Hallo ihr Lieben,
ich bin so erleichtert, dass ich euch jetzt mal von meinem Erlebnis mit meinen Großeltern der letzten Tage berichten muß.
Mein Opi ist 79 Jahre alt, hatte vor 10 Jahren einen schweren Herzinfarkt, wurde dreimal am Herzen operiert, bekam einen Herzschrittmacher und die Aussage der Ärzte zu hören, er würde auf Grund seines schwachens Herzens, das nur noch ein ausgeleierter reisengroßer Sack ist, nicht mehr ewig leben.
Nun muß ich sagen, meine Omi ist eine vorbildliche Ehefrau *gg*, sie stellte die Ernährung absolut um, las reihenweise Bücher über Schonkost und gab sich wirklich richtig Mühe.
Resultat ist, dass mein Opi sehr abnahm, was seinem Herz ungemein zugute kam. Er war körperlich erstaunlich fit in den letzten Jahren, fuhr noch Auto, traf sich regelmäßig mit seinen Freunden und nahm rege Anteil am Leben. Auch geistig war er immer voll auf der Höhe.
Nur leider hat er, solange ich ihn kenne, depressive Verstimmungen…jegliche Medikation lehnte er ab.
Zu Ärzten ging er eh nur sehr selten, er ließ sich lieber von seinem Sohn (Allgemeinmediziner) und meiner Mutter (Psychiaterin) „untersuchen und behandeln“.
Seit seinen OP’s bekommt er natürlich verschiedene Medikamente, die er auch immer sehr regelmäßig nahm.
Vor zwei Wochen kam er auf Grund starker Atemnot ins Krankenhaus…dies verließ er vier Tage später wieder mit dem Argument, die würden dort eh nichts mit ihm machen…liegen und sich erholen könne er besser zu Hause.
Nun ging es ihm zuhause aber zusehends schlechter, er wurde sehr schwach, das Sprechen fiel ihm sehr schwer, er baute geistig ab und merkte das dummerweise auch noch.
Als er sich dann noch nicht einmal mehr alleine anziehen konnte, bat er meine Ma um die Pille X…nun ist Sterbehilfe verboten und meine Ma würde, selbst wenn dem nicht so wäre, diese Verantwortung im Leben nicht targen wollen…zumal es ihm ja noch nicht lange so schlecht ging.
Nun war er aber endlich bereit, ein Antidrepessivum einzunehmen…seine Stimmung besserte sich, körperlich würde er immer schwächer…er schlief fast nur noch und konnte so gut wie gar nicht mehr sprechen.
Wir alle waren erstaunt und sehr traurig, dass es ihm so plötzlich so schlecht geht und haben uns irgendwie schon innerlich auf den Abschied vorbereitet.
Mir ging es wirklich beschissen, ich liebe meinen Opi sehr, bin viele Jahre bei ihm aufgewachsen und hänge an ihm.
Nun denn, Abschied nehmen ist immer schwer…ihr wisst , wovon ich rede.
Es war eine ganz merkwürdige Stimmung im Haus zu spüren und ser Hausarzt und auch meine Ma konnten sich gar nicht erklären, warum er so schwach war…sein Herz arbeitete wie gewohnt, es gab keinerlei Anzeichen für irgendetwas aussergewöhnliches.
Nun gut, er ist eben alt und krank.
Inzwischen war ich also jeden Tag bei ihm, kümmerte mich auch um meine Omi, für die das alles auch nicht einfach ist. Gestern sortierten wir dann seine Tabletten und dabei fiel mir auf, dass in einem Röhrchen zwischen vielen kleinen Tabletten auch größere waren, die bereits halbiert wurden, offensichtlich von meinem Opi.
Mir schoss alles mögliche durch den Kopf und ich fragte meine Omi, was das denn sei…sie wußte es nicht, wußte aber, dass sie ihm diese Tabletten gegeben hat, weil die ja schließlich bei seinen anderen waren.
Daraufhin schaute ich mir die Aufzeichnungen meines Opis an, er führt genausetens Buch über seine Tabletten.
Ok, ich tat etwas, was ich vielleicht nicht durfte…ich schnüffelte in seiner Privatsphäre…ich konnte nicht anders.
Und was sah ich dort ?
Mein Opi bekam im Krankenhaus Dalmadorm zum Schlafen, ein sehr hochdosiertes Schlafmittel (Benzodiazepin). Vorher hat er nie Schlafmittel genommen…nun aber umso mehr.
Er hat doch tatsächlich niemandem etwas erzählen wollen und deshalb die Schlaftabeltten zwischen den anderen Pillen versteckt.
Er nahm also täglich eine Tablette davon und wurde immer schwächer, weil er ja zusätzlich noch das Antidepressivum bekam.
Als es ihm dann immer schlechter ging, teilte meine Omi ihm seine Tabletten ein und gab ihm 4x täglich eine halbe Schlaftablette *lol*…er bekam nun also seit acht Tagen zwei von diesen Schlaftabletten und das Antidepressivum…das haut den stärksten Mann um 
Meiner Omi kann man nun natürlich keinerlei Vorwurf machen, ebensowenig meiner Ma, die ihm dieses Antidepressivum nie gegeben hätte, wenn sie um diese Schlafmittel gewußt hätte.
Am Telefon sagte meine Omi eben, es ginge meinem Opi doch schon ein kleines bißchen besser, er sei zwar immer noch sehr schwach, aber er erholt sich…wir haben schallend gelacht, auch wenn das alles eigentlich gar nicht witzig ist…nur sind wir so erleichtert, dass es „nur“ diese Schlaftabletten waren, die ihn dahingerafft haben, und nicht sein Herz.
Meine Güte, was es alles gibt…meine Omi meinte ganz gelassen :„Na, da haben wir ihn ja richtig ruhig gestellt, so ruhig und friedlich war er noch nie“ *gg*…ach ja *seufz*, mir sind sämtliche Steine vom Herzen gefallen und wenn es ihm wieder besser geht, hört er von mir erst mal das Wort zum Sonntag.
Ich bin so froh und glücklich, das glaubt ihr gar nicht…die Anspannung löst sich langsam…und ich kann wieder richtig befreit und herzlich lachen
))
Euch allen einen schönen Tag und liebe Grüße,
Vanessa