Sparsam im 5. Gang trotz Vollgas?

Hallo,

in allen Anleitungen moderner Autos steht, dass man den Motor möglichst niedrigtourig fahren soll, um Benzin zu sparen.

Ich selbst habe mir das auch angewöhnt und komme gut damit klar. Wenn man etwas vorausschauend fährt (und wenn Beschleunigung gefragt ist, rechtzeitig zurückschaltet) ist es kein Problem, einen Polo bei 50 km/h im Stadtverkehr im 5. Gang zu fahren.

Auch in diversen Kursen für spritsparendes Fahren wird diese Methode gelehrt. (Ich habe da mal eine Bericht drüber gesehen.)

Vom Logischen leuchtet sie mir allerdings nicht so ganz ein. Denn wenn ich im 5. Gang beschleunigen möchte, muss ich doch - um einen ähnliche Beschleunigungsleistung zu erreichen wie im 3. Gang - das Gaspedal viel stärker durchtreten. Dabei sollte doch dann auch mehr Sprit durch den Motor gurgeln, oder?

Oder ist das bei heutigen Einspritzern nicht mehr so? Wenn ja, ab welchem Baujahr ungefähr? Kann ich einen Käfer auch so niedrigtourig fahren und dabei Sprit sparen?

Gruß, Jost

Oft ist bei nicht allzu hohen Geschwindigkeiten der 4. Gang
besser, weil der Getriebewirkungsgrad wesentlich höher ist
(wenn direkt übersetzt, die Kraft nicht über Zahnräder
geht.
Vollgas ist bei manchen Einspritzern eher schlecht für den
Verbrauch, weil da das Gemisch angefettet wird.

Dhaer wird es bei vielen Autos wohl so sein, dass es besser ist,
mit Teillast bei geringen Geschwindigkeiten im 4. zu fahren,
und etwa 20% höhertouriger, als mit Vollgas im 5.,

Harald

Hallo Jost,

Vom Logischen leuchtet sie mir allerdings nicht so ganz ein.
Denn wenn ich im 5. Gang beschleunigen möchte, muss ich doch -
um einen ähnliche Beschleunigungsleistung zu erreichen wie im
3. Gang - das Gaspedal viel stärker durchtreten. Dabei sollte
doch dann auch mehr Sprit durch den Motor gurgeln, oder?

Auch ich habe das schon gelesen. Es soll mit dem Wirkungsgrad des Motors zusammenhängen, der bei Vollgas am höchsten ist (d.h. man kriegt irgendwie mehr Beschleunigung fürs Geld, und die Dauer der Beschleunigung ist ja auch kürzer, als wenn Du langsam beschleunigst…).
Die Methode funktioniert anscheinend auch, bei einem alten Vergasermazda (1,3l / 60 PS) konnte ich den Verbrauch so um ca 10 % verringern.
Komischerweise brauchten sowohl der Vergaser als auch ein 75 PS Einspritzer von Toyota am wenigsten Sprit, als ich eine ca. 250 km-Tour über Alpenpässe machte, wo es ständig und zwar heftigst auf und ab ging (sehr viel Vollgasanteil, bis 2700 m.ü.M. Höhe erreicht).

Grüße
HylTox

Komischerweise brauchten sowohl der Vergaser als auch ein 75
PS Einspritzer von Toyota am wenigsten Sprit, als ich eine ca.
250 km-Tour über Alpenpässe machte, wo es ständig und zwar
heftigst auf und ab ging (sehr viel Vollgasanteil, bis 2700
m.ü.M. Höhe erreicht).

Kann das vielleicht an der Höhe und dem damit verbunden geringeren Sauerstoffanteil in der Luft liegen? Obwohl, dann müssten die Benzinmischung doch eigentlich fetter sein, oder?

Jetzt total verwirrt…

Gruß, Jost

Hi Jost,

in allen Anleitungen moderner Autos steht, dass man den Motor
möglichst niedrigtourig fahren soll, um Benzin zu sparen.

Ist im Prinzip ganz einfach:
Bei niedrigen Drehzahlen wird am wenigsten Luft durch den Motor geschleust. Das bedeutet auch wenig Sprit. Das beim Beschleunigen das Gemisch (Luft-Benzin) nicht zu viel angereichert wird, besorgen moderne Einspritzanlagen.

Gruß Ulf

hallo Ulf,

Ist im Prinzip ganz einfach:
Bei niedrigen Drehzahlen wird am wenigsten Luft durch den
Motor geschleust. Das bedeutet auch wenig Sprit. Das beim
Beschleunigen das Gemisch (Luft-Benzin) nicht zu viel
angereichert wird, besorgen moderne Einspritzanlagen.

hört sich wirklich einfach an. Das heißt also, dass man alle Autos mit Einspritzer auf diese Art (schnell hochschalten, auch mal ohne Runterschalten Vollgas geben) „verbrauchsgünstig“ fahren kann? Bei einem Käfer (oder einem beliebigen anderen Vergaser-Auto) hätte ich so aber mehr Verbrauch, oder?

Gruß, Jost

Hi Jost,

Kann das vielleicht an der Höhe und dem damit verbunden
geringeren Sauerstoffanteil in der Luft liegen? Obwohl, dann
müssten die Benzinmischung doch eigentlich fetter sein, oder?

Jetzt total verwirrt…

Hat mich ebenso verwirrt, dachte ich eigentlich, daß ich auf diesen Gewalttouren wesentlich mehr verbrauchen würde, aber einen so geringen Spritverbrauch schaffe ich sonst nie. Das mit der dünnen Luft habe ich als Möglichkeit auch schon ins Auge gefasst.
Vielleicht weiss-wer-was?

Grüße
HylTox

Hallo Jost,

das hängt mit den sogenannten „Drosselverlusten“ im Motor zusammen. Die Gaspedalstellung beeinflußt die Stellung der Drosselklappe im Ansaugrohr. Mit ihr bestimmts Du über das Gaspedal die Menge der angesaugten Luft. Sie ist bei Volllast ganz geöffnet und die Luft strömt mit nur sehr geringem Widerstand dran vorbei. Ist die Klappe hingegen stärker geschlossen, muss der Motor die erforderliche Luftmenge gegen einen Drosselwiderstand ansaugen, was natürlich Motorleistung kostet und sich somit im Verbrauch niederschlägt. Die voll geöffnete Klappe ist in diesem Fall also günstiger. (kannst Du auch mit einem Strohhalm mal ausprobieren: Saugen mit und ohne Zusammendrücken!)
Beim Vegasermotor (Käfer) gilt das gleiche, jedoch wird dort beim Beschleunigen aus dem untertourigen Bereich (schnelles Durchtreten des Gaspedals) die Beschleunigungspumpe am Vergaser betätigt, die durch einen zusätzlichen Kraftstoffspritzer das Gemisch anfettet. Wir diese öfters betätigt, macht sich dieses Anreichern mit Kraftstoff im Verbrauch negativ bemerkbar. Also hier das Pedal langsam betätigen, dann braucht man auch weniger Sprit.
Bei heutigen Einspritzmotoren besteht meist keine direkte Verbindung von Gaspedal zur Drosselklappe mehr. Die Pedalstellung dient nur als Vorgabewert, ein über das Motorsteuergerät geregelter Elektromotor stellt dann die Drosselklappe entsprechend ein.
Ganz aktuell sind auch Benzinmotoren, die keine Drosselklappe
haben (z.B. VW FSI und BMW Valvetronic) und damit auch keine Drosselverluste. Dieselmotoren benötigen keine Drosselklappe, ein Grund, warum sie prinzipbedingt schon sparsamer als Benziner sind.

Gruß

hps

Hallo hps,

danke für diese ausführliche Antwort. Ich verstehe sie allerdings nicht ganz komplett. Ich frage mal an den entsprechenden Stellen nach.

das hängt mit den sogenannten „Drosselverlusten“ im Motor
zusammen. Die Gaspedalstellung beeinflußt die Stellung der
Drosselklappe im Ansaugrohr. Mit ihr bestimmts Du über das
Gaspedal die Menge der angesaugten Luft.

Und auch damit auch die Drehzahl des Motors, richtig? Wird nur darüber die Drehzahl geregelt?

Sie ist bei Volllast
ganz geöffnet und die Luft strömt mit nur sehr geringem
Widerstand dran vorbei. Ist die Klappe hingegen stärker
geschlossen, muss der Motor die erforderliche Luftmenge gegen
einen Drosselwiderstand ansaugen, was natürlich Motorleistung
kostet und sich somit im Verbrauch niederschlägt.

Das heißt, ein im Leerlauf laufender Motor verbraucht pro Umdrehung eigentlich mehr als ein Vollgas laufender - also wenn man die unterschiedliche Drehzahl herausrechnet?

Beim Vegasermotor (Käfer) gilt das gleiche, jedoch wird dort
beim Beschleunigen aus dem untertourigen Bereich (schnelles
Durchtreten des Gaspedals) die Beschleunigungspumpe am
Vergaser betätigt, die durch einen zusätzlichen
Kraftstoffspritzer das Gemisch anfettet.

Wozu ist das gut? Und warum spritzen Einspritzer dann nicht auf zusätzlich Kraftstoff ein?

Wird diese öfters
betätigt, macht sich dieses Anreichern mit Kraftstoff im
Verbrauch negativ bemerkbar. Also hier das Pedal langsam
betätigen, dann braucht man auch weniger Sprit.
Bei heutigen Einspritzmotoren besteht meist keine direkte
Verbindung von Gaspedal zur Drosselklappe mehr. Die
Pedalstellung dient nur als Vorgabewert, ein über das
Motorsteuergerät geregelter Elektromotor stellt dann die
Drosselklappe entsprechend ein.

Das ist dann das sogenannte e-Gas, oder?

Ganz aktuell sind auch Benzinmotoren, die keine Drosselklappe
haben (z.B. VW FSI und BMW Valvetronic) und damit auch keine
Drosselverluste. Dieselmotoren benötigen keine Drosselklappe,
ein Grund, warum sie prinzipbedingt schon sparsamer als
Benziner sind.

Und wie wird bei denen die Motordrehzahl geregelt?

Danke.

Jost

Hallo Jost,

also noch etwas ausführlicher:

danke für diese ausführliche Antwort. Ich verstehe sie
allerdings nicht ganz komplett. Ich frage mal an den
entsprechenden Stellen nach.

das hängt mit den sogenannten „Drosselverlusten“ im Motor
zusammen. Die Gaspedalstellung beeinflußt die Stellung der
Drosselklappe im Ansaugrohr. Mit ihr bestimmts Du über das
Gaspedal die Menge der angesaugten Luft.

Und auch damit auch die Drehzahl des Motors, richtig? Wird nur
darüber die Drehzahl geregelt?

Ja, darüber wird die Drehzahl geregelt. Die hängt natürlich auch von der Belastung des Motors ab, ist also bei steiler Bergfahrt und Fahrt in der Ebene bei gleicher Gaspedalstellung durchaus unterschiedlich.

Sie ist bei Volllast
ganz geöffnet und die Luft strömt mit nur sehr geringem
Widerstand dran vorbei. Ist die Klappe hingegen stärker
geschlossen, muss der Motor die erforderliche Luftmenge gegen
einen Drosselwiderstand ansaugen, was natürlich Motorleistung
kostet und sich somit im Verbrauch niederschlägt.

Das heißt, ein im Leerlauf laufender Motor verbraucht pro
Umdrehung eigentlich mehr als ein Vollgas laufender - also
wenn man die unterschiedliche Drehzahl herausrechnet?

Gut, in dem Zusammenhang muss Du den Verbrauch ins Verhältnis zur geforderten Arbeit stellen, man gibt ihn nicht in Liter/100 km an (was eh vom Fahrzeug abhängt), sondern spezifisch in g/kWh. Der ist tatsächlich im Leerlauf am höchsten, da hier die mechanischen Verluste (auch der Drosselverlust) am stärksten ins Gewicht fallen. Pro Kraftstoffeinheit steht also weniger Nutzenergie zur Verfügung als bei hoher Arbeit/Leistung.

Beim Vegasermotor (Käfer) gilt das gleiche, jedoch wird dort
beim Beschleunigen aus dem untertourigen Bereich (schnelles
Durchtreten des Gaspedals) die Beschleunigungspumpe am
Vergaser betätigt, die durch einen zusätzlichen
Kraftstoffspritzer das Gemisch anfettet.

Wozu ist das gut? Und warum spritzen Einspritzer dann nicht
auf zusätzlich Kraftstoff ein?

Vergasermotoren (ohne G-Kat!) sind im Leerlauf fett (mehr Kraftstoffteilchen pro Luftteilchen als im chemisch idealen Zustand „Lambda=1“, also auch geringer Kraftstoffverbrauch), im Teillastbetrieb mager (weniger Kraftstoff pro Luft) und bei Volllast wiederum fett eingestellt. Das fette Gemisch ist zündwilliger als das magere und sorgt außerdem für die Innenkühlung des Motors, was im Leerlauf (in der Regel steht dann das Fahrzeug und hat keinen Kühlluftstrom) oder bei Vollast (hohe thermische Beanspruchung, denn die Kühlung ist nicht auf ständige Vollgas ausgelegt) wichtig ist.
Beim schnellen Öffnen der Drosselklappe im Teillastbetrieb nimmt die Luftströmung im Ansaugrohr sehr schnell zu, die trägen Benzinteilchen aus der Hauptdüse im Vergaser kommen da nicht mehr mit. Deshalb wurden Beschleunigungspumpen eingebaut, die zusätzlichen Kraftstoff in den Luftstrom einspritzen, um das Mischungsverhältnis einigermaßen beibehalten zu können bzw. für Volllast anzufetten.
Ausserdem sind Vergasergeometrie und Bedüsung in der Regel auf einen (sparsamen) Teillastbetrieb mit einer mäßig schnellen Luftströmung ausgelegt, für den selteneren Vollastbetrieb musste man sich eben mit solchen Zusatzsystemen behelfen, die dann auch mal kurzzeitig für zu viel Anfettung sorgten.
Heutige Einspritzmotoren mit G-Kat benötigen für den Katbetrieb aber Lambda=1, also immer das chemisch ideale Verhältnis. Das wird vom Motorsteuergerät geregelt, das ja immer die Einspritzmenge zur angesaugten Luftmenge zumisst und somit den Beschleunigungsvorgang mit stärkerer Luftströmung direkt berücksichtigt. Auch die Volllastanreicherung gibt es durchaus noch, denn jenseits von 120 km/h interessiert sich kein Gesetzt mehr für Abgaswerte und viele Hersteller nutzen das aus.

Wird diese öfters
betätigt, macht sich dieses Anreichern mit Kraftstoff im
Verbrauch negativ bemerkbar. Also hier das Pedal langsam
betätigen, dann braucht man auch weniger Sprit.
Bei heutigen Einspritzmotoren besteht meist keine direkte
Verbindung von Gaspedal zur Drosselklappe mehr. Die
Pedalstellung dient nur als Vorgabewert, ein über das
Motorsteuergerät geregelter Elektromotor stellt dann die
Drosselklappe entsprechend ein.

Das ist dann das sogenannte e-Gas, oder?

Ja, und man merkt eigentlich kaum einen Unterschied zur direkten Ansteuerung.

Ganz aktuell sind auch Benzinmotoren, die keine Drosselklappe
haben (z.B. VW FSI und BMW Valvetronic) und damit auch keine
Drosselverluste. Dieselmotoren benötigen keine Drosselklappe,
ein Grund, warum sie prinzipbedingt schon sparsamer als
Benziner sind.

Und wie wird bei denen die Motordrehzahl geregelt?

Sie regeln das über die eingespritze Benzinmenge (VW FSI, eigentlich fast wie beim Diesel, wobei aber auch hier für den Kat lambda=1 benötigt wird) bzw. über einen variablen Ventilhub, mit dem die angesaugte Gemischmenge geregelt wird (was ein recht komplizierten Ventiltrieb erfordert).

Danke.

Gern geschehen.

Gruß

hps

Da bin ich doch in der Zeile verrutscht:

Natürlich ist bei magerem Gemisch der Kraftstoffverbrauch geringer als bei fettem Gemisch!!!

Sorry.

hps