Schilderung: Herbst

Hallo!

Mein Sohn lernt in der Schule jetzt die Schilderung.
Letztens hatte er das Thema „Herbst“.
Seine Hausübung hat er schon längst abgegeben, aber aus Jux und Tollerei habe ich gestern auch eine Schilderung zu diesem Thema geschrieben (er gibt also nicht mein Werk als seines aus).

Nun erbitte ich Kritik:

  1. Ist das tatsächlich eine Schilderung oder habe ich das Thema verfehlt?
  2. Habe ich inhaltlich etwas vergessen; fehlt der Beschreibung des Herbstes noch irgendetwas Markantes?
  3. Wie ist der Stil? Zieht er sich schlüssig durch die ganze Story oder habe ich irgendwo einen Stilbruch drinnen?
  4. Zeiten: Unsere Volksschullehrerin achtete geradezu verbissen darauf, dass wir keinen „Zeitensalat“ mixen. Gegenwart und Vergangenheit; Mitvergangenheit und Vorvergangenheit gehören zusammen. Genau so und nicht anders.
    Ich habe aber festgestellt, dass heutzutage vielfach nicht mehr darauf geachtet wird.
    Kann man meinen Zeitenmix lassen oder stört er?
  5. Rechtschreibfehler: Habe ich irgendwo einen übersehen? Genauso Satzzeichenfehler.
  6. Absätze: Selten ist es mir so schwer gefallen, den richtigen Platz für die Absätze zu finden. Ist es mir gelungen?
  7. Gesamteindruck: Zu lang, zu kurz, zu fad, …???

Und nun zu dem Kunstwerk:

Der letzte Herbsttag

Alt und müde ist er geworden, und feist von der reichen Ernte, der Herbst.
Weintrunken erhebt er sich noch einmal umständlich von seiner verwitterten Bank und lacht über das weite Land.
Ein paar Bäume winken schwach mit den verbliebenen Blättern zurück.

Schön war die Zeit, sinniert der Herbst, schön war sie.
Ja, als er jung war, was hat er da nicht alles angestellt!
In der Erinnerung lacht er laut auf.
Sein erster Streich war, alle Bäume leuchtend bunt anzumalen. War das eine Freude damals! Und dann hat er den Äpfeln und Birnen lustige Backen gezeichnet, und er hat sie so schwer gemacht, dass die Äste sie nicht mehr halten konnten und sie munter ins Gras purzelten.
Mit sanftem Regen hat der die Trauben prall gemacht und mit der goldenen Herbstsonne zuckersüß. Die Sträucher hat er mit roten, orangen und glänzend-schwarzen Beeren gespickt, und im Wald hat er schmackhafte Schwammerln versteckt, die nur vom geübten Auge entdeckt werden konnten. Die Bauern hat er mit Arbeit eingedeckt; alle Hände haben sie voll zu tun gehabt, nach der Sommerernte die Mahd einzubringen und die Obst- und Gemüseernte, und die Felder neu zu bestellen.
Die Wanderer hat er zu einem Stelldichein auf die Berge gerufen, und nur zu willig sind sie ihm gefolgt und haben den Herbst in vollen Zügen genossen. War das schön, so geliebt und begehrt zu werden!
Die Eichhörnchen hat er mit köstlichen Walnüssen beglückt und die Wildschweine mit Eicheln. Die Kinder und das Rotwild haben sich an den glänzenden warmbraunen Kastanien gefreut und die Vögel an den Ebereschen.
Zum Halali hat er geblasen, und die Jäger haben mit wallendem Blut und kühlem Kopf das Wildbret für so manchen leckeren Schmaus erlegt.
Wind hat er geschickt, ja, und den überraschten Bäumen hat er die Blätter vom Leib gerissen, dass sie sich im ersten Schreck ganz nackt vorgekommen sind, und bunte Drachen hat er in den Himmel gehoben, dass die Vögel nur so gestaunt haben über die fremden Wesen!

Erneut lacht der Herbst laut auf, und sein Atem riecht nach modrigem Laub und nach der Fäulnis von Streuobstwiesen, deren Früchte niemanden interessieren als ein paar Igel und andere Kleintiere, die den üppigen Segen gar nicht bewältigen können.

Was hat er noch alles getan? Ein wenig fällt ihm das Denken schon schwer, doch dann erinnert er sich wieder:

Sonnige Tage hat er mit silbrig glänzendem Altweibersommer geschmückt. Ha! Gäbe es eine Herbstin, ja, sie müsste solches Haar haben! Und ihre Haut müsste runzlig sein wie alte Äpfel, und überhaupt sollte sie knorrig sein und ein wenig herb. Und sie müsste nach frisch abgeerntetem Feld duften.

Sinnierend lässt er sich wieder auf seinen Sitz plumpsen.
Mit einem Lächeln schließt der Herbst seine Augen, und er träumt von Farben und Früchten – und von der Liebe …

Hanna

Hallo!

Alt und müde ist er geworden, und feist von der reichen Ernte,
der Herbst.

Ich muss dir ehrlich gestehen, dass dieser erste Satz schon etwas Verwirrung bei mir auslöst. Feist? Der Herbst? Am letzten Herbsttag?

Meine Assoziationen sind das wesentlich düsterer. Kahle Bäume, Nebelschwaden, die letzten Blätter, die an den Bäumen hängen wie vergessen, farblos, den Lebenssaft entzogen.

Feist ist vielleicht der Bauer geworden, dessen Speicher überquellen, oder vielleicht köntte ich dem letzten Sommertag dieses zuschreiben, aber den letzten Herbsttag stell ich mir anders vor.
Dazu ein Gedicht:

Herbst

Blatt am Baum
Kaum

Grüße
Dusan

Hallo!

Alt und müde ist er geworden, und feist von der reichen Ernte,
der Herbst.

Ich muss dir ehrlich gestehen, dass dieser erste Satz schon
etwas Verwirrung bei mir auslöst. Feist? Der Herbst? Am
letzten Herbsttag?

Feist wie der Karawankenbär, der von den Reserven den ganzen Winter zehren muss …

Hanna

Auch Hallo

Sehr schön. Kann ich dir nicht meine Semiarbeit zum Schreiben geben?

Gruss
HaegarCH

Hallo Hanna,

Danke für diesen wunderhübschen Text. Die Stelle mit der Herbstin made my day :smile: (Yeah. Fieses Denglish)

Eines muß ich aber denn doch wissen: Was bitte ist ein Karawankenbär?

Literarisch völlig unbegabt:
der Frosch

Hallo Frosch!

Danke für diesen wunderhübschen Text. Die Stelle mit der
Herbstin made my day :smile:

Oh, danke :smile:))

Eines muß ich aber denn doch wissen: Was bitte ist ein
Karawankenbär?

Das ist ein Bär, der in den Karawanken lebt.
Die Karawanken (slowenisch: Karavanke) sind ein Gebirgsstock der Südlichen Kalkalpen.
Wikipedia weiß noch mehr zu diesem Thema :smile:))

Viele Grüße

Hanna