traurige Gedanken...

Von: , Frage gestellt am Do, 17. Mai 2001

Hallo zusammen,

tja so kann es gehen. Noch vor ein paar Postings hat man versucht anderen zu helfen und dann wird man selbst von vergangenem eingeholt. Eben geht eine Kollegin zum Aufzug und meint, das Sie Morgen zu einer Beerdigung geht, Ihre Patentante, Krebs. Wie vor einem Jahr bei mir allerdings bei einem Elternteil. Wie geht Ihr mit "sowas" um?

Gruß
little h.

11 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Stunden hilfreich
    Re: traurige Gedanken...

    Wie geht Ihr mit "sowas" um?

    Ich glaube, darauf gibt´s keine wirkliche Antwort. In meinem Freundes-, Bekannten-, Familienkreis war ich zwar noch nicht soooo oft, aber doch einige Male mit Todesfällen konfrontiert. Mal mehr, mal weniger heftig. Dann das:

    In Hamburg fuhr "Raser", der die Kontrolle über seinen Wagen verlor, auf den Gehweg an einer Bushaltestelle und überfährt eine Mutter mit ihren zwei Kindern. Eines der Kinder (4 Jahre)hat den Unfall nicht überlebt. Die Mutter war eine Kollegin von mir. Die ihr gegenübersitzende Kollegin hatte diesen Schock noch nicht verdaut, als sie wenige Stunden später erfuhr, daß der Mann, von dem sie sich kurz vorher getrennt hatte, das Leben genommen hat.

    Die gesamte Agentur war geschockt, sprachlos, ratlos.

    Kann man mit sowas wirklich umgehen? Oder kann man jedesmal wieder aufs neue nur versuchen, trotzdem oder gerade deshalb an das Leben zu glauben?

    Ich werde nie lernen, mit sowas umzugehen. Meistens ist man doch hilflos. Wie vor ca. 6 Jahren, als der Mann einer sehr guten Freundin bei einem Verkehrsunfall getötet wurde. Deren gemeinsamer Sohn war gerade drei Monate alt ...

    Ratlos ...

  2. Antwort von nach 2 Stunden hilfreich
    Re: traurige Gedanken...

    Tja, ja, ich verkrafte es heut noch nicht, keine Eltern mehr zu haben, ist irgendwie furchtbar: mit 20 Jahren hab ich meinen
    Vater bis zum Tod gepflegt: Kehlkopfkrebs, 10 Jahre später meine Mutter (2 Jahre Hoffen und Beten) aber der Blutkrebs war stärker. Klingt wie ne Story, ist aber leider wahr, meine
    Mutter starb unter fürchterlichen Schmerzen 1994, und beide fehlen mir heute noch so sehr......nach dem Tod meiner Mutter dachte ich, ich müsste vor nichts mehr Angst haben, aber wenn
    ich dran denke, dass meinen Kindern ähnliches passieren würde....

    D.

  3. Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
    Re: traurige Gedanken...

    Hallo zusammen,

    Hi little,

    mein Vater ist einen Tag nach meinem Abitur (1987) an Darmkrebs gestorben.
    Davor war das Leben für mich wie ein endloser Gang mit vielen Türen hinter denen es unglaubliche neue und aufregende Sachen/Dinge zu entdecken gab. Das irgendwo am Ende des Ganges auch die eine Tür (Tod) existieren mußte, war für mich gegenstandlos.
    Mit dem Tod meines Vaters wurde diese Tür aber plötzlich real...sie war plötzlich unerwartet Teil meines Ganges...sie stand offen...mir war es möglich für einen kurzen Moment hineinzusehen.
    Seither ist meine emotionale Hemmschwelle weitaus geringer, aber es ist mir auch möglich geworden darüber direkt und offen zu reden.
    Dieses Schätzen nach meiner Erfahrung Menschen die ähnlichen Situationen sehr. Als letztes Ereignis habe ich mit einem Kollegen ein intensives Gepräch geführt dessen Sohn (18 Jahre) ums Leben gekommen war. Meistens fange ich dabei zunächst an von meinen Gefühlen und Erfahrungen zu erzählen bis der Funke überspringt.
    Auch wennn man hoffentlich! diese Erfahrung selber noch nicht gemacht hat denke ich, dass es hilft dem Betroffene in die Augen zu schauen, ihm zu sagen das es einem leid tut und ihn gerade bei der Arbeit Unterstützung anbietet nach dem Motto "bleib mal ein paar Tage zu Hause, wir übernehmen das hier schon für dich".

    Viel Grüße,

    Sven

  4. Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
    Re: traurige Gedanken...

    Wie geht Ihr mit "sowas" um?
    Guten Morgen,

    meine Mutter ist ums Leben gekommen als ich 15 war (ist jetzt 13 Jahre her).
    Es war keine Krankheit, es war kein Verkehrsunfall. Es war ihr besoffener 2. Ehemann, der mit seinem Kleinkaliber-Gewehr auf sie geschossen hat. Meine Mutter lag noch einige Zeit im Krankenhaus, die Kugel konnte nicht entfernt werden und sie starb, ohne noch mal zu Bewußtsein zu kommen.
    Während dieser ganzen Zeit war ich nicht im Krankenhaus. Ich wollte meine Mutter so in Erinnerung behalten, wie ich sie kannte. Nicht mit diesen ganzen Schläuchen am ganzen Körper. Nach Erzählungen meiner Großeltern haben sie meiner Mutter auch die Haare komplett wegrasiert - ich glaube, es wäre für mich ein Schock gewesen.
    Den Tod habe ich wohl als einzige in der Familie als ein Art Erlösung aufgefaßt. Wenn ich mir vorstelle, dass meine Mutter heute vielleicht im Rohlstuhl sitzen würde oder ans Bett gefesselt wäre, dann war der Tod die bessere Alternative. Meine Mutter war zu Lebzeiten sehr aktiv, hat Sport gemacht, Handball und Tennis gespielt, war Krankengymnastin. All das könnte sie jetzt nicht mehr machen.
    In meiner damaligen Naivität habe ich mir auch vorgestellt, dass meine Mutter endlich wieder mit ihrem Freund zusammen sein kann, der 1984 beim Motorradunfall ums Leben gekommen ist. Sie war damals so verzweifelt darüber. Ich finde die Vorstellung immer noch schön, wenn ich so darüber nachdenke.

    Es gibt immer wieder Zeiten, in denen ich meine Mutter vermisse. Auch heute noch. Aber ich habe gelernt, ohne sie zu leben. (Meinen Vater kenne ich nicht - Eltern haben sich scheiden lassen als ich 2 war) Ich war früh selbständig und habe mein Ding gemacht. Mein Großeltern sind seit 13 Jahren meine Ersatz-Eltern und ich find's schön so.

    Pia

    • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
      Pia...

      ...ich bin wahnsinnig stolz auf Dich.

      Lange wartete ich darauf, daß Du das Samtgewand überholst.
      Ich freue mich riesig... Du hast keine Ahnung, wie sehr.

      Tino

  5. Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
    Hilflosigkeit und Selbstvorwürfe

    Hallo,

    vor fast 10 Jahren (31.8.1991) starb ein Freund von mir an einem nicht selbst verschuldeten Verkehrsunfall. Ich hatte noch überlegt, ihn anzurufen. Irgendwie kam was dazwischen und so tat ich es nicht. Er fuhr zu seiner Freundin und wurde auf dem Rückweg von einem anderen Autofahrer auf einer Kreuzung erfaßt. Seine Eltern durften ihn aufgrund der Verletzungen nicht mehr sehen.

    Ich dachte nur daran, daß sich alles vielleicht geändert hätte, wenn ich ihn angerufen und ihn damit ein paar Minuten aufgehalten hätte. Auch heute noch kommen diese Gedanken.

    Fünf Jahre lang haben wir jedes erste Bier auf ihn getrunken und ich weiß genau, was ich am 31.8. dieses Jahr vorhabe.

    Christian

    • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
      Re: Hilflosigkeit und Selbstvorwürfe

      Hallo, Fünf Jahre lang haben wir jedes erste Bier auf ihn getrunken
      und ich weiß genau, was ich am 31.8. dieses Jahr vorhabe.
      Dieses habe ich auch am 27.September jeden Jahres. Ein Schulfreund, der von einer Party ca. 5 min. vor mir nach Hause fuhr kam von der Fahrbahn ab und landete (nachdem er einen Baum streifte) mit seinen drei Kumpels im Acker. 2 überlebten. Wir sahen Ihn nicht. Erst nach mehreren Stunden wurden Sie am Morgen entdeckt...

      h.

      • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
        Re^2: Hilflosigkeit und Selbstvorwürfe

        Dieses habe ich auch am 27.September jeden Jahres. Ein
        Schulfreund, der von einer Party ca. 5 min. vor mir nach Hause
        fuhr kam von der Fahrbahn ab und landete (nachdem er einen
        Baum streifte) mit seinen drei Kumpels im Acker. 2 überlebten.
        Wir sahen Ihn nicht. Erst nach mehreren Stunden wurden Sie am
        Morgen entdeckt...
        Woher kommt denn das, daß man sich diese Gedanken macht, obwohl man wirklich für nichts etwas kann? Verzweiflung? Unfähigkeit den Verlust zu akzepieren? Ich verstehe es nicht. Ein anderer Schulfreund von mir hat sich vor 5 Jahren umgebracht. Obwohl ich mit ihm kaum etwas zu tun hatte, frage ich micht doch, ob da nicht irgendwas war, was ich hätte im Vorfeld tun können.

        Gruß
        Christian

        • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
          Re^3: Hilflosigkeit und Selbstvorwürfe

          Hallo, Woher kommt denn das, daß man sich diese Gedanken macht,
          obwohl man wirklich für nichts etwas kann? Verzweiflung?
          Unfähigkeit den Verlust zu akzepieren? Ich verstehe es nicht.
          Ein anderer Schulfreund von mir hat sich vor 5 Jahren
          umgebracht. Obwohl ich mit ihm kaum etwas zu tun hatte, frage
          ich micht doch, ob da nicht irgendwas war, was ich hätte im
          Vorfeld tun können.
          Das ist eben das Problem: Man kann nichts tun, sucht aber nach irgendetwas das man tun könnte.

          Gruß
          h.



Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!