Geschichte meines Lebens

Liebe wer-weiss-was-Leser,
ich habe irgendwann einmal angefangen, Episoden meines Lebens aufzuschreiben. Jetzt schlummern sie in meinem PC und es würde mich sehr interessieren, ob sie überhaupt jemand lesen will. Daher setze ich hier mal einen kleinen Ausschnitt rein. Bei Interesse folgt auch gerne eine Fortsetzung!
Über Lob und natürlich (nicht so gerne, aber muss ja sein) Kritik würde ich mich sehr freuen. Vielen Dank vorab

Wackelhund

Oma Emmi ist im Anmarsch! Mit Opa Jupp, Onkel Josef, Opa – wir wissen immer noch nicht, wie wir in nennen sollen. Als ich sie frage, wann wir denn in etwa mit ihnen rechnen können, kommt die Antwort: „der Jupp hat jetzt ein schnelles Auto“. Scheint ja ein ganz schöner Raser zu sein.

Die erste Anweisung ist wie immer „haste mal `nen Kaffee“. Wir haben vorgesorgt und uns mit Milch und Kaffee eingedeckt, so dass diesmal kein Engpass entstehen kann. Immerhin verbrauchen sie jetzt die doppelte Menge und wir möchten uns ja nichts nachsagen lassen.

Irgendwie ist es wie immer. Oma Emmi und Jupp sitzen den ganzen Tag auf der Terrasse – gottlob ist gutes Wetter – rauchen und trinken Kaffee. Wir rennen den ganzen Tag rum, tragen Teller und Tassen raus, benutztes Geschirr wieder rein, räumen die Spülmaschine ein und aus, schnippeln Obst und Gemüse, kochen lecker Fresschen und bemühen uns, dass es den beiden an nichts fehlt. Zwischendrin saugen wir, putzen Klo, waschen Wäsche und versuchen, das Chaos nicht allzu sehr Einzug halten zu lassen.

Eigentlich sind sie ja ganz bescheiden und unsere Ansprüche sind einfach zu hoch. Wahrscheinlich wären sie auch mit Kaffee, Zigaretten und trockenem Brot zufrieden.

Jupp hilft so gut er kann und hält den Aschenbecher sauber. Er entsorgt die Kippen in unserem Kompost und denkt wohl, dass wir in der daraus entstehenden Erde in einigen Jahren Biotomaten ernten können. Oma Emmi trägt zwar noch nicht einmal eine benutzte Tasse rein, dafür bringt sie in einem unbeobachteten Augenblick meine Spüle auf Vordermann. Da kommen Kindheitserinnerungen auf! Als ich noch bei meinen Eltern wohnte, war es unter Androhung der Todesstrafe verboten, die Spüle zu benutzen, damit sie ja immer ohne Wasserflecken glänzt. Das scheint ein schweres Trauma meiner Mutter zu sein.

Die Sprüche meiner Mutter sind wie immer sehr originell: „ich messe die Couch aus“ („ich mach Mittagsschlaf“), „kommste übern Hund, kommste übern Schwanz“ (?), „Können Sie gut sehen? Na dann sehen Sie zu wie Sie an das Geld kommen“ (beliebter Spruch beim Einkaufen), „Die Matratze nehme ich mit 2 Jahren Rückgaberecht (dann ist Richard eh nicht mehr am Leben). Diese Sprüche kann ich endlos fortsetzen und werde sie auch immer wieder einfließen lassen.

Samstagabend spielen die Beiden Kindermädchen, da wir auf eine Geburtstagsfeier eingeladen sind. Da wir nicht da sind, kann ich auch nicht über besondere Vorkommnisse berichten. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass hier heimlich im Haus geraucht wurde. Indiz dafür ist, dass es nach Rauch riecht und außerdem Asche auf dem Boden liegt. Ich überlege, ob ich sie ansprechen soll, lasse es dann aber, da sie es sowieso nicht verstehen würden. Da fällt mir auch wieder ein guter Spruch ein: „Das ist mein Hurenfrühstück!“ (die erste Zigarette am Morgen.)

Wenn ich so den Erzählungen bzw. dem Rauschen von Oma Emmi lausche, fällt mir immer wieder auf, was sie alles so kochtechnisch drauf hat. Schon immer wird Marmelade gekocht, die kompliziertesten Hefezöpfe gebacken, frisches Gemüse geputzt und eingemacht. Ich bin immer wieder erstaunt, denn entweder ich leider extrem unter Alzheimer oder habe eine falsche Wahrnehmung. Ich kannte Gemüse als Kind lediglich aus der Dose und den Kuchen – wenn es den denn gab – kam vom Bäcker oder aus dem Supermarkt. Wasser war nur zum Waschen da und zum Trinken gab es Limo (schauder).

Biene verfällt körperlich immer mehr. Bei der Fortbewegung knickt ihr immer wieder das Hinterbein ein und so liegt sie den ganzen Tag entweder in ihrem Körbchen auf der Terrasse oder in einem Zimmer bei Oma. Bieseln und kackeln tut sie in unserem Garten oder auf der extra mitgebrachten Unterlage im Zimmer. Wird wieder ein Späßchen werden, bis wir den letzen Rest Hundekot gefunden haben. Erfahrungsgemäß unter irgendeinem Schuh!

Einen Tag bevor Oma zu uns gefahren ist, hat sie wohl eine Flohinvasion bei Biene unter Kontrolle gebracht. Ich zweifele etwas, ob das in einem Tag machbar ist (unsere Katze hatte mal das gleiche Problem und es hat Wochen gedauert, bis der letzte Floh sein Leben ausgehaucht hat), aber Oma Emmi klärt mich auf, dass sie wohl irgendein Wundermittel hat. Die Skepsis bleibt und ich werde unseren Max vorsorglich gegen Flöhe behandeln. Oma Emmi muss ich das ja nicht sagen.

An Bernds Geburtstag gehen wir Essen zum Chinesen. Superleckeres Buffet. Wie sollte es sein, Oma Emmi und Jupp (ja freilich) – habe ich schon erwähnt, dass er immer das gleiche sagt und macht wie Oma Emmi? – essen natürlich nach Karte. Sie mag keine Buffets, weil sie sofort satt ist, wenn sie soviel Essen auf einem Haufen sieht. Eigentlich ein ganz nettes Essen, obwohl ich fairer weise erwähnen muss, dass Oma Emmi, Jupp, Oma und Barbara an einem anderen Tisch sitzen. Beim Bezahlen wieder einer von Emmis klugen Sprüchen: „Wie sieht´s mit Rabatt aus? Gestern war ich nicht da, morgen komme ich nicht“. Wie froh bin ich, dass Chinesen nicht jedes Wort verstehen und von Natur aus immer ein freundliches Gesicht machen. Rabatt gibt es keinen und Emmi quetscht sogar noch 50 Cent Trinkgeld raus. Und das bei einer Rechnung von fast 100 Euro. Großzügigkeit kennt eben keine Grenzen.

Als wir nach Hause kommen wieder der zweistimmige Ruf nach Kaffee. Langsam nervt es ein wenig und wir freuen uns schon, dass sie heute wieder Richtung Heimat fahren.

Hannes möchte mit Oma Emmi vorher noch auf den Spielplatz. Es dauert ein wenig, bis sie registriert, dass sie von meinem Kind in der Funktion als Oma angesprochen wird. Es dauert noch länger, bis sie endlich ihren Kaffee ausgetrunken hat, noch 5 – 7 Zigaretten geraucht hat, mit Jupp ausgebabbelt hat (mein Gott, über was reden die denn nur immer?) und zockeln – mit Butler Jupp im Anhang - endlich los.

45 Minuten später sind sie wieder da. Der Ruf nach …. Kaffee! folgt einige Sekunden später. Bernd kocht ihnen einen Extrastarken, der eigentlich einen Ochsen umhaut. Auch seine Geduld ist irgendwann erschöpft. Sie trinken ihn ohne Murren und die Tassen sind danach auch leer.

Gegen Abend die erlösende Nachricht: „wir machen uns dann mal los!“ Und sind dann auch schon weg! Juhu, wir haben uns selten so gefreut! Jetzt fängt der gemütliche Teil des Wochenendes an. Dummerweise ist schon Sonntag. Und wir könnten jetzt durchaus ein paar freie Tage brauchen, um uns von dem Besuch zu erholen

Hallo!

ich habe irgendwann einmal angefangen, Episoden meines Lebens
aufzuschreiben.

So wie Millionen andere auch.

Jetzt schlummern sie in meinem PC und es würde
mich sehr interessieren, ob sie überhaupt jemand lesen will.

Das kann ich dir nicht sagen. Aber ich weiß eins: Die Episoden von Millionen anderer will keiner lesen.

Daher setze ich hier mal einen kleinen Ausschnitt rein.

Habe ich gelesen.

Ich muss dir leider etwas sagen, was du nicht gerne hören wirst: So lange du nicht Dieter Bohlen heißt oder im Kosovo als Geisel gefangen gehalten wurdest, ist es besser, du denkst dir was aus, was spannender ist, als die Wirklichkeit. Das nennt sich dann „Roman“.

Damit hat man zwar bei den heutigen Marktverhältnissen auch noch keine wirklich gute Chance, aber man hat wenigstens überhaupt eine.

Das war hart, nicht wahr?

Aber Kritik muss sein, und man gewöhnt sich dran.

Mach weiter!

Grüße

Andreas

Hallo heiwei,

es gibt ein Problem mit den Geschichten aus dem eigenen Leben. Man wird heutzutage ganz schön vollgemüllt damit, um es mal vorsichtig auszudrücken. Angefangen von den ganzen Sitcoms die sich nur um Familie drehen, über Kolumenen in Magazinen (z.B. Jan Weiler), über Stand-up-Comedy bis hin zu den ganzen „Real-Life-Dokus“ die momentan wie Pilze aus dem Boden schießen. Da ist der Markt eigentlich schon gesättigt. Da findet aus meiner Sicht nur noch Platz, was wirklich genial ist.

Zu Deiner Geschichte: Das „Material“ ist sicher nicht schlecht. Man kauft Dir ab, dass du eine mitunter durchgeknallte Familie hast und es ist lebhaft beschrieben. Allerdings fehlen mir ein wenig die Pointen, der Kick, der mich unweigerlich zum lachen bringt. Um dies zu erreichen bedarf es sehr viel Talent und Wortwitz, hier ist definitiv noch Luft nach oben.

Da Du jedoch nicht angedroht hast, ein Buch über diese Geschichten zu veröffentlichen, sondern einfach nur hin und wieder ein paar Zeilen hier einstellen möchtest, möchte ich Dich gerne dazu ermutigen. Für die Mittagspause eine nette Abwechslung.

Viele Grüße
Amorph…

Lasse dich auf keinen Fall durch Dritte entmutigen.

Schreibe an keine Adresse (also, dem und dem will ich gefallen), sondern für dich.

James Thurber war ein berühmter amerikansicher Humorist. Er hat einmal zugegeben, dass seinen ersten Entwurf immer zuerst seine Frau liest. Und die sagte dann häufig: „Das liest sich ein wenig wie Schülerzeitung, James!“

Also, auch für James Thurber war genügend Luft nach oben. Für alle eben.

Wenn du wirklich gerne schreibst, kann dich sowieso keiner stoppen.

Also, weiter…

Hallo Kajottel,

vielen Dank für Deine aufmunternden Worte. Immerhin will ich ja weder ein Buch veröffentlichen, noch Dieter Bohlen nacheifern. Entführt wurde ich auch noch nicht, aber mein Leben ist auch so aufregend genug :smile:!

DANKE

Grüße
heiwei