Wagners Briefe an die Realität ... 1

Sinnvolle Sandsäcke,

eines der letzten Rätsel des ausgehenden 20. Jahrhunderts ist nicht etwa, wo das 20. Jahrhundert hingeht, wenn es, wie nun scheinbar kontinuierlich, ausgeht, sondern warum die Importanz eines der wichtigsten Rohstoffe unserer Tage grob fahrlässig unterschätzt wird. Ja, die Rede ist von Sand. Nur wenige aufrechte Kämpfer für die Rechte und Fähigkeiten gemahlener Minerale beharren auf seine soziokinetische Relevanz. Schon Sandokan wußte die Vorzüge von Sandkuchen zu schätzen. Die Überlebenden der Titanic gaben unabhängig voneinander an, wesentlich lieber auf eine Sandbank gelaufen als gegen den Eisberg gefahren zu sein. Und auch Bengtjuan Bengtez, der schwedische Exilmexikaner und in Kreisen der dissoziativen Korngrößenfraktionierer weltbekannte dissoziative Korngrößenfraktionierer, bekannte gegenüber seiner Frau nach über 20jähriger Ehe seine heimliche Leidenschaft für Sandpapier.

Über die Bedeutung von Sand für das reibungsoptimierte Funktionieren des öffentlichen Personennahverkehrs diskutieren unlängst die unter Flutlicht hellsten Köpfe Europas, was heißt Europas, des ganzen westlichen Spiralarms der Milchstraße. Der große Blum, der einsame Rufer in der Wüste, hat hier nicht nur mit der Taschenlampe der Ignoranz den Weg zu ihrem Platz in der Mitte der zweiten Sperrsitzreihe gewiesen. Doch scheint Sand im Getriebe der wissenschaftlichen Betrachtung, seit das Sandmännchen seinen angestammten Sandeplatz verloren hat. Das so entstandene Vakuum können nicht einmal die um die Osterzeit wie Sand am Meer auftretenden Sandalen-Filme füllen. Schon wenden sich viele östlichen Heilslehren wie dem Sandra zu, schon greifen die Sandinisten wieder zu den Waffen, schon beißen konsternierte Briten in ihr Sandwich. Die Lage ist brisand. Während ahnungslose allinklusivierende Teutonen Schuh für Schuh den Sand aus Sando Domingo schmuggeln, kehren besorgte Patrioten in den Straßen von Sand Salvador zusammen, was ihnen geblieben ist.

Sand als Beschreibstoff spielt nicht nur in den Sommerferien eine Rolle, nein, Hinduismus und Buddhismus verdanken ihm die Frühzeit ihrer schriftlichen Überlieferung in Form des inzwischen in Vergessenheit geratenen Sandskrit. Wer oft Geburtstag feiern will, kennt die antiskorbutäre Wirkung von Sanddorn und fügt dem Badewasser Sandelholzöl zu. Die Österreicher verspeisen gar Sandwecken. Ohne Sand stünde die Golden Gate Bridge nicht in Sand Francisco. Beim Italiener müßten wir uns ohne Sand Pelegrino betrinken und Don Qichotte hätte ohne Sandcho Pansa gegen Windmühlen kämpfen müssen. Es war an der mit der Sanduhr präzise gemessenen Zeit, eine Lanze für den Sand in uns allen an der perforierten Stelle zu knicken, ein uramerikanisches Erfrischungsgetränk aus Belgien bei der Sondermüllverbrennung abzugeben und den Sand im Drucker zu aktivieren.

sand on!

Achim Wagner

Da soll mal einer sagen, hier käme das Geistige zu kurz *feix*
:wink:
Rainer

Da soll mal einer sagen, hier käme das
Geistige zu kurz *feix*
:wink:
Rainer