Feedback gewünscht

Von: , Frage gestellt am Fr, 26. Jun 2009

Liebe Gemeinde,

ich wäre sehr dankbar für ein ehrliches Feedback zu dem unten stehenden. Es ist das erste Kapitel eines Romans und mich würde interessieren, ob er das Interesse zum weiterlesen weckt. Ich bin nicht zart beseitet, Ihr könnt also muter kritisieren.

Vielen Dank für die Mühe




Die Blumen brauchten jetzt täglich Wasser, es war sehr heiß geworden in den letzten Tagen. Ihm war das recht, denn so hatte er einen Grund, seine kleine Wohnung zu verlassen. Als er vor ein paar Tagen wegen seines schlimmen Rückens zuhause geblieben war, erwartete ihn am Tag darauf eine verwelkte, traurige Blumenlandschaft, auf die zu allem Überfluss auch noch ein Hund gekackt hatte. Er entfernte die Hundescheiße mit seiner kleinen Schaufel, stand dann lange da und wusste nicht, wohin mit dem stinkenden Dreck. Letztlich schmiss er die Scheiße in den nächsten Papierkorb, was er gleich am nächsten Tag bereute. Als er sich auf seine Bank setzte, die direkt neben jenem Papierkorb stand, brachte der Geruch von Hundescheiße in Sommersonne seinen ohnehin nicht mehr sehr ausgeprägten Appetit gänzlich zum Erliegen. Dabei hatte er es sich zur Gewohnheit gemacht, nach dem gießen immer noch ein bisschen auf der Parkbank zu sitzen und ein Frühstücksbrot zu essen. Die Bank stand unter einer alten Eiche, deren Baumkrone fast bis zum See reichte. Selbst wenn es in der Sonne schon unerträglich wurde, war es unter dem großen grünen Dach noch gut auszuhalten. Meist war die Bank frei und wenn jemand doch mal früher als er auf den Beinen war und sich auf seiner Parkbank eine Pause gönnte, setzte er sich einfach dazu und begann zu erzählen. Von früher, worüber hätte er auch sonst reden sollen. Die Geschehnisse des letzten Jahres konnte er niemandem erzählen, jeder würde ihn sofort als alten Spinner abtun. Deshalb erzählte er wildfremden Menschen, die meist zu höflich waren um sofort zu gehen, von seinem längst vergangenen Leben auf einem kleinen Dorf unweit der Elbe. Von den Kühen und Schweinen, die fast 60 Jahre sein Leben bestimmt hatten und von seiner Frau und dem Sohn, die dort vermutlich noch immer lebten. Manchmal traf er auf eine verwandte Seele, die ähnlich einsam war wie er und seine öde Lebensgeschichte der Stille der eigenen vier Wände vorzog. Die meisten jedoch nutzten eine seiner kurzen Atempausen, um etwas von wichtigen Terminen zu murmeln, einen schönen Tag zu wünschen und sich eilig davon zu machen. Heute saß er mutterseelenallein auf der Bank unter dem großen Baum. In der alten, verbeulten Kordhose und dem ausgeblichenen gelben Hemd mochte er auf manchen wie ein Penner wirken, der passender weise schon auf der obligatorischen Pennerbank saß. Eine komische alte Figur, zu verwittert, um als Mensch durchzugehen, zu lebendig, um tot zu sein. Am Seeufer lag heute ein alter, träger Schwan in der Sonne. Vermutlich auch nicht viel jünger als ich, dachte er. Dann holte er die kleine Figur, die er gestern in einem der Billigläden in der Stadt entdeckt hatte, aus seiner abgewetzten Ledertasche und betrachtete sie. Es war eine scheußliche kleine Porzellanschnecke mit einem Rucksack auf dem Schneckenhaus. Vermutlich hatte ein Kind in irgendeiner Fabrik in Kambodscha oder sonst wo sie bemalt, um damit das karge Einkommen der Familie aufzubessern. Das Grinsen der Schnecke war jedenfalls ziemlich verunglückt. Ihn störte das nicht weiter. Er stellte die Schnecke auf den Grabstein, packte die blecherne, verbeulte Brotbüchse in seine Tasche, schloss die Tasche sorgfältig, nahm die Gieskanne und machte sich auf den Weg.

7 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
    Re: Feedback gewünscht

    Hallo Sabine!

    Du wolltest Kritik haben. Hier ist sie. Der Text ist, sagen wir mal, verbesserungswürdig. Es hilft dir, denke ich, mehr, wenn du selber lernst, zu erkennen, ob sich das Weiterlesen lohnt.

    Sag doch mal selbst:

    Was ist - deiner Meinung nach - an diesem Text spannend?

    Was ist das Problem der Hauptfigur? Was ist sein Wunsch, seine Leidenschaft?

    Welche Frage stellt sich der Leser automatisch?

    Siehst du.

    Nebenbei bemerkt, ist der Schreibstil der eines Anfängers, aber Anfänger sind ja alle großen Schriftsteller irgendwann mal gewesen.

    Mach weiter, das wird schon!

    Grüße

    Andreas

  2. Antwort von nach 7 Stunden hilfreich
    Re: Feedback gewünscht

    Hallo Sabine,

    aaalso: Dein Text hat mir generell recht gut gefallen, obwohl mich einige grundsätzliche Aspekte als auch manche Details zu einer kritischeren Betrachtung reizen:

    Stil:
    Der Lesefluss ist - wie ich finde - recht ordentlich. Man bleibt nicht hängen und die Story liest sich im Großen und Ganzen recht locker-flockig.

    Wortwahl:
    Bis auf eine Stelle (s.u.) fand ich auch die Wortwahl recht gelungen und passend zu Inhalt, Stil und Stimmung des Textes.

    Form:
    Bei diesem Aspekt hapert es noch ein wenig: Das Fehlen von Absätzen und Zeilenumbrüchen macht das Lesen des Textes anstrengender als es sein müsste.
    Ein gelegentliches Drücken der Enter-Taste zeigt dem Leser, wo ein Gedanke endet und ein neuer beginnt.

    Inhalt:
    Hier liegt mein größter Kritikpunkt: Über 500 Worte lang passiert - nichts. Wenn dies tatsächlich der Anfang eines kompletten Romans ist, müsste ich Dir Deine Frage leider beantworten mit: Nein, es reizt mich nicht zum Weiterlesen. Dafür passiert einfach nicht genug und es bauen sich keine Spannungsfelder auf.
    In dem gesamten Text besteht das größte Problem des Mannes in der fachgerechten Entsorgung eines Haufen Hundekots. Das reicht aber nicht, um den Leser dazu zu bringen, sich interessiert mit dem Protagonisten auseinander zu setzen - zumal im Folgenden Belanglosigkeiten mit Beschreibungen abwechseln (sagt Dir der Ausspruch: "Show, don´t tell" etwas?).
    Nicht missverstehen: Es muss keine GSG-9-Staffel über den Friedhof stürmen und die Blumen zertrampeln. Aber der Mann braucht irgendeinen (inneren oder äußeren) Konflikt sonst ist es, Zitat H.Simpson: laaangweilig. ;-)

    Fazit: Das handwerkliche Gerüst stimmt weitestgehend, jetzt muss nur noch etwas "Fleisch an den Knochen".

    Und jetzt noch die Details, die mir aufgefallen sind: Die Blumen brauchten jetzt täglich Wasser, es war sehr heiß
    geworden in den letzten Tagen. Ihm war das recht, denn so
    hatte er einen Grund, seine kleine Wohnung zu verlassen. Als
    er vor ein paar Tagen wegen seines schlimmen Rückens zuhause
    geblieben war, erwartete ihn am Tag darauf eine verwelkte,
    traurige Blumenlandschaft,
    Wo sich diese Blumen letzendlich befinden (Grab), wird erst ganz zum Schluss klar. Zusammen mit den übrigen bruchstückhaften Informationen über den Mann, seine Vergangenheit, sein Tun, usw. führt das zu einem gewissen Mass an Verwirrung.

    Das Wort "Blumenlandschaft" deutet auf eine große Menge Blumen hin. Wenn es sich aber - wie ich vermute - um eine "normale" Grabbepflanzung handelt, ist der Begriff zu pompös. auf die zu allem Überfluss auch
    noch ein Hund gekackt hatte. Er entfernte die Hundescheiße mit
    seiner kleinen Schaufel, stand dann lange da und wusste nicht,
    wohin mit dem stinkenden Dreck. Letztlich schmiss er die
    Scheiße in den nächsten Papierkorb, was er gleich am nächsten
    Tag bereute. Als er sich auf seine Bank setzte, die direkt
    neben jenem Papierkorb stand, brachte der Geruch von
    Hundescheiße in Sommersonne seinen ohnehin nicht mehr sehr
    ausgeprägten Appetit gänzlich zum Erliegen.
    Dieser Abschnitt hat mir überhaupt nicht gefallen, weil die Worte "Scheiße" und "gekackt" im Verhältnis zum übrigen Text ziemlich vulgär wirken.
    Wenn Du damit natürlich zum Ausdruck bringen wolltest, wie sehr sich der Mann über die Verschmutzung ärgert, so kann das auf diese Art nicht funktionieren, da dafür der Text nicht ausreichend aus der Perspektive des Mannes geschrieben ist.

    Auch das Wort "schmiss" holpert ziemlich, weil es doch sehr aus der Umgangssprache stammt. "werfen", "fallen lassen", "entsorgen" passen besser (ganz subjektive Meinung). Dabei hatte er es
    sich zur Gewohnheit gemacht, nach dem gießen immer noch ein
    "Gießen" wird hier groß geschrieben (substantiviertes Verb). bisschen auf der Parkbank zu sitzen und ein Frühstücksbrot zu
    essen. Die Bank stand unter einer alten Eiche, deren Baumkrone
    fast bis zum See reichte. Selbst wenn es in der Sonne schon
    unerträglich wurde, war es unter dem großen grünen Dach noch
    gut auszuhalten. Meist war die Bank frei und wenn jemand doch
    Würde ich tauschen: "...und wenn doch jemand..." (Tipp: den Satz mal laut lesen und entscheiden, was besser klingt.) mal früher als er auf den Beinen war und sich auf seiner
    Parkbank eine Pause gönnte, setzte er sich einfach dazu und
    begann zu erzählen. Von früher, worüber hätte er auch sonst
    reden sollen.
    Auch hier wieder ein ganz subjektiver Eindruck: Ich mag keine unvollständigen Sätze. Ich finde, das ist eine der wenigen Stellen, wo der Lesefluss ins Stocken gerät. Alternativ-Vorschlag: "Er sprach dann immer von früher. Worüber hätte er auch sonst reden sollen? Die Geschehnisse des letzten Jahres konnte er
    niemandem erzählen, jeder würde ihn sofort als alten Spinner
    Hier ist ein Ansatz von dem, wovon ich unter "Inhalt" geschrieben habe: Hier wird´s interessant, weil man sich fragt, was denn wohl letztes Jahr passiert sein mag. Merh davon! abtun. Deshalb erzählte er wildfremden Menschen, die meist zu
    höflich waren um sofort zu gehen, von seinem längst
    Bin mir nicht sicher, aber ich würde ein Komma zwischen "waren" und "um" setzen. vergangenen Leben auf einem kleinen Dorf unweit der Elbe. Von
    den Kühen und Schweinen, die fast 60 Jahre sein Leben bestimmt
    hatten und von seiner Frau und dem Sohn, die dort vermutlich
    noch immer lebten. Manchmal traf er auf eine verwandte Seele,
    die ähnlich einsam war wie er und seine öde Lebensgeschichte
    der Stille der eigenen vier Wände vorzog. Die meisten jedoch
    nutzten eine seiner kurzen Atempausen, um etwas von wichtigen
    Terminen zu murmeln, einen schönen Tag zu wünschen und sich
    eilig davon zu machen. Heute saß er mutterseelenallein auf der
    Bank unter dem großen Baum. In der alten, verbeulten Kordhose
    Frage: Kann eine Hose "verbeult" sein? Müsste es nicht "ausgebeult" heißen, eventuell sogar mit Bezug auf die Taschen? und dem ausgeblichenen gelben Hemd mochte er auf manchen wie
    ein Penner wirken, der passender weise schon auf der
    "Passenderweise" zusammen. obligatorischen Pennerbank saß. Eine komische alte Figur, zu
    verwittert, um als Mensch durchzugehen, zu lebendig, um tot zu
    sein.
    Grundsätzlich finde ich die Vergleiche gut an dieser Stelle, aber:
    "zu lebendig, um tot zu sein"? Das erscheint mir etwas zu banal. Es ist logisch, dass er nicht tot ist, wenn er auch nur ein bisschen lebendig ist. Da muss er nicht erst "zu" lebendig sein. Außerdem ist "Mensch" kein Gegensatz zu "tot" (wenn schon, dann müsste es ein lebender oder lebendiger Mensch sein, damit der Vergleich hier nicht hinkt). Den Begriff "verwittert" finde ich gut, obwohl auch er so alleine für sich nicht 100%-ig passt. Am Seeufer lag heute ein alter, träger Schwan in der
    Sonne. Vermutlich auch nicht viel jünger als ich, dachte er.
    Dann holte er die kleine Figur, die er gestern in einem der
    Billigläden in der Stadt entdeckt hatte, aus seiner
    abgewetzten Ledertasche und betrachtete sie. Es war eine
    scheußliche kleine Porzellanschnecke mit einem Rucksack auf
    dem Schneckenhaus. Vermutlich hatte ein Kind in irgendeiner
    Fabrik in Kambodscha oder sonst wo sie bemalt, um damit das
    karge Einkommen der Familie aufzubessern.
    Infodump, oder hat der Hinweis auf die kambodschanische Kinderarbeit eine Funktion für die Story. Wenn nein: weg damit Das Grinsen der
    Schnecke war jedenfalls ziemlich verunglückt. Ihn störte das
    nicht weiter. Er stellte die Schnecke auf den Grabstein,
    packte die blecherne, verbeulte Brotbüchse in seine Tasche,
    schloss die Tasche sorgfältig, nahm die Gieskanne und machte
    sich auf den Weg.
    So, das war´s. An dieser Stelle pflege ich üblicherweise zu sagen: Nimm, was Du von meinen Anmerkungen brauchen kannst, der Rest kann in die Tonne.
    Und deshalb gilt dieser Rat auch Dir. ;-)

    Viele Grüße
    Camelot

  3. Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
    Re: Feedback gewünscht

    Hallo Camelot und Andreas,

    vielen Dank für die Kritik, vor allem an Camelot, Du hast Dir wirklich viel Mühe gegeben. Ich finde Eure beiden Kritiken sehr hilfreich und werde den Text in den nächsten Tagen noch mal überarbeiten. Dann stelle ich ihn noch mal hier ins Netz, vielleicht habt ihr ja Lust auf ein weiteres Feedback, würde mich sehr freuen.

    Herzliche Grüße
    saba

    • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
      Re^2: Feedback gewünscht

      Hallo Sabine,

      wenn Schreiben Dein Hobby ist oder werden soll, dann erlaube ich mir einmal den Tipp, Dich doch einmal um die Aufnahme in einem Schreibforum zu bewerben. Da findest Du dann gleich eine ganze Reihe von Gleichgesinnten, die positiv schonungslos mit Deinen Texten umgehen.

      Ohne persönliche Wertung seien hier einmal "Tintenzirkel" (eigentlich aber nur für Fantasyautoren), "Autorenforum Montsegur" oder "Federfeuer" (die gerade einen Aufnahmestopp bis Anfang Juli haben) genannt.

      Viele Grüße
      Camelot

      • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
        Re^3:nur zur info

        Hallo
        "Autorenforum Montsegur" die gerade einen Aufnahmestopp
        bis Anfang ultimo haben .

        lesen kann man da... aber Hilfe kann man nicht erwarten.... Viele Grüße
        Camelot
        das K

  4. Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
    Re: Feedback gewünscht

    Hi, Die Blumen brauchten jetzt täglich Wasser, es war sehr heiß
    geworden in den letzten Tagen.
    Es gibt sowas wie die "Magie des ersten Satzes". Dein erster Satz ist so banal, dass ich den Rest nur noch lustlos quergelesen habe - und dass ich dabei ständig in Hundekacke getreten bin, hat die Leselust nicht gerade erhöht.

    Gruß,

    Anja

    • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
      Re^2: Feedback gewünscht

      das sehe ich ganz genau so.
      zuviel "scheiße" im ersten teil.
      (wenn schon darüber geschrieben werden muß => noch mehr verschiedene worte benutzen und anständig bleiben)

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