Märchenkrimi letzter Teil
Von: , Frage gestellt am So, 14. Jun 2009
Es regnete an diesem Taufsonntag in Strömen. Die Menschen, die sich vor der Kirche versammelt hatten, standen unter Regenschirmen, an denen das Wasser seitlich heruntertroff und die Kleidung von den Schultern ab naß wurde. Auch der Schmetterling, eingepackt in ein hellblaues, dickes Flanelltuch mit Fransen zum Schutz des weißten Taufkleids aus Brüsseler Spitze, erschrak übser einige kalte Regenspritzer, die ihm ins Gesicht fielen. Und er schrie.
"Schmetterling", beruhigte die Mutter, "mein süßer, kleiner Schmetterling" tröstete sie, das gefiel ihm und er schlief wieder ein. Die Eltern und Taufpaten voran trat die Taufgesellschaft in die barocke Kirche ein. Die Orgel spielte und die Putten leuchteten golden von allen Wänden, als sie zum Taufbecken schritten, wo der Pfarrer auf sie wartete.
"Wir kommen heute vor Gott hier zusammen, umm diesem kleinen Erdenbürger seinen Namen zu geben", sagte der Pfarrer. Schmetterling machte die Augen auf.
"Wir taufen Dich hiermit vor Gottes Antlitz auf den Namen
Y u s u f
im Namen des Vaters, des Sohnes, des heiligen Geistes und in Ewigkeit Amen.
Da schrie Schmetterling aus Leibeskräften, sein Kopf wurde dunkelrot, die Stirn lag in tausend Falten und er verbreitete einen Gestank aus einer Windel, daß die Menschen um ihn herum zuerst zurücktraten und dann die Kirche verließen.
So mußte die Mutter zum Schluß mit dem schreienden Kind, allein, das Gotteshaus verlassen.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
