Früher, und noch einige Zeit davor,
in einer Zeit als die Menschen zumindest in den Kleinstädten alle weiß waren, gab es ein einziges kleines zierliches Mädchen, mit riesengrossen braunen Augen, stubbeligen schwarzen Lockenkaaren und schokoladenbrauner Haut.
Sie war Anders.
Sie war falsch, und die Leute sagten ihr immer wieder, das sie verkehrt aussehen würde.
Meistens lief sie alleine durch die Gegend, strolchte über Felder und Wiesen und bestaunte die Natur.
Eines Tages ging sie alleine über die Felder, die nah bei Ihrem zuhause lagen, und wie üblich hüpfte sie und sprang, schaute sich die Pflanzen an und freute sich an den Schmetterlingen, die mit ihren zierlichen Flügeln von einer Blüte zur nächsten hüpften.
Einen moment hielt sie inne, und betrachtete die Schmetterlinge, die sich alle sehr ähnlich sahen, man könnte sogar sagen, das sie alle sogar gleich aussahen, und sie säufzte.
Warum nur sah sie nicht wie alle anderen auch aus? Wer hat das gemacht, das sie, egal wo sie ging immer auffiel?
Ein Gott?
Nein, daran glaubte sie schon lange nicht mehr. Seitdem sie begriffen hatte, das viele Menschen sie nicht leiden konnten, weil sie ein bischen brauner aussah, glaubte sie nicht mehr an einen Gott.
Aber vielleicht schlief er ja nur und weigerte sich aufzuwachen um nicht sehen zu müssen, wie groß ihre Wünsche waren?
Vielleicht wollte er ja, das sie sich selber half, mit ganz viel glauben?
Die Überlegungen des Mädchen waren für sie so anstrengend, das sie kaum noch gehen konnte, die Beine wurden so schwer, das sie sich mitten ins feute Gras setzte, um weiter darü+ber nachdenken zu können.
Sich selber helfen.
Sich selber seine Wünsche erfüllen können, wenn man nur ganz fest daran glauben würde, dann könnte alles gut werden.
Die Wünsche des Mädchens waren recht groß, aber auch recht einfach. Sie wollte Sommersprossen haben, ganz viele und überall im Gesicht.
Denn, wer Sommersprossen hat, der kann ja nicht schokoladenbraun sein. Sommersprossen, das war Magie…
Das Mädchen war müde geworden, sie stand auf und ging langsam nach Hause. Auf dem Weg fing es an ganz leicht zu nieseln und wie ein Blitz durchzuckte es ihr kleines Köpfchen, Regentropfen können bestimmt Somemrsprossen machen.
Dann sind es zwar keine Sommersprossen mehr, sondern Regensprossen, aber das war egal, weil was zählte war nur das Ergebnis.
Sie blieb stehen und streckte ihr Gesicht in den Regen, ganz still blieb sie stehen und hielt dabei die Luft an.
Immer mehr Tropfen prasselten in Ihr Gesicht und sie wurde klatschnass.
Der Nieselöregen wurde zu einem richtigen Schauer, die Welt war grau geworden und das kleine Mädchen war zum auswringen nass aber glücklich.
Sie sang laut ein Sprossenlied:
Regenregentropfen kommt auf mein Gesicht, und bringt mir viele Sprossen,
vergesst auch meine Nase nicht…
Irgendwann nahm sie ihr Gesicht aus dem Regen und hüpfte nach Hause, froh und glücklich weil sie glaubte, das überall da, wo ein Tropfen auf ihr Gesicht viel, nun eine wunderschöne Sommersprosse sein würde.
Sie konnte es gar nicht erwarten nach Hause zu kommen und lief so schnell ihre beine sie nur tragen konnten.
Zu Hause angekommen stürmte sie an ihrer schimpfenden Mutter wie ein Wirbelsturm vorbei und raste, noch immer lachend ins Badezimmer vor den Spiegel.
Somemrsprossen wollte sie nun sehen, ein ganzes Gesicht voller wunderschöner Sommersprossen sollte ihr nun entgegenblicken, aber, was sie sah war ein schokoladenbraunes Gesicht, mit krausen Locken, aus dem in kleinen Bächen das Wasser herauslief, und sonst nichts.
Lange blickte sie ihr Spiegelbild an, das ihr so verhasst war und weinte.
Dann, in einem Anfall der Wut, nahm sie sich den Bimsstein, mit dem ihr Vater nach der Arbeit seine Hände säuberte und schrubbte mit aller Gewalt ihr Gesicht.
Wenn der Regen schon nicht die Kraft hätte, ihr Gesicht so hell zu machen, das man darauf Sommersprossen sehen könnte, dann muss man die braune Farbe eben wegschrubben.
Sie schrubbte und schrubbte und bemerkte dabei nichtmal, das ihre Haut blutig wurde und das das Gesicht sehr doll weh tat. Sie konnte nicht aufhören.
Die Tür ging auf und ihr Vater stand in der Tür, eigentlich war es nur ihr Stiefvater, aber das wußte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Er nahm ihr den Stein aus der Hand und nahm sie in die Arme um sie zu trösten.
Der Vater konnte sie nicht trösten, weil er ihr ihren grössten Wunsch nicht erfüllen konnte.
So ein einfacher Wunsch, und doch nicht erfüllbar.
Der Wunsch nach ein paar klitzekleinen Sommersprossen.
Die Wunden im Gesicht des Mädchens heilten nach einiger Zeit, heute kann man nur ein paar schwache helle Stellen erkennen, wenn man genau hinschaut, aber das sieht man nur im Winter, wenn die Haut etwas heller wird.
Im Sommer kann man auf der Nase 4 Sommersprossen sehen, ganz schwach nur, und wahrscheinlich sind es kleine Pigmentstörungen, aber für dieses kleine Mädchen, das heute ein grosses ist, bedeuten diese Sprossen sehr sehr viel…
Sonja