Mal ne story (lang)

Verzweiflung

Prolog

Ich rufe dich, doch du kannst mich nicht hören.

Dein Bild, es liegt in meiner Hand.

Ich berühre es sanft, Tränen in den Augen.

Es ist nur ein Foto, ein klägliches Abbild deiner selbst.

Der Weg zu dir, er war steinig und kurvenreich.

Viele Male bin ich gestürzt und du hast mich hochgezogen.

Du hast mir den Sinn des Lebens gezeigt und meine Hoffnungen aufgebaut.

Es war ein trister Tag, Regen prasselte gegen Fenster, der Sommer war schon dabei, sich zu verabschieden. Die Bäume ließen ihre Blätterpracht auf nasse Straßen fallen.

Menschen verabschiedeten sich in diesen Tagen vom Sommer, manche nur in der Hoffnung auf die Wiederkehr der Jahreszeiten, andere für immer.

Auch ich schlenderte traurig durch sterbende Alleen und Wälder, mit feuchten Augen verabschiedete ich mich vom Gesang der Sonne.

In diesen Tagen dachte ich über vieles nach. Ich sinnierte über den Sinn des Lebens, über vergangene unglückliche Beziehungen, über meine Zukunft.

Wie eine Wolke schwebte der Gedanke an Selbstmord über mir. Manchmal wünschte ich mir nichts sehnlicher als in den Tunnel zu gehen, an dessen Ende nur noch Licht ist. Ich schrie nach dem Tod, wünschte ihn mir herbei.

Mit diesen Gedanken bewegte ich mich bedrückt durch leere Gassen einer großen, fast ausgestorbenen Stadt. Meine Person erregte kein Aufsehen, erzeugte keine nachdenklichen Blicke. Menschen wichen mir aus, als ob sie die Aura des Todes bereits über mir zu sehen schienen.

Wie von einem Magnet geführt, tauchte ich durch die Menschenmassen, scheinbar ziellos, aber auf der Suche nach etwas, nach jemand.

Unwirklich und düster erschien mir das Gebäude, düstere Mauern mit einem drohenden Kreuz, welches nach Unterwerfung schrie und als Zeichen einer immer mehr versumpften Religion aus dem monumentalen Bauwerk heraus ragte.

Schon lange Zeit hatte ich keine Kirche mehr besucht, der kindliche Glaube an eine Religion der heilen Welt hat sich schon lange verflüchtigt.

Es schien, als ob das Schicksal mir sagen würde, wohin ich gehen müsste. Leise drückte ich gegen die schwere Tür aus Eichenbohlen. Mit einem Knurren, das an den Höllenhund Zerberus denken ließ, ging sie auf.

Langsam schritt ich durch Stuhlreihen, vorbei an Menschen, meist Alte, die in stiller Meditation den Weg zu ihrem Gott beschritten. Niemand nahm mich wahr, als ich direkt vor dem Altar niederkniete, als ob mein Rücken von einer schweren Last zu Boden gedrückt wurde.

Mein Blick hing an vergoldeten Heiligenikonen, als ich versuchte, letzte Reste fast vergessener Kindergebete hervorzustammeln.

Und so hast du mich gefunden Mein Gesicht mit Tränen bedeckt, die nach Verzweiflung und Hilfe schrieen. Bis zum heutigen Tag ist es unbegreiflich, welche Macht mich dazu verleitet hat, eine Kirche aufzusuchen. Auch was du dort wolltest, ist mir schleierhaft.

Doch du warst da, standest schräg hinter mir und schautest mich unverwandt mit rehbraunen Augen an. Ich drehte mich um, als ich deine Aura spürte.

Der Altar begann zu erleuchten, die Kirche nahm an Glanz zu. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich die Person in meiner Reichweite hatte, auf die mein ganzes Leben hingelaufen ist.

Der Grund, warum alle meine Beziehungen längst vergangen waren, als ob mein Unterbewusstsein mich daran erinnert hätte, dass ich die Frau meines Lebens noch vor mir hätte.

Dein Blick ruhte auf mir, als ob du jeden meiner Gedanken verstehen würdest, dein Blick schenkte mir mehr Liebe wie ich in meinem ganzen Leben zuvor erfahren hatte.

Langsam stand ich auf, versuchte wieder Herr über meine Sinne zu werden. In diesem Moment sah ich nicht sehr geistreich aus. Ein verheultes Gesicht, vom Regen noch feuchte Klamotten.

Stammelnd, wie ein Schuljunge, fragte ich dich nach deinem Namen.

„Ich bin Maja und jeden Tag meines Lebens habe ich von dir geträumt. Meine Religion heißt Hoffnung, meine Vergangenheit war die Verzweiflung doch meine Zukunft, meine Liebe, sollst nur du sein“.

Berge von Verzweiflung fielen von mir ab. Du warst nicht mehr das schönste Lebewesen auf diese Erde, sondern der hübscheste aller Engel.

Während ich zitternd deine Hand wie ein Ertrinkender umfasste, floss ein Satz aus mir heraus, der nicht von mir zu stammen schien:“ Mein Name ist David, jeden Schritt den ich jemals getan habe, jeder Herzschlag hat mich zu dir geführt, mich daran erinnert, des es ein Herz gibt, welches im gleichen Takt schlägt. Urteile nicht über mich, weil du mich weinend vor einem Altar gesehen hast, sondern schaue mir ins Gesicht, wenn wir zusammen diesen Ort verlassen haben.“

Seite an Seite verließen wir die Kirche. Den ganzen Tag liefen wir durch Gassen, Wälder, Parkanlagen. Haben unsere Herzen verbunden und zu einer einzigen Einheit zusammengeschmolzen.

Wir haben uns immer wieder getroffen. Die Veränderung, die in uns stattgefunden hat, war überwältigend. Wir blühten auf, die Welt schien uns zu gehören. Wir waren die Welt, ein Universum in Zentrum aller Universen. Der erste Kuss, niemals werde ich ihn vergessen können. Unsere Körper waren füreinander geschaffen, nur zusammen waren wir vollständig. Jedes gemeinsame Lächeln ließ die Welt um ein tausendfaches heller erscheinen.

Blicke trafen uns, manche eifersüchtig, wütend. Andere hingegen voller Freude, Sehnsucht, einige schenkten uns alles Glück der Welt.

Wir liebten uns und nichts konnte daran etwas enden. Es war perfekt.

Wenn ich darüber nachdenke, muss ich weinen. Warum muss alles was gut und schön ist vergehen?

Ich kann nicht begreifen, warum es passiert ist. Die Nachricht von deinem Tod hat mich in Trance versetzt. Ich bin nicht mehr Herr meiner Gefühle, meine Trauer bricht überall aus und ich kann sie nicht aufhalten.

Vor mir liegt die Liebe meines Lebens in einem kalten hölzernen Sarg, ich verstehe es nicht, will nicht begreifen wie es dazu kommen konnte.

Ich verfluche alle Götter, allen Glauben habe ich verloren und ich weis nicht, wo nun, da du, meine Liebe, nicht mehr da bist, mein Lebenssinn besteht.

Du warst alles, was jemals von mir gewünscht wurde. Mein Leben schien in eine neue Richtung zu gehen. Doch stattdessen bist du tot.

Wie kann ein Gott, der alle Menschen liebt, mich so verarschen??

Niemals wieder werde ich mich verlieben können, weil du meine Sonne warst. Du bist unersetzbar und ich vermisse dich. Nichts wünsche ich mir sehnlicher, als in deiner Nähe zu sein. Mein Weg des Lebens, das Rad, das sich ewig zu drehen schien, ist jetzt zum Stillstand gekommen.

In den Moment, als deine Leiche von der Erde verschluckt wurde, habe auch ich mich von der Welt verabschiedet.

Mein Schatz, bald werde ich bei dir sein. Auch wenn es keinen Himmel geben sollte so bin ich doch froh, nicht mehr ohne dich leben zu müssen.

Ich liebe dich und hoffe, man wird verstehen warum ich mich dazu entschlossen habe, dir zu folgen.

Hallo David,

oh Scheisse, ist Dir das wirklich passiert???

Falls ja und falls Du mit jemandem reden möchtest, kannst Du mich sehr gern privat anmailen.

Icequeen

Hi icequeen!

Hört sich das so realistisch an? Nein, ist nur meiner - zweifellos kranken - Psyche entsprungen. Natürlich habe ich Enttäuschungen in Beziehungen hingenommen, aber niemals ist jemand gestorben.

Trotzdem vielen Dank für dein Angebot!!

LG, David

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Hallo David,

Hört sich das so realistisch an? Nein, ist nur meiner -
zweifellos kranken - Psyche entsprungen. Natürlich habe ich
Enttäuschungen in Beziehungen hingenommen, aber niemals ist
jemand gestorben.

Naja, mir ist so was ähnliches passiert, also zumindest insofern der wichigste Mensch in meinem Leben plötzlich und unerwartet gestorben ist und die emotionale Beziehung zwar keine Partnerschaft war, aber von ähnlicher Intensität, wie in Deinem Geschriebenen…

Grüsse

Icequeen

*
Hallo David,

Hört sich das so realistisch an? Nein, ist nur meiner -
zweifellos kranken - Psyche entsprungen. Natürlich habe ich
Enttäuschungen in Beziehungen hingenommen, aber niemals ist
jemand gestorben.

Na da bin ich froh und sage dir gerne, dass ich deine story richtig gut fand. Ich hätte sprachlich ein, zwei Dinge anders ausgedrückt, die möchte ich aber eigentlich gar nicht erwähnen, weil ich es insgesamt einfach richtig gelungen finde. Die Story hat mich beim Lesen gepackt und mitgenommen.

Gruß
kate_