Katrin

Katrin ist meine älteste Freundin. Und sie braucht Hilfe.
Nur weiss sie das nicht.

Katrin heisst natürlich nicht Katrin, ich nenne sie hier nur mal so. Wir sehen uns nicht so oft, da wir nicht in einer Stadt leben. Aber wir sind praktisch zusammen aufgewachsen.
Wir sind fast wie Schwestern. Ich liebe sie. Mit ihr ist alles lustig.
Nichts tiefgründiges mehr, nur noch lustig. Dachte ich.
Bis ich sie vor ein paar Wochen wieder traf. Spätestens da war mir klar, dass sie dringend Hilfe brauch.

Katrin zu beschreiben ist einfach. Das ganze Gegenteil von mir.
Sie schafft es immer wieder, mir Schuldgefühle deswegen zu vermitteln. Sie ist ein sehr bodenständiger Mensch. Ihre kleine Wohnung ist immer wie aus dem Ei gepellt. Ihre Ehe ist in Ordnung. Ihre Tochter hat sich gut entwickelt. Sie lebt in einer Kleinstadt und hat viele „gute" Freunde. Leute, mit denen ich mich nie umgeben würde. Aber ich bin auch nicht Katrin.

Und doch braucht Katrin Hilfe. Ich bin die einzige, die ihr das sagen kann. Nur hab ich keine Ahnung wie.
Katrin trinkt. Und zwar nicht hin und wieder, sondern täglich. Sie trinkt und trinkt und dann ist alles nur noch lustig. Schließlich ist bei ihr ja alles in Ordnung. Die Wohnung, die Ehe, die Tochter. Ich seh das allerdings ganz anders. Die Wohnung ist Tarnung, der Mann trinkt mit, hat aufgegeben, die Tochter geht ihren Weg nebenher, lacht der Mutter ins Gesicht und tut, was sie will. Die Freunde kommen nicht zum reden, man trinkt halt einen, weils dann immer so schön lustig ist.

Ich frage mich, wenn alles so in Ordnung ist, warum dann Alkohol? Was versteckt sie hinter dieser Maske? Was ist mit ihr passiert? Warum hab ich es erst jetzt bemerkt?
Immerhin machen wir zusammen Urlaub jedes Jahr und ja, da trink ich auch schon mal einen mit…oder zwei und auch mal zuviel? Weils dann so schön lustig ist? Weil ich´s nicht sehen will?

Wir werden reden müssen, irgendwie, aber nicht irgendwann.
Vielleicht können wir uns gegenseitig helfen. Probleme hab ich genug. Aber die Lösungen erfordern einen klaren Kopf!
Auch wenns dann nicht lustig ist.

(18.9.01)
d.

… und was willst du von uns wissen, w i e du es ihr sagen sollst? oder w a s ?
ich glaube, du musst dich noch genauer ausdrücken, welche hilfe d u erwartest.
gruß gisela

Das war doch Literatur, Mensch! Sei doch nicht so praktisch.

Gruß

J.