Nie wieder Fleisch
Von: , Frage gestellt am Do, 13. Aug 2009
"Mensch, jetzt gibt es schon wieder Fleisch!"
Ich hieße Lena und bin schon seit einem halben Jahr stolze Veganerin. Das heißt, dass ich weder Flisch noch sonstige tierische Produkte zu mir nehme, denn ich bin gegen die Massenhaltung von Tieren, da alle Lebewesen das Recht auf ein Leben ohne Qualen haben müssen. Viele meiner Freunde und Verwandten teilen jedoch nicht dieselbe Meinung mit mir.Sie verstehen einfach nicht, weshalb ich bin, wie ich bin und sie wundern sich darüber wie man vor allem auf Fleisch so ohne weiteres verzichten kann.
Ich komme gerade die Treppe von meinem Zimmer heruntergestiegen und rieche schon den dominanten Geruch von Holzkohle und halb angebrannten Würstchen, der sich bereits in der gesamten unteren Etage unseres Hauses verbreitet und den wunderbaren Duft meiner erst neulich gepflanzen Hyazinthen einfach überdeckt.
Ekel und Übelkeit kommen in mir auf.
"Ihr könnt doch wenigstens die Terrassentür schließen, sonst verraucht ihr noch die ganze Wohnung.", rief ich meinen Eltern und meinem jüngeren Bruder zu.
Aber um streit und Ärger aus dem weg zu gehen, halte ich doch lieber meinen Mund, weil die Diskussionen meist damit enden, dass ich mich für den Rest des Tages in meinem Zimmer einschließe und mich abreagieren muss.
Inder Kücke angelangt, nehme ich mir eine Hand voll Datteltomaten und mache einen salat daraus, um auch etwas essen zu können.
Schon schleicht sich mein Bruder lautlos von hinten an mich heran und erschreckt mich:
" Na, Schwesterherz. Versuchst du mal wieder einen auf ÖKO zu machen?"
"Julian, ich bin halt nicht so ein Tiermörder wie du und bezahle Geld dafür, dass man Tiere quält und umbringt, nur um sie zu essen. Dahabe ich lieber ein gutes Gewissen und töte keine Lebewesen.", antworte ich ihm in einem unfreundlichen Ton, ohne mich auch nur zu ihm umzudrehen.
"Sag Mama und Papa, sie sollen den Grill ausmachen. Es regnet gleich."
Ich sehe bereits, wie sich die Regenkolken sich langsam verdunkeln und sie sich zu einer dicken, scheinbar undurchdringlichen Wolkendecke vereinen.
Nicht nur Julian redet so mit mir, auch meine Eltern tun dies gelegentlich, bloß auf eine etwas vernünftigere Weise.
Und das ist so, seitdem ich mir das Ziel gesetzt habe, für meine ernährung nur noch Pflanzen zu essen.
Manchmal fühle ich michjedoch wie das schwarze Schaf der Familie, das in einer Herde voll Weißer nicht zu den anderen gehören kann, weil es anders denkt und nicht verstanden wird.
Erst vor kurzem wurden wir vier, also meine Eltern,Julian und ich zum Abendessen bei den Schmitz', unseren Nachbarn, eingeladen. Es gab Schweinebraten. Natürlich konnte frau Schmitz nicht erahnen, dass ich so plötzlich Veganerin geworden bin, da ihr auch niemand davon erzählt hat.
Meine Eltern meinen immer nur, sie vergäßen es zu erwähnen, dass ich eine Veganerin sei,da sie selbst ja auf Fleisch nicht verzichten könnten.
Das alles hat aber nichts an der tatsache geändert,dass mir bei dem anblick des gewaltigen stück Fleisches und dem starken Geruch von Schwein mir schlecht geworden ist und ich mich vom Esstisch entfernte, um nicht nur mir einen Gefallen zu tun, sondern auch den anderen mein Gejammer zu ersparen.
Nun schleppe ich mich erschöpft über die kühlen Fliesen in Richtung unseres wintergartens, in dem die unterschiedlichsten tropischen Pflanzen von mir gehalten werden, von Kiwis über Heliconien bis zu Safran Krokussen , und setze mich an das Kopfende des Mahagoni-Holztisches der mir aus einem klaren Grund nicht gefällt, während sich die gewaltigen Regenwolken mit einem lauten Donnern und Krachenentladen und die ersten regentropfen mit einem leisen Prasseln die Erde erreichen.
schon Stürmen meine eltern aus dem Garten in das wohnzimmer, bis sie ihre bis zum Rand mit Würstchen und Steaks gefüllten Teller vor mir laut auf die Tischfläche stellen.
" Na Lena, willst du vielleicht aus etwas davon haben," fragt mich mein Vater unsicher, " ich habe nämlich das Gefühl, dass dein Wachstum durch deine radickale Ernährungsumstellung ziemlich in Mitleidenschaft gezogen wird, obwohl du ja gerade in der Pubertät bist."
"Papa, du kennst meine antwort. Ich weiß zwar, dass du dich um mich sorgst und dadurch auch oft in einen Wutanfall bekommst, aber ich respektiere, dass ihr drei eine etwas andere Leidenschaft für das essen entwickelt habt.
außerdem ist wissenschaftlich bewiesen, dass man auch vegetarisch gesund leben kann. und wenn ihr mir...."
" mag ja sein, dass wissenschaftler das sagen, aberich bin der Meinung, dass Kinder genügend Proteine und Mineralstoffe bekommen müssen, was nur über tierische Produkte, wie Fleisch aufzunehmen ist.Oder wenigstens Käse.", ruft Mama mir plötzlich dazwischen.
"Du hast schon dein ganzes Leben lang alles gegessen und plötzlich wirst du Veganerin. Was soll ich denn bloß mit dir anfanden. Kannst du nicht mal in dieser hinsicht, wie dein Bruder sein?"
Einen Moment lang herrscht Schweigen und nur der regen, der einige dünne Äste und unreife Früchte unseres Walnussbaumes mit sich reißt, ist unter dem Glasdach zu vernehmen.
Der Versuch ruhe zu bewahren und nicht völlig auszurasten scheitert und mein ganzer Ärger und die wut entlädt sich mit einem Mal über meine verständnislose Familie.
" Jetzt reicht's. Viele und sogar meine Familie, bei der ich mir so sehr erhofft hätte, dass sie mich bei dieser Sache etwas unterstützt, akzeptiert mein Handeln nicht. ALLE hacken nur auf mich herum !"
Voller Enttäuschung laufe ich aus der Haustür geraus ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken, wohin ich gehe. Hautsachen weg von zu Hause.Ich fühle mich so einsam und allein gelassen und hoffe, dass meine Familie mich irgendwann einmal verstehen kann. dicke Tränen laufen mir langsam das Gesicht herunter, die durch den Regen, der mich von oben bis unten durchnässt, verborgen bleiben.
Und wie findet ihr die Geschichte. es war ursprünglich eine Geusct-hausaufgabe.
Danke für euer Kommentar =D
