Hallo Michael,
Ich habe bereits vor einigen Tagen hier gepostet. Damals
wollte ich mir einen Golf Cabrio zulegen. Mittlerweile haben
sich die Dinge etwas geändert. Nun bin ich eher auf der Suche
nach einem VW Käfer Cabrio.
Welch ein Wechsel…
Du bist Dir aber hoffentlich bewußt, dass ein Golf ein alltagstaugliches, normalschnelles Auto ist, während ein Käfer schon eher zu den potentiellen Zweitwägen mit Saisonkennzeichen gehört ?
Dass die angebotenen Autos
größtenteils weit mehr als 20 Jahre auf dem Buckel haben ist
ebenso klar, wie problematisch.
Kein Wunder. Das letzte offiziell nach Deutschland importierte Cabrio wurde 1979 hergestellt. Danach gab’s meines Wissens nach nur noch den VW 1200 in der Normalversion, die dann einige „Tuner“ aufgeschnitten haben (davon rate ich übrigens ab, ist auch unter Käfer-Freaks „verpönt“ und sieht meistens nach „gewollt aber nicht gekonnt“ aus).
Worauf muß ich bei einem Kauf achten?
Wie so üblich bei alten Autos: Rost, Motor, Pflege usw.
Was sind die Schwachstellen?
Zunächst einmal hatten die Autos damals erheblich mehr Rostprobleme als die heutigen. Beim Käfer gibt’s da tendenziell auch so ein paar Stellen. Unter http://www.vwkaefer.de/ und dort dann unter Kaufberatung kannst Du schon recht viel nachlesen. Ersatzteile gibt’s übrigens haufenweise, insbesondere Bauteile, die identisch mit dem normalen Käfer sind, werden Dir nachgeschmissen.
Welcher Betrag ist angemessen für ein Cabrio dieser Art und
diesen Alters?
hier geht es kaum nach Alter (abgesehen von den ganz alten Käfern der 50er-Jahre), sondern vielmehr nach Zustand. Für was einigermaßen brauchbares sind aber schon 5.000 € hinzublättern, für einen Zustand 2 sind es schon ca. 10.000 € (bei Oldtimern spricht man von Zustandsnoten von 1 - 5, schau mal hier: http://www.gutachter-lehmann.de/oldtimer-zustandsnot…)
Da ich kein vorbelasteter, begnadeter Autobastler bin, muß ich
mir einige Sachen selbst beibringen, was kleinere Reparaturen
angeht. Ist das möglich?
Grundsätzlich läßt sich der Käfer noch mit Hammer und Meisel reparieren. Spaß bei Seite: wo keine Elektronik ist, kann auch keine kaputt gehen. Will sagen: beim Käfer hat man es mit sehr bodenständiger Mechanik zu tun.
Was hat es mit dem H-Kennzeichen auf sich bzw. was sind das
für steuerliche Vorteile?
Für die Versicherung gilt ein Käfer Cabrio schon als Oldtimer (man muß ein paar Voraussetzungen erfüllen, z.B. Mindestalter des Autos 20J., Garage und weiteres Fahrzeug vorhanden, max. 5.000 km p.a.
Das Auto kostet dann ca. 100 - 150€ Haftpflicht-Versicherung im ganzen Jahr.
Für ein H-Kennzeichen muß das Auto mind. 30J. alt sein, ausserdem original (keine Umbauten) und ohne Durchrostungen. Dafür gibt’s dann pauschal knapp 200€ Steuer p.a. Da ein Käfer aber max. 1600 ccm Hubraum hat, ist es auch kein Beinbruch, wenn man kein H-Kennzeichen hat.
Wer hat so ein Auto und kann mir einen kleinen
Erfahrungsbericht geben?
Ich hatte mal einen normalen Käfer Bj. 68. Lief hervorragend und war nicht tot zu kriegen. Aber: max. 120 km/h. Digitale Heizung = arschkalt oder Füsse verbrannt. Kurzstrecke = i.O., Langstrecke = Tortur.
Gibt es im Netz Seiten speziell für dieses Auto?
Siehe oben.
Kurz noch zum Typ:
Man unterscheidet den klassischen Käfer (1200, 1300, 1500) und die 1302 / 1303 - Modelle. Letztere wurden in den 70ern gebaut und sind technisch (u.a. Fahrwerk) wesentlich besser. Insbesondere der 1303 (Kennzeichen: gekrümmmte Frontscheibe) gilt aber nicht als besonders kultig (Plastik-Innenraum usw.). Der 1302 ist der richtige Kompromiss zwischen Kult und Technik, insbesondere wenn man noch einen mit kleinen Heckleuchten hat. Er ist aber nicht kompatibel zum klassischen Käfer. Der klassische Käfer wiederum hat hinten eine Pendelachse, dafür aber trotzdem ein gutes Fahrverhalten. Ein Geheimtipp ist der 1500er Automatik, der hatte trotz alter Bauart bereits eine gute Hinterachse und Scheibenbremsen vorne (von VW bis 100 PS zugelassen !!!). Aber: mit der (Halb-)Automatik mit 2 Gängen zieht ein Käfer dann entgültig keine Wurst mehr vom Brot…
Ein Kompromiss für alle, die nicht gerne Schrauben und eher auf etwas mehr Leistung stehen: Es gab mal einen guten Umbau des Mexiko-/Brasilienkäfers von Oettinger mit 100 PS-Motor. Sah recht professionell aus und wurde auch gelobt.
Grüsse
Sven