Was der Weihnachtsgeschichtenerzähler erzählte

Hier ist er schon, der Weihnachtsgeschichtenerzähler. Er hat
einen Stuhl auf das Kopfsteinpflaster gestellt und ist
hinaufgestiegen. Einige Erwachsene ärgern sich, weil er einen
Teil des Trottoirs beansprucht. Erst recht, wie jetzt eine wilde
Horde Kinder kommt und beim Geschichtenerzähler stehen bleibt.
Eine junge Frau schimpft, weil sie auf die Strasse ausweichen
muss. Doch jetzt fängt der Geschichtenerzähler an:

„Es war einmal eine Frau, die ihre Stelle als Kindermädchen
verloren hatte, weil sie schwanger war. Sie kam in dieses Dorf
und suchte eine Unterkunft. Zuerst begab sie sich ins Pfarrhaus,
doch die freundliche Pfarrhelferin musste sie abweisen, denn der
Herr Pfarrer probte gerade mit den Kindern das Weihnachtsspiel in
der Kirche. Die Frau ging zur Kirche, wurde aber von einer
Abwartin weggeschickt: Hier könne sie jetzt nicht hinein, weil
die Kinder das Krippenspiel üben. Die Frau, die sehr fror und
erste Schmerzen bekam, denn die Stunde ihrer Geburt war nicht
mehr fern, begab sich in die nahe Klinik, wurde aber dort
abgewiesen, es sei kein Bett frei, sie sei zudem nicht angemeldet
und überhaupt, die Wehen hätten ja noch gar nicht begonnen. Dann
begab sich die Frau zur Polizei und verlangte, in eine Zelle
gesperrt zu werden, weil sie sonst kein Nachtlager fände. Aber
die Polizei wies sie ab, denn ein Gefängnis ist nun einmal kein
Grandhotel!“

Und die vom Erzähler verzauberten Kinder sahen jetzt eine Frau
kommen, die sich neben den zum Verkauf ausgestellten
Tannenbäumchen auf eine Bank setzte. Aber da sass schon jemand
anderes, ein dorfbekannter Clochard sass dort mit seinr
Vermouthflasche, aus der er von Zeit zu Zeit genüsslich einen
Schluck nahm. Der Clochard beugte sich zu der Frau, die zu weinen
begonnen hatte.

„Nana, junge Frau, was weinst Du denn, es ist doch bald
Weihnachten!“ Dann rülpste er laut.

Doch die Frau weinte weiter und erzählte, wie sie ihre Herrschaft
fortgeschickt hatte, als sie merkte, dass sie schwanger geworden
war. Sie hatte keine Bleibe.

Da nahm der Clochard die Frau an der Hand und führte sie in die
Garage eines alten Wohnhauses, wo er seit einigen Monaten
übernachtete. Die Garage gehörte einem ehemaligen Arzt, der sich
aber zur Ruhe gesetzt hatte.

Als in der Nacht die Wehen begannen, versuchte der Clochard zu
helfen. Aber er war unpraktisch und hatte Angst. Und so läutete
er im alten Arzthaus und bat den Herrn Doktor, doch nach der Frau
zu schauen.

Bei Doktors feierte man gerade den Heiligen Abend. Des alten
Arztes Tochter und ihr Mann und sein Enkel Felix waren gekommen.
Alle packten ihre Geschenke aus, während die Kerzen auf dem Baum
leuchteten und im Radio Mahalia Jackson sang.

Der alte Doktor war nicht begeistert, als er den Clochard vor der
Türe stehen sah. Aber er ging mit ihm in die Garage und half dem
Kindlein auf die Welt. Der Clochard musste derweil heisses Wasser
aus der Küche im Arzthaus bringen und aus Decken und Leintüchern
der Frau Doktor eine Bettstatt für die Frau errichten. Das
Kindlein packten sie sorgfältig in zwei aufeinander gestülpte
Gummireifen von des Doktors längst verkauftem Wagen.

"Am anderen Tag, am Weihnachtstag, strömten die Erwachsenen in
die Kirche, um dem Gottesdienst zu folgen und sich das
Krippenspiel anzusehen. Doch wie sie alle da sassen und der
Pfarrer längst seine schöne Predigt gehalten hatte, fehlten die
Kinder. Unruhe gab es in der Kirche, die Pause wirkte langsam
peinlich. Da kam der Siegrist aufgeregt zum Pfarrer und erklärte,
die Kinder seien alle in der Garage des alten Doktors und
huldigten dort einem Kindchen, das in der letzten Nacht geboren
worden sei.

Da eilten zusammen mit dem Pfarrer alle Kirchgängerinnen und
Kirchgänger zur Garage des alten Doktors. Und dort sahen sie
tatsächlich, wie die Kinder, die Felix alle gerufen hatte, ihr
Krippenspiel vorführten. Und der Clochard und die noch schwache
Frau sassen daneben und sie wiegte das Kindlein in ihrem Schoss."

Damit schloss der Erzähler seine Geschichte. Längst hatten sich
nicht nur Kinder um ihn versammelt, sondern auch viele
Erwachsene, beladen mit Weihnachtsgeschenken, standen um ihn
herum und lauschten seinen Worten.

Die Frau auf der Bank bei den Tannenbäumchen stand jetzt auf.
Alle sahen ihren dicken Bauch. Und da kam tatsächlich der alte
Clochard gelaufen, ein wenig schankend und seine Flasche in der
einen Hand. Mit der anderen geleitete er jetzt galant die
schwangere Frau zu einem nahen Garagentor.

Die Erwachsene

Bitte noch das Ende!
Hallo Bernhard,

bitte noch das Ende posten - es ist wieder mal abgeschnitten worden.

Danke!
Gruß
Martin

Die Frau auf der Bank bei den Tannenbäumchen stand jetzt auf.
Alle sahen ihren dicken Bauch. Und da kam tatsächlich der alte
Clochard gelaufen, ein wenig schankend und seine Flasche in
der
einen Hand. Mit der anderen geleitete er jetzt galant die
schwangere Frau zu einem nahen Garagentor.

Die Erwachsene

Hier der verschwundene Schluss meiner Geschichte:

Die Frau auf der Bank bei den Tannenbäumchen stand jetzt auf.
Alle sahen ihren dicken Bauch. Und da kam tatsächlich der alte
Clochard gelaufen, ein wenig schankend und seine Flasche in
der einen Hand. Mit der anderen geleitete er jetzt galant die
schwangere Frau zu einem nahen Garagentor.

Die Erwachsenen gingen nachdenklich auseinander.

Einige von ihnen schämten sich.

Gruss Bernhard