Schmalziger Teil

Guten Abend,

mir wurde gesagt ich sollte hier Texte einstellen und sie bewerten lassen. Hier hab’ ich ein Stück Text, von dem ich WEISS, das er furchtbar schmalzig und völlig übertrieben ist.
Wisst ihr wie man es besser machen kann?

Ich als Autist dachte das wäre so gut bis dann alle sagten, es wäre furchtbar übertrieben.

Kurze Info dazu:
Magda ist knapp Ende 40
Ido ist knapp 30, und der neue Verlobte von Magda
Kevin etwa 5 Jahre alt, und Magda’s Sohn
Es spielt Anfang 2009.

http://cid-41ea1ba71412f7d0.skydrive.live.com/self.a…

Ich gebe zu, der Text ist etwas länger und einige werden wohl weinen vor lachen.
Andere werden die Hände zusammenschlagen und denken „Wie kann man nur so viel Schmalz in drei Sätze bringen?“
Und andere werden wohl nach 5 Sätzen aufhören wollen, weil es echt …

Aber ich würde mich freuen wenn jeder mir dazu Vorschläge geben könnte.
Sätze löschen, Sätze umschreiben oder auch ganz anders machen.
Was ihr vorschlagt ist mir egal -mir hilft zurzeit alles- denn ich verzweifele langsam an den romantischen Passagen.

Danke für eure Hilfe.

Schöne Grüße

reality-vision

Hallo reality-vision,

es fällt schwer, auf Deinen text einzugehen, da Du nicht bekannt gegeben hast, an wen dieser sich wenden soll, in welchem Zusammenhang er steht oder was Du damit erreichen willst.

Dennoch habe ich mir einmal einige Passagen kopiert und mir näher angeschaut:

Die Straße von Bonifacio. Dort fuhren sie gerade lang und Magda sah
auf die Klippen und bewunderte sie.
„Sie ist echt wunderschön. Wirklich, Ido. Wunderschön.“

Inhaltlich: Mir als erdkundlich Nicht-Bewandertem hat sich erst viel später erschlossen, dass das eine Wasserstraße ist und die Prots mit einem Schiff unterwegs sind.
Ach ja, und wenn man dann ein wenig recherchiert, erfährt man, dass die Durchfahrt durch diese Straße für den Seeverkehr seit 1993 gesperrt ist. Spielt die Story deshalb 2009, damit man die Passage wieder freigeben kann?
Form: Aus meiner subjektiven Sicht viel zu umständlich. Es holpert an allen Ecken und Enden.
Alternativbsp. (nur anders, nicht unbedingt besser):
„Sie befuhren gerade die Straße von Bonifacio und Magda bewunderte die Klippen.“
Dann: Raus mit den Füllwörtern: „echt“, „wirklich“ (gilt auch für alle weiteren Passagen).

„Nicht so schön wie du. Du strahlst mehr Freude aus, als die Sonne an
den Bergen glänzen könnte.
Wie ein glücklicher lupenreiner Diamant, der in der Sonne funkelt.“
Magda drehte sich um und lächelte ihn an.

„Freude ausstrahlen“ und „Sonne an den Bergen glänzen“ passen nicht als Vergleich zueinander. Neu suchen - und wenn´s geht nicht sooooo theatralisch-abgehoben.
Dann: Diamanten sind nicht glücklich. Raus damit. Genauso „lupenrein“. Wieder so ein unnötiges Füllwort.
Ausserdem ein (kleiner) Logikfehler: Wenn er den Arm um sie legt, hat der Leser den Eindruck, sie stehen nebeneinander. Wenn sie sich dann aber umdreht, wirkt das plötzlich, als stehe er hinter ihr.

Magda lächelte erwartungsvoll und Ido wollte sie trotz seiner
dichterischen Unbegabung nicht enttäuschen. Er machte es anders.

70er Jahre, Dalli-Dalli, Mady Riehl: „Lächeln hatten wir doppelt, da müssen wir eins abziehen.“
„…trotz seiner dichterischen Unbegabung…“: sorry, aber da musst Du nochmal ran. Oder lass das doch komplett weg (der Text braucht diese Aussage gar nicht).
„Er machte es anders.“ Umgangssprachlich. Müsste man neu formulieren.

„Magda, du bist nicht in ein Gedicht zu bekommen. Deine Seele ist
reiner als der schönste Diamant und deine
Freude spühren die Wellen, die sie durch den Wind zugeflüstert
bekommen. Neben dir spür’ ich keine Kälte,
denn die Sonne strahlt ihre Wärme nur für dich. Weil du so lächelst.“

Erster Satz ist wieder Umgangssprache und holpert furchtbar.
Dann ist jetzt auf einmal die Seele „reiner als der schönste Diamant“. Eben strahlte sie noch vor Freude wie ein lupenreiner Diamant. Das Bild wiederholt sich also, führt aber aufgrund der Abweichung nur zu Verwirrung beim Leser.
Ah ja, und ihre Freude (die eben ja noch strahlte), die wird jetzt von den Wellen gespürt (die genaue Formulierung oben ist übrigens vom Satzbau her falsch). Ich habe mich gefragt, wie die Wellen das machen, das Spüren? Vielleicht hilft ja der Wind, von dem sie es „zugeflüstert bekommen.“

  1. holpert die Formulierung furchtbar (wenn schon, wie wäre es einfach mit: „… die ihnen der Wind zuflüstert.“), 2. „bekommen“ haben wir als unschöne Wiederholung und „flüstern“ kann man Worte, Sätze, Gedichte, Geschichten, etc., aber nicht Freude.

Sie sah ihn mit Tränen in den Augen an und zitterte. Es war doch kalt.

Zittert sie tatsächlich, weil es kalt ist? Im Mittelmeer? Und wo sie doch gerade anderes im Kopf haben sollte, als ein wenig wetter-empfindlich zu sein.
Oder zittert sie aufgrund ihrer Gefühle. Dann: Weg mit dem „Es war doch kalt.“

„Lass uns reingehen, Schatz. Genießen wir den Morgen am Fenster mit
einem Frühstück und der hereinfallenden Sonne,
die an deiner Freude vor Neid verblassen wird.“

Also, wenn ich schon mal auf etwas hereinfalle, kann ich auch blass werden. Aber das ist - glaube ich - nicht das, was Du sagen wolltest, oder.
Übrigens, fällt Dir auf, dass Du nun zum dritten Mal Magdas Freude bemühst, um irgendwelche Bilder aufzubauen, die furchtbar poetisch klingen sollen?

„Ido, du bist unglaublich. Immer die richtigen Worte zur richtigen
Zeit.“

Nicht böse sein, aber an der Stelle konnte ich nicht ander: ich musste einfach loslachen.

Magda lächelte wieder und hakte sich bei ihrem Ido unter und
gemeinsam gingen sie unter Deck, wo ein Frühstück und
Kevin wartete. Für Ido war er schon wie ein Sohn.

grammatikalische Kleinigkeit: Frühstück und Kevin sind Mehrzahl, also „warteten“ sie.
Die inhaltliche Aussage des nachfolgenden Satzes ist vollkommen unvorbereitet und steht in keinerlei Zusammenhang mit dem Schiff, dem Frühstück oder dem Morgen. So passt das nicht.

An dieser Stelle möchte ich mit der Einzelkritik schließen, weil das ansonsten zu weit führen würde. Ich wollte Dir auch nur Ansatzpunkte aufzeigen, an denen du noch arbeiten könntest.
Der gesamte Text kommt einerseits furchtbar schwülstig daher (immer dann, wenn es um Gefühle und Zustände, Zukunft und Vergangenheit geht) und gleitet andererseits immer wieder in eine Umgangssprache ab, die hierzu in krassem Widerspruch steht.

Vielleicht ein Tipp: Schreib Deinen Text. Dann lass ihn 8 Tage liegen und lies ihn Dir dann selber laut vor. Häufig merkt man dann selber schon etliche Stellen, an denen es noch knirscht.
Oder schliess Dich einer Schreibgruppe an, in der man sich gegenseitig mit seinen Texten hilft.
Und sei bereit, mit Deinem Text zu kämpfen! Manchmal hängt man wieder und wieder an einer bestimmten Formulierung fest. Dann ist es schon einmal zum Verzweifeln. Das darf aber nicht als Legitimation dafür herhalten, billig die zweit- oder drittbeste Formulierung zu akzeptieren. Wie sagte mal ein Autor: „Use the best, f*** the rest.“
Gutes Gelingen!!

Viele Grüße
Camelot

Die Hintergrundstory
Hallo,

danke schon mal dafür.

Das Kapitel fängt eigentlich mit drei Stätzen über die Straße an.
Und für die AIDAcara ist die Straße cciht gesperrt.
Mein Fehler. Hätte ich erwähnen sollen.

Das was du gesagt hast, deckt sich zum Teil mit dem was mir andere erzählt haben.
Mein Problem ist einfach das ich von Romantik keine Ahnung habe und deswegen so ewtas schlecht schreiben kann.

Dieser romantische Teil ist der Einzige an der ganzen Story der die Geschichte unfertig macht.
Ich weiß einfach nicht wie Ido versuchen kann Magda etwas nettes zu sagen ohne das es gleich im Stil der 70er ist.

Man muss sich das so vorstellen:
Der älteste Sohn von Magda ist seit zwei Monaten verschwunden.
Magda hat ihn erst in Köln gesucht, dann aber teilweise aufgegeben, weil ihr langjähriger Freund Ido ihr das „eingeredet“ hat. Er ist schon lange verliebt in sie und alles war gut. Durch das Verschwinden des Sohnes ist Magda dauert traurig und Ido tut gerade alles damit sie nur an ihn denkt. Deswegen hat er ihr auch diese Kreuzfahrt spendiert. IDo ist klar das der Sohn nicht wieder zurückkommen wird.
Er hat ihr einen Heiratsantrag gemacht, den sie halbwegs angenommen hat und jetzt …

Tja, jetzt versucht er alles damit sie mehr an ihn als an ihren Sohn denkt. Und das soll im Laufe der Kreuzfahrt klappen. Es ist vorgesehen, das sie ihren Sohn durch Ido vergisst oder verdrängt und erst durch einen Anfruf der Cops weider daran erinnert wird.

Das als Hintergrund.

Aber wie gesagt, ich kann das nicht so in Worte fassen das es wie heute und normal klingt. Deswegen hoffe ich hier auf Hilfe.

Danke nochmal für deine Hinweise.

Gruß

reality-vision

Guten Abend reality-vision!

Was du geschrieben hast im einzelnen auseinanderzupflücken bringt wenig. Grundsätzlich hast du beim Schreiben ein Problem: Authentizität. Wenn du über Magda schreibst, versetz dich voll und ganz in ihre Lage. Versuch zu denken und zu fühlen und zu sprechen, wie sie sprechen würde. Das Gleiche versuchst du mit Ido. Ich bin sicher, dann kommt etwas anderes dabei heraus, als jetzt. Und wenn du die Romantikszene nicht über Dialoge hinkriegst (ist meistens sowieso nicht so gut, „Bilder“ sind besser), dann laß die beiden schweigen und handeln. Laß sie eine romantische Stimmung „erleben“. Im Moment sitzen sie im Auto und reden drüber. Sie erleben es aber nicht. Versuch die Stimmung zu beschreiben. Gefühle über Dialoge zu transportiern geht oft und gern nach hinten los und hinterher liest es sich, wie ein Arztroman. Und laß die Metaphern weg. Metaphern sind eher sparsam zu verwenden, sonst wird es unfreiwillig komisch. Wenn du z.B. eine Frau beschreibst und ihr güldenes Haar wie Lavaströme die Schultern herabfließen läßt, ihre Augen wie Opale in der tiefen Nacht leuchten läßt und ihre Zähne ebenmäßig wie Klaviertasten beschreibst, hast du die Lacher auf deiner Seite aber keine Identifikation. Also, versuch es erstmal ohne Dialoge und mit weniger Metaphern. Versuch die Stimmung der beiden zu beschreiben. Ganz nüchtern. Was sie fühlen, was sie denken. Versuch nicht zwangsweise romantisch zu werden. Und dann lies es nochmal und überlege, ob ein Dialog oder ein einfaches Wort Sinn macht. Aber erst das Bild und die Stimmung. Dann der Dialog. Oh, und Romantik entsteht nicht auf Knopfdruck. Romantik hat mit Logik nichts zu tun. Wenn das für dich als Autist das Problem ist, kann es sein, dass du dieses Gefühl „importieren“ mußt. Nur Mut, laß dir erzählen, was für andere romantisch ist. Nimm dir die Zeit. Du wirst feststellen, dass das ein höchst individuelles Empfinden ist, aber dass es Parallelen gibt. Und diese Parallelen sind das Geheimnis. Nichtsdestotrotz: Schreib weiter. Und vergiß nicht: eine Geschichte ist im Grunde niemals fertig.
aufmunternde Grüße
aufmunternde Grüße

Boot, nicht Auto. Sorry. owT
owT