Ein Versuchsballon

Hallo zusammen,

wer von Euch würde diesen Roman weiter lesen wollen?
Wer will kritisieren, anregen, loben, …?
Und wer ermittelt das Jahr, in dem die Geschichte spielt?
Ich bin gespannt.

==

Die Klinge war jetzt scharf genug.
Atbamo legte den Stein, mit dem er sie lange und ausgiebig gewetzt hatte, zurück auf die Reste der halb verfallenen Mauer und fuhr ein letztes Mal mit dem Daumen prüfend über die Schneide.
„Glotz mich nicht so an, ich muss das tun!“ Die Eidechse zuckte zurück in die Sicherheit der Spalten und Hohlräume, als ob sie Punisch verstünde.
Nun starrte ihn das schwarze Loch an, in dem sie verschwunden war. Atbamo drehte sich um und lehnte sich mit dem Rücken gegen das warme Gestein.
Der glühenden Hitze des Tages war am Nachmittag eine zunehmend drückende Schwüle gefolgt. Jetzt kam erfrischender Wind auf, der die Olivenbäume veranlasste, sich sanft zu wiegen, als ob sie sehnsüchtig nach mehr verlangten.
Atbamo zwang sich zu einem ruhigen, gleichmäßigen Atem, aber sein Herzschlag wurde schneller. Er hatte Angst, aber noch mehr Angst hatte er davor, einen Tag zu vergeuden. Es musste einfach klappen! Und wenn er wirklich nach Syrakus hinein kam, fingen dort die Schwierigkeiten erst richtig an. Seine Hand umkrampfte das Messer.
Wieder sah er über die Mauer, wie schon so oft an diesem Tag. Der Anblick jenseits der glitzernden Wasserfläche war Atem beraubend schön.
Die Nachmittagssonne vergoldete gleichermaßen die Paläste und die Tempel, die Bürgerhäuser und die Lagerhallen, die Anlegestellen des Großen Hafens mit ihren Booten und Schiffen und die Befestigungsanlagen der prächtigen Stadt.
Winzige Gestalten bewegten sich zwischen Tausenden von Häusern, auf den Piers und auf den Zinnen der Schutz verheißenden Mauern. Hoch und Niedrig, Arm und Reich, Mächtiger oder Sklave – von hier aus gab es keinen Unterschied, alles erschien gleich schön und fern in diesem Licht. Und saß gleichermaßen in der Falle.
Rechter Hand, im Nordosten, erhob sich die mächtige Festung des Kap Plemmyrion, das eine Ende einer Umarmung, welche von Westen her die Bucht und den Großen Hafen von Syrakus umschloss. Als zweiter Arm ragte gegenüber des Kaps die Halbinsel Ortygia ins Meer, eine große Landzunge, deren Mauern den alten Kern von Syrakus bargen.
Eine gewaltige Kette aus Stahl verband Plemmyrion und Ortygia. Sie riegelte die ganze Bucht und damit auch den Hafen ab und bot Schutz vor den römischen Kriegsschiffen. Atbamo erkannte einige der großen Bojen, auf denen dieses Ungetüm ruhte, ruhen musste, um die mächtigen Winden nicht ins Meer zu reißen, die es zähmten.
Weiter links warteten die Fieber verseuchten Sümpfe des Anapo auf angreifende Heere, die sie schon oft verschlungen hatten, dahinter erhoben sich die Mauern der Südstadt.
So sicher die Bewohner sich auch wähnen mochten - ihre Situation war aussichtslos.
Die Festungsanlage von Plemmyrion war halbkreisförmig abgeriegelt von Gräben und Wällen der römischen Belagerer.
Jenseits der Sümpfe wurde die ganze Stadt auf diese Art eingeschlossen.
Atbamo konnnte die Zahl der Feinde schlecht schätzen, aber die Kohortenlager reihten sich in die Wälle wie Perlen auf eine Kette, und wenn sie wirklich alle voll besetzt waren, dann hatten Praetor Marcus Claudius Marcellus und Konsul Appius Claudius Pulcher hier mindestens vier Legionen zusammen gezogen.
Trotzdem hatte Rom immer noch genug Truppen auf Sizilien, um die Heere des Karthagers Himilko und des Syrakusers Hippokrates weit draußen auf dem Land in Schach zu halten und an einem Durchbruch zur Befreiung der Stadt zu hindern - falls sie dies überhaupt versuchen sollten.
Es herrschte bei diesen beiden Heerführern jedoch der Eindruck, die Stadt könne sich sehr wohl noch einige Zeit alleine behelfen. Also ergriffen sie gerne die Gelegenheit, Beute für ihre Söldner zu machen, wobei sie das Angenehme mit dem Nützlichen verbanden: was sie selbst in Brand setzten und den einheimischen Sikelern raubten, konnten die Römer nicht mehr für sich verwenden.
Diese Taktik war ebenso dumm wie feige. Atbamo überblickte die Lage von seinem Standort aus recht gut. Die Stadt brauchte schnellstens wirksame Hilfe direkt vor Ort! Nun war er gezwungen worden, in diese Falle einzudringen. So wichtig sein Auftrag in Karthago auch eingestuft worden war, er glaubte nicht, dass er diese Bedrohung beseitigen konnte.
Er drehte sich um.
Auf den Fersen hockend, blickte er durch die Oliven- und Feigenbäume auf das Bauernhaus fünfzig Schritt vor sich. Den ganzen Tag über hatte er in dem geplünderten und verwüsteten Gebäude voll Ungeduld Schutz gefunden vor der glühenden Sonne. Und vor neugierigen Blicken.
Inmitten einer zerbrochenen Holzumzäunung, wo einst meckernde Ziegen und gackernde Hühner den Lebensunterhalt sicherten, huschten Eidechsen über das Gelände, als suchten sie nach den Besitzern, um sich über die Grabesstille zu beschweren.
Dabei waren deren Überreste von ihnen längst aufgefressen worden. Vor dem Haus lagen die von verrottenden Kleidungsfetzen umwehten Skelette eines Mannes und einer Frau, Schädel und Gliedmaßen zerschmettert von Schwert und Axt.
Über den Tod hinaus hatte es das Paar geschafft, den Römern eine lange Nase zu drehen, das musste Atbamo anerkennen. Der Brunnen inmitten der Ummauerung schien versiegt zu sein, aber er hatte sich auf seine Informationen verlassen und war in den Schacht hinunter geklettert, bis zum trockenen Grund. Er räumte die Steine beiseite und fand darunter quer verkeilte Bretter. Unter diesem doppelten Boden hatte er entzückt das Plätschern von Wasser vernommen, eine Öffnung freigelegt und das erfrischende Nass in seine Lederflasche gefüllt.
Noch während er dies tat, war er sicher, dass sich nach dem Krieg jemand finden würde, der aus diesem Stück Land und dem Hof wieder etwas machte.
Er fühlte kein Mitleid mit den beiden Toten, und er war nicht so sentimental, Vergeltung für sie üben zu wollen; trotzdem genoss er mit Genugtuung den Gedanken daran, dass jetzt auf gewisse Weise die Zeit der Rache für sie gekommen war.
Eine Rache, die er vollziehen würde.
Es war unumgänglich, die beiden römischen Wachsoldaten zu töten, denn sie versperrten den einzigen Weg, der ihn schnellstens in die Stadt bringen konnte.
Sie standen knapp fünfhundert Schritt entfernt zwischen ihm und dem Ufer und beobachteten ihren Abschnitt, eine Strecke zwischen den römischen Wällen und den Sümpfen, die ihm die einzige Möglichkeit zu bieten schien, gesund und auch von den Syrakusern unbemerkt die Stadt zu erreichen.
Ihre ganze Aufmerksamkeit galt der Stadt und der Bucht, um die Flucht von Schwimmern aus der belagerten Stadt zu verhindern, die sich dem Blick der weiter draußen patrouillierenden Kriegsschiffe entzogen.
Zwölf davon zählte Atbamo, und es gab noch weitere auf der anderen Seite der Ortygia, vor dem Kleinen Hafen, den die Syrakuser den „Lakkios“ nannten, den Tümpel, das Loch.
Hinzu kamen die Schiffe in zwei provisorischen Häfen nördlich und südlich der Stadt, die fast aus den Nähten platzten, so dicht drängte sich hier Rumpf an Rumpf. Die Römer hatten ganze Arbeit geleistet und Überraschungen vorgebeugt.
Die verlockende Idee, ohne Feindkontakt erst in finsterster Nacht zur Stadt zu schwimmen, hatte er rasch verworfen. Er hätte dann gegen den Sog der Ebbe ankämpfen müssen, und man hatte ihn in Karthago vor gefährlichen Strömungen direkt vor der Bucht gewarnt. Zu groß war die Gefahr, die Orientierung zu verlieren und zum Fraß der Haie zu werden.
Auch wollte er nicht mehr länger warten, da er befürchtete, damit die Götter herauszufordern. Die Oliven- und Feigenbäume zwischen Mauer und Haus trugen zwar Spuren stümperhafter Plünderung, aber noch konnten einige Früchte an den Bäumen Soldaten aus dem nahen Lager anlocken.
Da war es für ihn wirklich das kleinere Risiko, jetzt die beiden Posten zu töten.
Danach würde er längere Strecken tauchen müssen, zumindest zu Beginn. Weiter draußen musste er den Schutz der Bojen und der Kettenglieder suchen, den er benötigte, um auch von den Wachen auf den Zinnen von Plemmyrion und Ortygia nicht gesehen zu werden. Wahrscheinlich würde er im Wasser abwarten und sich erst dann in den Hafen schleichen, wenn die Dunkelheit herein gebrochen war.
Er hatte das Spiel der Gezeiten genau beobachtet. Der Zeitpunkt war da. Jetzt!
Einen letzten Blick warf Atbamo auf das Haus. Sie würden nicht entdecken, was er dort verborgen hatte, auch wenn sie sich die Mühe machten, seinen Spuren zu folgen. Er hoffte nur, dass er selbst wieder hierher zurück kehren konnte.
Die letzten Reste an hartem Fladenbrot hatte er verzehrt, das Wasser getrunken - er war bereit.
Er tastete nach seinem Gürtel, der den farblosen, grob leinernen Khiton des sikelischen Bauern zusammen hielt. Dort stak sein Messer, gleich neben der stumpfnasigen Zange. Auf keinen Fall würde er auf seine Trophäen verzichten, soviel Zeit musste sein.
Etwas beruhigter, glitt er mit der Behendigkeit eines Reptils über die Mauer, und als er zwischen die Bäume, Sträucher und Felsen eintauchte, jede Deckung ausnutzend, verursachte er nicht das geringste Geräusch. Nicht umsonst wurde er Atbamo genannt – die Schlange.

„Was meinst du, Lukius – ob man uns heute pünktlich ablöst?“ Tullius sah über die Dünung hinüber zu den beiden Biremen, die gerade ihren Posten verließen, da ihre Zeit um war. Die anderen, die vor dem Kap Plemmyrion trieben, hielten Position.
„Sie geben wieder Lichtzeichen von Schiff zu Schiff!“, rief Lukius und deutete aufgeregt mit dem Speer hinaus auf See. „Vielleicht haben die Syrakuser etwas vor.“
„Klar“, spottete Tullius, „dieser sagenhafte Archimedes hat neue Katapulte gebaut und wirft ganze Tempel auf uns.“ Lukius war dumm, er würde nie verstehen, was die Lichtzeichen bedeuteten. Die beiden Zweiruderer meldeten sich lediglich gerade vom Führungsschiff ab.
„Spotte nicht!“
Lukius war plötzlich wütend auf den überheblichen Kameraden.
„Archimedes ist mit bösen Geistern im Bunde. Wenn ich daran denke, wie unser Angriff auf den Hafen verlaufen ist – elf Schiffe hat uns das gekostet, und kein einziges kam auch nur in die Nähe der Absperrkette! Hast du es damals für möglich gehalten, dass man Felsen dieser Größe so weit schleudern kann? Und dank der Steinbrüche mitten in der Stadt haben sie davon mehr als genug! Dann auch noch diese riesigen Greifarme, mit denen unsere Schiffe in die Höhe gezogen wurden wie schlachtreife Kaninchen an ihren Hinterläufen! Ich sage dir, es war schon viel zu lange ruhig – da braut sich etwas zusammen.“
„Das ist schon möglich, aber es muss ja nicht gerade heute sein. Außerdem haben wir es den Burschen ganz schön heimgezahlt, als sie den Ausbruchsversuch mit der Flotte gemacht haben, oder? Ich sage dir, die haben keine drei Kriegsschiffe mehr in beiden Häfen! Raus können sie nicht, und Katapulte kann man nicht essen.
Außerdem - was die Ballisten angeht, da zieht unser Avidius wohl gerade gleich und weit darüber hinaus! Ich habe noch nie größere Geschütze gesehen als diese drei im Hauptlager.“
Tullius war gut gelaunt, er hatte vor Wachantritt beim Würfeln gutes Geld gewonnen. Er klimperte mit seiner Börse. „Sollen wir heute Abend noch dort hin gehen, die Dinger besichtigen und den Mädchen unsere eigenen Geschütze vorführen?“
Lukius wandte sich ab. Er war noch sehr jung. Tullius sollte nicht sehen, dass er errötete.
Wieder erklang das provozierende Klimpern der Münzen, diesmal lauter und unregelmäßiger. „Lieber nicht, Tullius. In den Nächten um den Neumond treiben die Geister der Toten ihr Unwesen, die Lemuren!“
Tullius hustete röchelnd, zwar kaum hörbar, jedoch klang es trotzdem irgendwie Besorgnis erregend.
Lukius wandte sich um und sah den Kameraden zuckend auf der Erde liegen, sah ihn ein letztes Mal über die Schulter eines schlanken Mannes hinweg, der geduckt vor ihm stand.
„Stimmt, Lemuren!“ sagte der Fremde.
Die Klinge war wirklich scharf genug.

Hallo Günter!

Endlich mal ein Manuskript, wo gleich der erste Satz spannend ist:

Die Klinge war jetzt scharf genug.

Spannende Fragen: Welche Klinge? Und wofür scharf genug?

„Glotz mich nicht so an, ich muss das tun!“ Die Eidechse
zuckte zurück in die Sicherheit der Spalten und Hohlräume, als
ob sie Punisch verstünde.

Cooler Sprachstil!

Bis hier finde ich es sehr gut!

Aber gerade Autoren, die gut schreiben können, vertragen auch auch Kritik, ja?

Ab hier läßt es leider stark nach, es folgt ein Stilleben ohne jede Handlung, eine viel zu langezogene Landschaftsbeschreibung, eine Rückblende, die nicht nötig wäre und einige Ausführungen über die Motive der Figur, die zwar wichtig sind aber besser hätten formuliert werden können.

Ich bin sicher, du bist in der Lage, das zu verbessern.

Und ich bin auch sicher, wenn du an den Verbesserungen noch lange genug arbeitest, wird es ein Roman, den viele Leute lesen wollen.

Grüße

Andreas

Hallo, Andreas,

vielen Dank für die Hinweise.

Leider kann ich mit zwei Punkten nicht so recht etwas anfangen:

:eine Rückblende, die nicht nötig wäre

Welche? Unter Rückblende verstehe ich das Einschieben einer Geschichte, die in der relativen Vergangenheit angesiedelt ist, um die relative Gegenwart zu erklären. Es gibt hier aber nur Atbamos Vermutung bzgl. des versteckten Wassers und die Erinnerung eines Römers in freier Rede.
Das Eine halte ich aus psychologischen Gründen für wichtig, das Andere, um die Lage zu verdeutlichen.

und einige Ausführungen über die Motive der Figur, die zwar
wichtig sind aber besser hätten formuliert werden können.

Etwas Detail (Beispiel) wäre da ganz hilfreich. :smile:

Ich bin sicher, du bist in der Lage, das zu verbessern.

Danke, ich auch.

Verschneite Grüße aus Baden-Württemberg

Günter

Hallo!

eine Rückblende, die nicht nötig wäre

Welche? Unter Rückblende verstehe ich das Einschieben einer
Geschichte, die in der relativen Vergangenheit angesiedelt
ist, um die relative Gegenwart zu erklären. Es gibt hier aber
nur Atbamos Vermutung bzgl. des versteckten Wassers und die
Erinnerung eines Römers in freier Rede.

Ja, die meine ich. Wenn du meinst, es geht nicht ohne, ist das deine freie Entscheidung.

und einige Ausführungen über die Motive der Figur, die zwar
wichtig sind aber besser hätten formuliert werden können.

Etwas Detail (Beispiel) wäre da ganz hilfreich. :smile:

Ja, ich weiß, wir Kritiker machen es uns gerne leicht und schreiben, was besser gemacht werden kann, aber nicht, wie. Ehrlich gesagt, ich weiß es jetzt spontan auch nicht, aber mir ist eben aufgefallen, dass die Beschreibung der Motive genauso ein Stilleben ist, wie die Beschreibung der Lage. Ohne Handlung. Ob und wie man das ändern kann, fällt mir jetzt spontan nicht ein.

Überleg einfach mal, ich bin sicher, du hast eine Idee.

Ich habe den Anfang meines Romans auch öfter umgeschrieben, als jeden anderen Teil, vielleicht zehn mal oder mehr, der Anfang ist immer das schwierigste, aber, für den Verkauf des Buches, auch das wichtigste.

Hauptsache, es ist (spannende) Handlung drin. Es muss ich was bewegen.

Du kriegst das schon irgendwie hin.

Bin gespannt auf die nächste Version.

Grüße

Andreas

Hallo!

Ein sehr guter Anfang.
Ich schließe mich der Meinung von Andreas an, dass dieser Roman, wenn er einmal fertig ist, sicher von vielen Leuten mit Freude gelesen werden wird.

Wer will kritisieren, anregen, loben, …?

Na, wenn du schon so fragst… :wink:

Wie gesagt, alles in allem sehr schön, flüssig und logisch aufgebaut.
Es gab da allerding sein paar Dinge, die mir aufgefallen sind.
Es sind meist nur Kleinigkeiten, die von meinem eigenen Schreibstil herrühren. Im Gegensatz zu dir bevorzuge ich kurze Sätze. Ich finde sie kraftvoller. Aber das ist vermutlich persönlicher Geschmack.

Na, dann fangen wir mal an:

Er hatte Angst, aber noch
mehr Angst hatte er davor, einen Tag zu vergeuden.

Vielleicht lässt sich die Wiederholung von ‚hatte Angst / Angst hatte‘ vermeiden. Es würde z.B. reichen zu sagen,
Er hatte Angst, aber er konnte/durfte nicht noch einen Tag vergeuden.
Ausserdem wiederholst du später nochmal, dass er nicht noch einen Tag vergeuden darf.

Es musste einfach klappen!

Das ist auch ohne den Satz klar. Sonst wäre der Gute ja nicht so nervös.

Zu der Beschreibung der Stadt. Ich musste sie zweimal lesen, um mir ein Bild zu machen, wie es da wohl aussieht. Mein Bild sieht jetzt so aus und ich gehe eigentlich davon aus, das es falsch ist:
Die Stadt liegt halbmondförmig um eine Bucht herum. Zum Meer gerichtet gibt es Befestigungsanlagen mit einer hohen Mauer. Die Bucht ist zudem durch eine Kette abgeriegelt.
Zum Landesinneren gibt es eine Mauer, davor haben die Römer ihre Wälle. Zudem ist hier ein Sumpf.

Ich kann dir auch sagen, warum ich so Schwierigkeiten mit der Vorstellung der Situation habe. Du schreibst aus der Sicht von Atbamo. Wir sehen dass, was er sieht.
Aber kann er von seiner Position wirklich die Leute in der Stadt und gleichzeitig die Kette in der Bucht sehen?
Er müsste doch von der anderen Seite kommen und entsprechend nur die Mauer sehen können??

Da die genaue Lage und Situation für die Geschichte sehr wichtig zu sein scheint, kannst du sie vielleicht noch etwas erklären?
zumindest mir… :wink:

Atbamo erkannte
einige der großen Bojen, auf denen dieses Ungetüm ruhte, ruhen
musste, um die mächtigen Winden nicht ins Meer zu reißen, die
es zähmten.

OK, den Satz verstehe ich nicht ganz.Was meinst du?

Es herrschte bei diesen beiden Heerführern jedoch der
Eindruck, die Stadt könne sich sehr wohl noch einige Zeit
alleine behelfen. Also ergriffen sie gerne die Gelegenheit,
Beute für ihre Söldner zu machen, wobei sie das Angenehme mit
dem Nützlichen verbanden: was sie selbst in Brand setzten und
den einheimischen Sikelern raubten, konnten die Römer nicht
mehr für sich verwenden.

Du schwankst ein bischen in der Erzählstimme zwischen Atbamo und Allwissend.

Inmitten einer zerbrochenen Holzumzäunung, wo einst meckernde
Ziegen und gackernde Hühner den Lebensunterhalt sicherten,
huschten Eidechsen über das Gelände, als suchten sie nach den
Besitzern, um sich über die Grabesstille zu beschweren.

Ein Hauptsatz mit 3 Nebensätzen. Das meinte ich mit langen Sätzen…

Dabei waren deren Überreste von ihnen längst aufgefressen
worden. Vor dem Haus lagen die von verrottenden
Kleidungsfetzen umwehten Skelette eines Mannes und einer Frau,
Schädel und Gliedmaßen zerschmettert von Schwert und Axt.

Na, das müssen aber hungrige Eidechsen gewesen sein. Wenn die gerade erst überfallen worden sind, sollte da noch mehr liegen als Skelette.

Er
räumte die Steine beiseite und fand darunter quer verkeilte
Bretter.

er hatte geräumt
:wink:

Noch während er dies tat, war er sicher, dass sich nach dem
Krieg jemand finden würde, der aus diesem Stück Land und dem
Hof wieder etwas machte.

Gut und schön, aber ist das wichtig?

Ok, das wars erstmal.
Wie du bestimmt erkannt hast war mein Hauptproblem zu verstehen wer wo welche Befestigungsanlagen hat und wo Atbamo sich aufhält.
Ansonsten wie gesagt, sehr schön, spannend und ich würds lesen.
Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen!

Liebe Grüße!
Manuela

Hallo!

Ein sehr guter Anfang.
Ich schließe mich der Meinung von Andreas an, dass dieser
Roman, wenn er einmal fertig ist, sicher von vielen Leuten mit
Freude gelesen werden wird.

Na, hoffmermal … :smile:

Wer will kritisieren, anregen, loben, …?

Na, wenn du schon so fragst… :wink:

Wie gesagt, alles in allem sehr schön, flüssig und logisch
aufgebaut.
Es gab da allerding sein paar Dinge, die mir aufgefallen sind.
Es sind meist nur Kleinigkeiten, die von meinem eigenen
Schreibstil herrühren. Im Gegensatz zu dir bevorzuge ich kurze
Sätze. Ich finde sie kraftvoller. Aber das ist vermutlich
persönlicher Geschmack.

Alles zu seiner Zeit. Eine Vorbereitung ist kein Zweikampf.

Na, dann fangen wir mal an:

Er hatte Angst, aber noch
mehr Angst hatte er davor, einen Tag zu vergeuden.

Vielleicht lässt sich die Wiederholung von ‚hatte Angst /
Angst hatte‘ vermeiden. Es würde z.B. reichen zu sagen,
Er hatte Angst, aber er konnte/durfte nicht noch einen Tag
vergeuden.

Habe ich geändert, guter Hinweis!

Ausserdem wiederholst du später nochmal, dass er nicht noch
einen Tag vergeuden darf.

Anderer Zusammenhang! Es gibt mehrere Gründe, warum die Zeit brennt. Persönliche (freiwillig ist er nicht da) und sachliche (Gezeiten, Entdeckungsgefahr).

Es musste einfach klappen!

Das ist auch ohne den Satz klar. Sonst wäre der Gute ja nicht
so nervös.

Ist als Trotzreaktion auf die Angst gedacht. Mutmache! Hm, vielleicht als Selbstgespräch bringen …

Zu der Beschreibung der Stadt. Ich musste sie zweimal lesen,
um mir ein Bild zu machen, wie es da wohl aussieht. Mein Bild
sieht jetzt so aus und ich gehe eigentlich davon aus, das es
falsch ist:
Die Stadt liegt halbmondförmig um eine Bucht herum. Zum Meer
gerichtet gibt es Befestigungsanlagen mit einer hohen Mauer.
Die Bucht ist zudem durch eine Kette abgeriegelt.
Zum Landesinneren gibt es eine Mauer, davor haben die Römer
ihre Wälle. Zudem ist hier ein Sumpf.

Fast richtig erkannt! Nur ist der Halbmond über ein großes Stück durch die Sümpfe unterbrochen, die bis zum Meer reichen (Flussmündung). Die Festung Plemmyrion steht alleine da, als letztes Stück.

Ich kann dir auch sagen, warum ich so Schwierigkeiten mit der
Vorstellung der Situation habe. Du schreibst aus der Sicht von
Atbamo. Wir sehen dass, was er sieht.
Aber kann er von seiner Position wirklich die Leute in der
Stadt und gleichzeitig die Kette in der Bucht sehen?

Die Leute auf Zinnen und höher gelegenen Teilen der Stadt sieht er, denn er steht auf einer Anhöhe. Und die Kette ist sichtbar durch die Bojen, die sie am Sinken hindern. Außerdem gehörte das Wissen zu den Informationen, die man hatte, wenn man im Krieg dort hinein wollte.

Er müsste doch von der anderen Seite kommen und entsprechend
nur die Mauer sehen können??

Er kommt von Süden, steht auf einem Hügel südwestlich der Festung Plemmyrion mit Blick auf die Festung, die Bucht, die Stadt dahinter, Sümpfe und Landschaft links.

Da die genaue Lage und Situation für die Geschichte sehr
wichtig zu sein scheint, kannst du sie vielleicht noch etwas
erklären?
zumindest mir… :wink:

Dir schon, aber dann wird es Andreas zu langweilig … :wink:
Schau Dir die Lage von Syrakus über Google Earth an.

Atbamo erkannte
einige der großen Bojen, auf denen dieses Ungetüm ruhte, ruhen
musste, um die mächtigen Winden nicht ins Meer zu reißen, die
es zähmten.

OK, den Satz verstehe ich nicht ganz.Was meinst du?

Siehe oben. Was meinst Du, was eine Absperrkette wiegt, die die Große Bucht von Syrakus abriegeln soll? Die muss einfach unterstützt werden, sonst zieht sie die beiden Winden ins Meer, die sie spannen.

Es herrschte bei diesen beiden Heerführern jedoch der
Eindruck, die Stadt könne sich sehr wohl noch einige Zeit
alleine behelfen. Also ergriffen sie gerne die Gelegenheit,
Beute für ihre Söldner zu machen, wobei sie das Angenehme mit
dem Nützlichen verbanden: was sie selbst in Brand setzten und
den einheimischen Sikelern raubten, konnten die Römer nicht
mehr für sich verwenden.

Du schwankst ein bischen in der Erzählstimme zwischen Atbamo
und Allwissend.

Das Verhalten dieser beiden Heerführer war bekannt. Die Erwähnung halte ich für wichtig, um die besch… Gesamtlage zu verdeutlichen.
Aber vielleicht relativiere ich das nach Art von „Dabei war ihm bekannt …“

Inmitten einer zerbrochenen Holzumzäunung, wo einst meckernde
Ziegen und gackernde Hühner den Lebensunterhalt sicherten,
huschten Eidechsen über das Gelände, als suchten sie nach den
Besitzern, um sich über die Grabesstille zu beschweren.

Ein Hauptsatz mit 3 Nebensätzen. Das meinte ich mit langen
Sätzen…

Dabei war ich auf den so stolz … Aber ich werde sowieso noch etwas umbauen, damit das Stilleben etwas lebhafter wird.

Dabei waren deren Überreste von ihnen längst aufgefressen
worden. Vor dem Haus lagen die von verrottenden
Kleidungsfetzen umwehten Skelette eines Mannes und einer Frau,
Schädel und Gliedmaßen zerschmettert von Schwert und Axt.

Na, das müssen aber hungrige Eidechsen gewesen sein. Wenn die
gerade erst überfallen worden sind, sollte da noch mehr liegen
als Skelette.

Gerade erst überfallen worden??? Habe ich nicht gesagt!

Er
räumte die Steine beiseite und fand darunter quer verkeilte
Bretter.

er hatte geräumt
:wink:

Und mir hatte ge(albt)räumt - vor 85 „hatte“ hintereinander … Ich kann mich an eine Lehrerin erinnern, die meinte, in solchen Fällen könne man auch mal ein bisschen bescheißen mit der Zeit. :wink:

Noch während er dies tat, war er sicher, dass sich nach dem
Krieg jemand finden würde, der aus diesem Stück Land und dem
Hof wieder etwas machte.

Gut und schön, aber ist das wichtig?

Überlege ich noch. Wichtig wäre es für tiefsinnige Leser, die sich 500 Seiten später daran erinnern, dass er Recht hatte …

Ok, das wars erstmal.
Wie du bestimmt erkannt hast war mein Hauptproblem zu
verstehen wer wo welche Befestigungsanlagen hat und wo Atbamo
sich aufhält.

Vielleicht lasse ich einen Plan beilegen. Das machen Andere, die z. B.übe Karthago schreiben, auch.

Ansonsten wie gesagt, sehr schön, spannend und ich würds
lesen.
Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen!

Liebe Grüße!
Manuela

Vielen Dank!
Winterlichen Gruß aus Baden-Württemberg!
Günter

Hallo!

eine Rückblende, die nicht nötig wäre

Erinnerung eines Römers in freier Rede.

Ich brachte sie ein, um die Seeherrschaft der Römer hervorzuheben und überzuleiten zu Archimedes’ Widersacher Avidius.

und einige Ausführungen über die Motive der Figur, die zwar
wichtig sind aber besser hätten formuliert werden können.

Etwas Detail (Beispiel) wäre da ganz hilfreich. :smile:

Ja, ich weiß, wir Kritiker machen es uns gerne leicht und
schreiben, was besser gemacht werden kann, aber nicht, wie.
Ehrlich gesagt, ich weiß es jetzt spontan auch nicht, aber mir
ist eben aufgefallen, dass die Beschreibung der Motive genauso
ein Stilleben ist, wie die Beschreibung der Lage. Ohne
Handlung. Ob und wie man das ändern kann, fällt mir jetzt
spontan nicht ein.

Überleg einfach mal, ich bin sicher, du hast eine Idee.

Stimmt! Danke für den Hinweis. Werden’s halt 501 Seiten statt 500 …

Ich habe den Anfang meines Romans auch öfter umgeschrieben,
als jeden anderen Teil, vielleicht zehn mal oder mehr, der
Anfang ist immer das schwierigste, aber, für den Verkauf des
Buches, auch das wichtigste.

Hauptsache, es ist (spannende) Handlung drin. Es muss ich was
bewegen.

Falsch. Es heißt: Ich muss was bewegen. :wink:

Du kriegst das schon irgendwie hin.

Thank you for the flowers.

Bin gespannt auf die nächste Version.

Es kommt keine nächste Version. Höchstens ein Folgeteil. Die Endfassung behalte ich mir vor, sorry. Außerdem wäre es zu aufdringlich, hier 500 Seiten zu posten, oder?
Was heißen soll; Das Ding ist eigentlich fertig, aber wie man sieht …

Grüße

Andreas

Danke und lieben Gruß

Günter

Hallo!

Inmitten einer zerbrochenen Holzumzäunung, wo einst meckernde
Ziegen und gackernde Hühner den Lebensunterhalt sicherten,
huschten Eidechsen über das Gelände, als suchten sie nach den
Besitzern, um sich über die Grabesstille zu beschweren.

Ein Hauptsatz mit 3 Nebensätzen. Das meinte ich mit langen
Sätzen…

Dabei war ich auf den so stolz … Aber ich werde sowieso noch
etwas umbauen, damit das Stilleben etwas lebhafter wird.

Lass den Satz bloß so wie er ist! Ich z.B. liebe lange Sätze. Alles Geschmacksache!

Viel Erfolg,
Grüße,
jeanne

Lass den Satz bloß so wie er ist! Ich z.B. liebe lange Sätze.
Alles Geschmacksache!

Danke, Jeanne! Mir „schmeckt“ er auch. Ist immerhin kürzer als
„Als Mr. und Mrs. Dursley an dem trüben und grauen Dienstag, an dem unsere Geschichte beginnt, die Augen aufschlugen, war an dem wolkenverhangenen Himmel draußen kein Vorzeichen der merkwürdigen und geheimnisvollen Dinge zu erkennen, die bald überall im Land geschehen sollten.“.
Hoffentlich rücken mir jetzt nicht die Harry Potter-Freaks auf den Pelz … :wink: (Stein der Weisen, 2. Seite)

Festlichen Gruß
Günter

kurzer Hinweis

Hallo Günter,
was mir gleich zu Anfang deiner Geschichte auffällt:
es gibt für meinen Geschmack viel zu viele Ausdrücke, die jeder dauernd benutzt und die einfach abgedroschen sind. Das sind bei dir besonders Adjektiv-Hauptwort Kombinationen.
Hier ein paar Beispiele:

das schwarze Loch

das warme Gestein.

Der glühenden Hitze des Tages

eine zunehmend drückende Schwüle
erfrischender Wind
einem ruhigen, gleichmäßigen Atem,

sowas kann die beste Geschichte langweilig und abgedroschen klingen lassen. Mein Tipp wäre, weniger, aber dafür originellere Adjektive oder Bilder zu verwenden.
Sicher nicht einfach, aber sonst hast du ja auch viele kreative Einfälle in deiner Geschichte.

viel Erfolg,
Anita

Vielen Dank, Anita, ich werde mal die Brille putzen.

Lieben Gruß
Günter