Hallo alle zusammen,
ich habe mich in den letzten Monaten nochmal ordentlich ins Zeug gelegt und eure Verbesserungsvorschläge umgesetzt. Ich habe mir jeden einzelnen Beitrag von euch nochmal durchgelesen, mir alle Hinweise und Anmerkungen stichwortartig notiert und in Form eine „to-do-List“ systematisch abgearbeitet. Auch mit mittelalterlichen (und älteren Waffen) habe ich mich intensiv auseinandergesetzt, ich hoffe, dadurch wirken die Kämpfe endlich realistisch. Die wichtigste Veränderung am Text ist meiner Meinung nach die Umwandelung der Hauptperson Brock, der jetzt nicht als Milizsoldat in die Schlacht zieht und plötzlich kämpft wie ein Meister, sondern durch seinen Vater eine lange Ausbildung genossen hat.
Nun wünsche ich euch viel Spaß mit dem Text, der zwar immernoch kein Meisterwerk, aber mit großer Sicherheit um Längen besser ist, als die letzte Version. Wie immer bin ich dankbar für konstruktive Kritik.
IS
PS: Es gibt bei mir jetzt sogar Absätze, insg. über 40 Stück!
Prolog
Ein kühler Windstoß wehte über die Ebene von Ankatros, in die sich die Armeen der Menschen Vacataniens und der Hist aufeinandertrafen. Es herrschte eine beunruhigende tödliche Stille, obwohl viele Tausend Soldaten in Reih und Glied dem Beginn der Schlacht entgegenfieberten. Das Sonnenlicht spiegelte sich auf den Helmen und Rüstungen der Krieger beider Armeen, die in Schlachtordnung etwa zwei Meilen entfernt von einander standen.
Infolge eines unvermittelten Invasionsversuch der Hist, die in dem angrenzenden Frodfell lebten, welches hauptsächlich aus Wüsten bestand, hatte monatelang ein heftiger Verteidigungskrieg zwischen den Hist und den Menschen getobt, doch nun sollte es zur großen Entscheidungsschlacht kommen. Die Hist waren exotische Wesen, die meistens auf den Hinterbeinen liefen, wobei sie, ähnlich wie manche Menschenaffen, ihre Vorderbeine zur Hilfe nahmen. Ihre rötliche, geschuppte Haut erinnerte stark an Reptilien, aber ihr Körperbau wies sie eindeutig als menschenähnliche Geschöpfe aus. Neben der Gangart unterschieden sie sich nur noch durch ihre länglichen, gebogenen Rückenstacheln, die ihnen mit zunehmendem Alter aus der Wirbelsäule wuchsen. Hist mit langen Stacheln besaßen aufgrund ihrer enormen Lebenserfahrung unter Ihresgleichen ein besonders hohes Ansehen. Sie nahmen daher in vielen Fällen eine wichtige politische Stellung in der patriarchischen Gesellschaft der Hist ein oder wurden militärische Führer. Ihre Gesichter verbargen die Hist hinter rostroten Masken, die entfernt an zurückgebogene Palmenblätter erinnerten. Niemand außer den Hist selbst kannte den Grund dafür und genaugenommen wollte ihn auch niemand wirklich wissen, da man hinter den Masken der Hist etwas abstoßendes, hässliches vermutete. Abgesehen davon, wie man Hist am besten tötete, wollte der Großteil der Menschen in Vacatanien sowieso nichts über sie wissen. Und für das Blutbad, das die Armee der Menschen nun anrichten wollte, reichte dieses Wissen auch vollkommen aus.
Weil die Hist Vacatanien in der Vergangenheit schon mehrfach angegriffen hatten, verachteten die Menschen sie, was diese zumeist durch eine tödliche Pfeil- oder Schwertwunde erfuhren. Einige vacatanische Gelehrte, die die Sprache der Hist von heimlich gefangenen Hist erlernt hatten, behaupteten jedoch, die Hist seien auf der Suche nach etwas, dass sie als die „Heiligen Steine“ bezeichneten, die ihr Land laut einer alten Prophezeiung retten sollte. Ob diese Rettung nun aus einem Weg zur Bewässerung des öden, von Wüsten bedeckten Landes, oder einem Zauber bestand, wusste wiederrum niemand. Es hatte den Anschein, als ob die Hist einen Hinweis auf die Steine in Vacatanien vermuteten, doch hatten sie Vacataniern gegenüber nie erwähnt, was genau sie in Vacatanien eigentlich wollten. Als die einfallenden Hist nun jedoch sogar anfingen, Dörfer niederzubrennen und unschuldige Männer, Frauen und Kinder zu töten und ihre Leichen zu essen, empfanden die meisten Vacatanier brennenden Hass für die Hist und töteten jeden von ihnen, den sie zu Gesicht bekamen. König Thorf, der Herrscher von Vacatanien, der auf einen möglichen Friedensschluss mit den Hist gehofft hatte, nachdem er sogar ihre Sprache erlernt hatte, hatte schweren Herzens eine landesweite Heerschau befohlen, um sich dem alten Feind entgegenzustellen. Dieser offene Aufruf zum bewaffneten Wiederstand war erfolgreich gewesen, eine Vielzahl von Freiwilligen hatte sich versammelt, eine schnelle Grundausbildung absolviert und würde nun an der Seite ihres Königs in die Schlacht ziehen.
In der ersten Reihe des vacatanischen Heeres trat Brock nervös von einem Bein aufs andere. Ihm war kalt, obwohl er aus der kalten nordöstlichen Region des Reiches kam und Kälte gewohnt war. Dass sich ihm Splitter von seinem Holzspieß in die Hände gruben machte das Warten auf die Schlacht, die Ruhe vor dem Sturm, auch nicht gerade angenehmer. Doch Brock bereute nicht, sich freiwillig für den Dienst im vacatanischen Heer gemeldet zu haben, viele andere Alternativen hätte er nicht gehabt. Ein gefährliches und entbehrungsreiches Leben als Söldner und Schutzmann, die harte Arbeit in der Stahlmine seines Vaters - oder der Tod durch die Hist, die in großen Verbänden plündernd durchs Land gezogen waren. Nun erwartete Brock, der noch keine zwanzig Jahre alt war, teils ängstlich ob der deutlich sichtbaren Übermacht des feindlichen Heeres, teils ungeduldig und stolz, wie einst sein Vater, der ebenfalls wie Brock in der Armee Vacataniens gekämpft hatte, den Beginn der Schlacht.
Sein Vater. Brock hatte den Tag ihres Abschieds noch deutlich vor Augen, erinnerte sich noch genau an glücklichen Blick und die guten Ratschläge des Vaters, der selbst in Brocks Alter der Armee beigetreten war und dort Karriere gemacht hatte. In zahllosen Schlachten hatte Brocks Vater, Raminus von Adromar gekämpft und war so von einem einfachen Soldaten aus den Sümpfen Rondawars zu einem mächtigen General und Leibwächter Thorfs, des Königs von Vacatanien, geworden. Die Laufbahn Raminus‘ endete, nachdem er sich verliebte, heiratete und sein gewohntes Leben als einer der angesehensten Männer des Reiches im Dienste der Armee für eine neue Zukunft in den ruhigen Bergen hinter sich ließ.
Von seinem Vater hatte Brock alles über das Kämpfen gelernt, das er wusste. Durch eine jahrelange Ausbildung durch seinen Vater hatte Brock den geschickten Umgang mit einem Schwert ebenso gelernt, wie den Kampf mit der Lanze, dem Dolch oder auch dem Bogen. Viele Abende lang hatte er mit seinem Vater nach der Arbeit in der Mine jede erdenkliche Art des Kampfes geübt, trieb es im Schwertkampf gar zur Meisterschaft. Mit zwanzig Jahren war Brock vielen älteren Kämpfern um Weiten überlegen und besiegte jeden, der es wagte, ihn herauszufordern.
Keine zwanzig Fuß rechts von Brock, Umgeben von seiner Leibgarde und einem Bannerträger, stand König Thorf, der langjährige Herrscher von Vacatanien, und beriet sich mit seinen Feldherren. Durch den Lärm der wartenden Soldaten durch lauschte Brock dem Gespräch der Männer.
„Wir müssen mit allen Mitteln in Nagrond’s Nähe kommen und ihm das Herrscherschwert abnehmen.“, instruierte Thorf die Befehlshaber seiner Armee, wobei er am Griff seines Schwertes herumnästelte, in den ein faustgroßer Rubin eingefasst war. „Nagrond wird gut bewacht werden, wahrscheinlich ist er umgeben von blutdurstigen Histors. Sie werden unsere Männer reihenweise abschlachten! Große Verluste können wir uns bei dieser Übermacht nicht leisten!“, meldete sich ein kleiner, muskulöser Offizier zu Wort. Die Narben in seinem Gesicht zeugten von den früheren Schlachten, die er geschlagen hatte.
Brock wusste, dass der Mann Recht hatte. Die Histor-Leibwache bestand nur aus ausgewählten Histkriegern, deren Rückenstacheln bis zur Hüfte reichten. Lange Rückenstacheln waren zwar tödliche Waffen und konnten problemlos Feinde aufspießen, waren jedoch nicht das, was die Histors so gefährlich machte. Ihre effektiven, schwer zu handhabenden Waffen und die eiserne, fast schon legendäre Disziplin der Historsoldaten machten sie erst zu gefährlichen Gegnern. Stabwaffen und vergiftete Wurfnadeln, die die Histors klug einzusetzen verstanden, waren nur einige der Todeswerkzeuge, die sie Schlachten verwendeten. Viel gefürchteter als ihre Waffen waren die tödlichen Gifte, die einige von ihnen herstellten, in Glasphiolen füllten und mit Steinschleudern mitten in den Reihen ihrer Gegner platzierten. Auf diese Weise konnten innerhalb weniger Minuten ein ganzes Bataillon ausgelöscht werden. Das berichteten jedenfalls die Legenden und einige alte Männer, die noch in vergangenen Schlachten gekämpft hatten. Brocks Vater hingegen hatte nie erwähnt, dass er den Einsatz solcher Waffen miterlebt hatte.
Seit der Gründung und ihrer ersten Teilnahme an einer Schlacht gegen ein vacatanisches Heer der waren den Erzählungen nach nur wenige Histros im Kampf besiegt worden. Noch nie war ein Histfeldherr unter ihrem Schutz gefallen, was sehr zu ihrem Ruf als unbezwingbare Garde beitrug. Es wäre untypisch für Nagrond, den aktuellen militärischen Anführer der Hist gewesen, ohne seine Leibgarde in eine offene Feldschlacht zu ziehen, egal wie überlegen seine Streitmacht war. Nagrond war weithin als Feigling bekannt. Wenn er einer Schlacht persönlich beiwohnte, dann tat er dies für gewöhnlich mit großem Abstand zu den Kämpfenden. Unter den vacatanischen Soldaten war weithin bekannt, dass einige von Nagrond’s Leibwächtern das legendäre Herrscherschwert, eine mächtige magische Waffe, die älter war als Vacatanien selbst, aus dem Königspalast in Talaroth gestohlen hatten. Dabei hatten sie die Soldaten, die das Schwert bewachten von hinten erdolcht und anschließend auf dem Sockel, auf dem das Schwert gelegen hatte, aufgestapelt. Ein abscheulicher Akt der Grausamkeit, den kein Vacatanier verstehen konnte.
Dass sie das Herrscherschwert an die Hist verloren hatten, war ein herber Schlag für die Moral der vatacanischen Soldaten gewesen, denn mit dieser machtvollen Waffe in ihren Händen würde kein Heer, dass die Vacatanier aufzustellen imstande waren, die Hist aufhalten können. So hatten sie gedacht. Bis zum Morgen dieses Tages, an dem König Thorf-zur großen Erleichterung der Soldaten-verkündete, die Macht des Herrscherschwertes könne nur von dem rechtmäßigen König Vacataniens eingesetzt werden. Derjenige, der es dennoch versuche, werde einer alten Schrift zufolge „von den Allmächtigen gerichtet“. Nagrond konnte über dieses Wissen nicht verfügen, da es nur auf einer uralten Schriftrolle festgehalten war, welche jeder König Vacataniens an einem anderen geheimen Ort im Land versteckte. Der Kampfgeist der Soldaten, der wenige Stunden zuvor bereits erloschen war, war nun wieder da, das Feuer in ihren Herzen wieder neu entfacht. Das einzige Hindernis, welches dem von allen Menschen erwünschten Sieg noch im Wege stand, war die zahlenmäßige Überlegenheit des Histheeres. Während das vacatanische Heer etwa fünfzigtausend Soldaten zählte, wurde die Armee der Hist auf über zweihunderttausend geschätzt.
„Das ist wahr, Basgorn.“, betonte Thorf die Richtigkeit dessen, was der Feldherr gerade gesagt hatte. „Darum müssen die Lanzenträger in den ersten Reihen möglichst viele von diesen abscheulichen Kreaturen aufspießen. Wir müssen das Hauptheer der Hist auf Abstand halten, nur dann können wir sie schlagen. Uns fehlen die nötigen Informationen über die Art ihrer Krieger, um uns auf ein direktes Kräftemessen einzulassen. Wir können nicht mit allen Männern, die wir haben nach vorne stürmen. Wir müssen sie zu uns kommen lassen, so nah, dass ein Pfeil sie gerade noch erreicht. Dann spicken wir sie mit Pfeilen, die Überlebenden werden von den Lanzen aufgespießt oder von Fußsoldaten abgewehrt. Ihre Angriffsformation brechen wir mit unseren Katapulten. Damit werden sie nicht rechnen, sondern mir irgendeiner ausgefeilten Taktik.“ „Mein König, keine Taktik zu haben ist keine gute Voraussetzung, um in einer Schlacht den Sieg davonzutragen!“, mahnte ein Feldherr, dessen viele Falten von einer langjährigen Erfahrung als Stratege und Kämpfer zeugte. „Es ist die einzige Taktik, mit der Nagrond nicht rechnen wird.“
Thorf legte eine kurze Pause ein, die er mit aufgesetztem Gehüstel zu überbrücken versuchte, wohl, um seine Worte wirken zu lassen und seinen Feldherren Zeit zu geben, über diesen „Strategievorschlag“ nachzudenken. Nachdem die anderen Anwesenden lautstark ihre Zustimmung bekundet hatten, beendete Thorf schließlich die Besprechung mit den Worten „Nun gut, es ist soweit. Ihr wisst, was zu tun ist. Geht nun.“, woraufhin seine Feldherren zu ihren Bataillonen eilten, um ihren Unteroffizieren die nicht vorhandene Taktik zu erläutern. Währenddessen setzte sich König Thorf seinen silbrig schimmernden Helm aus Vekdran, dem seltenen Silber, welches nur in Vacatanien gefördert wurde, auf. Ein roter Federbusch war an der Spitze des Helms befestigt und flatterte im aufkommenden Wind. Thorfs gesamte Rüstung, die er abgesehen von dem Helm bereits vor der Schlacht angelegt hatte, war von fast unbeschreiblicher Schönheit und spielgelte das Licht der Sonne in den schönsten Farben wieder.
„Menschen Vacataniens!“, lenkte Thorf die Aufmerksamkeit der Soldaten auf sich. „Menschen Vacataniens! Vor uns liegt eine Schlacht, wie es sie in der Geschichte unseres Landes noch nie gegeben hat! Eine Schlacht, die über das endgültige Schicksal unseres Volkes entscheiden wird und an die noch in Jahrtausenden in den Geschichtsbüchern stehen wird! Lasst und diese widerlichen Monster, diese dummen, stinkenden Tiere vernichten, damit man sich unser als die Sieger dieser Schlacht erinnern und diesen Tag noch in Jahrtausenden besingen wird! Für Vacatanien!“, rief König Thorf. „Für Vacatanien!“, nahmen die Soldaten Thorfs Kampfschrei auf.
Die Hist rückten langsam vor, kamen wie eine unaufhaltsame Wand näher. Der Abstand zwischen den beiden Heeren betrug nunmehr etwa eine halbe Meile, als Brock die regelmäßigen Erhebungen in den Reihen der Hist bemerkte, um die herum viel Bewegung herrschte. Waren das etwa… „Katapulte!“, rief jemand, wahrscheinlich ein Offizier hinter ihm aus, was Brock gedacht hatte. „Schleudern vorbereiten!“ „Besetzt die Katapulte!“ „Wurfmaschinen feuerbereit!“, ertönten die Anweisungen hinter Brock. Ein Grinsen breitete sich auf Brocks Gesicht aus. Die Katapulte, die die vacatanische Armee mit sich führte, waren brandneue Erfindungen mit einer Reichweite von über einer Achtelmeile, während die Katapulte der Hist noch ältere Modelle mit geringerer Schusskraft, wenig Präzision und Schussdistanz waren. Das hatte man gefangenen Hist entlockt, die unter Folter auch Aussagen zur Größe der Armee der Hist gemacht hatten, jedoch nichts zu der genauen Zusammensetzung der Armee.
Brock blickte über die Schulter, keine zehn Schritt hinter ihm wurde gerade eines der neuen Katapulte geladen. Es war fast fünfzehn Schritt hoch, der Katapultarm war an einer Achse befestigt, an einer Verlängerung des Wurfarmes hing ein großer Korb, der nun mit schweren Steinen und Erde gefüllt wurde. Er diente als Kontergewicht, ein Stein von der Größe eines Kopfes wurde soeben von zwei Soldaten in ein korbförmiges Gebilde am anderen Ende des Wurfarmes gehievt. Das Katapult stand auf einer Holzplatte mit Rädern, unter die Plattform waren Steine geklemmt worden, um die Wurfmaschine beim Rückstoß abzufedern. Auf eine Winde wurde mittels einer Kurbel ein robustes Seil gewickelt, während sich die Winde drehte, verhakten sich zwei Zahnräder so ineinander, dass die Winde nicht zurückschlug und die Soldaten beim Laden des Katapultes nicht von dem vorschnellenden Wurfarm erschlagen wurden. Fast einhundert Katapulte, Ballisten und Abschussvorrichtungen für angespitzte Holzpfähle wurden innerhalb weniger Minuten geladen und zum Schuss vorbereitet. Gleich würden die Hist in Schussweite sein und dann würden sie am eigenen Leib die Macht der Waffen vacatanischer Erfinder spüren.
„Katapulte bereit zum Abschuss!“, meldete nun ein Offizier, der in der Nähe von König Thorf stand. „Wartet bis sie auf einer Höhe mit diesem Felsen dort sind und schießt erst auf meinen Befehl hin!“, befahl Thorf und deutete auf einen etwa zweihundert Schritt entfernten Findling am Rande der Ebene. Die Sekunden verstrichen langsam, sie kamen Brock wie Stunden vor und zogen sich in die Länge wie tropfender Honig, legten den Schleier der Müdigkeit vor sein Gesicht. „Katapulte abfeuern!“, erscholl endlich das erwartete Kommando, die Katapulte, deren Umrisse nun deutlich zu erkennen waren, befanden sich auf einer Höhe mit dem Felsen, auf den der König gewiesen hatte. Die Ketten, die die Wurfarme der Katapulte gespannt gehalten hatten, wurden nun gelöst, die Wurfarme schwangen herum und mit großer Geschwindigkeit flogen die Geschosse durch die Luft. Wenige Augenblicke lang waren die Steine, Metallkugeln und mit kleinen Bleikugeln beschwerten Brandsätze in der Luft, bevor sie herabsausten wie ein Adler im Sturzflug. Die Geschosse fanden reiche Ernte unter den Hist in den vorderen Reihen, deren panisches Kreischen auch bei den Vacatanier deutlich zu hören war. Abgesehen von den vielen Toten Hist wurden auch fast alle Katapulte zerstört, wie man an den kleinen Trümmerhaufen in den Reihen der Hist deutlich erkennen konnte. Nur ein gutes Dutzend Katapulte schien den Angriff unbeschadet überstanden zu haben. Die Hist hatten nun angehalten, befanden sich gerade noch in Reichweite von Bogenschützen und Katapulten.
„Bereitmachen, Bogenschützen!“, erscholl nun die kräftige Stimme König Thorfs, der mittlerweise mit wehendem Bart und gezücktem Schwert in einer weiter hinten gelegenen Reihe stand, flankiert von seinen Leibwächtern, und den Feind mit berechnendem Blick musterte. Als sich die generischen Linien neu formiert hatten, glaubte Brock plötzlich, in der Armee der Hist Bewegung zu erkennen. Die Hist waren zu weit von ihm entfernt, als dass es ihm möglich gewesen wäre, Details zu erkennen, doch mit der Zeit löste sich eine etwa dreitausend Mann starke Truppe aus offenbar berittenen Hist aus der Armee. Brock konnte im ersten Moment nicht sehen, worauf die Hist ritten, doch anhand ihrer hohen Geschwindigkeit konnte Brock die Reittiere als Thyra, die gefürchteten Riesenreptilien Frodfells, identifizieren. Er hob die Spitze seiner Lanze auf Brusthöhe der Bestien an und steckte das andere, am Ende mehrere Zoll tief eingekerbte Ende der Lanze in den Boden, stellte einen Fuß quer dagegen. Die Thyra waren nur noch einen wenige Dutzend Schritt von ihm entfernt. Hinter sich hörte Brock mehrere Male den lauten Befehl „Feuer!“. Bogensehnen sirrten und ein ums andere Mal fielen vor ihm Thyra samt Reitern zu Dutzenden zu Boden, getroffen von todbringenden Pfeilen. Einige stürzten über ihre gefallenen Mitstreiter, oder rammten Hist, die von den Rücken ihrer sterbenden Reittiere geklettert oder gefallen waren. Keine zwanzig Schritt trennten ihn von den Thyrareitern - dann prallten sie zusammen.
Der Aufprall war mörderisch, obwohl die Anzahl der Berittenen durch die Bogenschützen stark dezimiert worden war. Durch die Wucht des Aufpralls hätte Brock beinahe seine Lanze verloren, doch er hielt ihn mit eisernem Griff umklammert. Ein Thyra war genau in seine Lanze gelaufen, seine Hintermänner hingegen wichen zur Seite hin aus. Brock ließ seine Lanze fallen und zog sein Schwert, ein Abschiedsgeschenk seines Vaters. Er hatte das Schwert kaum aus der Scheide gezogen, als auch schon ein Thyrareiter im Vorübergehen mit einem Speer nach ihm stieß, ich jedoch verfehlte. Brock hieb dem Thyra, welcher auf zwei Beinen ging und einen langen Schwanz hatte, das Schwert in die Seite, sodass es einen langen, tiefen Schnitt im Körper der Bestie hinterließ. Der Thyra brach seitwärts aus und lief einen rechtswärtigen Bogen, von der Seite preschten jedoch weitere Thyrareiter heran, die nicht mehr ausweichen konnten und das stark blutendende Tier rammten, über es fielen, einander mit ihren langen Schwänzen zu Boden rissen. Die Leiber der Thyra verkeilten sich in einander in dem hoffnungslosen Versuch, wieder auf die Beine zu kommen. Dabei zerquetschten sie ihre Reiter, die erst kreischige Schreie, dann ein kümmerliches Wimmern von sich gaben. Brock stieß den Thyra in der Nähe sein Schwert in Hals, Brust und Kopf, ließ keinen Thyra am Leben. Um sich herum nahm er ähnliche Kämpfe wahr, in die seine Mitstreiter verwickelt wurden. Für die vacatanischen Lanzenträger waren die Thyrareiter eine leichte Beute, eigneten sie sich doch wegen ihrer Größe und der ungeschützten Hälse ideal als Ziel für Lanzen und kurze Wurfspeere. Der weitere Kampf war kurz und grausam, auf Seiten der Vacatanier gab es nur geringe Verluste. Schließlich waren die Thyrareiter besiegt, was von den Vacataniern mit ohrenbetäubendem Gebrüll bejubelt wurde. Nachdem er seinen Spieß aus dem Kadaver eines Thyra und seines Reiters herausgezogen und sein Kurzschwert wieder in die Scheide gesteckt hatte, stellte Brock sich mit den anderen Lanzenträgern in Erwartung der nächsten Angriffswelle wieder in einer langen Reihe auf.
Am anderen Ende der Ebene ertönten nun lautstark Hörner, die Brock vor dem, was nun kommen sollte, warnen zu wollen schienen. Brock hatte ein ungutes Gefühl, welches sich bei dem Anblick, der sich ihm nun bot, bestätigte: Die gesamte restliche Streitmacht der Hist setzte sich in Bewegung, fing an zu marschieren und gewann rasch an Geschwindigkeit. „Katapulte laden! Spieße zu den Schleudern!“, schrie ein Offizier, „Bereitmachen, Bogenschützen!“ ein anderer. In dem vacatanischen Heer setzte hektische Betriebsamkeit ein, Brock und die anderen Lanzenträger reichten ihre Spieße nach hinten zu den Katapulten und Speerschleudern durch, wo jeweils vier Soldaten ein Geschütz bedienten, zwei zum Laden, einer zum Anziehen der Sehne und einer zum Abfeuern der Geschosse. Die Spieße wurden durch ein Loch im Zugarm der Schleudern gesteckt, sodass die Sehnen der Speerschleudern genau in Kerben am Stumpfe Ende der Spieße angelegt werden konnten. Nachdem die Schleudern gespannt und geladen waren, traten die Soldaten von den Katapulten zurück. Nur jeweils einer, der die durch das Betätigen eines Hebels die Sehne aus ihrer Verankerung lösen musste, blieb an den Katapulten stehen und wartete auf den Befehl zum Abfeuern selbiger. Mittlerweile hatten die Hist eine beachtliche Geschwindigkeit erreicht und hatten bereits einen Teil der Strecke bis zum vacatanischen Heer zurückgelegt. Sie kamen direkt auf ihn zu, eine Wand aus Gliedern, eine unaufhaltbare, todbringende Welle, viele hielten Schilde über den Kopf, liefen im Zickzack hin und her, oder gingen wie Affen auf allen Vieren, sodass sie nur ein sehr kleines Ziel darstellten. „Spießschleudern abfeuern!“, ertönte nun endlich der erlösende Befehl, über sich spürte Brock den Luftzug eines Spießes, der sich nun etwa siebzig Meter vor ihm in die Hist bohrte.
Die Spieße trafen ihr Ziel mit großer Wucht und tödlicher Präzision. Dadurch, dass sich die Hist selbst mit großer Geschwindigkeit fortbewegten, wurden die Spieße zu unaufhaltbaren Geschossen, die immer gleich mehrere Hist durchbohrten und aus ihren Rücken wieder austraten, sodass ein einzelner Spieß ein ganzes Dutzend Hist tötete und etliche weitere umwarf. „Katapulte abfeuern!“, „Pfeile los!“, „Zieht eure Schwerter!“, ertönten die Befehle aus allen Richtungen. Die Bogenschützen und die Besatzungen der Katapulte deckten die heranstürmenden Hist mit Pfeilen, Felsbrocken, Spießen und Brandgeschossen ein, sodass in ihren Reihen große Lücken entstanden und der Boden mit verrenkten, verbrannten und zerquetschten Histleichen bedeckt wurde. Die angespitzten Holzpflöcke, die von überdimensionalen Ballisten abgefeuert wurden, spießten Hist im vollen Lauf auf, nagelten sie auf den Boden. Etwa eine halbe Minute dauerte der Beschuss, während dieser Zeit erreichte kein Hist die vacatanischen Linien. Das änderte sich, als auch die letzten Katapulte abgefeuert worden waren, denn es nahm einige Zeit in Anspruch, die Katapulte neu zu laden.
Brock hielt in der einen Hand sein Schwert und in der anderen einen kleinen Rundschild, den er sich von einem gefallenen Soldaten genommen hatte. Den Beschuss der Hist durch die Katapulte hatte er genau verfolgt, die Erschütterungen der zurückschwingenden Katapulte waren spürbar gewesen. Als das Feuer endete, war er für einen Moment wie gelähmt und angesichts der vielen Hist, die nun auf ihn zustürmten, lief Brock ein kalter Schauer über den Rücken. Diese Schlacht hatte nichts mehr mit den abendlichen Übungskämpfen mit seinem Vater zu tun, bei denen er sich nie etwas Schlimmeres als einen blauen Fleck eingehandelt hatte. Die Gegner, mit denen er es nun zu tun bekommen würde, lechzten nach Blut und würden ihn töten, wenn sie konnten. Ob die anderen Soldaten, die heute ihre Bluttaufe hatten, ähnliche Gedanken hatten? Brock blickte an seiner linken Seite herunter. Neben der seinem Schwert hing in einer Lederscheide der mit kunstvollen Ornamenten verzierte Stahldolch, den er vor seiner Abreise vom Schmied seines Heimatdorfes im Tausch gegen einen Edelstein aus der Mine seines Vaters erworben hatte. Nun würde die Waffe sich bestimmt als nützlich erweisen.
Mittlerweile waren die Hist keine dreißig Schritt entfernt, Brock konnte ihr Keuchen deutlich hören, wappnete sich zum Angriff. Plötzlich fielen um ihn herum dutzende Kameraden zu Boden und fassten sich an den Hals, Blut tropfte in kleinen Rinnsalen zu Boden. „Wurfnadeln!“, schrie ein Soldat rechts von Brock in heilloser Panik und Hob seinen Schild. Brock tat es ihm nach, spürte gleich darauf leichte Erschütterungen, ohne den Schild wäre er nun tot gewesen. Die Hist waren nun fast in Reichweite. Er machte einen rückwärtigen Ausfallschritt, um Schwung zu holen, holte mit dem Schwertarm aus und schlug zu. Der Schwerthieb schlitzte einem heranstürmenden Hist das Gesicht auf, Brock hieb ihm den Schild so hart gegen den Kopf, das ein hörbares Knirschen ertönte. Der Gegner fiel leblos zu Boden, weitere erreichten Brock beinahe im Sekundentakt. Ein Schlag, Stich oder Schwertstreich pro Gegner musste ausreichen, sonst würden sie ihn mit mehreren Gegnern überwältigen und töten. Es dauerte keine Minute, bis Brock sich mehrere Kratzer und blaue Flecke eingehandelt hatte, glücklicherweise war er nicht schwerer verletzt worden. Um ihn herum sah er aber kaum noch Menschen, vielerorts wurden mehrere Vacatanier von einer Gruppe von Hist bedrängt, Brocks Landsmänner fielen zu Dutzenden. „Rückzug! Zieht euch zurück!“, hörte Brock auf einmal die unverkennbare, dröhnende Stimme König Thorfs hinter sich. Er entledigte sich zweier Gegner, die ihn mit schaufelartig anmutenden Lanzen angriffen, fing eine Wurfnadel mit dem Schild ab und machte eine schnelle Kehrtwende.
Die Soldaten in den hintersten Reihen waren einige Dutzend Schritt zurückgewichen, der Reste der Armee folgte ihnen nach und formierte sich neu, die Soldaten stellten sich wieder in geordneten Reihen auf. Ein plötzlicher Pfeilhagel, dem wohl ein stilles Signal vorausgegangen war, um den Feind nicht zu warnen, lichtete die vorderen Reihen der Hist etwas, sodass auch die Vacatanier, die an der Front kämpften, den Rückzug antreten konnten. Brock lief so schnell er konnte, sprang über Leichen hinweg und wich Speeren aus, die senkrecht im Boden oder den Kadavern von Hist steckten. Seine Stiefel sanken bei jedem Schritt einige Fingerbreit in den Boden ein, der von dem vielen Blut bereits völlig aufgeweicht war. Nur noch wenige Schritte trennten ihn von den vacatanischen Linien, als ihm einer seiner Verfolger sein Schert hob und es mit Wucht gegen Brocks Rücken schwang. Das Schwert traf ihn nur mit der Spitze, doch es schlitzte ihm den Rücken neben der Wirbelsäule auf. Brock stieß einen Schmerzensschrei aus und griff sich an den Rücken. Er fühlte warmes Blut an seiner Hand. Sein Blut. Diese abscheuliche Bestie, die nun grinsend auf ihn zu kam, hatte ihn tatsächlich feige von hinten angegriffen. Brock wurde wütend, er hatte Blut geleckt. Brock ließ seinen Schild fallen, zog seinen Dolch aus der Scheide am Gürtel und drehte sich dabei, laut brüllen einmal um die eigene Achse. Brocks Klingen trafen ihr Ziel. Der Schädel des Hist splitterte und die Klingen durchschlugen ihn in zwei sauberen Schnitten von oben nach unten. Offenbar waren Histschädel weniger stabil als menschliche, schoss es Brock durch den Kopf. Er erreichte sein Ziel knapp, drängte sich zwischen den anderen Soldaten nach hinten durch, wo er Feldärzte wusste. Einer verband seinen Schnitt am Rücken, schickte ihn anschließend wieder an die Front, wo sich die Linien der Vacatanier und Hist nur zollweise verschoben, doch der ständige Katapultbeschuss verschaffte den Vacataniern regelmäßig kurze Atempausen, da ganze Reihen von Hist durch Katapultgeschosse, Spieße, Pfeile und Brandsätze getötet wurden.
In einer dieser Atempausen trat unerwartet König Thorf vor, hob den Schwertarm und ließ ihn vorschnellen, ein unmissverständliches Zeichen, dass nur eines bedeuten konnte. „Angriff! Vorwärts, bringt ihnen den Tod!“, wurde überall geschrien. Mit Gebrüll stürmten die Vacatanier nun vorwärts, schwangen Äxte, Keulen, Schwerter, Speere, Kampfmesser und alle sonstigen erdenklichen Waffen. Dabei erschlugen sie jeden Hist, der ihnen in die Quere kam. Von Hinten rückten immer mehr Soldaten nach, auf der gesamten Länge des vacatanischen Heeres begannen nun Soldaten in den etwas weiter hinten gelegenen Reihen, liegengebliebene Hist-und Thyrakadaver zu Leichenbergen aufzutürmen, Bogenschützen bezogen auf ihnen Stellung und schossen dann gezielt auf die Hist, die sich den sich vorwärtskämpfenden Soldaten näherten. Auf diese Weise stießen die Vacatanier schnell vor, ohne allzu große Verluste zu erleiden.
Alle Abteilungen des vacatanischen Heeres rückten vor, die Katapulte beschossen die Hist in der Mitte der Histarmee, die weder vor noch zurück konnten, weil sie von Kameraden umgeben waren. Die Hist fielen zu Hunderten, erbarmungslos schnellten die Katapultarme vor, Spieße, Steine, Brandsätze und tote Hist wurden durch die Luft geschleudert. Es sah so aus, als könnten die Vacatanier die Schlacht trotz der feindlichen Übermacht gewinnen, als die Hist plötzlich eine Gasse bildeten und sich eine kleine Gruppe bewaffneter Hist mit rötlich glänzenden Kampfpanzern und gezackten Schwertern in den Händen aus ihrem Heer löste und in kampfbereiter Stellung in der Gase stehen blieb. Ein Hist stach besonders hervor, denn er war größer als die anderen und hielt in der rechten Hand ein Langschwert. Kunstvolle Verzierungen schmückten es und von der Waffe ging eine starke Anziehungskraft aus. „Nagrond ist gekommen! Er hat das Herrscherschwert!“, „Tötet ihn! Vorwärts! Lasst ihn nicht entkommen!“, „Er hat das Schwert unserer Könige beschmutzt!“, wurden Rufe im vacatanischen Heer laut. Diese Möglichkeit, das feindliche Heer gänzlich in zwei Hälften zu teilen und den Anführer zu töten, ließen sich die Vacatanier nicht entgehen und rannten los, wobei sie auf alles einschlugen, was sich vor und neben ihnen bewegte. Zudem schossen Bogenschützen, die auf zwischenzeitlich weiter entfernt errichteten Leichenhügeln standen, etliche Pfeile auf die kleine Gruppe, doch erreichte keines ihrer Geschosse sein Ziel, da es zu weit entfernt war.
Brock war unter den ersten zwanzig Soldaten, die nach vorne gestürmt waren und nun gab es für ihn kein Zurück mehr. Links und rechts von ihm fielen etliche Hist, von Pfeilen getroffen, zu Boden, einige zuckten, andere bewegten sich nicht mehr. Als sie noch knappe hundert Fuß von den Neuankömmlingen entfernt waren, schlossen die Hist um sie herum auf einmal die Gasse und schlugen auf die nun eingekeilten Soldaten mit exotischen Doppelschwertern und Stabwaffen ein. „Vorwärts, treibt sie zurück!“, wurde hinter Brock gebrüllt. Gerade war der Ruf verhallt, da sauste auch schon etwas Metallenes nur Zentimeter über seinem Kopf durch die Luft, Brock wurde sich seiner Bedrängnis bewusst und auf einmal erfüllte ihn kalte Angst. Angst, seine Familie, sein Zuhause und seine Freunde nicht wieder zu sehen. Angst, hier zu sterben, zermalmt von blutrünstigen, abscheulichen Hist. So wollte er nicht enden. Seine Angst verlieh ihm neue Kraft, Kraft, um sein Leben zu kämpfen. Mit einem langen Kampfschrei warf er sich zur Seite, trennte einem Hist den Kopf ab, hieb einem anderen im Fallen in die Brust. Ein dritter Hist kam auf Brock zu, das Schwert hoch über den Kopf gehoben. Gerade in dem Moment, da er zuschlagen und Brocks Leben damit ein Ende setzen wollte, fing er an, zu taumeln, griff sich an den Hals, dann an die Brust. Er erstastete die Pfeile, die dort herausragten. Kurz darauf fiel er rücklings zu Boden. Brock stand auf und sah sich nach dem Schützen um, der ihm soeben das Leben gerettet hatte. War es einer der Soldaten, die ihn auch zuvor gerettet hatten? Ihm blieb keine Zeit, um darüber zu spekulieren, denn mehrere Hist kamen Auf ihn zu. Er erledigte die Gegner mit gezielten Schlägen und stürzte sich wieder ins Kampfgetümmel. Es waren nur wenige Minuten vergangen, so kam es Brock jedenfalls vor, als er etwa zehn Schritt von sich entfernt Nagrond und seine Garde, zumindest glaubte er, dass sie es war, erblickte. „Da vorne ist er!“, brüllte Brock. „Stecht ihn ab!“ Für Brock gab es kein Halten mehr, mit wildem Gebrüll stürmte er voran, schwang sein Schwert und seinen Dolch, schlug auf jeden Hist ein, der ihm in den Weg kam. Blut spritzte, Knochen brachen, Sehnen und Muskeln rissen unter seinen erbarmungslosen Schlägen. Auf diese Weise schlitzte, stach und schlug er sich seinen Weg frei.
Nagrond’s Leibwächter, mittlerweile verstärkt durch einige weitere Histsoldaten, wurden nun auf Brock aufmerksam, deuteten in seine Richtung und machten sich bereit, ihn abzuwehren. In letzter Sekunde bemerkte er das Risiko, ließ eine Gruppe Soldaten an ihm vorbeieilen und wartete, bis sie Nagrond’s Garde in einen Kampf verwickelt hatten, dann griff auch Brock in das Kampfgeschehen um Nagrond herum ein. Einer der Leibwächter attackierte Brock mit einer Stabwaffe mit Stahlklingen an beiden Enden, Brock schwang sein Schwert diagonal von oben nach unten, sodass es am Schaft der Waffe herabglitt und dem Histor an jeder Hand mehrere Finger abtrennte. Die Waffe fiel mitsamt den Fingern, die sie gehalten hatten zu Boden, Brocks Schwert besiegelte das Schicksal des Histors. Kaum war der erste Gegner besiegt, bemerkte Brock aus dem Augenwinkel schon den nächsten Angreifer, der einen Dolch stoßbereit an der Seite hielt. Brock schwang herum, warf seinen eigenen Dolch, der im Hals des Histors stecken blieb, und trennte dem Gegner den Kopf ab, zog den Dolch aus der Leiche. Er machte einen Ausfallschritt zur Seite und durchbohrte einen weiteren Hist mit seinem Schwert, schlitze ihm mit dem Dolch die Kehle auf. Kaum hatte er sich seines Gegners entledigt, wurde er von weiteren in Bedrängnis gebracht, doch zwei andere Soldaten halfen ihm, den Angriff abzuwehren.
Nagrond’s Leibgarde kämpfte mit heldenhaftem Mut und tötete zahllose Vacatanier, doch da immer mehr vacatanische Soldaten nachströmten und der Dauerbeschuss der Katapulte und Bogenschützen die Hist daran hinderte, ihrem Anführer zur Hilfe zu eilen, verringerte sich nach und nach die Zahl der Wachen, bis am Ende nur noch Nagrond übrig war. Als er sah, dass alle möglichen Fluchtwege versperrt waren, zog er das Herrscherschwert aus seiner reich verzierten Scheide und reckte es mit einer Hand in die Höhe. Er öffnete den Mund und begann, von kehligen Knacklauten begleitet, fremdartige Worte zu rufen, die Brock nicht verstand. „Uio pok ghan shergh vran! Quer iartz vat burtho frangr, Thorf! “„Diese Kreatur will unseren König verhexen! Tötet ihn! Reißt ihm die Eingeweide heraus!“, rief ein Soldat links von Brock. „Für König Thorf!“, riefen die umstehenden Vacatanier und begannen, auf den Histanführer einzuschlagen, einzustechen und ihn mit derben Flüchen zu bedenken. Doch der Hist starb nicht er machte auch keine Anstalten, sich zur Wehr zu setzen. Die Waffen prallten von seiner Rüstung ab, als wäre sie verzaubert und auf magische Weise undurchdringlich gemacht worden.
Als sie erkannten, dass ihre Waffen gegen dem Hist keinen Schaden zufügten, wichen die Soldaten, die Nagrond zuvor in einem Ausbruch von Zorn angegriffen hatten, mehrere Schritte zurück. Nagrond’s gesamter Körper war von der Rüstung verhüllt, bis auf einige schmale Ritzen zwischen den einzelnen Teilen der Rüstung. Das Herrscherschwert hielt Nagrond ausgestreckt an der Seite. Brock trat einen Schritt vor, schwang dabei das Schwert und schlug zu. Erst fiel Nagrond’s Arm zu Boden, dann das Herrscherschwert, welches aufrecht im Boden stecken blieb, dann sein Kopf. Er rollte und rollte und rollte, bis er schließlich vor einem paar Füße liegenblieb. Einem paar Füße, welches in kunstvoll gearbeiteten Stiefeln aus Vekdran steckte… „Soldat, du hast dich soeben um Vacatanien verdient gemacht. Wie lautet dein Name?“, frage König Thorf.
Nach dem Tod ihres Anführers zogen sich die Hist zurück. Die Vacatanier verzichteten darauf, sie zu verfolgen. So bald würden sie nicht wiederkommen. Nachdem Brock dem König die letzten Worte des Histfeldherrn mit der Hilfe einiger anderer Soldaten wiedergegeben und dieser das Herrscherschwert an sich genommen hatte, verfiel der König, dessen Gesicht nun kreidebleich war, in ein tödliches Schweigen. „Wir haben die heiligen Steine verloren. Eure Männer jedoch haben euer Reich vernichtet, Thorf. Das waren Nagrond’s letzte Worte.“, übersetzte Thorf die letzten Worte des Hist für Brock. „Die Weissagung des Urahns erfüllt sich. Ich habe versagt.“, sagte der alte Monarch mit brüchiger Stimme.