In den letzten Tagen sitze ich verkehrt herum!
Wieso verkehrt herum? Nun, gegenüber meines Schreibtisches steht das Aquarium – und da ist den letzten Tagen mehr los, als im Internet – sogar mehr als hier bei wer-weiss-was:
Es gibt Nachwuchs im Becken!
Nicht irgendein Nachwuchs, nicht die üblichen Ex-und-hopp Geburten der lebendgebärenden Zahnkarpfen, bei denen Brutpflege ein Fremdwort ist und der eigene Nachwuchs gerne als Zusatzfutter genommen wird. Nein, das Barschpärchen ist soweit. Und das ist ein Erlebnis!
Die Barsche (exakt: Zebrabuntbarsche) sind die Youngster im Becken. Erst vor zwei Monaten als Jungfische gekauft – mit starken Bedenken, weil das Weibchen so extrem klein – 2 cm - und jung war.
Es fing letzte Woche damit an, dass ich nachtaktive Bodenfische am Tag rumschwimmen sah, was gelinde gesagt ungewöhnlich ist. Nach längerem Spähen durch das Pflanzendickicht konnte man die Ursache ausmachen: Men at work! Die Eheleute Barsch hatten damit angefangen unter den Steinen eine Höhle auszuheben. Die angestammten Bewohner dieser Region sind mit einem Bedauern der Bauleitung ausquartiert worden!
Kurze Zeit später war dann die Ehe vollzogen: An einem robusten Blatt oberhalb der Höhle klebten ca. 30 Eier, eifrig bewacht und gepflegt vom Weibchen. Papa Barsch, mit seinen 5 cm nicht der größte im Becken aber doch eine imponierende Erscheinung, sah irgendwie so aus, als suche er die Zigarren zum Verteilen.
Dann war es soweit: Die Jungen waren geschlüpft und wie geplant in die Bruthöhle gebracht worden, wo sie in der ersten Zeit, in der sie hilflos und schwimmunfähig sind, bleiben sollten. Auch hier übernahm wieder das Weibchen die Pflege, wedelte frisches Wasser in die Höhle, entfernte Verunreinigungen und stupste frühreifen Nachwuchs wieder zurück in die Höhle.
Aber auch die aufopferndste Fischmama muss essen:
Schichtwechsel!
Kennt ihr den Conan-Film? Stellt euch Conan in voller Rüstung mit Schwert in der Hand vor. Habt ihrs? Dann denkt das Schwert wieder weg, gebt Conan eine Babyrassel in die Hand und stellt ihn vor eine Wiege. Jetzt habt ihr einen schwachen Eindruck von Papa Barsch beim Kinderhüten!
Seit gestern nun wird frei geschwommen! Mama Barsch, von einer Wolke kommagroßem Nachwuchs umgeben, schwimmt langsam umher, während Papa drumherum patrouilliert und ab und zu fürsorglich ein Pflanze wegdrückt, von der er meint, sie würde stören. Ausreißer werden von Mama nach Hirtenhundmanier zurückgeholt.
Natürlich müssen die übrigen Bewohner des Aquariums mit gewissen Einschränkungen leben: Eine Kugel mit ca. 20 cm Radius rund um die Baby-Barsche ist striktes off-limit. Unkenntnis schützt vor Strafe nicht! Grenzverletzer müssen mit unterschiedlichen Strafen rechnen, je nach dem, wer vollstreckt. Mama Barsch bevorzugt die Ausfalltechnik: Hin – Zack! – zurück. Papa Barsch dagegen spielt den unbarmherzigen Rächer, der den armen Sünder wasserschäumend mehrmals quer durch das Becken jagt.
Sicher interpretiert man viel zu viel menschliches in das Verhalten der Tiere hinein.
Und doch – der Ausdruck der Erleichterung bei Barschens, wenn der Nachwuchs abends wieder in der Bruthöhle ist… der kommt einem irgendwie bekannt vor!
Es ist einfach nur schön anzusehen!
Stefan
