Wie findet ihr das?

Hallo zusammen!
Mir ist mal eben folgende Szene eingefallen, die ich mal eben aufgeschrieben habe. Ist sowas langweilig? Wie kann man es spannender machen?
Leider weiß ich nicht, wie die Handlung weiter gehen könnte. Hat jemand vielleicht eine Idee?
Die Gedanken der Protagonistin sind eigentlich kursiv und die Absätze eingerückt.
Herzliche sächsische Grüße
mifune

Bevor sie sich aufmachte hinaus auf die große, kreisrunde Bühne zu gehen, prüfte sie noch einmal das Mikrofon vor ihrem Mund. Das Headset hatte ihr vorhin ein gehetzt dreinblickender Mann überreicht und ihr kurz erklärt, wie man es bedienen musste. Sie kannte sich damit aus. Für den Zuschauer unhörbar konnte jemand sie darüber an den Dialogtext erinnern oder ihr auch kurzfristige Änderungen im Programmablauf übermitteln. Das Mikrofon war an einer hautfarbenen Halterung befestigt, welche eng an ihrer Wange zum Mund führte. Sie schaute hinüber zu den zwei schweren, dunkelroten Vorhängen, die den Vorbereitungsraum von der Hauptbühne trennten. Seitlich saß bei spärlichem Licht einer Leselampe der Techniker auf einem kleinen schwarzen Hocker. Vor ihm stand ein Mischpult mit verschiedenen kleinen Lampen, die, je nachdem wie die Schalter für Beleuchtung und Vorhänge, Mikrofone und Lautsprecher bewegt wurden, aufflammten oder erloschen. Über dem Ausgang, der in den Flur zu den Kabinen und Probesälen führte, leuchtete blutrot das Schild für den Fluchtweg bei Notfällen. So weit sie weiß, hatte es an diesem Theater noch nie einen gegeben. Nur einmal hatte ein Gewitter die Elektrik lahm gelegt. Einige Vorstellungen sind damals ausgefallen oder verschoben worden und die Theatergruppe hatte im Dunkeln proben müssen, was plötzlich ganz neue Möglichkeiten in der Interaktion untereinander eröffnet hatte. Außer dem Techniker waren noch ein Dutzend weitere Personen hinter dem Bühnenvorhang. Bühnenarbeiter, die Putzfrau und verschiedene Schauspieler.
Die gedämpften Stimmen erinnerten sie an ihren Auftritt. In wenigen Minuten war Vorstellungsbeginn und vom Saal drangen die lauten Unterhaltungen der Zuschauer herein. Eine Frau prüfte noch einmal ihr Make-up und ihre Kleidung – ein enger blauer Rock mit gleichfarbiger Bluse. Der Direktor, immer mit einem Ohr am Vorhang und ständigem Blickwechsel mit der Uhr, deutete ihr an, sie solle sich bereithalten. Sie atmete noch einmal tief durch. Der Techniker prüfte mit ihr das Mikrofon. Sie konnte seine raue Stimme klar hören. Der Mann reckte den Daumen in die Luft. Sie nickte. Ihre Stimme war ebenfalls laut und deutlich zu hören. Der Programmleiter gab ihr das Signal und wünschte ihr noch gutes Gelingen. Der Techniker ließ eine ruhige Musik abspielen und im Saal erlosch langsam das Deckenlicht – vorsichtig, als wolle man die Zuschauer nicht mit plötzlicher Dunkelheit überraschen. Der Lichttechniker am hinteren Ende des Saals richtete seinen Spot-Scheinwerfer auf die Mitte der Bühne. Sie ging langsam auf den Vorhang zu, schob den schweren Stoff zur Seite und blinzelte etwas im grellen Licht, bemühte sich aber trotzdem freundlich in die Zuschauermenge zu blicken, die jetzt in lauten Beifall ausbrach. Sie trat auf die Bühne, der Vorhang schlug hinter ihr wieder zusammen. In Momenten wie diesen war ihre Aufregung am größten. Die Nackenmuskeln angespannt, die linke Hand zur Faust hinter ihrem Rücken verkrampft. Am Theater und an den Schulen für Schauspielkunst, die sie absolviert hatte, lernt man mit solchen Momenten umzugehen. Mit der Zeit hatte sich bei ihr eine gewisse Routine eingestellt und sie verspürte nicht mehr ganz so drastisch die Angst vor Auftritten wie zu Beginn ihrer Karriere. Dieser Abend unterschied sich jedoch in jeder Hinsicht von den Vorstellungen anderer Tage. Diesmal stand sie als Moderatorin einer neumodischen Umsetzung des bekannten Dramas des Dr. Faust auf der Bühne und schien mit der neuen Aufgabe nicht vertraut zu sein, obwohl sie schon viele Stunden vor Zuschauern verbracht hatte. Sie versuchte in der Menge ihre Freundin Jane ausfindig zu machen. Ihr Platz war auf der linken Seite direkt am Mittelgang. Sie hatte Jane auf dem Campus kennen gelernt und seitdem sah man sie sehr selten nicht zu zweit. Nach dem Tod ihrer Eltern ist Jane für sie nicht nur zu einer guten Freundin, sondern zu ihrer Familie geworden. Und bei Auftritten wie diesen war sie froh Jane unter den Zuschauern zu wissen.
Ein leises Knacken in ihrem Ohrhörer riss sie aus ihren Gedanken. Der Programmleiter? Gab es jetzt schon Änderungen, bevor die Show überhaupt beginnen konnte? Das konnte sie sich nicht vorstellen. Die Stimme, die kurz darauf in ihrem Ohr zu hören war, ließ sie unmerklich aufschrecken. Die dunkle Stimme eines Mannes. Es war schwer das Alter eines Menschen am Klang seiner Stimme zu erraten. Sie schätzte es auf vierzig. Der Mann konnte aber auch zehn Jahre jünger sein. Sie hatte die Stimme noch nie gehört und doch kam sie ihr bekannt vor. Die Worte klangen in ihrem Ohr kalt. Aus ihnen war eine gewisse Höflichkeit nicht zu überhören. Diese war nicht gespielt, das hörte sie gleich.
„Einen schönen Guten Abend wünsche ich Ihnen, Miss Hall. Ich weiß, sie kennen mich nicht. Ich kann Ihnen leider nicht meinen Namen sagen. Dafür haben Sie sicherlich Verständnis, da bin ich mir sicher. Sie werden jetzt ganz genau meinen Anweisungen folgen.“ Hier machte der Unbekannte eine kurze Pause. „Wenn sie nur ein bisschen davon abweichen, wird ihre Begleiterin nicht mehr zu Ihnen zurückkehren und Sie werden sie nicht wieder sehen.“
Jane! Sie erstarrte. Ihre Lippen bebten. Das Lächeln verschwand. Die Hitze der grellen Scheinwerfer war plötzlich unerträglich. Sie schauderte. Kalter Angstschweiß lief über ihren Rücken. Etwas in dieser Art hatte sie noch nie erlebt. Ihr wurde es heiß und kalt zugleich. Verzweifelt versuchte sie in dem Raum Jane zu finden. Mit hektischen Blicken suchte sie die Reihen ab. Sie sah niemanden. Der Raum schien leer zu sein und doch war er bis auf wenige Plätze besetzt. Sie sah nur schwarz, und doch wurde sie von gleißendem Licht geblendet. Unsicher wandte sie sich nach hinten in die Richtung, in die sie den Techniker vermutete.
„Es hat keinen Sinn. Er kann uns nicht hören“, sagte da die Stimme, als hätte diese ihre Gedanken erraten. Sie fuhr herum und starrte in die Zuschauermenge. Kann der geheimnisvolle Mann mich sehen? Sitzt er unter den Zuschauern? Sie versuchte erneut durch das helle Licht in die Menge zu schauen. Doch da war wieder nur diese schwarze Wand. Eine dunkle Masse von Menschen, deren Blicke auf sie gerichtet waren. Sie blickte ins Nichts. Ihr wurde schwindlig und sie bemühte sich nicht die Fassung zu verlieren. Plötzlich fühlte sie sich unheimlich hilflos und allein. Sieht man nicht in welcher Gefahr ich und Jane stecken? Sie wissen es nicht. Niemand weiß es. Ich bin allein. Was kann dieser Fremde von mir wollen? Warum gerade von mir? Was weiß er von mir? Was will er? Wo ist Jane? Gedanken von gewaltvollen und grausamen Entführungen blitzten ihr durch den Kopf. Entführungen und Erpressungen gab es schon viele, doch nie hatte sie jemals daran gedacht, selbst Opfer solcher Verbrechen zu werden. Erst recht nicht vor aller Öffentlichkeit. Dieser Mann ist ein Profi. Ist er allein? Wie kann er zu mir sprechen, ohne, dass der Techniker etwas davon weiß? Der Techniker! Weiß er wirklich nichts? Sie fühlte sich verraten und verlassen und auf einmal konnte sie niemandem mehr trauen. Die Bühnenarbeiter, der Direktor, der Programmleiter – alle schienen jetzt mit beteiligt zu sein. Hör auf! Das bringt nichts!
Sie stand noch immer direkt vor dem Vorhang. Die Musik wurde leiser. Im gesamten Raum kehrte erwartungsvolle Stille ein. Sie ging ein paar Schritte in die Mitte der Bühne und versuchte wieder zu lächeln. Sie dachte krampfhaft nach, rang nach Worten, aber ihr viel nichts mehr ein. Plötzlich war da eine Leere. Sie konnte nichts sagen.
„Ich verstehe, dass es für Sie unerwartet kommt. Es ist zu Ihrem Besten, Miss Hall. Und Ihrer Freundin geschieht nichts, wenn Sie zur Kooperation bereit sind.“ Zur Kooperation. Zu meinem Besten. Jane geschieht nichts. Sie wird leben. Was muss ich tun, damit sie leben darf? Es hätte komisch geklungen, hätte sie diese Frage laut ausgesprochen. Wie sollte sie antworten? Sollte sie überhaupt antworten?
„Begrüßen Sie die Zuschauer wie Sie es auch so tun würden. Jetzt!“ kam die Anweisung über das Headset. Sie tat es. Ihre Stimme schwankte leicht; sie kam ihr fremd vor, als sie ihre eigenen Worte hörte. Jene Worte, die vorgesehen waren ein knapp zweistündiges Theaterprogramm einzuläuten. Jetzt waren sie die Eröffnung für einen Albtraum und gleichzeitig die schwierigsten Worte ihres Lebens. Als sie endete, hatte sie Mühe ihr gespieltes Lächeln nicht zu verlieren und die Fassung zu bewahren. Nimm dich zusammen!
„Sprechen Sie mir nach“, befahl jetzt der Mann durch den Ohrhörer.

Hallo Mifune,

ich finde vor allem, dass Du das falsche Forum hast.
wer-weiss-was Literatur kritisiert keine Texte.

Wende Dich dafür vertrauensvoll an eines der zahlreichen Autorenforen im Netz.

Mir ist mal eben folgende Szene eingefallen, die ich mal eben
aufgeschrieben habe. Ist sowas langweilig? Wie kann man es
spannender machen?
Leider weiß ich nicht, wie die Handlung weiter gehen könnte.
Hat jemand vielleicht eine Idee?

Holla! Das ist DEINE Aufgabe.

Die Gedanken der Protagonistin sind eigentlich kursiv und die
Absätze eingerückt.

aha! Und warum kriegen wir das dann nicht zu sehen? Texte ohne Absätze lesen sich besch…

darum lese ich ihn auch nicht.

viele Grüße
Geli

Leider
unlesbarsoohnejedenabsatzdeswegenhabeichesnichtgelesentutmirleid.
Lea

Lieber Mifune,

ich habe wirklich lange überlegt, ob ich Dir antworten soll.

Du hast konstruktive Kritik erbeten.

Was ist konstruktiv?
Ein uraltes Gebüde, häßlich, halb zerfallen, unbewohnbar und deswegen auch von niemandem bewohnt. Fenster und Türen fehlen, an den Wänden blüht der Schimmel. Ein Dach ist zwar noch vorhanden, aber wenig was es bedecken und beschützen könnte.
Was also wäre da konstruktiv? Das Ding niederzureißen, um für ein neues Haus Platz zu schaffen? Oder der Versuch, eine neue Haustür einzubauen, um den Pennern den Zugang zu versperren?

So geht es mir mit Deinem Text.

Du hast unendlich viele Einzelheiten und Kleinigkeiten und Details aufgezählt und hast dabei jedes Klischee zur Sprache gebracht. Und das in einem Duktus, der den Leser oder Hörer dazu verleitet, sich zu fragen, warum er nicht lieber schwimmen gegangen ist.
Die Betrachtung eines herabrinnenden Schweißtropfens, der sich mit Sonnenöl vermischt, wäre reizvoller und kurzweiliger.

Wenn Du meinst, etwas schreiben zu müssen, dann bedenke vorher bitte, was Du mit Deinem Text willst.
Eine einfache Abfolge von Handlungen und Gedanken macht noch keine Geschichte.

Gruß - Rolf

Eine einfache Abfolge von Handlungen und Gedanken macht noch
keine Geschichte.

Vielen Dank für die freundlichen Worte. Ich sag ja, dass das nur eine Szene ist ohne jeglichen Zusammenhang. Das ich nicht Tom Clancy bin, ist mir klar.
Doch was sind Klischees? Ist das was positives? Wo hab ich sowas verwendet?

Hallo Mifune,

wie ja schon meine Vorposter geschrieben haben: so ganz ohne Absätze ist Dein Text äusserst unangenehm zu lesen. Aber das lässt sich ja leicht ändern.

Was ich gut finde ist, dass die Sache sich echt spannend anlässt - mich würde brennend interessieren, wie das weitergeht :wink:

Allerdings dachte ich beim Lesen die ganze Zeit an „pathetisch“ - erinnert mich im ganzen an deutsche Schlager… Irgendwie alles zu sülzig, zu übertrieben. Bin selber auch „nur“ Leser, darum fällt mir das ein wenig schwer, in Worte zu fassen - darum werd ich einfach ein paar Kommentare reinschreiben, okay? Sorry, das mag flachsig oder respektlos klingen - so isses nicht gemeint.

Bevor sie sich aufmachte hinaus auf die große, kreisrunde
Bühne zu gehen, prüfte sie noch einmal das Mikrofon vor ihrem
Mund.

Es interessiert mich ehrlich gesagt nicht die Bohne, ob die Bühne rund ist oder eckig. Warum nicht etwa so „Das Mikrophon sitzt“ und zum wohl hundersten Male tastete sie nach dem Dingsda in ihrem Ohr. Und wie vor jedem Auftritt…

Das Headset hatte ihr vorhin ein gehetzt dreinblickender
Mann überreicht und ihr kurz erklärt, wie man es bedienen
musste. Sie kannte sich damit aus. Für den Zuschauer unhörbar
konnte jemand sie darüber an den Dialogtext erinnern oder ihr
auch kurzfristige Änderungen im Programmablauf übermitteln.

Warum nicht eher in die Richtung, dass es ihr lästig ist, dass der Kerl ihr das Teil zum 100ten Mal erklärt?

Das Mikrofon war an einer hautfarbenen Halterung befestigt,
welche eng an ihrer Wange zum Mund führte. Sie schaute hinüber
zu den zwei schweren, dunkelroten Vorhängen, die den
Vorbereitungsraum von der Hauptbühne trennten. Seitlich saß
bei spärlichem Licht einer Leselampe der Techniker auf einem
kleinen schwarzen Hocker.

Vor ihm stand ein Mischpult mit
verschiedenen kleinen Lampen, die, je nachdem wie die Schalter
für Beleuchtung und Vorhänge, Mikrofone und Lautsprecher
bewegt wurden, aufflammten oder erloschen.

Korintenkackerei am Rande: Schalter werden geschaltet, Regler werden bedient :wink:

und die Theatergruppe hatte im Dunkeln
proben müssen, was plötzlich ganz neue Möglichkeiten in der
Interaktion untereinander eröffnet hatte.

Bist Du ganz sicher, dass das so realistisch ist? Ich glaube, wenn ich Theatergruppe wäre, dann würde ich nicht im Dunklen proben *fg*

waren noch ein Dutzend weitere Personen hinter dem
Bühnenvorhang. Bühnenarbeiter, die Putzfrau und verschiedene
Schauspieler.

Auch hier wieder: was hat denn die Putzfrau da zu suchen? Die kommt doch erst hinterher? Und mit den anderen Schauspielern: ich hab ja keine Ahnung, aber bleiben die nicht bis zuletzt in ihrer Garderobe?

Die gedämpften Stimmen erinnerten sie an ihren Auftritt.

Ach? Hätte sie den sonst vergessen :wink:

Daumen in die Luft. Sie nickte. Ihre Stimme war ebenfalls laut
und deutlich zu hören.

Oh, sie nickt so laut, dass man das hören kann :wink:

Der Programmleiter gab ihr das Signal
und wünschte ihr noch gutes Gelingen.

Signal oder Zeichen? Und ob er dann nochmal gutes Gelingen wünscht ahne ich ebenfalls nicht.

Der Techniker ließ eine
ruhige Musik abspielen

Irgendeine ruhige Musik? Oder doch die Musik, die zu dem Stück gehört und die sie in den Proben schon 100mal gehört hat? Die ihr deshalb vertraut vorkommt und Sicherheit gibt? Oder die auf einmal gaaanz anders und fremd klingt obwohl der Verstand sagt, dass es die gleiche Melodie wie in den Proben ist?

schob den schweren Stoff zur Seite und blinzelte etwas im
grellen Licht, bemühte sich aber trotzdem freundlich in die
Zuschauermenge zu blicken,

Trotz was will sie freundlich sein? Ist sie nicht routiniert genug, schon beim Wegschieben vom Vorhang das Grinsen aufzusetzen.

ausbrach. Sie trat auf die Bühne, der Vorhang schlug hinter
ihr wieder zusammen.

Der SCHLÄGT ZUSAMMEN? Und sie hat Zeit das zu bemerken? Guckt sie denn nicht ins Publikum?

In Momenten wie diesen war ihre Aufregung
am größten.

Auch hier kenne ich mich nicht aus: aber in den wenigen Situationen wo ich das zweifelhafte Vergnügen hatte auf einer Bühne zu stehen, war ich aufgeregt bis zu diesem Moment und sowie der Spot anging war alles ruhig.

Die Nackenmuskeln angespannt, die linke Hand zur
Faust hinter ihrem Rücken verkrampft.

Bist Du sicher, dass sich ein Profi (und das ist sie ja wohl) sich so hinstellen würde? Stell Dir das mal bildlich vor: Verkrampftes Grinsen, das erst dann beginnt, wenn der Spot angeht, Nackenmuskeln angespannt (also womöglich Schultern oben) und die linke Hand hinter dem Rücken zur Faust geballt. So steht ein agressiver, unerfahrener Redner da, aber kein Moderations-Profi!

Am Theater und an den
Schulen für Schauspielkunst, die sie absolviert hatte, lernt
man mit solchen Momenten umzugehen. Mit der Zeit hatte sich
bei ihr eine gewisse Routine eingestellt und sie verspürte
nicht mehr ganz so drastisch die Angst vor Auftritten wie zu
Beginn ihrer Karriere.

Finde ich viel zu pathetisch. Eher sowas wie „Auch nach all den Jahren in denen sie im Theater arbeitete - das Lampenfieber war immer noch so stark wie damals als…“

Dieser Abend unterschied sich jedoch in
jeder Hinsicht von den Vorstellungen anderer Tage.

Sprachlich: Ein Abend der sich von der Vorstellung unterscheidet? Warum nicht „Heute Abend war alles anders. Die …-Moderation war für sie eine Premiere.“

Diesmal
stand sie als Moderatorin einer neumodischen Umsetzung des
bekannten Dramas des Dr. Faust auf der Bühne und schien mit
der neuen Aufgabe nicht vertraut zu sein, obwohl sie schon
viele Stunden vor Zuschauern verbracht hatte.

Woaw, da fängt der Satz ganz anders an als er aufhört. Ganz davon abgesehen sind Umsetzungen nicht „neumodisch“ sondern allenfalls „modern“ oder „neu“.

Sie versuchte in
der Menge ihre Freundin Jane ausfindig zu machen.

Das würde ich vorher erwähnen. Vielleicht wenn der Typ an ihrem Mikro rumwurschelt, soll sie versuchen durch einen Spalt im Vorhand nach Jane Ausschau zu halten.

selten nicht zu zweit. Nach dem Tod ihrer Eltern ist Jane für
sie nicht nur zu einer guten Freundin, sondern zu ihrer
Familie geworden. Und bei Auftritten wie diesen war sie froh
Jane unter den Zuschauern zu wissen.

Schluuuuuuuchz. Sorry, das ist allzu pathetisch. Da kann sie sich immer noch dran erinnern, wenn sie erfährt, dass Jane in Gefahr ist.

Ein leises Knacken in ihrem Ohrhörer riss sie aus ihren
Gedanken. Der Programmleiter? Gab es jetzt schon Änderungen,
bevor die Show überhaupt beginnen konnte?

…begonnen hat
Generell: warum genau bildest Du immer entweder furchtbar kurze Sätze oder auch Schachtelsätze? Warum nicht der goldene Mittelweg?

Das konnte sie sich
nicht vorstellen. Die Stimme, die kurz darauf in ihrem Ohr zu
hören war, ließ sie unmerklich aufschrecken. Die dunkle Stimme
eines Mannes. Es war schwer das Alter eines Menschen am Klang
seiner Stimme zu erraten. Sie schätzte es auf vierzig. Der
Mann konnte aber auch zehn Jahre jünger sein. Sie hatte die
Stimme noch nie gehört und doch kam sie ihr bekannt vor. Die
Worte klangen in ihrem Ohr kalt. Aus ihnen war eine gewisse
Höflichkeit nicht zu überhören. Diese war nicht gespielt, das
hörte sie gleich.

Bitte - überleg mal: Du stehst da, bist nervös, es ist Premiere, und dann quasselt Dir jemand ins Ohr. Würdest Du wirklich als erstes versuchen, das ALTER des Kerls zu schätzen oder auf HÖFLICHKEIT zu achten? Wärest Du nicht eher ärgerlich, verwundert, erstaunt, genervt, überrascht? Denn Du bist es doch gewohnt, fremde Stimmen im Ohr zu hören!

„Einen schönen Guten Abend wünsche ich Ihnen, Miss Hall. Ich
weiß, sie kennen mich nicht. Ich kann Ihnen leider nicht
meinen Namen sagen. Dafür haben Sie sicherlich Verständnis, da
bin ich mir sicher. Sie werden jetzt ganz genau meinen
Anweisungen folgen.“

Was hältst Du von der Idee aus der Stimme keine Quasselstrippe zu machen sondern ihn nur sagen lassen „Miss Hall - wir haben Jane. Sie werden jetzt meinen Anweisungen folgen“. Und jetzt überschlagen sich ihre Gedanken. WER ist der Kerl? WAS will er? WO ist Jane?

Sie erstarrte. Ihre Lippen bebten. Das Lächeln
verschwand.

Versucht sie denn nicht wenigstens für die Zuschauer das Lächeln zu erhalten?

Die Hitze der grellen Scheinwerfer war plötzlich
unerträglich.

Beispiel für pathetisch.

Sie schauderte. Kalter Angstschweiß lief über
ihren Rücken. Etwas in dieser Art hatte sie noch nie erlebt.

Ach nee? Sie hat sowas echt noch nie erlebt? *staundendieAugenaufreisse* Nee, im Ernst: ich glaub, davon geht der geneigte Leser aus, dass sie sowas noch nie erlebt hat. Fragt sie sich nicht eher „Verdammt! Was jetzt?“

Sie sah nur
schwarz, und doch wurde sie von gleißendem Licht geblendet.

Ähm, ich verstehe schon, was Du sagen willst. Aaber: versuch mal für das Gefühl, von einem Scheinwerfer angestrahlt auf der Bühne stehend und ins „schwarze Nichts“ schauend eine etwas passendere Beschreibung zu finden. So kommt das etwas ungeschickt an.

Doch da
war wieder nur diese schwarze Wand. Eine dunkle Masse von
Menschen, deren Blicke auf sie gerichtet waren.

Wat nu? Sieht sie nur schwarz oder kann sie soviel erkennen, dass sie sieht, dass die Leut sie anglotzen?

Sie blickte
ins Nichts.

Du erwähntest es.

Ihr wurde schwindlig und sie bemühte sich nicht
die Fassung zu verlieren. Plötzlich fühlte sie sich unheimlich
hilflos und allein.

Ach nee. Auch das erwartet der geneigte Leser an dieser Stelle durchaus. Lass sie doch denken „The show must go on“ oder so.

Sieht man nicht in welcher Gefahr ich und
Jane stecken?

ICH und Jane. Oder wie war das mit dem Esel, der sich immer zuerst nennt?

Sie wissen es nicht. Niemand weiß es. Ich bin
allein. Was kann dieser Fremde von mir wollen? Warum gerade
von mir? Was weiß er von mir? Was will er? Wo ist Jane?

Was kann er wollen? Warum nicht: „Was will er…“ Und meinst Du nicht, dass ihre Sorge jetzt erstmal Jane gilt und nicht so sehr ihrer Wenigkeit. Jetzt wäre übrigens der Zeitpunkt um die innige Freundschaft zu Jane zu erwähnen :wink:

Gedanken von gewaltvollen und grausamen Entführungen blitzten
ihr durch den Kopf.

Blitzen Gedanken durch Köpfe? Oder schiessen sie eher? Schlagen sie gar Purzebäume?

Entführungen und Erpressungen gab es schon
viele,

Oh, echt? Auch hier wieder: DAS hat sich der geneigte Leser schon gedacht :wink:

doch nie hatte sie jemals daran gedacht, selbst Opfer
solcher Verbrechen zu werden. Erst recht nicht vor aller
Öffentlichkeit.

Hier muss ehrlich sagen, dass ich mich ernsthaft gefragt habe, ob unsere Protagonistin noch richtig tickt: Ist wirklich ihre einzige Sorge, dass SIE in der Öffentlichkeit das Opfer wird? Ich glaube, ich wäre in einer solchen Situation halb wahnsinnig vor Angst um Jane und ICH und DIE ÖFFENTLICHKEIT wären mir äusserst wurscht!

Dieser Mann ist ein Profi.

Wie kommt sie zu dieser grandiosen Erkenntnis?

Sie stand noch immer direkt vor dem Vorhang.

So lange? *grübel* Wundern sich da die Leute im Publikum eigentlich nicht, wenn sie nur dumm dasteht und merkwürdige Grimassen schneidet?

versuchte wieder zu lächeln. Sie dachte krampfhaft nach, rang
nach Worten, aber ihr viel nichts mehr ein.

FIEL von FALLEN. Nicht VIEL von MEHR.

Plötzlich war da
eine Leere. Sie konnte nichts sagen.

Wieder diese kurzen Sätze.

„Ich verstehe, dass es für Sie unerwartet kommt. Es ist zu
Ihrem Besten, Miss Hall. Und Ihrer Freundin geschieht nichts,
wenn Sie zur Kooperation bereit sind.“

Siehe oben. Keine Quasselstrippe. Kurz und bündig „Jane wird nichts passieren, wenn Sie meinen Anweisungen folgen“

sie die Eröffnung für einen Albtraum und gleichzeitig die
schwierigsten Worte ihres Lebens.

Neeee - nicht „die schwierigsten Worte ihres Lebens“. Macht sich nicht gerade in dieser Situation ihre Professionalität bemerkbar?

Als sie endete,

Sie endete? Oh, wie schade :wink:

„Sprechen Sie mir nach“, befahl jetzt der Mann durch den
Ohrhörer.

…die Stimme aus dem ja-was-eigentlich? Du mischst da „Headset“, „Ohrhörer“, „Mikrophon“ ein wenig durcheinander…

Ja, wie gesagt, das alles mag ein wenig patzig klingen - es ging mir nur drum, Dich ein wenig auf pathetische Dinge, Banalitäten und Widersprüche hinzuweisen. Ist überhaupt nicht bös oder persönlich gemeint…

*wink*

Petzi

PS: Du fragst wie die Sache weitergehen kann?

In welche Richtung soll’s denn gehen? Denn realistisch gesehen wird sie erstmal einen Beweis haben wollen, dass der Kerl Jane in seiner Gewalt hat. Dazu müssen wir sie aber wohl oder übel mal hinter die Bühne locken (hier bietet sich natürlich die Garderobe an, denn direkt hinter der Bühne springt wohl zu viel Volk rum). So, dann wird sie irgendeinen Beweis finden, dass er Jane auch wirklich hat. Das kann je nach Phantasie von einem Foto über den kleinen Finger bis zu einem Schmuckstück alles sein. Naja, und dann müssen wir noch rauskriegen, was der Kerl eigentlich will. Soll sie die Vorstellung sabotieren? Vielleicht den Requisiten-Giftbecher gegen einen echten austauschen? Den Saal räumen lassen? Sich in den Orchestergraben stürzen? Eine Kollekte für Lösegeld starten? Einen hochrangigen Gast gegen Jane austauschen? Wenn dies, müsste man noch klären, wie sie an den rankommt. Vielleicht in der Einleitung „Und nun möchte ich noch unseren Ehrengast des Abends - unseren Bürgermeister Hugo Hintermeier - kurz auf die Bühne bitten“.
Oder wird sie gar versuchen, über ihre „normale“ Moderation die Polizei zu alarmieren? Vielleicht durch die Aussage „Und noch was in eigener Sache: Lieber Onkel Teddy (Anmerkung: er ist natürlich Polizist und hockt rein zufällig im Publikum), ich möchte Dich heute ganz besonders grüssen und daran erinnern, dass Du Jane doch die roten Rosen zu ihrem Geburtstag überreichst“, worauf Onkel Teddy sofort Bescheid weiss und alle seine Kumpels von der Polizei anruft und sie den Kerl noch vor dem zweite Akt verhaften und Jane retten, natürlich.
Oder wird sie alles versauen und heulend zusammenbrechen? Damit wird Jane brutel gemeuchelt und sie kann in Zukunft nimmer auf der Bühne stehen und wird zur Alkoholikerin?

Naja, ich hör mal auf - wenn Du magst, schreib mal ein bisserl, welche dieser (teilweise karikierten) Möglichkeiten Du interessant findest, dann basteln wir da mal weiter :wink:

hallo christoph,

Mir ist mal eben folgende Szene eingefallen, die ich mal eben
aufgeschrieben habe. Ist sowas langweilig? Wie kann man es
spannender machen?

ja, sowas ist ziemlich langweilig. (nicht böse sein.) das liegt aber zum einen daran, daß kaum handlung stattfindet, zum anderen an vielen wiederholungen (zb: techniker. techniker. techniker.) und zum dritten daran, das du soviel beschreibst, was die handlung aber nicht voran bringt.

folgendermaßen kannst du das ändern:
1.) werde dir darüber klar, welche geschichte du erzählen willst und formuliere sie (nur für dich) in einem, zwei, max. drei sätzen. (beispiel: fritzchen kommt in die große stadt und damit auf die schiefe bahn. er verliert job, wohnung, freundin. erst die liebe zu einem räudigen pudel läßt ihn aufwachen und sein leben erfolgreich in die hand nehmen.)

2.) jetzt überlege dir, welche form sie haben soll? kurzgeschichte? novelle? roman? gedicht? jede gattung hat andere regeln.

3.) beschreibungen lassen die handlung immer stocken. (aber eine story sollte handlung sein!) darum vermeidet man beschreibungen und läßt die protagonisten zeigen. (wozu hat man die denn?)

4.) das gleich gilt für wortliche rede (die bei dir aber fast gar nicht vorkommt!) sie macht die handlung zwar lebendig, bremst aber die bewegung. lösung: die protagonisten sich beim reden bewegen lassen

jetzt schreibe deine story. lege sie ein paar tage weg und lese sie erneut. jetzt streiche alles weg, was nicht zur handlung gehört! und feile an der form. (ich unterstelle jetzt mal, daß du eine kurzgeschichte geschrieben hast.)

und dann laß nochmal lesen hier :smile:

Leider weiß ich nicht, wie die Handlung weiter gehen könnte.
Hat jemand vielleicht eine Idee?

laß die protagonisten doch selber entscheiden. wenn die story gut ist, entwickeln die protagonisten sehr schnell ein eigenleben.

gruß
ann

PS: der figur des antagonisten sollte man auch etwas beachtung schenken, sie sorgfältig konstruieren.

PS2: tipp: http://www.prosaschmiede.de

Rein zu deiner Frage nach weiterführung würde ich sagen, mach ein Geiseldrama draus, lass nachdem die Ansagerin die Ansprache gemacht hat ein paar Terroristen mit Maschinenpistolen rumbalernd aufspringen und erzähl dann weiter. Ein characterwechsel (beispielsweise zu Jane, wo sie sich aufhält und wie sie behandelt wird) fänd ich toll
schreib weiterführungen bitte hier rein, soferns dir recht ist

zur kritik am Text kann ich mich eigentlich nicht dem Rest anschließen. Ich dachte beim lesen sehr an Iluminati und Sakrileg. Wenns ein Roman in der Größenordnung werden soll, muss es eben gestreckt werden.

Moin, moin,

Leider weiß ich nicht, wie die Handlung weiter gehen könnte.
Hat jemand vielleicht eine Idee?

„Sprechen Sie mir nach“, befahl jetzt der Mann durch den Ohrhörer.

„Bevor es zum Hauptteil der Vorstellung kommt, möchten wir Ihnen noch eine Kurzaufführung bieten, die sie sicherlich begeistern wird.“

Sie sprach genau diese Worte.

Dann forderte der Mann Sie auf zu singen. Das Lied ertönte in Ihrem Ohrhörer…„DA DA DA…Du liebst mich nicht …“ Der Text war einfach genug und Sie sang…

„LAUTER“ forderte der Mann…und sie sang lauter…die Leute fingen an zu murmeln…der Saal wurde unruhig.

„Sofort Aufhören!“ befahl die Stimme. Jetzt sagen sie Folgendes. „VERSTEHEN SIE SPASS?“

Ohne weiter nachzudenken sprach sie diese Worte. Es wurde hell im Saal…bekannte Fernsehmusik spielte…und…Thomas Gottschalk erschien…alle waren aus dem Häuschen…nur unsere Protagonistin nicht. Warum wohl!

Eencockniedo

Der ist wirklich gut.

Mann, wenn man das hier so liest, denkt man ja, ihr könntet Dan Brown Konkurrenz machen. Dass ich soviel Quatsch zusammengeschustert hab, ist mir gar nicht aufgefallen, und die eigene Geschichte liest sich immer spannender als die von anderen. Danke für die umfassende Analyse, Petzi. Wenn ihr unbedingt wissen wollt, wie das Zeug weitergeht, muss ichs halt fortführen. Aber so wie das hier kritisiert wurde, sollte ich doch lieber ganz von vorne anfangen.

Warum sollte man keine kurzen und langen Sätze verwenden? Das macht die Sache irgendwie spannend, finde ich. Ellypsen, glaub ich, heißen die.
Und dass der Entführer höflich spricht gabs doch auch im Film ‚Hostage-Entführt‘ mit Bruce Willis. Da war dieser Bösewicht, der sich so gewählt ausgedrückt hat.

Und nochmal die Frage (denn das würde ich doch gerne wissen): Was sind Klischees, und wie kann man sie vermeiden?

mifune

> Hat jemand von euch auch schonmal dergleichen veröffentlicht? Würde mich nämlich blendend interessieren wie ihr euch so tut. Petzi?

Hi!

Mir ist mal eben folgende Szene eingefallen, die ich mal eben
aufgeschrieben habe. Ist sowas langweilig? Wie kann man es
spannender machen?

  1. Konflikt! Konflikt! Konflikt!

  2. Empathie! Empathie! Empathie!

Leider weiß ich nicht, wie die Handlung weiter gehen könnte.
Hat jemand vielleicht eine Idee?

Es gibt ca. 1 Milliarde Möglichkeiten. Welche möchtest du hören?

Und zum Text:

Bevor sie sich aufmachte hinaus auf die große, kreisrunde
Bühne zu gehen, prüfte sie noch einmal das Mikrofon vor ihrem
Mund. Das Headset hatte ihr vorhin ein gehetzt dreinblickender
Mann überreicht und ihr kurz erklärt, wie man es bedienen
musste. Sie kannte sich damit aus.

Äh … Wenn sic sich damit auskennt, warum musste ihr dieser Mann das Teil erst erklären?

Für den Zuschauer unhörbar
konnte jemand sie darüber an den Dialogtext erinnern oder ihr
auch kurzfristige Änderungen im Programmablauf übermitteln.
Das Mikrofon war an einer hautfarbenen Halterung befestigt,
welche eng an ihrer Wange zum Mund führte.

Äh … mit einem Mikrofon kann man etwas von sich geben, aber nichts hören. Wenn sie etwas hören soll, dann hat sie so einen Stöpsel im Ohr, aber kein Mikrofon vor dem Mund.

Sie schaute hinüber
zu den zwei schweren, dunkelroten Vorhängen, die den
Vorbereitungsraum von der Hauptbühne trennten. Seitlich saß
bei spärlichem Licht einer Leselampe der Techniker auf einem
kleinen schwarzen Hocker.

Äh … Erschieß mal ein paar der überflüssigen Adjektive.

Vor ihm stand ein Mischpult mit
verschiedenen kleinen Lampen, die, je nachdem wie die Schalter
für Beleuchtung und Vorhänge, Mikrofone und Lautsprecher
bewegt wurden, aufflammten oder erloschen. Über dem Ausgang,
der in den Flur zu den Kabinen und Probesälen führte,
leuchtete blutrot das Schild für den Fluchtweg bei Notfällen.

Äh … Wozu sind diese detaillierten Beschreibungen notwendig? Mich würde vielmehr das Innenleben der Frau interessieren. Wie fühlt sie sich? Ist sie nervös? Steht sie unter Druck? Wie bereitet sie sich auf ihren Auftritt vor? Was erwartet sie? Kurzum: Wo ist die Spannung?

So weit sie weiß, hatte es an diesem Theater noch nie einen
gegeben. Nur einmal hatte ein Gewitter die Elektrik lahm
gelegt. Einige Vorstellungen sind damals ausgefallen oder
verschoben worden und die Theatergruppe hatte im Dunkeln
proben müssen, was plötzlich ganz neue Möglichkeiten in der
Interaktion untereinander eröffnet hatte.

Rückblende. Tödlich! Reißt mich als Leser aus der ohnehin bisher völlig belanglosen Geschichte.

Außer dem Techniker
waren noch ein Dutzend weitere Personen hinter dem
Bühnenvorhang. Bühnenarbeiter, die Putzfrau und verschiedene
Schauspieler.

Und? Haben die eine Bedeutung für die Frau? Gibt es Verbindungen zwischen ihr und den anderen? Sind die anderen der Frau positiv oder negativ zugetan? Was empfindet die Frau, wenn sie einen der Schauspieler sieht? Neid? Konkurrenz? Mögliche Konflikte? Oder stehen die da nur als Staffage herum?

Die gedämpften Stimmen erinnerten sie an ihren Auftritt. In
wenigen Minuten war Vorstellungsbeginn und vom Saal drangen
die lauten Unterhaltungen der Zuschauer herein. Eine Frau
prüfte noch einmal ihr Make-up und ihre Kleidung – ein enger
blauer Rock mit gleichfarbiger Bluse. Der Direktor, immer mit
einem Ohr am Vorhang und ständigem Blickwechsel mit der Uhr,
deutete ihr an, sie solle sich bereithalten.

Das ist noch immer kilometerweit weg. Keine Nähe. Ich bekomme so gut wie nichts von der Frau erzählt. Wie soll ich dann als Leser mit ihr mitfühlen?

Sie atmete noch
einmal tief durch. Der Techniker prüfte mit ihr das Mikrofon.
Sie konnte seine raue Stimme klar hören. Der Mann reckte den
Daumen in die Luft. Sie nickte. Ihre Stimme war ebenfalls laut
und deutlich zu hören.

Was hat sie denn gesagt? Oder nickt sie so laut?

Der Programmleiter gab ihr das Signal
und wünschte ihr noch gutes Gelingen. Der Techniker ließ eine
ruhige Musik abspielen und im Saal erlosch langsam das
Deckenlicht – vorsichtig, als wolle man die Zuschauer nicht
mit plötzlicher Dunkelheit überraschen. Der Lichttechniker am
hinteren Ende des Saals richtete seinen Spot-Scheinwerfer auf
die Mitte der Bühne.

Kann die Frau das von ihrer Position aus sehen? Wenn nicht, wer erzählt mir das dann? Auktoriale Erzählweise?

Sie ging langsam auf den Vorhang zu,
schob den schweren Stoff zur Seite und blinzelte etwas im
grellen Licht, bemühte sich aber trotzdem freundlich in die
Zuschauermenge zu blicken, die jetzt in lauten Beifall
ausbrach. Sie trat auf die Bühne, der Vorhang schlug hinter
ihr wieder zusammen. In Momenten wie diesen war ihre Aufregung
am größten. Die Nackenmuskeln angespannt, die linke Hand zur
Faust hinter ihrem Rücken verkrampft. Am Theater und an den
Schulen für Schauspielkunst, die sie absolviert hatte, lernt
man mit solchen Momenten umzugehen. Mit der Zeit hatte sich
bei ihr eine gewisse Routine eingestellt und sie verspürte
nicht mehr ganz so drastisch die Angst vor Auftritten wie zu
Beginn ihrer Karriere. Dieser Abend unterschied sich jedoch in
jeder Hinsicht von den Vorstellungen anderer Tage. Diesmal
stand sie als Moderatorin einer neumodischen Umsetzung des
bekannten Dramas des Dr. Faust auf der Bühne und schien mit
der neuen Aufgabe nicht vertraut zu sein, obwohl sie schon
viele Stunden vor Zuschauern verbracht hatte.

Sie schien nicht vertraut zu sein? Wer behauptet das? Die Frau muss doch wohl wissen, ob sie mit der Aufgabe vertraut ist oder nicht. Ansonsten schleudert dieser Abschnitt wild hin und her. Ihre Aufregung ist am größten, ihre Nackenmuskeln sind angespannt, die Hand auf dem Rücken zur Faust geballt - aber das ist alles Routine. Ehrlich? Sieht so Routine aus?

Sie versuchte in
der Menge ihre Freundin Jane ausfindig zu machen. Ihr Platz
war auf der linken Seite direkt am Mittelgang. Sie hatte Jane
auf dem Campus kennen gelernt und seitdem sah man sie sehr
selten nicht zu zweit. Nach dem Tod ihrer Eltern ist Jane für
sie nicht nur zu einer guten Freundin, sondern zu ihrer
Familie geworden. Und bei Auftritten wie diesen war sie froh
Jane unter den Zuschauern zu wissen.

Äh … noch eine Rückblende. Dazu noch mit Info-Dumping.

Ein leises Knacken in ihrem Ohrhörer riss sie aus ihren
Gedanken. Der Programmleiter? Gab es jetzt schon Änderungen,
bevor die Show überhaupt beginnen konnte? Das konnte sie sich
nicht vorstellen. Die Stimme, die kurz darauf in ihrem Ohr zu
hören war, ließ sie unmerklich aufschrecken. Die dunkle Stimme
eines Mannes. Es war schwer das Alter eines Menschen am Klang
seiner Stimme zu erraten. Sie schätzte es auf vierzig.

Äh … das Alter ist schwer zu erraten. Und dann werden es ganz konkret vierzig Jahre. Wie macht man sowas?

Der
Mann konnte aber auch zehn Jahre jünger sein.

Oder zehn Jahre älter. Oder zwanzig. Wer kann schon an einer Stimme das Alter eines Menschen bestimmen.

Sie hatte die
Stimme noch nie gehört und doch kam sie ihr bekannt vor. Die
Worte klangen in ihrem Ohr kalt. Aus ihnen war eine gewisse
Höflichkeit nicht zu überhören. Diese war nicht gespielt, das
hörte sie gleich.

Kalte Höflichkeit - was ist denn das?

„Einen schönen Guten Abend wünsche ich Ihnen, Miss Hall. Ich
weiß, sie kennen mich nicht. Ich kann Ihnen leider nicht
meinen Namen sagen. Dafür haben Sie sicherlich Verständnis, da
bin ich mir sicher. Sie werden jetzt ganz genau meinen
Anweisungen folgen.“ Hier machte der Unbekannte eine kurze
Pause. „Wenn sie nur ein bisschen davon abweichen, wird ihre
Begleiterin nicht mehr zu Ihnen zurückkehren und Sie werden
sie nicht wieder sehen.“

Na ja … ziemliche melodramatisch.

Jane! Sie erstarrte. Ihre Lippen bebten. Das Lächeln
verschwand. Die Hitze der grellen Scheinwerfer war plötzlich
unerträglich. Sie schauderte. Kalter Angstschweiß lief über
ihren Rücken. Etwas in dieser Art hatte sie noch nie erlebt.

Ich leider schon tausendmal gelesen. Bebende Lippen. Kalter Angstschweiß. Das ist so klischeehaft. Als wenn es von Rosamunde Pilcher kommt (da schalte ich auch immer sofort weg).

Ihr wurde es heiß und kalt zugleich. Verzweifelt versuchte sie
in dem Raum Jane zu finden. Mit hektischen Blicken suchte sie
die Reihen ab. Sie sah niemanden. Der Raum schien leer zu sein
und doch war er bis auf wenige Plätze besetzt. Sie sah nur
schwarz, und doch wurde sie von gleißendem Licht geblendet.

Und trotzdem kann sie erkennen, wie voll der Saal ist. Allerhand!

Unsicher wandte sie sich nach hinten in die Richtung, in die
sie den Techniker vermutete.

„in der sie den Techniker vermutete“

„Es hat keinen Sinn. Er kann uns nicht hören“, sagte da die
Stimme, als hätte diese ihre Gedanken erraten.

Hä? Sie hat ein Mikro vor dem Mund, um alle Besucher in einem wohl nicht gerade kleinen Saal ansprechen zu können, aber für den Techniker hinter der Bühne reicht es nicht?

Sie fuhr herum
und starrte in die Zuschauermenge. Kann der geheimnisvolle
Mann mich sehen? Sitzt er unter den Zuschauern? Sie versuchte
erneut durch das helle Licht in die Menge zu schauen. Doch da
war wieder nur diese schwarze Wand. Eine dunkle Masse von
Menschen, deren Blicke auf sie gerichtet waren. Sie blickte
ins Nichts. Ihr wurde schwindlig und sie bemühte sich nicht
die Fassung zu verlieren. Plötzlich fühlte sie sich unheimlich
hilflos und allein. Sieht man nicht in welcher Gefahr ich und
Jane stecken? Sie wissen es nicht. Niemand weiß es. Ich bin
allein. Was kann dieser Fremde von mir wollen? Warum gerade
von mir? Was weiß er von mir? Was will er? Wo ist Jane?

Aua! Aua! Aua!

Ganz nebenbei: Wieso nimmt sie diesen Quatschkopf eigentlich ernst?
Bisher faselt er nur blöde herum.

Gedanken von gewaltvollen und grausamen Entführungen blitzten
ihr durch den Kopf. Entführungen und Erpressungen gab es schon
viele, doch nie hatte sie jemals daran gedacht, selbst Opfer
solcher Verbrechen zu werden. Erst recht nicht vor aller
Öffentlichkeit. Dieser Mann ist ein Profi.

Also das glaube ich mit keinem Wort!

Ist er allein? Wie
kann er zu mir sprechen, ohne, dass der Techniker etwas davon
weiß? Der Techniker! Weiß er wirklich nichts?

Warum kommt sie nicht auf die erste logische Lösung: Es ist der Techniker!

Sie fühlte sich
verraten und verlassen und auf einmal konnte sie niemandem
mehr trauen. Die Bühnenarbeiter, der Direktor, der
Programmleiter – alle schienen jetzt mit beteiligt zu sein.
Hör auf! Das bringt nichts!
Sie stand noch immer direkt vor dem Vorhang. Die Musik wurde
leiser. Im gesamten Raum kehrte erwartungsvolle Stille ein.
Sie ging ein paar Schritte in die Mitte der Bühne und
versuchte wieder zu lächeln. Sie dachte krampfhaft nach, rang
nach Worten, aber ihr viel nichts mehr ein. Plötzlich war da
eine Leere. Sie konnte nichts sagen.

Die berühmte plötzliche Leere. Noch mehr Klischees. Alles schon tausend Mal gelesen.

„Ich verstehe, dass es für Sie unerwartet kommt. Es ist zu
Ihrem Besten, Miss Hall. Und Ihrer Freundin geschieht nichts,
wenn Sie zur Kooperation bereit sind.“ Zur Kooperation. Zu
meinem Besten. Jane geschieht nichts. Sie wird leben. Was muss
ich tun, damit sie leben darf? Es hätte komisch geklungen,
hätte sie diese Frage laut ausgesprochen. Wie sollte sie
antworten? Sollte sie überhaupt antworten?
„Begrüßen Sie die Zuschauer wie Sie es auch so tun würden.
Jetzt!“ kam die Anweisung über das Headset. Sie tat es. Ihre
Stimme schwankte leicht; sie kam ihr fremd vor, als sie ihre
eigenen Worte hörte. Jene Worte, die vorgesehen waren ein
knapp zweistündiges Theaterprogramm einzuläuten. Jetzt waren
sie die Eröffnung für einen Albtraum und gleichzeitig die
schwierigsten Worte ihres Lebens. Als sie endete, hatte sie
Mühe ihr gespieltes Lächeln nicht zu verlieren und die Fassung
zu bewahren. Nimm dich zusammen!
„Sprechen Sie mir nach“, befahl jetzt der Mann durch den
Ohrhörer.

Nun ja. Mein Urteil: Tonne, aber ganz unten.
Mein Ratschlag: das Schreibhandwerk lernen.

Grüße
Heinrich

Hi!

Warum sollte man keine kurzen und langen Sätze verwenden? Das
macht die Sache irgendwie spannend, finde ich. Ellypsen, glaub
ich, heißen die.

Ellipsen sind ein sprachliches Stilmittel, wo durch Auslassung von Worten oder Satzteilen grammatikalisch unvollständige Sätze gebildet werden.

Beispiel:
„Noch ein Bier?“ statt richtig „Willst du noch ein Bier?“
oder
„Was nun?“ statt richtig „Was geschieht nun?“

Und nochmal die Frage (denn das würde ich doch gerne wissen):
Was sind Klischees, und wie kann man sie vermeiden?

Klischee bedeutet ursprünglich Abklatsch oder billige Nachahmung. In der Literatur sind damit z.B. Beschreibungen gemeint, die durch ständige Wiederholung derart abgegriffen sind, dass man sie nicht mehr lesen mag. Ein Klischee ist z.B., dass die Bösewichter immer schwarze Kleidung tragen, dass sich die Nackenhaare aufstellen, dass einem das Herz im Halse pocht, dass man vor lauter Verliebtheit die Welt in rosa Farben sieht, dass der Held ein strahlendes Lächeln mit blendendweißen Zähnen aufsetzt usw. usw.

Klischees sind eben das, was man andauernd in schlechten Geschichten lesen muss: billige Allgemeinplätze.

Grüße
Heinrich

Hallo zusammen!
Mir ist mal eben folgende Szene eingefallen, die ich mal eben
aufgeschrieben habe. Ist sowas langweilig?

Ja!

Wie kann man es spannender machen?

Zu lang, zu trivial, langweilig ohnehin…Gar nicht, würde ich sagen.

Leider weiß ich nicht, wie die Handlung weiter gehen könnte.

Würde ich mir keine weiteren Gedanken drüber machen…

Herzliche sächsische Grüße
mifune

Roland

Hi, Mifune!

Also Heinrich hat recht. Und, wenn ich so die Artikel von ihm gelegentlich mitgelesen habe, muss ich sagen, dass er schon eine ganze Menge Ahnung hat, und jede Menge Allgemeinbildung. (Sein Urteil ist scharf, aber man darf drauf vertrauen. :wink:)

Warum sollte man keine kurzen und langen Sätze verwenden? Das
macht die Sache irgendwie spannend, finde ich. Ellypsen, glaub
ich, heißen die.

Kurz oder lang. Es muss halt Spannung rüber kommen. Kurze Sätze lassen sich halt schneller lesen und bauen eine Spannung besser auf. Im Witze-Brett bestätigt sich das häufig: Gute Witze kommen knallig und pointiert rüber. Jeder neue Satz fügt eine kleine Information hinzu, die womöglich die vorherige Situation/Sache in Frage stellt… und zuletzt kommt dann die absolute Po-Ente. :wink:

Und dass der Entführer höflich spricht gabs doch auch im Film
‚Hostage-Entführt‘ mit Bruce Willis. Da war dieser Bösewicht,
der sich so gewählt ausgedrückt hat.

Ja! Aber wie hat „Willis“ höflich gesprochen?!

Und nochmal die Frage (denn das würde ich doch gerne wissen):
Was sind Klischees, und wie kann man sie vermeiden?

Na, zum Beispiel so (Mensch! Bin ich heute wieder kreativ!) - mit direktem Einstieg:

Ein x-beliebiger Beobachter hätte jetzt sagen können, dass sie die Sache durch die Rosa Brille betrachtete. Nein, aber nein! Das tat sie nicht! Sie wehrte sich sogar dagegen, die Sache mit Tom in irgendeiner netten Farbe zu sehen. Sie glaubte tatsächlich an ihren klaren Blick in dieser Angelegenheit.

Dass ihr aber, wenn Tom anwesend war, das Herz bis zum Hals pochte. Dass sie ungewöhnlicherweise feuchte Hände bekam, die sie ständig irgendwo, sei’s am Rock oder - so unauffällig wie möglich - an einem Papiertaschentuch abwischte. Dass… Mein Gott! Sie war verliebt. Ganz ohne Zweifel. Egal ob in Rosa oder in Rot. Am liebsten hätte sie sich an Tom geschmiegt, wenn sie alleine mit ihm im Aufzug fuhr.

Stattdessen aber stand sie strack wie eine Bohnenstange da. Ihr Mund war trocken. Und ihre Worte auch. Wenn denn 'mal eines über ihre Lippen kam. Beim „Tschüss!“, als sie im dritten Stock ausstieg, hätte sie sich fast verschluckt. Eigentlich hätte sie noch sagen wollen „Bis dann!“ oder „Bis bald!“. Und das mit dem Unterton, dass sie hoffte, dass „Bald“ gleich jetzt und für alle Ewigkeit eingetreten wäre. Doch nichts dergleichen. Sie hatte einfach ein „Tschüss“ gekrächzt.

Und jetzt befand sie sich auf der Toilette, hatte sich dort eingeschlossen und weinte sich die unerfüllte Sehnsucht aus dem Leib.

HTH, Mr. Darcy

Nicht schlecht, das Beispiel.
Ja, Mensch, langsam hab ichs begriffen. Und ein glitzekleines Bisschen hab ich mich auch gebessert.