Sinn/Unsinn von Tempomeßgeräten ohne Blitzer

Hallo,

in und um Bayreuth haben sie zur Zeit wieder große Mode: Tempomeßgeräte, die dem geneigten Autofahrer mitteilen, er führe 74 oder 22 oder 48. Besonders an Stellen, wo die Autofahrer tendenziell (zu) schnell fahren.

Abgesehen davon, daß die sowieso total verwirrend sind, weil man nie weiß, wann „man selbst“ dran ist und was noch zum Vordermann gehört.

Bei mir haben die Dinger genau 2 Effekte:

  1. Ich schaue statt nach auf die Straße springenden Schulkindern nach meiner Tachonadel und versuche, gleichzeitig die Anzeige im Blick zu behalten, zwecks Vergleich.
  2. Ich freue mich, daß mein Tacho tierisch vorgeht (relativ konstant 10 km/h) und fahre in Zukunft schneller als bisher. Sind ja in Wirklichkeit 10 weniger als aufm Tacho steht.

Früher gab es noch Effekt 3:
3) Ich bremse wie ein Irrer, weil ich fürchte, daß doch ein Radargerät da stehen könnte, so daß mein Nachfolger fast auf mich drauffährt.

Also genau kontraproduktiv! Und das wird doch den meisten Autofahrern so gehen, oder? (Außer, sie strafen die Geräte mit Gleichgültigkeit.) Welchen Sinn haben die Dinger also? Mehr so „seht mal, hier hätten wir Euch blitzen können und Ihr hättet es nicht gemerkt?“

Für mich sind die Dinger ne Anleitung zum Rasen. Was meint Ihr?

ciao,
erik

Hallo Erik

Solche depperten Anzeigen sind momentan auch in und um Zürich der Renner. Mich verwirren sie jedesmal, denn ich guck auf die Tafel, statt auf den Verkehr. Vor allem sind sie oft so „geschickt“ vor Fussgängerstreifen plaziert, dass es mich nicht wundern würde, wenn irgendwann mal ein Fussgänger überfahren würde …

Ich finde diese Dinger auch eher kontraproduktiv, und die Autofahrer schleichen oftmals auch nur mit 30 kmh vorbei statt der erlaubten 50 kmh (ok, man kann trotz 50er-Tafel nicht immer 50 fahren, aber wenn kein „Knochen“ auf der Strasse ist, muss man doch nicht 30 schleichen …?).

Ich bin auf den ersten Unfall gespannt, der aus der Unachtsamkeit eines Autofahrers resultiert, weil sich dieser voll auf seinen Tacho und diese Anzeige konzentriert hat …

Liebe Grüsse
Moni :smile:

Ich nenn die Dinger nur noch WISBI-Strecken…
Das Problem zu schneller Fahrer ist nicht, daß sie nicht wissen, wie schnell sie fahren, sondern die Frage „Warum soll ich hier nicht schnell fahren?“.

lg
Stuffi

Hallo Oberfranke,

bei uns in Hof war das Teil auch mal ne Zeit lang im Einsatz. Es war idR schon an brisanten Stellen aufgebaut (Schulen, Kindergärten etc). Nur da, da sollten die Grünen gleich eine richtige Geschwindigkeitskontrolle durchziehen. Das rechnet sich für die aber wiederum nicht, da zu wenige reintappen. Da eignen sich dann vierspurige Ausfallstrassen auf 60 km/h begrenzt besser!
Und dem Argument mit der Ablenkung, da stimme ich Dir voll und ganz zu. Wenn einer schon nicht seinen Tacho ablesen kann, dann verwirrt Ihn so ne riesen Digital-Anzeige noch viel mehr.

Was ich auch für einen Unsinn halte, sind die Verkehrsdurchsagen mit Blitzerstandorten. In den Neuen Bundesländern ganz große Mode! Auf einigen Sendern werden exakte Standorte durchgegeben. Da fühlen sich Manche so bestärkt (leider schon live selbst miterlebt), daß sie hinterher mit riesengroßen und brandgefährlichen Risikoeinsatz rasen. Man ist froh , als Unbeteiligter, mit heiler Haut davonzukommen.

Bye
Uwe, derbestimmtkeinlangsamerfahrerist

Hallo!

Ich bin ja pathologisch mißtrauisch und leide unter Verfolgungswahn… :wink:
…aber vor diesen Dingern bremse ich auch immer sanft ab um nicht deutlich zu schnell darunter durchzuhuschen!

Mein paranoider Geist läßt mich nämlich auch hier nur Böses vermuten: die zuständige Behörde stellt mit diesem Gerät sozusagen ein Meßinstrument auf, mit dem sie ermitteln kann ob sich dort der regelmäßige Aufbau einer „echten“ Radarfalle lohnen könnte!
Ich gehe einfach mal davon aus, daß die Dinger zumindest ein Zählwerk eingebaut haben, aus dem hervorgeht wieviele der gemessenen Fahrzeuge zu schnell waren…

Schönen Gruß,
Robert
*sie sind hinter mir her*

Hallo Moni

Solche depperten Anzeigen sind momentan auch in und um Zürich
der Renner.

Wo denn? Mir ist da in letzter Zeit nichts solchiges begegnet…

(ok, man kann trotz 50er-Tafel nicht
immer 50 fahren, aber wenn kein „Knochen“ auf der Strasse ist,
muss man doch nicht 30 schleichen …?).

ACK. Aber auch mit anderen ‚Knochen‘ auf der Strasse wird leider viel zu oft viel zu langsam gefahren. Mit 30 statt 50, mit 60 statt 80 und so weiter. Ich bekomme da öfters Schreikrämpfe… :wink:

Ausserdem sind die Schweizer Weltemeister darin, extrem lahmarschig an Kreuzungen loszufahren. Ampel springt von Rot auf Gelb, dann auf Grün. Und dann wartet man häufig 5 Sekunden oder länger, bis sich die Leute auch nur in Bewegung setzen. Und dann brauchen sie auch noch Ewigkeiten, bis sie mehr als Schritttempo erreichen… rechnet man die riesengrossen Abstände, die sie zum Vordermann lassen, dazu, so stellt man fest, dass die Grünphasen oftmals gar nicht mal so kurz sind. Aber diese Dinge sorgen dafür, dass trotzdem jeweils nur 3 bis 5 Fahrzeuge bei Grün rüberkommen, obwohl die Zeit für 10 reichen würde…

Wenn ich zuvorderst stehe, dann bin ich in den meisten Fällen längst über die Kreuzung, wenn mein Hintermann grade mal anfährt… so oft habe ich dann locker 100m Vorsprung. Das finde ich furchtbar mühsam…

CU
Peter

Hallo Erik

Also genau kontraproduktiv! Und das wird doch den meisten
Autofahrern so gehen, oder? (Außer, sie strafen die Geräte mit
Gleichgültigkeit.) Welchen Sinn haben die Dinger also? Mehr so
„seht mal, hier hätten wir Euch blitzen können und Ihr hättet
es nicht gemerkt?“

Gegenfrage. Warum fahren Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit?
a) wegen Unaufmerksamkeit
b) weil sie sich einen Dreck um Verkehrsgesetze kümmern.

Bei den Tempoanzeigetafel wird vom Fall a) einem positiven Menschenbild ausgegangen und gehofft, dass die Verkehrsteilnehmer ohne Sanktionen erziehbar sind.

Ich finde die Schilder besser als gleich Blitzgeräte einzusetzen.

Gruß
Carlos

Hoi Peter

Solche depperten Anzeigen sind momentan auch in und um Zürich
der Renner.

Wo denn? Mir ist da in letzter Zeit nichts solchiges
begegnet…

In Kilchberg auf der Hauptstrasse ist einer montiert, kurz vor der Kreuzung Hornhaldenstrasse. Drum hab ich ja auch geschrieben, dass die manchmal so bescheuert vor Fussgängerstreifen angebracht sind (oder vor Kreuzungen), dass es mich nicht wundern würde, wenn mal ein Fussgänger deswegen überfahren würde. Diese Anzeigetafel war schon vor ca. 2 Monaten dort und jetzt seit ca. 1 Woche wieder …

(ok, man kann trotz 50er-Tafel nicht
immer 50 fahren, aber wenn kein „Knochen“ auf der Strasse ist,
muss man doch nicht 30 schleichen …?).

ACK. Aber auch mit anderen ‚Knochen‘ auf der Strasse wird
leider viel zu oft viel zu langsam gefahren. Mit 30 statt 50,
mit 60 statt 80 und so weiter. Ich bekomme da öfters
Schreikrämpfe… :wink:

*grins* - ich kenn das; ich bin auch öfters am Schreien im Auto!

Ausserdem sind die Schweizer Weltemeister darin, extrem
lahmarschig an Kreuzungen loszufahren. Ampel springt von Rot
auf Gelb, dann auf Grün. Und dann wartet man häufig 5 Sekunden
oder länger, bis sich die Leute auch nur in Bewegung setzen.
Und dann brauchen sie auch noch Ewigkeiten, bis sie mehr als
Schritttempo erreichen… rechnet man die riesengrossen
Abstände, die sie zum Vordermann lassen, dazu, so stellt man
fest, dass die Grünphasen oftmals gar nicht mal so kurz sind.
Aber diese Dinge sorgen dafür, dass trotzdem jeweils nur 3 bis
5 Fahrzeuge bei Grün rüberkommen, obwohl die Zeit für 10
reichen würde…

Da krieg ich auch immer die Krise. Z.B. die Kreuzung Falkenstr./Seestrasse in Zürich: Wenn’s der Vorderste „verschläft“ oder so lahmarschig anfährt, wie Du’s beschrieben hast, reicht’s oftmals gerade knapp für 2(!) Wagen. In dieser Beziehung sind die Schweizer wirklich Weltmeister - schade gibt’s das nicht als olympische Disziplin, da würden wir wenigstens mit Goldmedaillen überhäuft …

Wenn ich zuvorderst stehe, dann bin ich in den meisten Fällen
längst über die Kreuzung, wenn mein Hintermann grade mal
anfährt… so oft habe ich dann locker 100m Vorsprung. Das
finde ich furchtbar mühsam…

Tja, mir geht’s genau so. Das heisst aber nicht, dass ich rase, ich fahre einfach nur zügig an und wundere mich dann, wo die anderen bleiben (d.h. wundern tut mich im Strassenverkehr in Zürich mittlerweile nichts mehr *hmpf*).

CU
Peter

Grüessli
Moni :smile:

Gegenfrage
Hi Erik,
wie oft schaust Du gewöhnlich auf den Tacho?
Man fährt so seine Strecke und schwimmt mehr oder weniger im Verkehr mit ohne aber zu prüfen wie schnell man eigentlich ist.
Durch diese Geräte wird man quasi dazu aufgefordert mal wieder auf den Tacho zu schauen und stellt meist fest, das man deutlich schneller unterwegs war als man sich eingestehen würde.
Sieh es mal als höfliche Aufforderung, sich an das Tempolimit zu halten ohne gleich zur Kasse gebeten zu werden. Ob das wirklich Sinn macht ist sicher nachzuweisen. Aber gegen potentielle Dauerschnellfahrer helfen auch Blitzgeräte nichts.
Erwiesen ist jedoch, das die meisten Autofahrer ihr Tempo deutlich unterschätzen wenn sie unterwegs sind.
Gruss Sebastian

Hi Sebastian,

das sehe ich schon irgendwie ein. Ich bin eh nicht repräsentativ, da ich meine Probezeit erst seit 5 Jahren hinter mir habe und gleichzeitig aber gern schnell fahre. (Ja, haut mich ruhig). Daher fahre ich bei freier Straße so, daß der Tacho 20 zuviel anzeigt. (Wie ich festgestellt habe, ist das aber gerade mal 10 zuviel.) Um das einzuhalten, muß man natürlich schon öfter mal hinschauen.

Die Tempogeräte sind aber auch für Deine Argumente nicht schlüssig, denn:

  1. warum soll ich ausgerechnet an den Gefahrenstellen auf den Tacho schauen? --> gerade da wäre es doch gut, lieber auf die Straße zu achten.

  2. die meisten Tachos gehen vor, also wird den Autofahrern eher bewußt, wie LANGSAM sie eigentlich fahren, nicht, wie schnell.

Finde ich zumindest. Daher wundert es mich ja!

ciao,
erik

Hi Erik,

das sehe ich schon irgendwie ein. Ich bin eh nicht
repräsentativ, da ich meine Probezeit erst seit 5 Jahren
hinter mir habe und gleichzeitig aber gern schnell fahre. (Ja,
haut mich ruhig). Daher fahre ich bei freier Straße so, daß
der Tacho 20 zuviel anzeigt. (Wie ich festgestellt habe, ist
das aber gerade mal 10 zuviel.) Um das einzuhalten, muß man
natürlich schon öfter mal hinschauen.

Warum soll ich Dich hauen? :wink:
Ich fahre auch gern „zügig“. Aber mit Deiner Tachoanzeige wäre ich etwas vorsichtiger. Diese „Warntafeln“ sind m.E. nicht geeicht und Tachos dürfen im unteren Geschwindigkeitsbereich (unter 50 km/h) gar nicht und oberhalb von 50 km/h max. 7% vom Skalenendwert abweichen. Oder anders: Auf Deinen Test würde ich mich nicht verlassen.

Die Tempogeräte sind aber auch für Deine Argumente nicht
schlüssig, denn:

  1. warum soll ich ausgerechnet an den Gefahrenstellen auf den
    Tacho schauen? --> gerade da wäre es doch gut, lieber auf
    die Straße zu achten.

Ich weiss ja nicht, wieviel Zeit Du brauchst um auf den Tacho zu schauen :wink:

  1. die meisten Tachos gehen vor, also wird den Autofahrern
    eher bewußt, wie LANGSAM sie eigentlich fahren, nicht, wie
    schnell.

Siehe oben.

Mir sind die Dinger allemal lieber als Blitzgeräte. Denn da treten die meisten Autofahrer aus Refley auf die Bremse oder sind zumindest für eine gewisse Zeit völlig irritiert.
Gruss Sebastian