Die Lügensteine von Würzburg

Von: , Frage gestellt am Mi, 14. Jan 2009

Ein Narrenstück aus dem barocken Wissenschaftsbetrieb

Im 18. Jahrhundert lebte in Würzburg der kenntnisreiche und hoch angesehene Professor Johann Bartholomäus Adam Beringer. Als Doktor der Medizin war er fürstbischöflicher Leibmedikus und Chefarzt des Würzburger Juliusspitales. Darüber hinaus war er noch Doktor der Philosophie. Auch kannte er sich in Chemie und Botanik aus und er beschäftigte sich mit der damals noch jungen Wissenschaft der Geognosie, so nennen die Gelehrten die Gesteins- und Erdschichtenkunde. Hier galt sein Interesse den Versteinerungen, die sich im Boden seiner Heimat zuhauf finden ließen. Kurzum, Behringer war ein hochvermögender Mann, gelehrt in vielerlei wissenschaftlichen Künsten. Leider hatte er eine Schwäche, denn er war durch und durch eitel und hoffte, auch in der Geognosie durch sensationelle Forschungsergebnisse hervorzutreten. Eitle Menschen lassen sich in der Regel leicht einfangen und mühelos an der Nase lang führen.

Die Wissenschaftler des 18. Jahrhunderts taten sich noch schwer, Versteinerungen als Reste von Tieren aus einer lang zurückliegenden Epoche zu erkennen, denn diese Deutung lies sich nur schwer mit dem Alten Testament in Einklang bringen. Lange hielt man sie deshalb für Tiere, die in der Sintflut ertrunken sein mussten. Der Forscher E. Bertram wiederum meinte 1766, Gott habe die Fossilien in den Boden gelegt - womöglich, um diejenigen zu prüfen, die an der göttlichen Schöpfung zweifelten. Der Breslauer Mineraloge Karl Georg von Raumer glaubte dass Fossilien verunglückte Probeschöpfungen seien.

Am Fronleichnamstag im Jahre 1725 brachten drei Burschen dem Herrn Professor Behringer einige Fossilien, die sie angeblich selbst gefunden hatten. Es waren versteinerte Frösche, Krebse und vielerlei anderes Getier. Professor Behringer war von den Steinen hingerissen. Endlich hatte er seine langersehnte wissenschaftliche Sensation. Schon vier Monate später erschien das Buch über die vermeintlichen Versteinerungen: Lithographiae Wirceburgensis, ducentis ... (ich breche hier ab, denn der lateinische Buchtitel nimmt kein Ende), kurzum auf Deutsch: „Eine erste Probe der Würzburger Figurensteine...“. Auf 21 Tafeln hat er 211 der vermeintlichen Figurensteine abbilden lassen.

Erst als eine Versteinerung mit seinem eigenen Namen in hebräischen Lettern auftauchte, wusste er, dass er einem üblen Scherz aufgesessen war. Schon beim oberflächlichen Betrachten hätte Behringer erkennen müssen, dass es sich um plumpe Fälschungen handelt. Daher verwundert es sehr, dass ein so hochgelahrter Mann wie Beringer in die für ihn aufgestellte Falle tappte. Missgünstige Kollegen und schadenfreudige Studenten hatten diese üble Posse ausgeheckt.

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