Ferret-Legging, oder …
Von: , Frage gestellt am So, 25. Mai 2008
…wie kommen Frettchen in die Hose?
Frettchen sind ganz wilde Kampfmaschinen. Wenn sie in einer engen, dunklen Röhre stecken und mit
ihrer Schnauze etwas Warmes ertasten, wissen sie, dass sich eine Beute direkt vor ihnen befindet. Zuerst
ergreifen sie sie blitzschnell mit ihren messerscharfen Krallen, damit sie nicht mehr entwischen kann.
Anschließend kommt der 'Killing bite', der Todesbiss. Frettchenbesitzer nennen deshalb die Tiere mit
ehrfürchtigem Erschauern ‚Piranhas auf Beinen’.
Diese Eigenart beim Jagen wurde bis noch vor wenigen Jahren in England zu einem üblen Spaß in
manchen Kaschemmen ausgenutzt. Dieser idiotische Blödsinn hatte sogar einen Namen: Ferret-Legging.
Zu diesem tumben Vergnügen benötigte man zwei gesunde Tiere mit kräftigen Gebissen. „The ferrets
must have full sets of teeth“ , lautet eine Regel dieser abstrusen Beschäftigung. Vorher wurde aber
überprüft, ob die Zähne nicht regelwidrig stumpfgeschliffen worden waren, denn auch hier soll es schon
Unregelmäßigkeiten gegeben haben. Dann wurden die messerscharfen Krallen überprüft. Womöglich
waren sie vorher abgeschnitten worden. Man kann nicht misstrauisch genug sein, in dieser Welt voll Lug
und Trug. Auf dem Tresen der Kneipe wurde ein offener Schuhkarton hingestellt, in den Geldscheine
hineingeworfen wurden. Je voller er wurde, desto näher war der Moment eines unerhörten Spektakels,
von dem ich ihnen berichten möchte.
Wenn sich der Schuhkarton endlich genügend gefüllt hatte, kam man zur Sache. In der Regel traten zwei
Kontrahenten gegeneinander an. Die Regel war simpel, was aber nichts über die Schwierigkeit des
bevorstehenden Wettkampfes aussagt: Wer behält zwei Ferrets am längsten — in der Hose. Natürlich
waren die Hosenbeine unten zugebunden, um die Tiere an einer Flucht zu hindern. Zwei beißwütige
Teufel in der Hose — ein wahrer Alptraum.
Der Weltrekord im Ferret-Legging stand seit langer Zeit unverrückt bei knapp einer Minute, was schon
beachtlich ist. Doch Mister Reg Mellor of Barnsley in Yorkshire hat sie alle beschämt, — die Ferret-
Leggers, denn er setzte den Weltrekord auf 5 Stunden und 26 Minuten. Der Wettkampf wurde übrigens
nicht zu Ende geführt, da sich das Publikum nach einiger Zeit zu langweilen begann, denn es fühlte sich
schlecht unterhalten. In der Hose des Herrn Mellor ereignete sich nichts Berichtenswertes, weswegen die
gelangweilten Leute unzufrieden nach Hause gingen. Missgünstige behaupteten, die Frettchen in den
zugebundenen Hosenbeinen seinen gleich eingeschlafen. Zyniker jedoch vermuteten eine regelwidrige
Ohnmacht der Tiere. Da kein Veterinär zugegen war, wird sich dieser Vorwurf wohl nicht mehr aufklären
lassen. Der Lorbeerzweig , und der volle Schuhkarton wurde Herrn Reg Mellor aus Barnsley
zugesprochen.
Doch soll hier nicht verschwiegen werden, dass Reg das gewonnene Preisgeld, nach Abzug der Kosten
für Pflaster und Verbandszeug, dem örtlichen Kinderheim stiftete.
