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Re: Feedback gewünscht
Hallo Sabine,
aaalso: Dein Text hat mir generell recht gut gefallen, obwohl mich einige grundsätzliche Aspekte als auch manche Details zu einer kritischeren Betrachtung reizen:
Stil:
Der Lesefluss ist - wie ich finde - recht ordentlich. Man bleibt nicht hängen und die Story liest sich im Großen und Ganzen recht locker-flockig.
Wortwahl:
Bis auf eine Stelle (s.u.) fand ich auch die Wortwahl recht gelungen und passend zu Inhalt, Stil und Stimmung des Textes.
Form:
Bei diesem Aspekt hapert es noch ein wenig: Das Fehlen von Absätzen und Zeilenumbrüchen macht das Lesen des Textes anstrengender als es sein müsste.
Ein gelegentliches Drücken der Enter-Taste zeigt dem Leser, wo ein Gedanke endet und ein neuer beginnt.
Inhalt:
Hier liegt mein größter Kritikpunkt: Über 500 Worte lang passiert - nichts. Wenn dies tatsächlich der Anfang eines kompletten Romans ist, müsste ich Dir Deine Frage leider beantworten mit: Nein, es reizt mich nicht zum Weiterlesen. Dafür passiert einfach nicht genug und es bauen sich keine Spannungsfelder auf.
In dem gesamten Text besteht das größte Problem des Mannes in der fachgerechten Entsorgung eines Haufen Hundekots. Das reicht aber nicht, um den Leser dazu zu bringen, sich interessiert mit dem Protagonisten auseinander zu setzen - zumal im Folgenden Belanglosigkeiten mit Beschreibungen abwechseln (sagt Dir der Ausspruch: "Show, don´t tell" etwas?).
Nicht missverstehen: Es muss keine GSG-9-Staffel über den Friedhof stürmen und die Blumen zertrampeln. Aber der Mann braucht irgendeinen (inneren oder äußeren) Konflikt sonst ist es, Zitat H.Simpson: laaangweilig. ;-)
Fazit: Das handwerkliche Gerüst stimmt weitestgehend, jetzt muss nur noch etwas "Fleisch an den Knochen".
Und jetzt noch die Details, die mir aufgefallen sind:
Die Blumen brauchten jetzt täglich Wasser, es war sehr heiß
geworden in den letzten Tagen. Ihm war das recht, denn so
hatte er einen Grund, seine kleine Wohnung zu verlassen. Als
er vor ein paar Tagen wegen seines schlimmen Rückens zuhause
geblieben war, erwartete ihn am Tag darauf eine verwelkte,
traurige Blumenlandschaft,
Wo sich diese Blumen letzendlich befinden (Grab), wird erst ganz zum Schluss klar. Zusammen mit den übrigen bruchstückhaften Informationen über den Mann, seine Vergangenheit, sein Tun, usw. führt das zu einem gewissen Mass an Verwirrung.
Das Wort "Blumenlandschaft" deutet auf eine große Menge Blumen hin. Wenn es sich aber - wie ich vermute - um eine "normale" Grabbepflanzung handelt, ist der Begriff zu pompös.
auf die zu allem Überfluss auch
noch ein Hund gekackt hatte. Er entfernte die Hundescheiße mit
seiner kleinen Schaufel, stand dann lange da und wusste nicht,
wohin mit dem stinkenden Dreck. Letztlich schmiss er die
Scheiße in den nächsten Papierkorb, was er gleich am nächsten
Tag bereute. Als er sich auf seine Bank setzte, die direkt
neben jenem Papierkorb stand, brachte der Geruch von
Hundescheiße in Sommersonne seinen ohnehin nicht mehr sehr
ausgeprägten Appetit gänzlich zum Erliegen.
Dieser Abschnitt hat mir überhaupt nicht gefallen, weil die Worte "Scheiße" und "gekackt" im Verhältnis zum übrigen Text ziemlich vulgär wirken.
Wenn Du damit natürlich zum Ausdruck bringen wolltest, wie sehr sich der Mann über die Verschmutzung ärgert, so kann das auf diese Art nicht funktionieren, da dafür der Text nicht ausreichend aus der Perspektive des Mannes geschrieben ist.
Auch das Wort "schmiss" holpert ziemlich, weil es doch sehr aus der Umgangssprache stammt. "werfen", "fallen lassen", "entsorgen" passen besser (ganz subjektive Meinung).
Dabei hatte er es
sich zur Gewohnheit gemacht, nach dem gießen immer noch ein
"Gießen" wird hier groß geschrieben (substantiviertes Verb).
bisschen auf der Parkbank zu sitzen und ein Frühstücksbrot zu
essen. Die Bank stand unter einer alten Eiche, deren Baumkrone
fast bis zum See reichte. Selbst wenn es in der Sonne schon
unerträglich wurde, war es unter dem großen grünen Dach noch
gut auszuhalten. Meist war die Bank frei und wenn jemand doch
Würde ich tauschen: "...und wenn doch jemand..." (Tipp: den Satz mal laut lesen und entscheiden, was besser klingt.)
mal früher als er auf den Beinen war und sich auf seiner
Parkbank eine Pause gönnte, setzte er sich einfach dazu und
begann zu erzählen. Von früher, worüber hätte er auch sonst
reden sollen.
Auch hier wieder ein ganz subjektiver Eindruck: Ich mag keine unvollständigen Sätze. Ich finde, das ist eine der wenigen Stellen, wo der Lesefluss ins Stocken gerät. Alternativ-Vorschlag: "Er sprach dann immer von früher. Worüber hätte er auch sonst reden sollen?
Die Geschehnisse des letzten Jahres konnte er
niemandem erzählen, jeder würde ihn sofort als alten Spinner
Hier ist ein Ansatz von dem, wovon ich unter "Inhalt" geschrieben habe: Hier wird´s interessant, weil man sich fragt, was denn wohl letztes Jahr passiert sein mag. Merh davon!
abtun. Deshalb erzählte er wildfremden Menschen, die meist zu
höflich waren um sofort zu gehen, von seinem längst
Bin mir nicht sicher, aber ich würde ein Komma zwischen "waren" und "um" setzen.
vergangenen Leben auf einem kleinen Dorf unweit der Elbe. Von
den Kühen und Schweinen, die fast 60 Jahre sein Leben bestimmt
hatten und von seiner Frau und dem Sohn, die dort vermutlich
noch immer lebten. Manchmal traf er auf eine verwandte Seele,
die ähnlich einsam war wie er und seine öde Lebensgeschichte
der Stille der eigenen vier Wände vorzog. Die meisten jedoch
nutzten eine seiner kurzen Atempausen, um etwas von wichtigen
Terminen zu murmeln, einen schönen Tag zu wünschen und sich
eilig davon zu machen. Heute saß er mutterseelenallein auf der
Bank unter dem großen Baum. In der alten, verbeulten Kordhose
Frage: Kann eine Hose "verbeult" sein? Müsste es nicht "ausgebeult" heißen, eventuell sogar mit Bezug auf die Taschen?
und dem ausgeblichenen gelben Hemd mochte er auf manchen wie
ein Penner wirken, der passender weise schon auf der
"Passenderweise" zusammen.
obligatorischen Pennerbank saß. Eine komische alte Figur, zu
verwittert, um als Mensch durchzugehen, zu lebendig, um tot zu
sein.
Grundsätzlich finde ich die Vergleiche gut an dieser Stelle, aber:
"zu lebendig, um tot zu sein"? Das erscheint mir etwas zu banal. Es ist logisch, dass er nicht tot ist, wenn er auch nur ein bisschen lebendig ist. Da muss er nicht erst "zu" lebendig sein. Außerdem ist "Mensch" kein Gegensatz zu "tot" (wenn schon, dann müsste es ein lebender oder lebendiger Mensch sein, damit der Vergleich hier nicht hinkt). Den Begriff "verwittert" finde ich gut, obwohl auch er so alleine für sich nicht 100%-ig passt.
Am Seeufer lag heute ein alter, träger Schwan in der
Sonne. Vermutlich auch nicht viel jünger als ich, dachte er.
Dann holte er die kleine Figur, die er gestern in einem der
Billigläden in der Stadt entdeckt hatte, aus seiner
abgewetzten Ledertasche und betrachtete sie. Es war eine
scheußliche kleine Porzellanschnecke mit einem Rucksack auf
dem Schneckenhaus. Vermutlich hatte ein Kind in irgendeiner
Fabrik in Kambodscha oder sonst wo sie bemalt, um damit das
karge Einkommen der Familie aufzubessern.
Infodump, oder hat der Hinweis auf die kambodschanische Kinderarbeit eine Funktion für die Story. Wenn nein: weg damit
Das Grinsen der
Schnecke war jedenfalls ziemlich verunglückt. Ihn störte das
nicht weiter. Er stellte die Schnecke auf den Grabstein,
packte die blecherne, verbeulte Brotbüchse in seine Tasche,
schloss die Tasche sorgfältig, nahm die Gieskanne und machte
sich auf den Weg.
So, das war´s. An dieser Stelle pflege ich üblicherweise zu sagen: Nimm, was Du von meinen Anmerkungen brauchen kannst, der Rest kann in die Tonne.
Und deshalb gilt dieser Rat auch Dir. ;-)
Viele Grüße
Camelot