Hallo,
ich brauche mal Eure Meinung zum folgendem Text (keine Panik, in Sachen Copyright ist alles geklärt)
Natürlich! So wie dieser Tag begonnen hatte, war ihm schon direkt klargeworden, daß es nur noch schlimmer werden konnte. Wenn man mit üblen Kopfschmerzen aufwacht und sich erst nach Stunden daran erinnern kann, was letzte Nacht so alles passiert ist und die Schwerkraft nichts anderes zu erledigen hat, als einen pausenlos ihre Macht spüren zu lassen, weiß man genau, daß es wieder einer von diesen Tagen wird.
Nun stand Saris also da: In einer irgendwie bekannten aber dennoch völlig neuen Welt. Um ihn herum nur das rote Licht einer tiefstehenden Sonne, das sich auf dem Ozean spiegelte und seine völlig übermüdeten Augen quälte. Er wünschte sich nichts sehnlicher als seine Sonnenbrille, von einigen Kopfschmerztabletten vielleicht abgesehen.
Während er noch versuchte, sich zu orientieren, meldete sich plötzlich lautstark sein Kommunikator. Als Saris danach griff, fiel ihm sofort auf, daß noch alles ein bißchen ungewöhnlicher zu werden schien: Auf dem Bildschirm war weder das Gesicht noch die Anschlußkennung des Anrufers zu erkennen. Die wenig sympathische Stimme, die begann auf ihn einzureden, trug wenig dazu bei, daß er sich sicherer fühlte. Wenn einem mehrfach versichert wird, daß alles in Ordnung käme, wenn man nur an seinem Standort bliebe, gibt es nichts dringenderes, als sich sofort irgendwo zu verstecken.
Saris rannte los. Nach einem lockeren Lauf über einige Wiesen und Hügel, entdeckte er ein kleines Wäldchen und steuerte direkt darauf zu. Völlig außer Atem versuchte er im dichten Unterholz endlich mal einen klaren Gedanken zu fassen. Noch einmal ganz von vorn bitte.
Seine ersten Erinnerungen dieses Vormittages handelten von diesem typischen Grauen beim Erwachen an einem weiteren gräßlichen Tag, diesmal noch verfeinert mit einem ausgespro-chen unangenehmen Gefühl in Kopf und Magen. Allmählich erinnerte er sich an Einzelheiten. Irgendwann im Laufe der Nacht hatte er ein paar Typen kennengelernt, von denen er nicht mehr wußte, als daß sie dem Barkeeper ständig neue Rezepte verraten hatten, die Saris dann der Reihe nach ausprobiert hatte. Obwohl er nach und nach seine Sinne schwinden fühlte, war das Argument „Junge, Du bist eingeladen,“ sehr überzeugend gewesen. Unter Berücksichti-gung seines Zustandes ließ sich wohl mit Sicherheit feststellen, daß er mehr eigenartige Drinks zu sich genommen hatte, als gut für ihn gewesen war. Nachdem er diese Angelegen-heit für sich geklärt hatte, beschloß er als erste Maßnahme in den Waschraum zu taumeln und seinen Kopf für die nächsten zwei bis drei Stunden unter Wasser etwas abzukühlen. Als er gerade mühsam die Hälfte des Weges zurückgelegt hatte, bemerkte er nur noch ein gelbliches Flimmern in Luft und schon verschmolz der Anblick seiner Wohnung mit einem grellen Licht, das ihn geradezu betäubte. Als sich seine ohnehin schwer mitgenommenen Augen erholten, fand er sich an diesem ihm fremden, wenn auch künstlerisch interessanten Strand wieder. Alle Anzeichen von Zivilisation waren, soweit er das überblicken konnte, verschwunden. Na toll.
Nicht, daß ihm sein bisheriges Leben besonders gut gefallen hätte, aber doch zumindest eini-germaßen zu wissen, wo er sich befand, war eins seiner Grundprinzipien. Normalerweise war dieses Wissen nur dann getrübt, wenn er im Nachtleben der Stadt untergegangen war. Dies war zwar der Fall gewesen, aber das schien ihm nicht der einzige Grund für seine (hoffentlich) temporäre Desorientierung zu sein.
Ein durchdringendes, pfeifendes Geräusch unterbrach seine Gedanken. Es kam von oben, es kam von vorn und vor allem: Es näherte sich rasch. Er erinnerte sich an den Anruf von vorhin und seine Schlußfolgerung: Der Gedanke an Flucht und Verstecken kam mit der vollen Wucht einer ausgewachsenen Panik zurück in sein Bewußtsein, auch wenn er sich in diesem Wäld-chen zunächst außerhalb der Sichtweite zu befinden schien, von wem oder was auch immer. Eine nachhaltige Deckung zu suchen, aus der er die Entwicklung der Situation verfolgen konnte, schien ihm eine gute Idee zu sein. Die Suche nach einem Unterschlupf wurde ihm von einer Hand abgenommen, die ihn plötzlich von hinten an der Schulter packte und ihn nach hinten durch den auf den ersten Blick sehr stabil erscheinenden Baumstamm zog, an den Saris sich zuvor gelehnt hatte.
Während seine Augen noch versuchten, sich an das trübe Licht zu gewöhnen, verwandelte sich die ziehende Hand in eine stoßende Faust, die ihn mit deutlicher Bestimmtheit auf einen engen, leicht abfallenden Weg in Richtung der Lichtquelle führte.
Nachdem sich seine Augen auch an diese neue Herausforderung gewöhnt hatten, erkannte er links, rechts und über seinem Kopf alle notwendigen Bestandteile eines ordnungsgemäßen Waldbodens: Erde, vergammeltes Laub, einige Wurzeln und seiner Meinung nach extrem überflüssiges Kleingetier.
Der Weg mündete in eine Höhle, in der außer der besagten Lichtquelle und einigen, in einem Halbkreis angeordneten, Stühlen und Tischen auch einige Personen anwesend waren. Die letzten Unebenheiten des Bodens ausnutzend strauchelte er noch kurz und kam dann mehr oder weniger elegant in der Mitte der Höhle und damit des Halbkreises wieder ins Gleichge-wicht. Mit einem irritierten Gesichtsausdruck, den Saris in dieser Situation für durchaus an-gemessen hielt, starrte er die Anwesenden an, die ihn ihrerseits interessiert aber offensichtlich wenig erstaunt musterten. „Da bist Du ja endlich!“
Ein sprechender Frosch im Badeanzug hätte ihn wohl kaum mehr aus dem Konzept bringen können. Er stolperte hier seit seiner Ankunft auf dieser Welt von einer Unklarheit in die näch-ste und diese Fremden, die er nun wirklich niemals zuvor gesehen hatte, begrüßten ihn auch noch mit einem tadelnden Unterton, als wenn es seine Schuld wäre, daß er hier nicht früher erschienen war. Ein Wortschwall passenden Inhalts kämpfte sich von seinem Gehirn zu den Stimmbändern, verirrte sich aber irgendwo auf diesem Weg im dichten Alkoholnebel. „Äh, was?!“ war alles, was er hervorbrachte. Wenn er auch seine Position nicht unbedingt eindeutig vorgebracht hatte, war doch zumindest seine Unsicherheit einigermaßen ´rübergekommen.
In einem Raum, irgendwo, zur gleichen Zeit. Ein Mann - oder besser: Gorgon - saß zurückgelehnt in einem Sessel hinter einem Tisch, die Hände scheinbar gelassen gefaltet. In diesem Raum, der mit einer bemerkenswerten Abwesenheit von Ge-schmack mit monumentalen Statuen und heroischen Gemälden dekoriert war, be-fanden sich zwei weitere Gestalten. Sie harrten der Dinge, die, davon waren sie auf-grund zu langjähriger Erfahrung überzeugt, ohne jede Frage jeden Augenblick über sie hereinbrechen würden. Die nicht vorhandene Begeisterung war auch für den un-geübten Betrachter auf den ersten Blick zu erkennen.
Mit einer Stimme, die aufgrund einer gewissen Unerfahrenheit das gewünschte Maß an Freundlichkeit vermissen ließ, eröffnete Gorgon das einseitige Gespräch. „So.“ Eine weitere unheilvolle Stille folgte, die nur von den Geräuschen unterbrochen wur-de, die das Abnagen von Fingernägeln und das verlegene Scharren von Füßen mit sich bringt. „Er ist angekommen, ich nehme an, das ist euch auch nicht entgangen.“ Wieder eine Pause, in der jeder der Angesprochenen überlegte, wie er es in wenigen Sekunden anstellen konnte, sich in Form einer körperlosen Wolke durch das nur leicht geöffnete Fenster zu verdrücken und anschließend ein ruhiges Leben als Schafhirte zu beginnen.
„Vielleicht bin ich etwas zu pessimistisch, aber ich habe das Gefühl, da ist etwas nicht ganz nach Plan verlaufen. Was meint ihr dazu?“ Die panischen Überlegungen der Gesprächspartner nahmen geradezu körperliche Form an. Jeder versuchte un-auffälliger zu erscheinen als der andere, verschmolz in Gedanken mit den Schatten der Statuen von Hargur und Sarubim, die den Raum vor dem Auftritt von Gorgon irgendwie sehr viel deutlicher dominiert hatten.
„Also wir…“ „Jaaaaa?“ „Wir dachten…“ „Jaaaaa?“ „Daß…“ „Jaaaaa?“ Die letzten ge-hauchten Laute eines „schon gut“ irrten im Raum umher und fanden schließlich im Gehörgang von Gorgon einen ungastlichen Wirt.
In einem gezwungen fürsorglichen Ton nahm Gorgon das Gespräch wieder auf. „Habe ich euch etwa nicht genau genug gesagt, was ich von euch erwarte? Habe ich mich so unklar ausgedrückt? Ich fürchte, dann muß ich mich bei euch entschuldigen. Ich kann schließlich nicht erwarten, daß ihr erahnt, welche Bedeutung die Sache für uns hat. Ich bitte euch aus tiefster Seele um Entschuldigung.“ „Ist schon in Ordnung, wir…“ „SCHNAUZEEE! Was ist mit euch Idioten eigentlich los? Muß ich euch wieder solange an den Füßen aufhängen lassen, bis Ihr euch wie Fledermäuse fühlt? Nochmal von vorn: Findet den Kerl, und bringt ihn sofort her. Und zwar lebend. Ich will nicht wieder so eine Sauerei erleben müssen, wie ihr sie letztes Mal angerichtet habt. Und jetzt raus, und zwar ein bißchen plötzlich, bevor ich mich vergesse.“
Zwei Gestalten mit den dazu gehörigen vier Füßen versuchten vergeblich und nicht zum ersten Mal, gleichermaßen elegant und zügig den Ort ihrer Demütigung zu ver-lassen. Nachdem das Trampeln, Gefluche und Gliedmaßensortieren verklungen war, lehnte sich Gorgon zurück und dachte wie so oft über die Vorzüge eines Altersruhe-sitzes nach. Die Bilder, die er vor seinem geistigen Auge sah, sahen denen, mit de-nen Saris in den ersten Augenblicken nach seiner Ankunft konfrontiert war, verblüf-fend ähnlich.
Dieser stand einigermaßen verstört rund 10 Meter unter der Erdoberfläche eines ihm unbekannten Ortes und fühlte sich unendlich müde. Hetzjagden, unbekannte Personen und Panik gehörten nicht zu den Begleitern, die er sich üblicherweise an einem Sonntag Morgen wünschte. Nun sah er sich Leuten gegenüber, die eindeutig mehr über seine Situation wußten als er, was im Augenblick allerdings keine sonderliche Leistung darstellte.