Untertourig, Benzinverbrauch, Drehzahl?

Hallo,

nachdem ich am Wochenende gerade wieder eine längere Strecke mit dem Auto zurückgelegt habe, stellt sich mir wie so oft die knifflige Frage: Wie passen optimale Drehzahl und Benzinverbrauch zusammen? Oder anders formuliert: Spart man Sprit, wenn man in der selben Geschwindigkeit eher untertourig fährt?

Es gibt doch pro Gang eine optimale Drehzahl, bei der die Kraft des Motors maximal übertragen wird. Eigentlich müsste das doch dann die Drehzahl mit dem geringsten Benzinverbrauch sein.

Andererseits dreht sich der Motor bei untertourigem Fahren mit niedriger Drehzahl nicht so oft. Weniger Zylinderfüllungen müssten dann doch eigentlich auch weniger Sprit bedeuten?!

Vielleicht könnt ihr mir bei diesem logischen Problem helfen,
hofft
Burkhard

wenn man den profispritsparern glauben schenken kann, dann ist der bereich zwischen 1000 und 2000 der sparsamste… ich persönlich mache es so das ich auf die gewünschte geschwindigkeit beschleunige und dann soweit das gas wieder weg nehme das ich gerade eben nicht langsamer werde…

Je niedriger desto sparsamer
Hi,

kurzum, je niedriger die Drehzahl, desto besser der Verbrauch, unabhängig von Auto und Kraftstoff.
Die Stärke des Effektes freilich ist von Auto zu Auto verschieden.
Aber Vorsicht: Bezüglich der Lebensdauer von Motoren kann es wieder anders aussehen.

GRuss,

Hallo,

du darfst Effizienz und Verbrauch nicht durcheinanderwerfen.

Der Verbrauch ist natürlich umso geringer, je weniger Zündungen pro gefahrenen Kilometer gemacht werden (Extremwert: Keine Zündung -> keine Umdrehung -> Null Verbrauch (zB Rollen ohne Motor)).

Eine ganz andere Frage ist die nach der Effizienz (Arbeit pro Liter Benzin). Dabei spielt die Drehzahl keine so einfach Rolle: Je Umlauf wird eine bestimmte Menge Gemisch verbrannt. Dabei wird eine bestimmte Menge Energie frei, von der sich ein Teil als Arbeit nutzen läßt (die Leistung ist ja Arbeit pro Zeit, steigt also ungefähr linear mit der Drehzahl). Bei zu geringen Drehzahlen ist der Unterschied zwischen Ausbreitung der Explosionsgase im Zylinder und der Kolbengeschwindigkeit sehr groß: das tut dem Kolben nicht gut und ein großer Teil der Energie heizt den Zylinder auf und beschleunigt nicht den Kolben. Bei zu hohen Drehzahlen bleibt nicht genug Zeit, den Zylinder zu füllen und die Explosion abzuwarten: Die Verbrennung läuft nicht optimal ab und die Explosionsenergie wird nicht voll zur Beschleunigung des Kolbens genutzt. Dazwischen gibt es ein Optimum für die Drehzahl, wo eben die (chemische) Energie des Benzins optimal in (mechanische) Arbeit umgesetzt wird. Dies ist iA das Drehmomentmaximum des Motors.

Die Effizienz ist für den Autofahrer eine recht akademische (bzw. sinnlose) Angelegenheit. Die ist nur für Motorenbauer interessant. Bei uns Ottonormalfahrern ja nur wichtig, möglichst wenig Sprit zu verbrauchen. Und da ist die Formel einfach: Weniger Umdrehungen pro Minute = weniger Sprit pro Kilometer. Zu niedrig sollten sie aber nicht sein, weil das wie oben beschrieben den Motor schneller verschleißt. Also: So niedrig wie möglich und so hoch wie nötig, daß der Motor noch „rund“ läuft und nicht klopft und klackert und ruckelt.

Um mit dem Auto eine Geschwindigkeit zu halten, brauchst du nicht viel Leistung, vielleicht so 20 PS für 100 km/h. Dein Auto mag vielleicht im 4. Gang bei 100 km/h die „optimale Drehzahl“ haben, leistet dabei aber 60 PS - die Leistung „verpufft“, auch wenn sie noch so effizient erzeugt wird. Im 5. Gang ist die Drehzahl kleiner und so auch die Leistung, jetzt vielleicht nur noch 30 PS. Das reicht locker, um die Geschwindigkeit zu halten und es verpufft weniger Energie, also man braucht weniger Sprit, auch wenn der Wirkungsgrad (Effizienz) nicht ganz so hoch ist wie im 4.Gang.

Wenn du aber beschleunigen willst, geht das im 4.Gang wieder besser, denn hier nutzt du ja die ganze Leistung und da ist der Wirkungsgrad entscheidend. Aber nur während der Beschleunigung. Und wenn da die Drehzahl steigt, verschlechtert sich auch wieder der Wirkungsgrad und man sollte runterschalten, obwohl man dann weniger Leistung zur Verfügung hat (sei denn, man muß verkersbedingt schneller beschleunigen).

Ach ja, ich bin kein KFZ-Techniker, vielleicht gibt es da also noch andere Aspekte…

Gruß
Jochen

Hallo !

Alles unter 2000 U/min ist Motormord.

Gruß Max

Hi Max,

ich habe vergleichbare Aussagen schon öfter gehört, kann dies aber nicht bestätigen, nichteinmal bei hochdrehenden Benzinern wie zB BMW.
selbst wenn ich die starren 2000 Umdrehungen relativiere, denke ich, dass mit etwas Feingefühl auch mit der -sagen wir- 1,5 fachen Standgasdrehzahl ohne Probleme dauerhaft gefahren werden kann.
Gruss,

Hallo,

vielen Dank für Eure flotten Antworten!
Für mich bleibt es aber nach wie vor ein logisches Problem, dass ja, wenn man von einer optimalen Drehzahl ausgeht, auch eine optimale Kraftübertragung stattfindet. D.h. mit geringstem Kraftaufwand (sprich Benzinverbrauch) höchstmögliche Leistung erzielt wird. Oder mache ich da einen Denkfehler? Nach dieser Logik müsste ich eigentlich bei einer Drehzahl unter diesem Optimum mehr aufs Gas treten müssen, um die gleiche Geschwindigkeit zu erzielen. Oder heißt das, dass, wenn ich eine Geschwindigkeit fahre und dann so weit vom Gas gehe, dass die Geschwindigkeit gehalten wird, dies die optimale Drehzahl ist?

Grüße
Burkhard

Hallo !

Alles unter 2000 U/min ist Motormord.

Gruß Max

Kommt auf den Motor an. Für die 46l-Diesel für Bergungsfahrzeuge sind Drehzahlen über 1500 schon Motormord. Einen 600ccm-F1-Motor hat bei dieser Drehzahl nichtmal genug Power zum Räder anrollen lassen.

Ich fahre seit 10 Jahren einen Kadett Benziner nahezu immer zwischen 1200 und 2200 U/min und der läuft und läuft und läuft… schon seit 180000 km und ich brauche 6 l/100 km, wo mir meine Werkstatt versichert, mit dem Motor wären unter 8.5 l/100 nicht zu erreichen. Das hat mir bisher schon über 9000 DM Spritkosten gespart.

Gruß
Jochen

Hallo Burkhard,

Du unterliegst einem kleinen Denkfehler:
Du fährst nahezu nie(!) mit voller Leistung des Motors bzw. mit Vollgas. Wenn Du aber sowieso nicht Vollgas fährst, ist ein langsam drehender Motor besser als ein schnelldrehender.

Nebenbei: 25% Gas x 1000 1/Min ist ggf. weniger Verbrauch als 20% Gas x 2000 1/Min.

Außerdem gilt normalerweise:
Langsamer drehender Motor (ldM) = bessere Verbrennung
ldM = weniger Reibung
ldM = weniger Massenträgheitsverluste

Grüße
Jürgen

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Wir reden hier doch über normale Autos. Nicht über Bergepanzer oder 10 Jahre alte kadett.

Gruß max

Hallo !

Alles unter 2000 U/min ist Motormord.

Gruß Max

Kannst Du mir das mal genauer erklären?

Wir reden hier doch über normale Autos. Nicht über Bergepanzer
oder 10 Jahre alte kadett.

Gruß max

Hey, man, mein Kadett ist ein normales Auto!! Ich verbitte mir derart beleidigende Worte über mein treues Vehikel!

Gruß
Jochen

PS: Mir fällt’s leichter über nicht-normale Autos als mit nicht-normalen Menschen zu reden.

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PS: Mir fällt’s leichter über nicht-normale Autos als mit
nicht-normalen Menschen zu reden.

Also, was nun? Doch kein normales Auto?

Hallo Jo!

Auto mag vielleicht im 4. Gang bei 100 km/h die „optimale
Drehzahl“ haben, leistet dabei aber 60 PS - die Leistung
„verpufft“, auch wenn sie noch so effizient erzeugt wird. Im

Kleine Anmerkung dazu: Die Effizienz hängt beim Benzinmotor ganz erheblich vom Lastzustand ab. Es mag also sein, dass ein Motor bei sagen wir mal 4000 Upm und (fast) Vollgas seine beste Effizienz, also seinen besten Wirkungsgrad erreicht.

Das bedeutet dann aber - wie du schon sagtest - auf keinen Fall, dass bei geringer Last, also bei nur zu einem viertel getretenen Gaspedal diese Drehzahl immer noch besonders effizient wäre.
Es ist dann aber nicht so, dass die Energie die bei Volllast zur Verfügung stehen könnte einfach verpufft, sondern dass neben der vergleichsweise geringen Nutzarbeit eine nicht unerhebliche Reibarbeit (hohes Schergefälle zw. Kolben und Zylinderwand; hohe Drehzahl) und Volumenarbeit (stärkerer Unterdruck beim Ansaugen) verrichtet werden muss.

Ach ja, ich bin kein KFZ-Techniker, vielleicht gibt es da also
noch andere Aspekte…

Ich bin zwar auch kein KFZ-Techniker, aber als Chemietechniker wüsste ich da noch einen Aspekt:

Wie bereits gesagt, sollte um gute Verbrauchswerte zu erreichen, darauf geachtet werden, dass die Drehzahl so gewählt wird, dass der Motor unter möglichst hoher Last arbeitet.
Hierbei sind aber beim Benzinmotor auch Grenzen gesetzt, da es unter hoher Last zum Motorklopfen kommen kann - und zwar um so leichter, je niedriger die Drehzahl ist.

Praktisch bedeutet dies, dass man ein Benzingetriebenes Fahrzeug in der ebene problemlos bei niedrigsten Drehzahlen (der von einem anderen Diskussionsteilnehmer genannte Wert von 1,5 x Leerlaufdrehzahl passt da erfahrungsgemäß ganz gut) und geringstmöglichem Verbrauch dahinrollen lassen kann, dass man dann aber spätestens bei der nächsten Steigung bzw. beim Beschleunigen herunterschalten sollte.

Fazit: Bei niedrigem Leistungsbedarf können so niedrige Drehzahlen gefahren werden, wie es der Rundlauf des Motors zulässt, bei hohem Leistungsbedarf sollten dann aber auch entsprechend höhere Drehzahlen verwendet werden.

Gruß

Stefan

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gut erklärt …
… von Jochen,
bleibt mir nur noch anzumerken, dass die Theorie am besten in die Praxis umgesetzt wird, indem man mit viel „Gefühl“ fährt.
Die niedrigste Drehzahl, die man fahren kann, hängt vom Motor und vom Fahrwiderstand ab, also nicht rechnen, sondern spüren: Wenn die Maschine rund läuft, dann gibt es auch keinen erhöhten Verschleiß.
Beim Anfahren spürt man selbst, ob man viel Gas gibt, und unnötig viel Kraft auf die Räder bringt, genauso wie man spüren kann, wenn man unnötig lang mit fast nicht getretenem Gaspedal in den unteren Gängen verweilt, wie das manche „Sparkünstler“ praktizieren.
Das Optimum liegt irgendwo in der Mitte, da wo man das Gefühl hat, mit einem leichten Gasfuß dennoch zügig hochschalten zu können.

Viel Spaß beim Verbrauch ausrechnen!
Peter

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Hallo !

Der Verbrauch ist natürlich umso geringer, je weniger
Zündungen pro gefahrenen Kilometer gemacht werden (Extremwert:
Keine Zündung -> keine Umdrehung -> Null Verbrauch (zB
Rollen ohne Motor)).

Ich will nicht aus Prinzip gegenangehen, aber, das ist nun mal falsch!!
Die Anzahl der Zündungen, also Umdrehungen, sagt nichts aus über den Verbrauchh! Ein Benzinmotor der mit 4000 Umdrehungen im Flachland fährt, verbraucht weit weniger, als der Motor, der mit gleicher Drehzahl einen Berg hoch muß. Die Belastung, bei gleicher Drehzahl ist hier weitaus höher. Umdrehungen sagen nichts aus über den Verbrauch!

Gruß max

Hallo,

Ich will nicht aus Prinzip gegenangehen, aber, das ist nun mal
falsch!!

Nö, nocht prinzipiell.

Die Anzahl der Zündungen, also Umdrehungen, sagt nichts aus
über den Verbrauchh! Ein Benzinmotor der mit 4000 Umdrehungen
im Flachland fährt, verbraucht weit weniger, als der Motor,
der mit gleicher Drehzahl einen Berg hoch muß. Die Belastung,
bei gleicher Drehzahl ist hier weitaus höher. Umdrehungen
sagen nichts aus über den Verbrauch!

Es ging um den Vergleich in vergleichbaren Situationen. Ein Auto, das über ebene Strecke mit 4000 U/min fährt, braucht pro km mehr Sprit als wenn es die selbe Strecke mit 2000 U/min fährt. Das gleiche gilt auch für bergauf- und bergabfahrten. Das Man bergab weniger verbraucht als bergauf, ist klar. Auch bei gleicher Drehzahl. Das liegt daran, daß das Gemisch fetter wird (=mehr Sprit pro Zylinderfüllung).

Gruß,
Jochen

PS: Mir fällt’s leichter über nicht-normale Autos als mit
nicht-normalen Menschen zu reden.

Also, was nun? Doch kein normales Auto?

Du willst mich ja gar nicht verstehen… das PS bezog sich nicht auf die Aussage von oben (sonst hätte ich’s oben dazugeschrieben). Subtil, ich weiß, werd mich bessern…

Trotzdem hast du auch Recht. Mein Kadett ist kein normales Auto, es ist ein gutes Auto :wink:

Grüße,
Jochen

Hallo nochmal…

Das Man bergab weniger verbraucht als bergauf, ist klar. Auch
bei gleicher Drehzahl. Das liegt daran, daß das Gemisch fetter
wird (=mehr Sprit pro Zylinderfüllung).

Also mehr Sprit pro Zylinderfüllung bedeutet nicht unbedingt, dass das Gemisch fetter wird. Wenn man das Gaspedal tritt kommt zwar auf jede Zylinderfüllung mehr Benzin, aber dies auch nur deswegen, weil der Zylinder auch mit viel mehr Luft befüllt wird.

Die Aussage, dass ein Gemisch fett oder mager sei, bedeutet, dass für eine stöchiometrische Verbrennung zu viel bzw. zu wenig Kraftstoff zur Verfügung steht.
Von Bedeutung ist dies bei der Volllastanreicherung bzw. -anfettung, wo mehr Benzin zugegeben wird, als von der Luft verbrannt werden kann. Man macht dies zur Leistunssteigerung, aber auch um bei hoher Last (ungefähr > 80%) die Abgastemperaturen niedrig zu halten, damit der Katalysator nicht beschädigt wird.

Wegen der Vollastanreicherung sollte man auch möglichst nicht schneller als 80% der Höchstgeschwindigkeit fahren, da dann auch die Last bei 80% liegt, und man ungenutzten Krafstoff zum Auspuff hinausbläst.

Gruß

Stefan

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Du sagst es!
Hallo Peter!

bleibt mir nur noch anzumerken, dass die Theorie am besten in
die Praxis umgesetzt wird, indem man mit viel „Gefühl“ fährt.

Genau das ist eigentlich der wichtigste Punkt. Die ganze Theorie ist zwar wichtig um die Zusammenhänge zu verstehen, aber wie man möglichst spritsparend fährt muss man mit jedem einzelnen Fahrzeug selbst „erfahren“.

Viel Spaß beim Verbrauch ausrechnen!

4,5L im Daihatsu Cuore oder im Toyota Yaris eco sogar manchmal nur 4,0L/100km - da kommt wirklich Freude auf - ohne dass ich jetzt besonders langsam fahren würde… :smile:

Gruß

Stefan