So…jetzt ist der erste Teil vom ersten Teil erst mal umgeändert und ich bin schon mittendrin in der Fortsetzung.
Das Meiste ist vollkommen umgeschrieben, alle Kritiken sind berücksichtigt, Vorschläge wurden übernommen (oder auch nicht). Und gerade jene sind insbesondere jetzt wieder willkommen. Also, wer meint, seinen Senf dazugeben zu wollen: Nur zu! Wer Ideen für eine Weiterführung der Handlung hat: Immer her damit!
Ich habe mir alle Mühe gegeben, weniger Sülze und mehr Dialoge einzubasteln. Mir sind dabei die Ideen ausgegangen, und ich weiß, dass ich die Klasse von diversen Autoren dabei nicht erreicht habe. Trotz aller Kritik an meinen (zugegeben) zu häufig eingebauten Beschreibungen, gehören Beschreibungen der Umwelt der Romanfiguren nun mal in einen Roman. Hab mich auch über Headsets und dergleichen informiert und Heinrichs Klischees ausgebaut. Ich hoffe auch ein Rolf ist zufrieden.
Viel Spaß beim Lesen und Kritisieren!
In dem kleinen, fensterlosen Raum des Theaters war es stockdunkel. Jane saß verstört auf einem harten Metallstuhl. Ihre Hände hatte man ihr brutal mit Klebeband hinter der Rückenlehne gefesselt und die Füße an die Stuhlbeine gebunden. Ihr Mund war zugeklebt, sodass sie nur durch die Nase atmen konnte, und die Augen waren mit einem schwarzen Tuch verbunden. In dieser Lage konnte sie sich kaum bewegen. Ihre Schultern schmerzten und das Band zerrte an ihren Handgelenken. Sie fühlte sich so schwach und ausgeliefert wie noch nie in ihrem Leben.
Die verzweifelten Hilferufe waren durch das Klebeband zu einem armseligen, unverständlichen Wimmern erstickt. Ihr Gesicht war rot und aufgedunsen, die braunen, lockigen Haare hingen ihr in Strähnen in das verschwitzte Gesicht. Gierig atmete sie die stickige, warme Luft ein. Außer dem hektischen Schnaufen durchdrang nun kein Laut mehr die gespenstische Stille.
Jane hatte das Schreien aufgegeben. Die Hoffnung auf eine baldige Rettung war verschwunden; jetzt überwältigte sie das entsetzliche Gefühl der Angst. Sie wusste nicht wie lange sie schon hier saß. Es konnte eine halbe Stunde sein. Aber wenn man tatenlos herumsitzt, kommt einem die Zeit länger vor. Vielleicht waren es nur zehn Minuten, für sie war es eine Ewigkeit.
Heute sollte die Nachwuchsgruppe des Theaters eine Eigeninterpretation des Dramas von Dr. Faust aufführen und ihre Freundin Susan hatte sich bereiterklärt die Moderation des Abends zu übernehmen. Moderiert hatte sie noch nie eine Vorstellung, da ihre Freundin sonst selber als Schauspielerin auf der Bühne stand, und so hatte Susan sie gebeten mitzukommen, um als Zuschauer moralischen Beistand zu leisten. Da sie eine halbe Stunde früher gekommen war, hatte sie sich noch mit einem Glas Sekt in der Hand im Foyer hingestellt und die eintreffenden Gäste beobachtet, die die ausgetretenen Stufen von der Garderobe heraufkamen.
Ein freundlicher, kräftiger Herr hatte sie später an der Bar angesprochen und sie nach den Toiletten gefragt. Sie hatte ihn hingeführt, hätte sie ihm den Weg beschrieben, wäre er wahrscheinlich nie dort angekommen. Die Toiletten lagen im Untergeschoss in einem kleinen Seitengang. Nachdem der Mann hinter der Tür mit dem goldenen Männchen verschwunden war, hatte ihr plötzlich jemand aus dem Nichts ein Klebeband auf den Mund und die Hand vor die Augen gepresst. Gleichzeitig hatte sich ein muskulöser Arm von hinten um ihren Hals geschlungen und sie gewaltvoll bis in das Zimmer gezerrt, wo sie gefesselt wurde.
Der Weg dorthin schien endlos gewesen. Ihr gedämpftes Schreien wurde von einer lauten, inszenierten Unterhaltung mit einem weiteren Mann übertönt. Mit ihr hatten die unbekannten Männer nicht gesprochen. Wortlos hatten sie den Raum wieder verlassen und hinter sich abgeschlossen.
Jane ließ das Kinn auf die Brust sinken. Warum ausgerechnet sie? Was hatte sie den Männern getan? Wo hielt man sie gefangen? War sie überhaupt noch im Theater? Noch mehr Fragen stellten sich ihr, auf die sie verzweifelt eine Antwort suchte. Fieberhaft ging sie die Erlebnisse der vergangenen Stunde in ihren Gedanken noch einmal durch, aber sie verstand es nicht. Hatte der kräftige Herr von der Bar etwas damit zu tun, oder hatte er sie nur zufällig angesprochen? Sie machte sich Vorwürfe und wusste gleichzeitig, dass sie dadurch nichts erreichte. Jetzt konnte sie nur noch darauf hoffen, dass Susan ihr Verschwinden schnell bemerken und die Polizei rufen würde.
Mit langen Schritten ging Susan Hall durch einen der vielen engen Korridore des Theaters, vorbei an weißen Holzschränken, in denen die Schauspieler ihre Kostüme aufbewahrten, und vorbei an Umkleidezimmer und Tanzsälen.
Aus den Zimmern links und rechts des Ganges hörte man nur vereinzelte Stimmen heraus. Die Schauspieler der Theatergruppe hatten sich vor der Vorstellung zurückgezogen und bereiteten sich auf ihren Auftritt vor. Allein das dumpfe Poltern ihrer Schuhe auf den Holzbohlen hallte durch den Flur.
Vor ihr öffnete sich eine Seitentür und der Programmleiter Brian Dean steckte seinen Kopf in den schwachbeleuchteten Gang.
„Ah, Sue, ich wusste, dass du’s bist.“ Jetzt trat er ganz in den Gang hinaus, gab Susan die Hand und ging dann mit ihr zusammen in Richtung Bühne. Dean war ein hochgewachsener, schlanker Mann mit braungebrannter Haut, durch die sich viel Falten zogen. Er trug eine Armanie-Brille aus dünnem, silbernem Metall. Auf dem Kopf hatte er blasse Muttermahle, die wenigen grauen Haare klebten an seinem Hinterkopf. Die obersten Knöpfe seines verblichenen Hemdes trug er offen, weißes Brusthaar lugte hervor. „Ich sehe aus, wie ein alter weißer Mann, der in der Nachbarschaft die Dosen aufsammelt“, hatte er einmal zu Susan gesagt. So sah der Programmleiter geradezu gutmütig aus.
„Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll“, schimpfte er laut während er neben ihr herging, und fuchtelte dabei wild mit den Händen. "Ich gebe mir die größte Mühe die Kinder unter einen Hut zu bringen, aber immer hat irgendeiner ein Problem. Text vergessen, Kostüm kaputt, Lampenfieber, und im Büro gibt es ständig diese Anrufe. Da gibt es immer noch Deppen, die nach Karten für die Vorstellung fragen. Ich hab jetzt Elli ans Telefon verbannt. Sie ist die Einzigste, die ich hier noch entbehren kann.“
Susan schüttelte lächelnd den Kopf. „Du machst dir selbst das Leben schwer. Die Kids sind froh, dass sie vor soviel Leuten auftreten können. Die Texte fallen ihnen wieder ein, die Kleider können sie austauschen und das Lampenfieber verschwindet, sobald sie nur einen Fuß auf die Bühne gesetzt haben. Der Abend wird glatt laufen, Brian. Was die Putzfrau betrifft, wir können sie auch gleich als Sekretärin einstellen. Saubermachen bringt in diesem Haus sowieso nichts und Elli macht den Job ja nicht zum ersten Mal. Ich wäre enttäuscht, wenn du wegen ein paar Nachwuchsschauspielern und einem Telefon das Handtuch wirfst.“
„Da hast du wohl Recht“, seufzte Brian. Er setzte seine Brille ab und rieb die Gläser mit seinem Hemd sauber.
„Und außerdem“, fuhr Susan fort, „tut uns allen ein bisschen Dampf unter dem Hintern auch gut. Schau dir unseren Direktor an. Greenberg versucht schon seit Jahren der Stadt ein paar Cent für das Theater abzudrücken.“ Sie deutete dabei auf die Wände, wo schon der fehlende Putz das Mauerwerk freigelegt hatte.
Brian winkte ab. „Soviel Dampf habe ich aber nicht.“
„Ich weiß, du hast viel mit dir selbst zu tun und du gibst dir alle Mühe, dass es hier im Theater zumindest nicht schlechter wird. Das macht aber keiner besser als du.“
Der Programmleiter lächelte. „Naja, ich mag den Job. Bloß an Tagen wie diesen bin ich nicht ganz so in die Arbeit vernarrt wie sonst.“
Als er keine Anstalten machte, noch etwas zu sagen, fragte Susan: „War Jane schon hier?“
„Ja, vor einer Viertelstunde. Sie hat nach dir gefragt, aber ich wusste nicht, wo du warst. Sie wollte im Foyer auf dich warten.“
Der Gang machte jetzt eine Biegung. Susan überlegte, ob sie Jane noch vor der Aufführung oder erst hinterher aufsuchen sollte.
„Übrigens, auch Jeff wollte vorhin mit dir sprechen“, unterbrach Dean ihre Gedanken. „Ich glaube, es geht um deine Verkabelung.“
Um was sonst, dachte sie genervt. „In Ordnung, ich geh gleich zu ihm.“
Jeff Kurth, der Techniker, war ein meistens gehetzt dreinblickender, junger Mann, der darauf bedacht war, jede Vorstellung fehlerfrei über die Bühne zu bringen. Lieber prüfte er die Elektronik mehrmals, als dass sie während einer Aufführung zusammenbrach. Und so probte er, zum Leid der Bühnenarbeiter, immer und immer wieder das Öffnen und Schließen des Vorhangs, das An- und Ausmachen der Scheinwerfer und der Musik.
Jeff war es auch gewesen, der mühsam, mit einer Kabelrolle bewaffnet, die Leitungen so durch den Saal verlegte und auf dem Boden festklebte, dass kein Besucher darüber stolpern konnte. Jetzt suchte er Susan, um ihr zum wiederholten Mal die für ihn durchaus komplizierte Funktionsweise ihres Headsets zu erklären.
Sie erreichten die schwere Eisentür, auf der in schwarzen Großbuchstaben das Wort ‚STAGE’ prangte. Dean öffnete sie und beide betraten einen großen, abgedunkelten Raum mit hoher Decke, der direkt an die Hauptbühne anschloss. Die große vergitterte Lampe über der Tür ließ ihre Köpfe kurz in rotem Licht aufleuchten. Neben den vielen Vorhängen, die von mehreren Seilrollen und elektrischen Kurbeln getragen wurden, hingen noch Teile von Bühnenbildern von der Decke. Verschiedene Requisiten aus vergangen Theaterstücken standen herum, viele mit einer mächtigen Staubschicht. Außer ihnen waren noch zwei verdreckte Bühnenarbeiter und Jeff Kurth in diesem Raum.
Gleich nachdem sie hereingekommen war, ging der Techniker auf Susan zu. „Hey, Sue, ich hab hier was für dich.“
Susan verdrehte unmerklich die Augen und sah zu Brian, der zu Rob, einem der Bühnenarbeiter, hinübergegangen war und jetzt heftig mit ihm diskutierte. Seinen Gesten nach zu urteilen, ging es dabei wohl um den Kasten Bier, den der Programmleiter hinter einem künstlichen Springbrunnen entdeckt hatte.
Jeff drückte ihr ein Headset in die Hand. Gleich würde wieder der Teil kommen, wo er ihr dessen Gebrauch in aller Ausführlichkeit erklären wollte.
„Das Ding funktioniert wie ein Telefonhörer“, begann er langsam, als hätte er Probleme mit dem Sprechen. „Nur fehlt eben der Telefonhörer. Hier ist das Mikrofon, da deine Hörmuschel.“ Jeff tippte mit dem Finger drauf. „Hier schaltet man auf stumm; die Lautstärke ist eingestellt, müsste alles kein Thema sein.“
Susan atmete auf; heute war es nur die Fünfzehn-Sekunden-Variante.
Während sie sich unterhielten, beobachtete Susan auf den Monitoren der Überwachungskameras, wie sich der Saal auf der anderen Seite des schweren Vorhangs langsam mit Gästen füllte. Die ruhige Musik eines Streichorchesters spielte leise aus den Lautsprechern. Zwei große, zentnerschwere Kronleuchter warfen ihr helles Licht durch unzählige Glaskristalle durch den Raum, während wuchtige Vorhänge aus purpurrotem Stoff vor den Fenstern verhinderten, dass Tageslicht hereinkam.
Der Techniker grinste: „Falls du vorhaben solltest, deinen Scotch schon auf der Bühne zu trinken, dann musst du nur das Mikro hochklappen.“
Er führte es ihr vor und kippte den hautfarbenen Bügel, welcher eng an ihrer Wange zum Mund führte, nach oben und wieder runter. „Wenn du raus gehst, drück erst auf den Stumm-Knopf, sonst wird es ziemlich peinlich. Viel Glück.“
Susan war froh, als er sich wieder seinem Mischpult zuwendete. Sie hasste es, wie selbstverständlich Jeff ihr im Gesicht rumfummelte, und er schien es jedes Mal aufs Neue zu genießen. Konnte er seine Spielereien nicht demonstrieren, wenn sie das Gerät nicht aufgesetzt hatte? Hoffentlich ließ er sie wenigstens während der Vorstellung in Ruhe. Dialogtext gab es nicht, an den man sie über das Headset erinnern müsste und der Programmablauf würde wohl auch nicht kurzfristig geändert werden.
Sie schaute auf ihre Armbanduhr. In wenigen Minuten war Vorstellungsbeginn und vom Saal drangen die immer lauter werdenden Unterhaltungen der Zuschauer herein.
Claire, die engagierteste Maskenbildnerin, die man an diesem Theater je gesehen hatte, prüfte noch einmal ihr Make-up und ihre Kleidung – ein enger blauer Rock mit weißer Bluse. Claire hatte eine Schwäche für Röcke und so hatte sie auf dieses Kostüm bestanden, obwohl Susan lieber eine weite Hose getragen hätte.
Auch wenn die Maskenbildnerin um Welten kräftiger war als Susan, war sie sich noch nie zu schade einmal in der Woche in neuer Kombination zur Arbeit zu kommen. Jeff konnte es nicht lassen, sich bei jeder Gelegenheit über die Beine der Maskenbildnerin lustig zu machen, und diese mit allen möglichen Utensilien zu vergleichen. Trotzdem mochte Susan ihre liebenswürdige, naive Art mit Menschen umzugehen. Derartige Eigenschaften konnte sie bei Jeff Kurth vergebens suchen.
Die meisten Gäste hatten jetzt im Raum ihre Plätze eingenommen. Brian Dean, die letzten Minuten immer mit einem Ohr am Vorhang und ständigem Blickwechsel mit der Uhr, deutete ihr an, sie solle sich langsam bereithalten.
„Noch fünf Minuten bis zu deinem Auftritt, Sue“, rief er ihr zu. „Ich weiß, du könntest Stunden füllen“, witzelte er, wohl wissend, dass die Moderation für Susan eine Premiere war. „Aber das würde den zeitlichen Rahmen sprengen. Halt dich also lieber zurück.“
Susan versuchte ein gequältes Lächeln. Langsam wurde sie unruhig. Sie versuchte sich krampfhaft an die aufmunternden Worte von Direktor Greenberg zu erinnern. „Moderieren ist das Gleiche wie Schauspielern, meine Liebe. Bloß redest du hier nicht mit deinen Kollegen, sondern mit dem Publikum. Alles andere ist reine Routine, und da fehlt es dir bestimmt nicht an Erfahrung. Alles klar?“
Greenberg war stets ein fröhlicher Mensch, der in anderen meist nur das Gute sah. So zweifelte er auch nie an den Erfolg dieses Abends. Aber auch wenn sie schon viele Stunden vor Zuschauern verbracht hatte, fühlte sie sich dennoch ein Stück verlassen mit ihrer Aufgabe.
Sie atmete tief durch. Trotzdem, nach all den Jahren, die sie bis jetzt am Theater verbracht hatte, war das Lampenfieber immer noch so stark, wie an ihrem ersten Tag. Doch sie wusste, dass der Kampf gegen die Angst gewonnen sein würde, sobald sie auf der Bühne war.
Durch einen kleinen Spalt im Vorhang versuchte sie Jane ausfindig zu machen. Sie überflog die vorderen Reihen, doch sie fand ihre Freundin nicht. Wo mag Jane nur sein? Susan verdrängte die Gedanken und versuchte sich zu konzentrieren. Jane war vielleicht gerade nicht unter dem Publikum oder sie saß weiter hinten im Raum oder hatte einen Platz auf der Empore.
Gleich würde es losgehen. Das Blut pochte ihr in den Adern, sie stand angespannt am Vorhang. Im Saal erlosch langsam das Deckenlicht – vorsichtig, als wolle man die Zuschauer nicht mit plötzlicher Dunkelheit überraschen. Jeff spielte die ihr wohlbekannte Musik ein. Doch hier hinter dem Vorhang kamen ihr die heiteren Töne so merkwürdig fremd vor, obwohl sie diese Melodie schon oft bei den Proben gehört hatte.
Brian stand an der linken Seite des Vorhangs, von wo er auf die Bühne blicken konnte. „OK, Sue. Showtime!“ Er streckte den Daumen nach oben. „Kein Problem für dich.“
„Ich wünschte, ich wäre mir da auch so sicher“, lachte Susan und schaltete ihr Mikrofon ein. Sie schob den schweren Stoff des Vorhanges ein Stück zu Seite; der Spot-Scheinwerfer blitzte von der Empore auf und hüllte sie in gleißendes Licht.
Die Gäste brachen in tosenden Beifall aus, als sie auf die Bühne trat. Jetzt kam das Lächeln von ganz allein; Angst und Aufregung waren vergessen, die Zuschauer saßen gespannt in ihren Sitzen und blickten erwartungsvoll auf die junge, attraktive Frau, die strahlend in das Publikum schaute.
Brian hegte keinen Zweifel daran, dass Susan die Zuschauer auf ihre Seite ziehen würde. Insgeheim bewunderte er ihre positive Ausstrahlungskraft und ihre Art, wie sie Menschen mit ihrem sympathischen Lächeln für sich gewann. Er hatte mit ihr von Anfang an hier zusammen gearbeitet und ihren Optimismus schätzen gelernt. Seit dem ersten Tag, war sie immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert worden; einen Absturz hatte sie nie erlebt. Offensichtlich genoss sie die entspannte Athmosphäre am Theater, in der sich jeder Schauspieler frei entfalten konnte.
Brian schaute hinaus auf die Bühne. Keine zehn Meter von ihm entfernt stand Susan und lachte in die tobende Menge. Er hatte schon des Öfteren daran gedacht, diese Frau mit dieser begehrenswerten Gestalt zum Dinner auszuführen. Doch auch wenn ihm niemand bei der Organisation des Theaterprogramms das Wasser reichen konnte, blieb der Zeitplan seines eigenen Lebens auf der Strecke. Versuchte er sich mit Gewalt darin Platz zu schaffen, konnte er sich trotzdem nie ganz überwinden seine Kollegin auf ein abendliches Essen anzusprechen. Es fehlte ihm der Mut, und daran verzweifelte er.
Während Brian Dean seinen Gedanken nachhing, bemerkte niemand, wie jemand langsam den Griff der Eisentür nach unten drückte und die Tür einen Spalt breit aufzog. Im Gang draußen war es stockdunkel. Ein Augenpaar suchte den Raum ab und entdeckte die wenigen Theaterleute – in diesem Moment ganz auf die Geschehnisse auf der Bühne konzentriert.
Jeff hatte den Kopfhörer aufgesetzt und starrte auf den Bildschirm vor sich, die zwei Bühnenarbeiter, müde von der Anstrengung des langen Arbeitstages, saßen auf beiden Seiten einer hohen Klappleiter, vor sich eine gefüllte Teekanne, und warteten darauf, dass die Schauspieler aus den Kabinen kamen. Ab und zu füllten sei ihre geleerten Becher nach, die sie dann bedächtig, als wollten sie die beruhigende Wirkung des Getränkes nicht mindern, in langen, vorsichtigen Zügen austranken.
Hätte jemand den Fremden bemerkt, hätte er nur das Weiß der Augen zu sehen bekommen, die Gesichtszüge lagen im Schatten. Geräuschlos wurde die Tür jetzt ganz geöffnet. Zwei schemenhafte Gestalten huschten geräuschlos durch den Eingang und wurden nur für den Bruchteil einer Sekunde unter dem roten Licht der Lampe über dem Zugang beleuchtet. Ein dritter Mann bewachte draußen den Gang und verhinderte, dass die Tür zu laut ins Schloss fiel.
Die Gestalt, die als erster den Raum betreten hatte, wies kurz auf Dean, der immer noch abgewandt neben dem Vorhang stand. Mit kurzen, schnellen Schritten schlich der zweite Mann geduckt auf den Programmleiter zu. Einer Katze gleich warf sich der Fremde auf ihn, die muskulösen Arme schräg vor der Brust wie zwei wuchtige Rammen. Dean stürzte zu Boden, der Mann über ihm fiel auf ihn drauf und presste die Luft aus dem Brustkorb. Brian wollte schreien, aber kein Laut drang durch seinen vor Entsetzen und Überraschung aufgerissenen Mund.
Die zwei Bühnenarbeiter, sich eben noch leise unterhaltend, blickten erschreckt auf, ihre Gesichter verzerrten sich in Panik, die Tassen fielen polternd zu Boden. Der erste Mann lief mit ausgestrecktem Armen auf die beiden zu; die Hände in schwarzen Lederhandschuhen hielten eine Pistole auf die zwei Theaterleute gerichtet. Der lange Lauf des Schalldämpfers wirkte bedrohlich und machte die Waffe um einiges gefährlicher. Ein Schuss würde nur die Lautstärke eines leisen Hustens haben – höchstens.
Die kalten Augen des Mannes waren ohne Skrupel. Falls die Bühnenarbeiter nur einen Laut von sich geben würden, wäre es ihr letzter gewesen.
In kurzer Zeit waren alle vier Personen im Raum gefesselt und mit abgerissenen Teilen eines alten Vorhangs, der zusammengelegt auf einem Tisch gelegen hatte, geknebelt. Und dann war es vorbei.
Der erste Mann schritt auf den Platz des Technikers zu, der jetzt mit zusammengebundenen Händen und Knien neben den drei anderen Gefangenen saß und nun hilflos zusehen musste wie der unbekannte Mann sich vor die Bildschirme niederließ und den Kopfhörer aufsetzte.
Du hast die Kritikpunkte von unten sehr gut umgesetzt *lob* DAS ist was, was - zumindest wenn Deine ViKa stimmt - viel ältere Leute nicht schaffen! Sauber gemacht.