Fabel: Die Regenbogenforelle

Die Regenbogenforelle

Als der liebe Gott die Tiere erschuf, hatten sie zunächst noch keine Farben. Also setzte er einen Tag fest, an dem sie alle anmalen wollte.

Als die Fische an die Reihe kamen, sammelte er sie in einem Flussdelta: hier konnten sich Süßwasser- und Salzwasserfische gleichermaßen aufhalten. Der liebe Gott packte seinen großen himmlischen Malkasten aus, darin wurden die prächtigsten, leuchtendsten Farben sichtbar – gemeinsam mit anderen, gedämpften und eher unscheinbaren. Da nun alle Fische versammelt waren, machte er sich ans Werk: Er tauchte seinen Pinsel in den Farbkasten und ließ seiner Phantasie freien Lauf, während er einem Fisch nach dem anderen seine ganz eigene Zeichnung gab.

Doch halt! Waren wirklich alle Fische gekommen? Nein! Die Regenbogenforelle, damals noch grau und farblos, tanzte mit den glitzernden Sonnenstrahlen, die ins plätschernde Wasser fielen, um die Wette. Darob hatte sie völlig die Zeit vergessen!
Plötzlich bemerkte sie: Sie war allein! Wo mochten wohl alle anderen Fische geblieben sein? Da fiel ihr siedendheiß ein: Heute war der Anmaltag!!!

Mit schnellen, hastigen Flossenbewegungen flitzte sie den Bach hinunter, weiter in den Strom und weiter und weiter, bis sie endlich, erschöpft und außer Atem, das Delta erreichte. Schon von weitem konnte sie den fröhlichen Tumult sehen, den die bunten Fische in ihrer Freude aufführten. Die Regenbogenforelle schwamm zum Ufer, hob ihr Köpfchen über die Wasseroberfläche und bat kleinlaut: „Darf ich bitte auch ein farbiges Schuppenkleid haben?“

Der liebe Gott, gerade am Zusammenpacken, erschrak. „Wo kommst denn du her? Warst du nicht da, als ich alle Fische anmalte?“ Und dann sah er in seinen Malkasten – doch der war leer, als hätte ihn jemand ausgeleckt. Auch der Pinsel hatte keinen Tupfen Farbe mehr in seinen Borsten, und so bedauerte der liebe Gott: „Ich kann nichts mehr für dich tun, meine Farbe ist leider aus!“

Da begann die Forelle laut und herzerweichend zu schluchzen, dass es weithin vernehmbar war. Die Tiere des Feldes und die Vögel in der Luft hörten das bitterliche Weinen und kamen zu dem Ufer, um die Ursache zu erfahren.
Als sie die traurige Geschichte hörten, wurden sie so von Mitleid ergriffen, dass auch sie in dieses Schluchzen einstimmten, und bald fielen dicke Tränen vom Himmel.

Da! Das Sonnenlicht brach sich in den Tropfen, und plötzlich erschien ein Regenbogen! Ein wunderschöner, prächtiger Regenbogen!
Die Gesichtszüge des lieben Gottes erhellten sich, er nahm seinen großen Pinsel, tauchte ihn großzügig in die verschwenderischen Farben ein und malte hingebungsvoll der kleinen Forelle ein hübsches Schuppenkleid. Nun war sie mindestens ebenso schön wie all die anderen Fische!

So hat das Mitgefühl der Tiere der kleinen Forelle aus ihrer Not geholfen!

Hanna

Ned schlecht…Ist das von Dir?

(oder nur gut kopiert?)

Und die Lehre aus der Geschichte??? Wer zu spät kommt kriegt das Beste???

Das is ja fast wie beim Märchen „der Froschkönig“. Sei schlecht zu Tieren, dann gibts nen Prinzen…

Gruss Elmar

Hallo Elmar!

Ned schlecht…Ist das von Dir?

(oder nur gut kopiert?)

Nein, das ist tatsächlich ganz und gar von mir.
Meine Tochter musste für die Schule eine Fabel erfinden, da habe ich mir den Kopf zerbrochen und diese Geschichte entwickelt.

Ich habe auch noch eine zweite Fabel geschrieben, die ich auch einmal hier veröffentlichen werde; die Lehrerin verlangte nämlich zwei (eine als Hausübung, eine zur Klassenarbeit).
Da die Kinder bereits im Vorfeld wussten, dass zur Klassenarbeit eine selbsterfundene Fabel kommen würde, habe ich mir eben auch eine zweite ausgedacht - und meine Tochter hat sie (eifrig, eifrig!) auswendig gelernt und in der Schule aus dem Gedächtnis geschrieben.

Und die Lehre aus der Geschichte??? Wer zu spät kommt kriegt
das Beste???

Oder eher diese Lehre: Auch wenn es scheint, als sei alles verloren: Wenn man Freunde hat, gibt es immer einen Ausweg!

Hanna

Hi Hanna,

Meine Tochter musste für die Schule eine Fabel erfinden, da
habe ich mir den Kopf zerbrochen und diese Geschichte
entwickelt.

tststs, ob das so im Sinne des Erfinders war? *wegduck*

hat sie (eifrig, eifrig!) auswendig gelernt und in der Schule
aus dem Gedächtnis geschrieben.

Was gab’s denn für ne Note?

Oder eher diese Lehre: Auch wenn es scheint, als sei alles
verloren: Wenn man Freunde hat, gibt es immer einen Ausweg!

Dann fände ich es aber schöner, wenn die anderen Tiere der Forelle ein wenig von ihrer Farbe abgeben würden. Vielleicht der Kanarienvogel, weil die Forelle ihm mal den Weg nach Hause gezeigt hat ein wenig gelb und das Schweinchen, weil die Forelle ihm beim Waschen geholfen hat etwas rosa etc.

*wink*

Petzi

Hallo Hanna,

eine so ähnliche Fabel abe ich auch mal vor langer Zeit gelesen. Da war die Regenbogenforelle allerdings ein Buntspecht.

Kennst Du die Kolumne von Umberto Eco, in der er über ein Computerprogramm berichtet, das dazu geschrieben wurde, neue Fabeln zu erfinden?

Viele Grüße
Stefan

Hi Petzi,

Du hast immerhin erkannt, dass die Aufgaben nicht für die Eltern der Schüler gedacht sind:

Meine Tochter musste für die Schule eine Fabel erfinden, da
habe ich mir den Kopf zerbrochen und diese Geschichte
entwickelt.

tststs, ob das so im Sinne des Erfinders war? *wegduck*

Musst Dich nicht wegducken: Hanna ist so von ihrer Kreativität begeistert, dass sie gar nicht gemerkt hat, dass sie sie ihrer Tochter damit keinen Gefallen getan hat.

hat sie (eifrig, eifrig!) auswendig gelernt und in der Schule
aus dem Gedächtnis geschrieben.

Was gab’s denn für ne Note?

Kann sie Dir doch nicht verraten, nachdem Du sie nun dergestalt bloßgestellt hast.

Mein Vater war so ähnlich wie Hanna veranlagt. Als wir in der 3. Klasse in einer Dorfschule einen Hahn malen sollten, machte das prompt mein Vater für mich. Ich hatte ihn nur gefragt, wie ich das machen sollte.- In der Schule angekommen hatte ich zwar den schönsten Hahn von allen, aber die schlechteste Note: Der Lehrer hat den Schmuh sofort erkannt und den Hahn mit einer 6 bewertet…

Es gibt sie also noch, die guten Lehrer!

Gruß
®_ichard_

Hallo Petzi!

Meine Tochter musste für die Schule eine Fabel erfinden, da
habe ich mir den Kopf zerbrochen und diese Geschichte
entwickelt.

tststs, ob das so im Sinne des Erfinders war? *wegduck*

Ich finde es arg, Zehnjährigen eine Fabel abzuverlangen. Echt.

hat sie (eifrig, eifrig!) auswendig gelernt und in der Schule
aus dem Gedächtnis geschrieben.

Was gab’s denn für ne Note?

Das war die Hausübung, die wird nicht benotet.

Oder eher diese Lehre: Auch wenn es scheint, als sei alles
verloren: Wenn man Freunde hat, gibt es immer einen Ausweg!

Dann fände ich es aber schöner, wenn die anderen Tiere der
Forelle ein wenig von ihrer Farbe abgeben würden. Vielleicht
der Kanarienvogel, weil die Forelle ihm mal den Weg nach Hause
gezeigt hat ein wenig gelb und das Schweinchen, weil die
Forelle ihm beim Waschen geholfen hat etwas rosa etc.

Ja, sicher wär das schön gewesen - aber ich wollte doch UNBEDINGT, dass die Forelle ihre Farben aus dem Regenbogen bezieht!!!

Hanna