HELPDESK FROM HELL
Von: , Frage gestellt am Di, 9. Jan 2001
Etwas lang, aber ich fand's trotzdem klasse - author unbekannt *g*
Grundverhaltensregeln für DEKANE:
(1). VERSTECKEN!
(2). Wenn sie dich finden - LÜGEN!!
Father Damian C. Fandal
Ich soll als Experte in einer Vorlesung "Grundlagen Systemverwaltung"
auftreten; so steht es in der Einladung. Also überlasse ich den Kontrollraum
den bewährten Händen von Sam, dem Hausmeister, und gehe hinüber.
Die Vorlesung läuft wie am Schnürchen. Gegen Ende verkündet der Dozent, daß
die Studenten "nunmehr 10 Minuten Gelegenheit haben, einem Mann der Praxis,
einem richtigen Operator" Fragen zu stellen. Ich hole meinen Pad und Stift
heraus und sage:
"Bevor wir anfangen, folgender Vorschlag: Könnten Sie bitte Ihren Usernamen
nennen, bevor Sie eine Frage stellen. Auf diese Weise kann ich Ihnen gewisse
Probleme an konkreten Beispielen erläutern. Das ist einfacher zu verstehen."
Der Dozent schluckt es - mit Senf und Catchup. Beispiele sind per default
gut. Sag niemals was gegen Beispiele an einer Uni!
"Ok, erste Frage. Sie da drüben..."
"Wie beurteilen Sie den Schutz von persönlichen Daten auf einem
Mehrbenutzersystem?"
"Wie war Ihr Username?"
"CMS1103."
>kritzelkratzel<
"Schutz von persönlichen Daten ... Hmmm. Ein heißes Thema, wirklich. Sie
denken zum Beispiel, wenn jemand Ihre private mail liest, worin Sie sich mit
Ihrem Therapeuten unterhalten? Zum Beispiel, warum Sie sich vor Ihrer Frau
immer im Schrank verstecken?"
"AAAAAAAAAAAAARRRRRRRRRRGGGGGGGHHHHHH!!!!!"
"Oh. Das kam wohl nicht so gut an. Oder er mußte dringend weg. War
vielleicht kein so gutes Beispiel. Nächste Frage, bitte. Ja, Sie da
hinten..."
"CMS1136. Ich würde gerne ..."
"Ah. 1136, der einzige User an der ganzen Uni, der in
alt.sex.buggery.by.sailors.in.mums.clothing abonniert."
"Nur für rein wissenschaftliche Zwecke!"
"Natürlich! Für einen Wissenschaftler haben Sie eine beträchtliche
Posting-Statistik dort, finden Sie nicht?"
"NNNNNGGGGGGAAAAAAAAGGGGGGGHHHHHH!!!!"
"Der nächste bitte..."
Zwei Minuten später sind wir allein im Hörsaal. Das ist eben das Problem mit
den heutigen jungen Leuten: Die wollen nichts mehr lernen...
Ich gehe zurück zu meinem Kontrollraum und Sam ist schon wieder auf der
Konsole eingeschlafen. Ich glaube jetzt, er ist DOCH hinter meinem Job her.
So ein Einsatz...
Ich nehme mir vor, bei Gelegenheit ein paar notwendige Änderungen in der
Gehaltsdatenbank vorzunehmen. Man kann nie vorsichtig genug sein... Kranken-
und Unfallversicherung braucht Sam eigentlich nicht. Ich lege den Hörer auf
die Gabel - da erste Mal heute nachmittag - und sofort fängt das Ding an zu
rattern. ES REICHT! Um mein Mittagsschläfchen zu retten, leite ich den
Anschluß auf 110 um. Das wird ihnen eine Lehre sein!
Ups, fast vergessen, den Ausredenkalender umzublättern.
"Statische Aufladung wegen Nylon-Unterwäsche"
Naaah, viel zu plausibel - obwohl, ich könnte die Unterwäsche von Fall zu
Fall persönlich überprüfen... nee, lieber nicht, weiß was dabei ans
Tageslicht kommt. Ich blättere eins weiter.
"Statische Aufladung durch Plastik-Rechenschieber"
Na, das ist doch mal was! Eine echte Herausforderung!
Ich hebe die Telefonumleitung auf und plaziere dann den Papierkorb unter dem
Druckerauswurf - endlich eine technisch fortgeschrittene Lösung!
Während ich noch mein Werk bewundere, läutet es. Das könnte der große Wurf
werden!
"Hallo?"
"Hallo, ähm, wie kann ich mein File auf Rechtschreibfehler prüfen?"
"Ganz einfach. Tippen Sie 'spell' und den Filenamen."
"Danke."
Ich bin wieder mal höllisch hilfsbereit heute morgen. Vor allem weil ich
weiß, daß meine spezielle Version von 'spell' Fehler erzeugt, statt sie zu
beseitigen. Aus 'Freund' wird 'Fruend' und umgekehrt. Ein Augenschmaus!
Das Telefon klingelt - sie sind's wieder.
Irgend etwas stimmt nicht mit dem 'spell' Programm."
"Wie kommen Sie denn da drauf?"
"Weil mein File plötzlich voll mit Fehlern ist!"
"Hm, das klingt nicht gerade nach 'spell'. Sind Sie über Ihren PC
eingeloggt?"
"Ja, aber ich ..."
"Bitte, überlassen Sie die technische Diagnose mir! Also, ist da irgendwo
ein Rechenschieber auf oder in Ihrem Schreibtisch?"
"Ähm >klapper< ja, aber..."
"Aha. Haben wir's schon. Sie haben eine statische Aufladung auf Ihrer
Festplatte, verursacht von den wechselnden elektrostatischen Feldern, die
der Rechenschieber erzeugt - Sie wissen schon: so, wie er kleine
Papierfiezel anzieht, wenn sie ihn an Ihrem Pullover reiben..."
DUMMY MODE ON
"Oh. Was kann man da machen?"
"Sie wissen doch, wie Sie solche lustigen Papierfiezel von Ihrem
Rechenschieber weg bekommen? Genau, Sie schlagen damit auf die Tischkante,
bis die elektrischen Felder sich im Erdmagnetfeld auflösen. Machen Sie das
gleiche mit Ihrem PC. Sagen wir, zwanzig mal - heben Sie ihn etwa dreissig
Zentimeter über den Tisch und lassen ihn fallen."
"Ah, gut. Bleiben Sie kurz dran?"
"Sicher."
Das würde ich nicht mal für die Simpsons verpassen!
>polter<
>polter<
>polter< - >klirr<
"Äh, hallo? Der Schirm ist plötzlich dunkel geworden..."
"Das ist ganz normal, das macht er immer; soll er sogar. Machen Sie weiter.
Und wenn Sie mit dem PC fertig sind, machen Sie sicherheitshalber das
Gleiche auch noch mit dem Schirm. Manchmal breitet sich die Aufladung über
die Kabel bis in den Schirm aus."
>polter<
>polter<
>polter< - >schepper<
Ich lege auf. Später gehe ich raus in den öffentlichen CIP-Pool und träufle
unauffällig Honig in die Schlitze der Floppy Laufwerke, als plötzlich ein
Typ auftaucht, der verdammt wie Lee Harvey Oswald aussieht, und mich über
den Haufen schießt. Aber der Knall kommt aus dem Maschinenraum, und wäh-rend
ich an einer blutbesudelten IBM Maschine zusammensacke, höre ich den
Ex-System-Manger im Hintergrund kichern...
Noch später, im Krankenwagen, wird mir klar, daß ich von dem Typen nicht mal
die Userkennung habe...
Dann wird alles dunkel.
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Als der Krankenwagen das Ende des Tunnels erreichte, verschwand die
Dunkelheit wieder. Vielleicht war ich doch nicht so schwer verletzt.
Vielleicht aber doch! Egal, jemand würde dafür bezahl..
In diesem Moment starb ich.
Für einen echten Bastard Operator from HELL sah die Sache natürlich etwas
anders aus: Mehr wie ein unerwarteter Urlaub. Fünf Sekunden später bekomme
ich 15 kV durch die Brustwarzen gejagt. Unverdünnt und ohne Eis! (Echte
Sanitäter wissen eben, wie man eine todlangweilige Party belebt!) DER
BASTARD OPERATOR FROM HELL LEBT!
Drei Wochen später bin ich wieder auf den Beinen, hochgepäppelt von süßen
Krankenschwestern, die um ihre Pensionsansprüche fürchten. Voller Energie
sitze ich hinter meiner Konsole. Alles in allem, gar nicht so schlecht, die
Zeit im Hospital; ich könnte Bäume ausreißen! Ich gehe rasch durch die
angehäufte Usermail der letzten Wochen (nur damit ich nichts verpasse!),
dann lasse ich die Studenten wissen, daß ich wieder auf dem Posten bin. Ein
nicht angekündigter Wartungszyklus, mitten in der Hauptübungszeit; ich
flippe den Restart-Schalter. Ein wohliges Gefühl breitet sich in mir aus.
Sie werden mich dafür lieben! Ich blättere den Ausredenkalender um.
"TREIBHAUSEFFEKT"
JA!!! Willkommen zu Hause!
Es ist Monatsende. In Kürze werden diese ganzen unnötigen automatischen
mailing lists das Netz überschwemmen. Ich korrigiere die Systemuhr um 7 Tage
nach hinten, um mir die Performance nicht zu versauen und wechsele das neue
Druckerband gegen mein Spezialband - drei Jahre alt, mit vielen hübschen
Löchern. Ich grabe mich durch den Stapel snail mail, der sich angehäuft hat,
und stürze mich als erstes auf das BOFH Journal "kill -9".
Ein hübscher Artikel ist dabei, wie man Windows 95 grausam langsam und
höllisch langweilig machen kann. Irgendwie schaut der Artikel aus, wie die
normale Installationsanleitung für Windows 95 ... naja, wer weiß. Ich
blättere mich durch bis zur BOFH Expertenrubrik und schaue, ob irgendwelche
Artikel von mir hineingekommen sind. Alle!!! Sogar der über den C++
Compiler, der per Zufall Klassen umbenennt und dies sogar im Sourcecode
ändert!
Das Telephon klingelt. (Irgendwie habe ich fast darauf gewartet!)
"Mein Bildschirm ist dunkel!!!"
"Netzkabel!"sage ich.
"Nein, das hab' ich schon überprüft. Wenn ich einschalte, passiert einfach nichts!"
"Netzkabel!"sage ich.
"Nein! Das Netzkabel steckt richtig drin. Auch die Leuchtdioden am Keyboard
leuchten nicht!"
"Das Netzkabel!"sage ich.
"Oh, Moment mal. Das Kabel ist nicht richtig eingesteckt!"
"Das Netzkabel?" frage ich.
"Ja ... Sch....."
"Macht ja nix", sage ich,
"Funktioniert jetzt alles wieder?"
"Ja, ich glaub' schon. Tut mir leid. Sie haben natürlich recht gehabt."
"Tja, wir bekommen das häufig in letzter Zeit. Der Grund liegt
wahrscheinlich am zunehmenden Treibhauseffekt. Die globale Erwärmung
verursacht stark statistisch variierende thermale Kontraktionen, welche
wiederum temperaturinduzierte Bewegungen hervorruft, deren
Reibungskoeffizienten zu Adhäsion am Plastikteilen führen kann..."
Ich lausche aufmerksam. Nichts. Mit anderen Worten,
DUMMY MODE ON...
"Sie können sich zukünftig davor schützen, wissen Sie..."
"Wirklich? Wie denn?"
"Es reicht im Prinzip schon, eine schwach basische Minerallösung auf
die Metallkontakte aufzubringen."
"Oh!"
IRREVOCABLE DUMMY MODE ON...
"Ganz einfach. Alles was Sie machen müssen, ist den Stecker vom Gerät
abziehen und eine schwach basische Salzlösung in die Schlitze zu träufeln.
Haben Sie eine schwach basische Lösung zur Hand? So etwa pH 7?"
"Äh... nein?"
"Macht auch nichts. Stecken sie den Stecker einfach in den Mund und lassen
Sie Speichel hineinlaufen. Speichel ist schwach basisch, und er hat
Mineralsalze. ABER wischen Sie den Stecker vorher sorgfältig sauber, wegen
Keimen und so. Und, SCHALTEN SIE UM GOTTES WILLEN VORHER DEN MONITOR AB -
wir wollen doch nichts riskieren!"
"Oh. Gut!"
FZZZZT - POLTER
Als der Hörer auf den Boden knallt, lege ich auf. Speicherplatz ist viel zu gut für die!
Ich komme zur Arbeit, aber ich bin nicht ausgeschlafen. Also klemme ich ein
Stück Kupferschiene über die drei Phasen der Hauptversorgung und werfe den
Hebel herum. Als die Hauptsicherungen herauspfeifen, wird es dunkel und
endlich mal wird es still im Rechnerraum.
Es gefällt mir.
Ich schnippe den Hörer von der Gabel und schließe die Vorhänge vor dem
Beobachtungsfenster. Jetzt ist es WIRKLICH dunkel hier drin. Würde mich
nicht wundern, wenn jemand einen Unfall hätte...
Ich taste mich in der Dunkelheit zum Eingang und entferne ein paar der
Bodenplatten, die die tiefen Kabelschächte unter dem Rechnerraum abdecken.
Dann rufe ich unsere Service-Firma an und sage, daß der Mini wieder mal die
Hauptsicherung geschossen hat. Dann ersetzte ich die geschossenen
Sicherungen durch ein paar Nägel und schließe die Versorgungsleitungen gegen
Masse kurz. Auf so was kann man nicht hoffen, man muß es MACHEN!
15 Minuten später erscheint der Techniker und fliegt in den Kabelschacht.
Ich schiebe die Bodenplatten zurück an ihren Platz, als der System-Manager -
ein neuer, schrecklich gründlicher Typ - hereinkommt und mir sagt, ich solle
mich vorsehen. In dieser Dunkelheit könne jemand leicht einen Unfall
haben...
Ich nicke und sage ihm, daß wir uns diese Ausfallzeiten eigentlich nicht
leisten können und ob ich nicht einfach die Hauptsicherungen wieder
einschalten soll, in der Hoffnung, daß nicht Ernsthaftes passiert sei. Nach
einiger Meditation über die Negativ-Schlagzeilen, die wir mit jeder
verstreichenden Minute anhäufen, macht er die letzte Entscheidung seiner
steilen, aber kurzen Karriere: Er sagt, ich soll's versuchen. Später,
nachdem sich der Rauch etwas gelichtet hat, untersuche ich die brutzelnden
Reste unseres Minis. Kein sehr schöner Anblick...
"Komisch, daß die Hauptsicherungen geklemmt haben, nicht?"
sage ich zum System-Manager, während er seine persönlichen Sachen
einsammelt.
"Eine Chance von 1 zu einer Million. Zu dumm, daß Sie jemand beobachtet und
die ganze Geschichte nach comp.misc geposted hat. Nach all der schlechten
Presse können Sie froh sein, wenn Sie einen Job finden, in dem Sie einen
Taschenrechner managen dürfen..."
Ich geh' zurück in den Kontrollraum und schalte die restlichen Sicherungen
wieder ein. Der Rechnerraum belebt sich wieder. An der Konsole steht:
'D.Usbotmbuhpo!G/Tdif-1-m!2::6' - ein letzter Gruss des verschollenen
Technikers aus der Hölle!
Ich logge ein und beginne, User-Email zu löschen. Dabei entdecke ich eine
interessanten sexuellen Antrag unseres Consultants an ein männliches
Mitglied der Schwimm-Mannschaft. Das gibt ein hervorragendes motd ('motiv of
the day'); deshalb kopiere ich es dorthin. Dann ändere ich den root Account
nach 'Winker' und das Passwort nach 'ljkadlkajflkj'. Dem großen Häuptling
sage ich am Telefon, daß ich einen Einbruch vermute. Bis wir das genauer
untersucht haben (ein paar Stunden wird's schon brauchen), bleiben die
anderen Accounts gesperrt. Die Leute werden in der Zwischenzeit die motd
lesen...
Zumindest einer hat's schon gelesen, denke ich, als wir einen Schuß aus dem
Büro des Consultants hören.
Inzwischen editiere ich die Online-Hilfe und ändere die Nummer der Hotline -
der System Manager wird sich über all die extra Anrufe freuen; besonders in
so einer traurigen Zeit....
Ein zweiter Schuß, und mir wird klar, daß er heute wohl keine Anrufe mehr
annehmen wird.
Ich blättere den Ausredenkalender um und lege den Hörer auf die Gabel.
"PROBLEME BEI DER STROMVERSORGUNG". Zu realistisch. "STATISCHE AUFLADUNGEN".
Immer noch ein wenigzu realistisch für meinen Geschmack, aber ich lasse es
gelten. Immerhin soll der Kalender noch bis zum Jahresende reichen.
Das Telefon klingelt, gerade als ich ich 'Top Gun' in der Maschine habe. Ich
pausiere das Video und klemm' mir den Hörer unter's Kinn.
"Ich fürchte, ich habe eine schlechte Floppy Disk gekauft."
"Tatsächlich?"
Bin ich jetzt bei der Stiftung Warentest, oder was?
"Naja, ich hab' da diese Disk und sie läßt sich nich' formatieren. Aber alle
anderen in der Schachtel gingen. Also muß ich wohl eine schlechte erwischt
haben..."
"Darf ich fragen, warum Sie deshalb bei MIR anrufen?"
"Naja, auf der Schachtel steht was von Garantie; wo kann ich einen Ersatz
bekommen?"
Ah! Alles klar!
"Schaun' wir mal. Sind Sie ganz sicher, daß es an der Disk liegt und nicht
irgendwie mit statischer Aufladung zu tun hat?"
"Häh?"
"Statische Aufladung, Sie wissen schon, statische Elektrizität, die Sie mit
ihren Fingern auf das Gerät übertragen."
"Aber ich trage ein geerdetes Armband!"
Spätestens jetzt weiß ich, wo ich bin: im tiefen Tal der Super- Deppen.
Geerdete Armbänder gehören in unseren Kreisen nicht gerade zum
Mode-Accessoire...
"Natürlich, aber die Standard-Armbänder, wie Sie eins tragen, haben einen 1
Megaohm Widerstand in Reihe geschaltet; eine ziemlich schlechte Erdung also.
Was Sie bauchen, ist eine direkte Erdverbindung. Am besten fassen Sie mit
einer Hand an ein Gehäuse, das richtig geerdet ist."
"Äh, zum Beispiel unseren Stahl-Labortisch?"
"Hervorragend. Jetzt, haben Sie etwas, um die Aufladung abzuleiten?
Zum Beispiel eine Büroklammer?"
"Moment...ja."
"Gut. Dann stecken Sie jetzt mit der ANDEREN Hand die Büroklammer durch die
Ventilationsschlitze auf der Rückseite. Berühren Sie einfach kurz das Ende
des dicken roten Kabels. Dabei aber NICHT den Tisch loslassen. Sie müssen
immer gut geerdetbleiben..."
raschel ... hantier
"Meinen Sie das Kabel, das zum Netzteil führt?"
"Genau, halten Sie da drauf."
"Aber ist das nicht..." kzzzzzt - polter
Und wieder ein Anruf erfolgreich beendet. Ich nehme den Brieföffner und
schneide eine weitere Kerbe in das dicke gelbe Ethernetkabel, das dekorativ
hinter dem HELPDESK FROM HELL vorbeiführt.
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Mein neues Login Skript nimmt allmählich Formen an. Tatsache, es ist fast
schon idiotensicher. Zum Beispiel erscheint beim Login folgender Prompt auf
dem Bildschirm: "Yes means No and No means Yes. Delete all files? [Y]" Ich
mach' mir nämlich wirklich Sorgen über die vielen Einbrüche ins System in
letzter Zeit...
Dem Systemmanager macht das nichts aus - seltsamerweise. Er jammert immer
nur über die hohe Zahl von computerverursachten Todesfällen auf dem Campus.
Die Welt wird immer verrückter!
Ich blättere den Ausredenkalender um. "DOPPLER EFFEKT" Klingt so idiotisch,
daß es schon wieder realistisch wird - wenn man etwas nachhilft, natürlich.
Das Telephon, der Fluch meines Lebens, läutet.
"Hallo, Kontrollraum", sage ich hilfsbereit.
"Ist dort die Technik?" fragen sie.
Erstaunlich, wieviel stocktaube User wir haben, und warum sie dannnoch
Telefonieren, statt mir eine email zu schicken. Zum Teufel, es ödet mich
schon wieder an...
"Jawohl", lüge ich (Nixon hätte noch von mir lernen können).
"Ich hab' ein Problem mit meinen Floppy Laufwerk. Es scheint manchmal nicht
zu lesen."
"Hmm. Wie alt ist das Laufwerk?"
"Etwa ein Jahr..."
"Und es geht manchmal nicht, aber manchmal funktioniert's. Und die Ausfälle
werden immer häufiger?"
"JA, GENAU!"
"Aha, ein klarer Fall von magnetischem Dopplereffekt..."
"Ich dachte, das gibt es nur mit Licht- und Schallwellen?"
BULLSHIT MODE ON...
"Schon. Aber man hat kürzlich entdeckt, daß sich die magnetische Bindung von
Partikeln auf schnell rotierenden Oberflächen ändern kann, vor allem wenn
der Kopf relativ dazu feststeht und ganz leichtmagnetisiert."
"Ah. Oh."
"Also müssen Sie dringend den Kopf entmagnetisieren. Haben Sie eine Floppy-
Disk-Entmagnetisier-Schleife?"
"Äh ... nein?"
"Na schön. Dann müssen wir es auf die direkte Methode probieren. Haben Sie
die Orginal-Disketten Ihrer Software greifbar?"
"Ja."
"Ok. Stecken Sie sie in Ihr Laufwerk und formatieren Sie sie."
"WAS?!"
"Keine Sorge, es passiert nichts - das Laufwerk funktioniert ja nicht, ok?
Was passiert, ist folgendes: die unverdorbenen magnetischen Felder auf den
Orginal-Disketten überlagern die magnetischen Störungen im Schreib-Lesekopf,
einfach weil diese Disketten mit einem Laufwerk geschrieben wurden, das
keinen Dopplereffekt hat."
"Ah, verstehe."
"Also. Und wenn ein Schreib-Fehler gemeldet wird und das Programm fragt, ob
es weitermachen soll, tippen Sie ein 'yes'. Machen Sie das mit allen
Orginal-Disketten, die Sie finden können - je mehr, desto besser. Dann
lassen Sie eine normale Reinigungsdiskette durchlaufen. Die entfernt dann
die freien magnetischen Partikel, die noch auf dem Kopf kleben."
"Oh. Ok, vielen Dank."
"Keine Ursache - ICH MACH' NUR MEINEN JOB."
Ich lege auf, und sofort läutet es wieder. Es ist der Boss.
"Simon, könnten Sie mal in mein Büro kommen?"
ALARM ROT!
So schnell ich kann, drücke ich den Panik-Knopf am LAN-Analyser, genauer
gesagt, den 'Generiere-90%-Zufallspakete-Knopf'.
"Aber sicher. Soll ich gleich kommen oder..."
Das andere Telephon läutet. Ich klemme es mir unters Kinn.
"Hallo, Computer Kontrollraum. Simon am Apparat. Wie kann ich Ihnen helfen?"
"DAS NETZ IST WEG. ALLE UNSERE PCs HÄNGEN!"
kreischt die Stimme aus dem einen Telefon ins Mikrophon des anderen.
"Aha" , sage ich ruhig und souverän.
"Ja, ich kann's auf unserem Monitor sehen. Schaut aus wie ein schlechtes
Thinwire-Segment, warten Sie, ich versuche, es 'rauszunehmen."
Ich drücke den 'Beförderungsknopf' (AKA 'Stop Traffic Generation') am LAN-
Analyser, und fast sofort schreit der User:
"Phantastisch. Es geht alles wieder. Danke."
"Keine Ursache. Schönen Tag auch."
Der Boss hat alles mitgehört. Also, schätze ich, wird der Besuch bei ihm
nicht allzu schlimm ausfallen. Ich sage ihm, daß ich sofort 'runter komme,
sobald ich das Netz wieder stabil habe, und lege auf. Auf dem Wegnach unten
erfinde ich ein neues Blendwort - das macht das Management immer glücklich.
'Vollständige Übertragungstrennung'. Klingt viel besser, als
'Stecker-Ziehen'. Wie 'Master-Reset' besser klingt als 'Ausschalten'.
Ich komme in sein Büro und der Personal-Chef ist auch da. Ah-oh.
"Simon, hätten Sie Lust unser System-Manager zu werden?"
"?! Äh...ich weiß nicht. Eigentlich mach' ich lieber..."
"Zehn Tausender extra im Jahr, Porsche als Firmenwagen..."
"Roter Carrera Cabrio?"
"Ok."
"Gebongt!"
....und so endet die Story, wie sie schon früher hätte enden sollen.
