Wenn Thriller-Meister Alfred Hitchcock sich des Themas der Geburt
Christi angenommen hätte, sähe sein Film ungefähr folgendermassen
aus:
Ganz zu Beginn des Streifens berät der englische Geheimdienst in
London über die prekäre Situation im Nahen Osten. Seit die
römische Mafia dort das Sagen hat, ist die High Society von
Jerusalem korrumpiert.Besonders unangenehem sind die Heroiden in
Erscheinung getreten. Herodes ist der König der Wegelagerer rund
um die Heilige Stadt.
Den englisch-himmlischen Heerscharen – und der englischen
Kolonialarmee – ist es gar nicht geheuer, dass ausgerechnet in
dieser Unruheprovinz das Christkindlein zur Welt gebracht werden
soll.
Da kommen zu allem Unglück noch die drei Weisen aus dem
Morgenland, die, mit ordentlichen englischen Visen versehen, den
Palast des Herodes aufsuchen. Ein geheimnisvoller Stern, ganz
offensichtlich eine russische Weltraumstation, hat sie
hierhergeführt. Die drei Könige behaupten, der Stern würde die
Geburt eines grossen Königs anzeigen. Deshalb sind sie zu Herodes
gekommen, weil ihrer Meinung nach ein königliches Kind nur in
einem Palast zur Welt kommen kann.
Ein Diener – unschwer zu erkennen, dass Alfred Hitchcock selber
in die Rolle geschlüpft ist – bringt die drei Gäste zu Herodes.
Der frägt sie aus, ist ausserordentlich höflich und verspricht
ihnen jede erdenkliche Hilfe. Sie sollten, wenn sie das Kindlein
gefunden hätten, nochmals bei ihm vorbeikommen und ihm den Ort
der Geburt nennen, er möchte selber dem Kindlein huldigen. Die
heiligen drei Könige ziehen mit ihrem Gefolge ab.
Unterdessen arbeiten die englischen Heerscharen mit Kaiser
Tiberius zusammen. Tiberius befiehlt eine Volkszählung im ganzen
Empire, wodurch Maria und Josef aus Nazareth, wo sie jeder kennt,
entfernt werden. Sie wollen sich nach Bethlehem begeben, um sich
einschätzen zu lassen, denn Josef stammt aus dem Geschlecht
Davids, das in Bethlehem Bürgerrecht geniesst.
Nun tritt der englische Geheimdienst in Aktion. In Gestalt eines
Engels (grossartig verkörpert von James Steward) tritt den
Vaganten ein Offizier entgegen, der ihnen befiehlt, im Mövenpick
am Toten Meer abzuwarten, bis die Gefahr vorbei ist. In einem
Militärjeep, der eine irre Fahrt durch die verminte Wüste
unternimmt, wird das Heilige Paar dorthin gebracht, wo Maria in
aller Ruhe und ungestört von Schafen, Ochsen und Hirten und
verräterischen drei Königen ihr Kindchen zur Welt bringen darf.
Unterdessen inszenieren die Engel in einem kleinen Stall in
Bethlehem eine Ablenkungs-Show. Englische Heerscharen erfreuen
die Hirten auf dem Felde, die gemeinsam zum Stall ziehen und
damit die Aufmerksamkeit der gesamten Presse erregen: Sogar in
der Jerusalem-Post und nach einiger Verzögerung im Osservatore
Vaticano wird von dem Ereignis berichtet.
Die Schergen des Herodes haben unterdessen ihren
Kindermordsbefehl erhalten und strömen aus, um alle Kinder unter
einem Jahr zu töten. Maria und Josef werden von James Steward ein
zweites Mal gewarnt und entkommen auf das ägyptische Ufer, zu dem
sie ein buckliger Araber (Peter Lorre) hinüberrudert. Unterdessen
trällert im Mövenpick am Toten Meer Doris Day ihr berühmtes „Quey
sera, sera…“ Herodes’ Mörder morden. Und die Englein vom
englischen Geheimdienst tirilieren. (Das LIed „Friede auf Erden
und den Menschen ein Wohlgefallen…“) ist bei der Montage des
Films als zu unrealistisch gestrichen worden.)
Maria und Josef und das Christuskind sind wohlbehalten in Kairo
angelangt, wo sie die Pyramiden bewundern. Ein Fremdenführer
namens Caesar ruft ihnen zu: „Jahrhunderte sehen Euch an!“ Nur
den kleinen Esel hat die Heilige Familie an der Grenze den
englisch-ägyptischen Zollbehörden abgeben müssen, er kommt für
vier Monate in Quarantäne.
Über die Leinwand leuchten die Kerzen von Tausenden von
Weihnachtsbäumen. Und in das Crescendo des „Haleluja“ flimmert in
got