Einige stilistische Tipps
Hi Lilith.
Jetzt würde mich interessieren wie andere Leute (ihr) findet das ich schreibe. Würde mich sehr über Verbesserungsvorschläge und Kritiken freuen. Hier der Anfang meines neusten „Idee“:
Talent ist unzweifelhaft da, aber stilististisch ist hie und da noch Luft nach oben, das kann man aber lernen.
Mein Name ist Alexis Bennett, aber alle nennen mich Lexi, eigentlich bin ich ein ganz normales 16-jähriges Mädchen, mein Vater starb bei einem Autounfall als ich erst wenig Wochen alt war, seit dem lebte ich mit meiner Mutter in Asheville einer US-Amerikanischen Kleinstadt in North Carolina.
Der Anfang wurde schon moniert. Kann man zwar so machen, aber besser ist es allemal, wenn eine Story geheimnisvoll beginnt. Das wirkt spannender.
Ein ganz normales Mädchen aber eben nur eigentlich.
Entweder „ganz normal“ oder eben nicht, aber nicht beides zusammen.
Meine braunen Haare fielen mir schwer über die Schultern ungefähr bis zur Mitte meines Rücken
So schreibt man nur, wenn die Protagonistin als „dritte Person“ geschildert wird. In der Ich-Perspektive beschreibt man in dieser Situation nicht seine eigenen Haare. „Schwer“ und „bis zur Mitte usw.“ ist ohnehin überflüssig.
und obwohl überall Schnee lag war mir erstaunlich warm.
„Erstaunlich“ ist nicht gut, besser ist „ich war erstaunt, dass“ oder so.
Ich schaute mich um, in der Hoffnung einen Hinweis darauf zu bekommen wo ich mich befand.
„In der Hoffnung“ ist zu steif. „… und suchte nach einem Hinweis“ wäre besser.
Und musste mich fast übergeben, alles war mit einer dunkelroten Flüssigkeit befleckt, die ich nur unschwer als Blut erkennen konnte.
„Alles“ war bedeckt? Sehr übertrieben. Und wieso sieht das die Person nicht sofort, als sie die Straße erblickt? „Unschwer“ ist zu steif.
Überall lagen bleiche leblose Körper, einigen fehlte der Kopf anderen ein Arm oder ein Bein und wieder andere waren bis zur Unkenntnis verstümmelt.
Körper bekleidet? Männer, Frauen, Kinder? Und man sagt „Unkenntlichkeit“.
Es war ein seltsames Bild da sich der Schnee wie eine friedliche Decke über alles legte.
„Seltsam“ ist zu schwach. „Friedliche Decke“ ist ein Klischee, so wie „Leichentuch“. Bei Schneeschilderungen unbedingt die gängigsten Klischees vermeiden. Metaphern sollten originell sein.
Ein lauter, markerschütternder Schrei riss ich aus meinen Gedanken.
Markerschütternd = laut. Musst du nicht verdoppeln.
Ich musste mit ansehen wie Jane, meine beste Freundin, von einem Mann mit nacktem Oberkörper und einer schwarzen Hose mit einem Schwert bedroht wurde.
Besser: „Ich sah“, nicht: „ich musste mit ansehen“. Du kannst theoretisch ja auch weggucken. Die „schwarze Hose“ interessiert in diesem Moment nur wenig. Interessanter wäre der Gesamteindruck seiner Figur (kräftig, mager usw.).
Obwohl er mir den Rücken zugewandte hatte konnte ich erkennen das er schön sein musste.
Das kann man von hinten nicht „erkennen“, höchstens ahnen. Und solche Ahnungen können sehr täuschen. Und wenn schon, dann „schön war“, nicht „sein musste“.
So als hätte er meinen Blick auf sich gespürt drehte er sich zu mir um und sah mir direkt in die Augen.
Es reicht, wenn er sich plötzlich umdreht. Der Leser ist clever genug, daraus auf das „Spüren“ zu schließen.
Mir blieb die Luft weg.
Was eigentlich schon der Fall hätte sein müssen, als du die vielen Leichen sahst. Was ist überhaupt mit deiner „besten Freundin“? Ist die stumm und blind? Siehst die dich nicht? Wie wird sie von dem Typen attackiert? Viel zu wenig Details.
Ich hatte mich geirrt er war kein Mann er war höchstens 17 oder 18 Jahre alt und war…unbeschreiblich.
Wieso „unbeschreiblich“, wenn du ihn dann doch beschreibst?
Schwarzes fast blaues leicht zerzaustes Haar das ihm sanft ins Gesicht viel. Hohe fein gemeißelte Wagenknochen, eine gerade schmale Nase. Volle geschwungene Lippen.
Na gut, deine Version von Robert Pattinson
Angesichts der Situation – er bedroht gerade die beste Freundin der Protagonistin – ist die Beschreibung viel zu liebevoll und genau. Hat er nicht eben noch X Menschen gemetzelt? Und doch sind seine Augen einfach nur „blauer als der Himmel“ (siehe unten). Mehr Dramatik bitte.
Augen blauer als der Himmel an einem wolkenlosen Sommertag die so unendlich wirkten das man sich darin verlieren konnte.
Klischee-Metapher. Passt auch nicht in die Situation (nochmal: ist die beste Freundin stumm und blind?).
Und ein Körper…keiner dieser Waschbrettbäuche wie man sie in Zeitschriften immer sah, oh nein seine Muskeln zeichneten sich nur ganz leicht unter seiner Haut ab und trotzdem war nirgendwo auch nur ansatzweise so etwas wie ein Bauch zu sehen.
Solche Figuren sieht man an jeder Straßenecke.
Doch trotz der Tatsachen das er mit Abstand das Schönste war was ich je gesehen hatte war irgendetwas an ihm…falsch.
„Twilight“ lässt grüßen. Du solltest zu offensichtliche Anspielungen auf bekannte Story-Figuren unbedingt vermeiden.
Und da passierte es, so schnell, das wenn ich meinen Blick auch nur eine Sekunde abgewandt hätte ich es nicht mitbekommen hätte,
Wenn etwas „schnell“ passiert, dann schildere es auch schnell, statt es so umständlich einzuleiten.
schlug er Jane mit seinem Schwert den Kopf ab
Kann man besser rüberbringen. Man kann seine Miene schildern, bevor er das macht, man kann die Bewegung seines Armes schildern und – ich sag´s zum dritten Mal – unbedingt auch das Verhalten von Jane, die hier wirkt wie eine Schaufensterpuppe.
und ihr lebloser Körper fiel mit einem dumpfen Geräusch schlaff zu Boden.
„Leblos“ ist überflüssig, „schlaff“ auch. Und das „dumpfe Geräusch“ sowieso. Lass etwas Raum für die Phantasie des Lesers.
Aber wie gesagt: Talent ist da, du musst nur noch an deinem Stil feilen – Sparsamkeit mit Adverben und Adjektiven ist das Wichtigste. Und die Sätze verkürzen, sie sind viel zu lang.
Chan