Tagebuch einer Frau die nicht abgetrieben hat
Von: , Frage gestellt am Do, 1. Jun 2006
Ich habe letztens in der U Bahn von irgendsoeinem Tween ein Flugblatt gegen Abtreibungen in die Hand gedrückt bekommen auf dem stand: "Tagebuch eines ungeborenen Kindes". Als bekennender Kirchehasser (gegen Gläubige an sich habe ich aber nichts) und Atheist kam mir da die Idee hierfür. Über mögliche inhaltliche Fehler bitte hinwegsehen. Ich kenne mich zum Thema Schwangerschaften nicht so ganz aus. Die Fehler können wir dann ja noch korrigieren
Tagebuch von Lisa, einem 15 Jahre alten Mädchen das nicht abgetrieben hat.
1. Tag: Ich hatte heute eine wundervolle Nacht mit Robert. Wir lagen zusammen im Bett und liebten uns, wenngleich ich eigentlich nicht wollte und mich gewehrt hatte, aber Robert zwang mich einfach ins Bett. Ich liebe Robert aber trotzdem. Dennoch bereue ich, was ich getan habe, denn Liebe vor der Heirat ist Sünde. Ich werde morgen zu Vater Gregor gehen, um zu beichten. Ich weiß, dass Gott mir vergeben wird.
2. Tag: Vater Gregor hat gesagt, meine Sünden seien vergeben, wenn ich zu Gott bete. Ich habe es getan und bin mir sicher er hat mir vergeben. Ich habe heute im Fernsehen Demonstrationen gegen Abtreibungsärzte gesehen. Ich wünschte ich könnte zu den Protestierenden gehen und mit ihnen zusammen vor der Klinik zu schreien.
1. Woche: Mir wird ständig schlecht. Ich habe vorsichtshalber einen Schwangerschaftstest gemacht. Er verlief positiv. Ich weiß nicht genau was ich denken soll. Aber ich werde das Kind austragen und zusammen mit Robert großziehen. Ich liebe ihn. Ich will zusammen mit ihm alt werden. Wir kennen uns seit wir uns einmal nach der Kirche getroffen haben und ich wusste gleich, dass er der Richtige ist. Ich werde das Baby auf keinen Fall abtreiben, ich bin keine Kindsmörderin, sondern freue mich schon auf mein Kind. Das habe ich Robert auch stolz gesagt. Er sah aber irgendwie anders aus.
2. Woche: Ich habe Robert mit Miriam küssen sehen. Ich habe ihn sofort gefragt, warum er das tut, aber er wandte sich sofort wieder Miriam zu. Für mich brach heute eine Welt zusammen. Ich glaube Gott will mich wegen meiner Sünde strafen. Aber ich verstehe nicht, warum er mir das antut und nicht Robert. Immerhin hat er ebenfalls gesündigt und mich sogar dazu gezwungen. Vater Robert sagt, Gott straft alle Frauen, weil Eva ebenfalls gesündigt hat und einen Apfel gegessen hat. Ich weiß nicht, warum Gott deswegen so ein Theater macht. Männer essen schließlich auch Äpfel.
5. Monat: Mein Bauch wird immer dicker und runder. Ich mache mir aber deswegen keine Sorgen, schließlich hat Mutter mir versprochen, beim Großziehen zu helfen. Ich wüsste nicht, was ich ohne sie machen sollte. Mutter hat 2 Jobs und verdient damit genug, um uns beide zu versorgen. Vater verließ Mutter drei Jahre nach meiner Geburt. Ich hasse ihn obwohl ich ihn nicht kenne. Ich weiß, es ist Sünde, jemanden zu hassen, vor allem, wenn es sein eigener Vater ist. Man soll jeden lieben wie sich selbst, sagt Vater Gregor immer. Manchmal denke ich von ihm, er sei mein Vater, weil er sich so rührend um mich kümmert, genauso wie um jeden aus der Gemeinde. Aber Mutter hasst Vater auch. Mittlerweile erinnert er mich an Robert. In der Schule lachen alle über mich, weil ich so einen dicken Bauch habe. Auch Robert, aber seltener als die Anderen. Ich sehe das als ein gutes Zeichen. Er wird zu mir zurückkehren. Ich vertraue darauf. Ich vertraue darauf, dass Gott mir vergibt, Robert zu mir zurückführt und wir beide ein schönes Leben führen werden. Aber in der Kirche schauen alle mit großen Augen mich und meinen dicken Bauch an. Jedesmal wenn ich in eines dieser Augenpaare sehe, fühle ich einen Vorwurf, aber warum. Ich dachte Gott hätte mir vergeben. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Jeden Tag hören sie doch von Pater Gregor, sie sollen jeden ihrer Mitmenschen lieben wie sich selbst. Vielleicht hassen sie sich selbst. Ich werde beten, dass sie damit aufhören.
8. Monat und 2 Wochen: Mein Bauch ist mehr als doppelt so dick wie vor 9 Monaten. Jedem, dem ich bei dem Anblick früher noch sagen konnte, ich würde gerade etwas zu viel essen und versuchen das überflüssige Gewicht durch Sport zu verlieren, lacht jetzt nur noch darüber. In der Schule möchte niemand mehr etwas mit mir zu tun haben. Meine Freundinnen tuscheln hinter meinem Rücken oder wenn ich etwas von ihnen weg bin, was jetzt immer häufiger passiert, weil sie immer weggehen wenn ich mich zu ihnen setze. So viele Menschen zeigen auf mich wenn ich mit meinem dicken Bauch auf die Straße gehe oder in Geschäften stöbere, in denen ich schon oft lange nach besonders schicken Kleidern gesucht habe. Jedesmal wenn sie über mich tuscheln, wünschte ich, jemand wäre da und würde mir helfen. Aber es ist niemand da: Robert küsst mit Miriam, Mutter muss arbeiten und Vater Gregor beschimpft gerade abtreibende Ärzte. Aber ich bin nie allein, denn mein Kind ist stets bei mir. Ich habe mir bereits Gedanken über seinen Namen gemacht: Wenn er ein Junge wird, werde ich ihn Adam nennen, und wenn es ein Mädchen ist, werde ich sie Eva nennen. Diese beiden biblischen Menschen haben mir in der letzten Zeit so verwirrt und zu denken gegeben, dass ich kaum mehr an etwas anderes denken kann.
9. Monat und etwa 1 Woche: Das Baby ist endlich gekommen. Er ist ein Junge. Adam ist unglaublich. Ich bin froh ihn nicht getötet zu haben. Er hat so ein wundervolles Gesicht und wiegt 2586 Gramm.
9. Monat und etwa 3 Wochen: Die Ärzte haben gesagt, Adam hätte einen Gendefekt. Ich habe mal gehört, dass bei einer Schwangeren mit viel Stress, die Gefahr von Gendefekten größer sei. Ich hasse alle die mich so schlecht behandelt haben. Aber man soll jedem seine Sünden vergeben und lieben wie sich selbst. Ich werde morgen das Krankenhaus zusammen mit Adam verlassen und mich zuhause zusammen mit Mutter um ihn kümmern.
10. Monat: Mutter ist fast nie zuhause und darum muss ich mich allein um Adam kümmern. In der Kirche und der Schule war ich seit fast einem Monat nicht mehr. Inzwischen waren Polizisten hier um mich in die Schule zu bringen. Als ich ihnen aber von meiner Pflicht als Mutter erzählte(was sie erst glaubten, als ich ihnen Adam zeigte) waren sie sich nicht sicher was sie tun sollten. Schließlich mussten sie aber wieder gehen, da Adam nicht allein zuhause gelassen werden konnte. Ich stehe kurz vor der Verzweiflung und weiß einfach nicht mehr weiter. Vater Gregor habe ich nicht mehr gesehen, seit ich vor einem Monat zuletzt in die Kirche gegangen war. Und Robert war vor 10 Monaten zuletzt hier. Der Gedanke daran, dass er sich um nichts kümmert, ich aber nicht vor meiner Verantwortung fliehen kann, macht mich wütend.
10. Monat und 4 Tage: Ich habe Robert, wie ich ihn jetzt nenne (der erstbeste Name der mir einfiel und ausreichend wenig mit Kirche zu tun hatte) in einem Krankenhaus abgegeben. Während ich ihn dorthin brachte, war gerade schon wieder eine Demonstration gegen Abtreibungen. Ich drängte mich durch die Menge und hoffte, dass niemand von ihnen mein Kind sehen würde. Schließlich erkannte mich Pater Gregor. Als er fragte, ob ich beim Demonstrieren mitmachen wollte habe ich ihm eine gescheuert. Bevor er wieder zu sich kam, war ich wieder aus der Menge verschwunden und rannte Richtung Babyklappe wo mich alle Demonstranten sahen. Ich wollte nicht das Risiko eingehen, dass einer von diesen Idioten das Kind nähme und darum musste ich das Kind persönlich am Empfang abgeben und sagte der Schwester, dass man Robert bloß nicht an eine strenggläubige Familie geben solle. Als ich das Krankenhaus verließ, versammelten sich sofort die Demonstranten um mich und schrien auf mich ein. Ich habe in dem Lärm kein einziges Wort verstanden, manche schlugen mich aber auf den Rücken. Ich drehte mich nicht um, sondern versuchte so schnell wie möglich aus der Menge herauszukommen. Als ich raus war schaute ich hin. Zwei oder drei von ihnen sah ich wie sie in das haus gingen. Ich hoffe, dass die Empfangsschwester tut was ich ihr gesagt habe. Das beten hatte ich vor zwei Tagen aufgegeben.
10. Monat und 5 Tage: Diese Nacht konnte ich nicht schlafen. Die ganze Zeit geisterte das Wort Hospitalismus, das ich früher im Biologieutnerricht gehört hatte, in meinem Kopf dennoch war es die ruhigste Nacht seit sehr langer Zeit.
