaufener) Perso vor meiner Tür auf… Sehr mysteriös…

Ich hab mal von einem netten Menschen, dessen
Geldbeutel ich fand ein Jahreslos für die Aktion Mensch
bekommen. Das fand ich im Gegensatz zu Geld eine sehr schöne
Idee.

Eben. Das ist doch ein netter und dazu überaus sinnvoller Finderlohn!
Werde ich mir merken.

☼ Markuss ☼

Ist doch ganz einfach
Hi,

ich glaube, das Thema wird gerade weiter oben heiss diskutiert.

Schauste mal in der BGB § 971:

„Der Finder kann vom Empfangsberechtigten einen Finderlohn verlangen“.
In Klartext : Bei Beträgen bis 500 EUR, 5 Prozent, darüber 3 Prozent.
Die Möglichkeit, den Finderlohn einzuklagen, gibt es auch.

Nu mal zu Deinen Fällen :

Fall 1 - Finden von Geldbörse im Büro:
Nu, von einem Kollegen würde ich auch keinen Finderlohn verlangen. Gehört sich irgendwie nicht (meine Meinung ist eher subjektiver Art).

Fall 2 - Finden von Geldbörse in Kaufhaus:
Hier hätte ich an Deiner Stelle das Thema klar angesprochen und auf den Finderlohn bestanden.

Fall 2 ist einer Bekannten von mir mal passiert.
Da wollte der Eigentümer auch mit einem „Danke“ abzischen,
hat sie aber nicht zugelassen und ihn den Finderlohn abdrücken lassen.

Ergo :
Bleib’ ehrlich, bleib kollegial aber etwas mehr Durchsetzungsvermögen würde Dir gut tun.
Also nächstes mal ruhig schön direkt werden.
Manche Leute brauchen da etwas „Unterstützung“, um ihrer Dankbarkeit den richtigen Ausdruck verleihen zu können.
:wink:

Gruß

Chris

Hi,Markuss -Christian schreibt’s auf: Der Finderlohn ist gesetzlich verankert. Hab ich mal gelernt, als ich mein Portemonnaie mit 500 Mark (wollte Teppich kaufen) verloren hatte. Hat mir ein junges Mädchen zurückgebracht und DM 50 von mir bekommen.
IST DOCH KLAR! Lieber 50 „verlieren“ als alles, und beiden ist geholfen, alles Andere kann ich einfach nicht verstehen.
Vom Ärger mit den Papieren mal ganz abgesehen.
Als ich dann die Verlustanzeige aufheben wollte, musste ich einen Beleg über den gezahlten Finderlohn vorlegen. Naja, so was das 1985 ungefähr…