Das Mädchen mit der verwelkten Rose im Plastikbech

Manchmal sind es die kleinen Dinge die auffallen. Ich bin gestern von einer langen Reise nach Hause gekommen. Ich lebe in Barcelona und die Rückreise war wieder einmal anstrengend. Erst der Flug mit Ryanair nach Girona, einem Flughafen, der ca. 90 km von Barcelona entfernt ist, dann der Bus, der über eine Stunde nach Barcelona braucht und dann umsteigen in die U-Bahn. Es war ein Sonntagabend ca. 10 Uhr, die Menschen hatten ein langes Wochenende hinter sich gebracht und sahen irgendwie müde aus.Natürlich war es dunkel und in meiner Wohnung erwartete mich niemand. Die Stimmung war also nicht auf Ihrem Höhepunkt.

Beim zweiten Umsteigen musste ich einen langen Gang zur anderen U-Bahnlinie gehen, die Menschen gingen an mir vorbei und dachten ihrer Dinge, und auf einmal war sie da, eine junge Frau, vielleicht 25 Jahre alt, unscheinbar, und in ihrer Hand hatte Sie einen kleinen weissen Plastikbecher der ein bisschen mit Wasser gefüllt war und in dem eine kleine, zarte leicht verwelkte rote Rose steckte. Das Mädchen konzentrierte sich, damit der Rose nichts geschehen möge. Es war wie ein grosser Schatz für Sie, etwas ganz besonderes, und sie nahm die Rose mit auf Ihren Weg. Natürlich fragte ich mich, was wohl die Geschichte dieser Rose sei, war sie von Ihrem Freund, der sie ihr in der Nacht zuvor geschenkt hatte und Ihr ewige Liebe geschworen hatte, war sie von ihrer besten Freundin, die ihr am Nachmittag beim gemeinsamen Café zum Geburtstag gratuliert hatte, war sie vom Jungen, den Sie Nachts zuvor in einer Bar kennengelernt hatte, und mit dem sie eine wilde Nacht verbracht hatte, und der einer der ersten seit langer Zeit gewesen war, der ihr auch wirklich gefallen hatte, hatte sie am Nachmittag das Grab ihrer Mutter besucht, und sich entschlossen eine Rose aus dem Blumenstück mitzunehmen, um so ihrer toten Mutter ein Stück näher zu sein. Das schöne an der Szene war dass diese Rose etwas darstellte für sie, etwas ungeheuer Wichtiges, dass sie veranlasste sie zu pflegen und zu beschützen.

Hi,
im Literatur-Brett wird gerade nach Trivial-Romanen gefragt. Deine Geschichte könnte der Plot für einen sein.

Gruß,

Anja