Hallo Experten,
habe in der Zeitung einen interessanten Artikel über bi-Turbo-Dieselmotoren entdeckt:
(Zitat)
BMW und Opel helfen dem Turbodiesel auf die Sprünge: mit Doppelturbo sind Spitzenleistungen bei weniger Hubraum und weniger Verbrauch drin/Der Diesel stellt Sportwagen in den Schatten
Nach Direkteinspritzung und Common-Rail bahnt sich beim Diesel der nächste Entwicklungssprung an: Der Doppelturbo. Er kann Motorleistung und Drehmoment auf Sportwagennieveau heben. Vor allem aber soll er Laufkultur und Verbrauch verbessern.
Doppelturbo, Biturbo. Das klingt nach Höchstleistung (Audi RS, Mercedes AMG, Maybach), klingt nach Supersportwagen (Porsche Turbo). Schon bald aber wird die Technik sogar Dieselmotoren Beine machen: Opel nennt sie Twinturbo, BMW sagt Stufenaufladung; beide Marken versprechen sich vom Doppelturbo ein Plus an Laufkultur, ein Minus an Verbrauch. Das Turboloch, bisher störend vor allem bei sehr starken Dieseln – und bei Handschaltung – wird wegplaniert, die neuen Motoren haben Dampf aus dem Drehzahlkeller.
Denn die Schwäche der guten alten Turbodiesel ist ihr Lader – jenes Turbinenrädchen, das Auspuffgase in die Brennräume schaufelt. Der Turbolader müsste eigentlich klein und groß zugleich sein, was bekanntermaßen nicht geht. Klein, damit im unteren Drehzahlbereich schon geringe Mengen an Auspuffgas die Turbine kräftig in Schwung bringen. Groß, damit große Mengen bei Vollgas und hohen Drehzahlen ungehindert durchströmen können. Eine variable Turbinengeometrie (VTG), heute weitgehend Allgemeingut, vermag beide Forderungen bis zu einem gewissen Grad unter einen Hut zu bringen – aber eben nur bis zu einem gewissen Grad.
Ein nahe liegender Ausweg wäre, zwei Lader zu verwenden. Eine Abgasklappe wäre dann dafür zuständig, dass nur der jeweils passende Lader arbeitet. Eine solche Klappe allerdings muß unter unwirtlichen Bedingungen ihr Dasein fristen: Temperaturen um die 600 Grad, keine Schmierung möglich, und dennoch muß die Klappe leicht beweglich sein, darf nicht verzundern und keine Ablagerungen ansetzen.
Opel und BMW haben dieses technologische Problem offenbar gelöst. Beide haben die Serienfertigung eines Doppelturbomotors angekündigt: BMW will bereits ab kommenden Herbst den 535d bauen, Opel ab 2006 in die Serienfertigung einsteigen. Eine Fahrzeugstudie allerdings gibt es bereits, den Opel Vectra OPC. In ihm durchströmt das Auspuffgas bis etwa 1800 U/min ausschließlich die kleine Turbine. Darüber gibt die Klappe allmählich den Weg zur großen frei, ab 3000 U/min arbeitet diese dann alleine. Ergebnis ist ein Ladedruck von 3,2 Bar gegenüber den 2,5 Bar des Serien-Vectra. Die Leistung des neuen 1,9-Liter-Vierzylinderaggregats aus dem Motorenverbund mit Fiat steigt mit Doppelturbo von 150 PS/110 kW auf respektable 212 PS/156 kW. Das Drehmoment wächst von 315 auf 400 Nm, die bereits ab 1400 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung stehen. Technisch wären sogar 460 NM drin, aber die verkraftet das Getriebe nicht. Umgerechnet auf einen Liter Hubraum leistet dieser Opel-Diesel 112 PS – mehr als ein Ferrari Enzo, fast so viel wie ein Porsche 911 Turbo oder ein Honda S 2000.
Beim BMW 535d beträgt der höchste Ladedruck 2,85 Bar. Die Leistung des Dreiliter-Sechszylinders wächst von 218 PS/160 KW auf 272 PS/200 kW, das Drehmomentmaximum sind 560 Nm bei 2000 U/min. 500 Nm werden bereits bei 1500 U/min erreicht.
Für die Zukunft bedeutsam ist die neue Technik freilich nicht wegen solcher Höchstleistungen. Sondern weil sie gewissermaßen erlaubt, die Motoren zu verkleinern: Leistungen, für die man heute einen Dreiliter-Sechszylinder braucht, schüttelt morgen ein Zweiliter-Vierzylinder aus dem Ärmel. Was heute dieser Zweiliter-Vierzylinder kann, bringt morgen ein 1,4-Liter-Dreizylinder zuwege. Kleinere Motoren sind leichter, sie passen in einen kleinen Motorraum und damit in ein kleineres und leichteres Auto. Eventuell werden sie trotz der aufwendigen Turbotechnik sogar preiswerter sein. Auf jeden Fall sind sie sparsamer. Der Vectra OPC gibt erste Hinweise auf das Sparpotential: Trotz 212 PS und 400 Nm Drehmoment liegt der Verbrauch auf dem Niveau des deutlich schwächeren 150-PS-Serienmodells; um die sechs Liter Diesel pro 100 Kilometer. (Stefan Woltereck) (Zitat Ende)
(Quelle: Sonntag Aktuell, 11.04.2004)
Wenn man den Artikel liest, könnte man annehmen, der Trend ginge zu Bi-Turbo-Diesel-Motoren. Dem Anschein nach zunächst im Bereich der „Sport-Diesel“, später dann – falls ich das richtig deute - eventuell für die Massen-Motorisierung mit Butter-und-Brot-Autos (Stickwort: Down-Sizing). Die Vision klingt verlockend: Mehr Leistung bei weniger Hubraum und weniger Gewicht und geringem Verbrauch.
Ich frage mich dabei nur: Ist diese Vision realistisch in Bezug auf ZUVERLÄSSIGKEIT und HALTBARKEIT der Motoren??? Laufleistungen mit 300.000 km bei derart hochgezüchteten Motoren erscheinen mir unrealistisch, die Materialbelastung ist enorm.
Ciao, Christoph.
