Hi!
ich denke, alle Seiten haben hier recht.
a) Wir haben Elektronik von vielen Zulieferern an Bord, die
Schnittstellen sind sehr unübersichtlich geworden, was
Quereinflüsse gefährlich macht.
Ist dies bei einem Lexus oder einem Flugzeug anders…?
b) Europ. Hersteller versuchen, sich über Innovationen am
Markt zu profilieren. Dies hat den fatalen Nachteil, dass ein
hoher Zeitdruck auf jeder Entwicklung herrscht.
Ich sehe den ursächlichen Zusammenhang zwischen Innovation und Entwicklungszeit im Automobilsektor nicht.
Ein durchschnittlicher Produktlebenszyklus bei europ. Autos dürfte bei ca. 6-8 Jahren liegen.
In dieser Zeit erleben andere Produkte wie PCs, Displays, Flugzeugtriebwerke u.s.w. Quantensprünge.
Da aber nicht
jede Innovation auch eine Preiserhöhung ermöglicht, ist dies
fatal, da unausgereifte und nicht ausreichend getestet Systeme
auf den Markt kommen.
Und hier kann man durchaus einhaken.
Würde man die Systeme mit den unvermeidlichen kleinen „Bugs“ in einem Umfeld allerhöchster sonstiger Komponentenqualität auf den Markt bringen, wäre die Sache halb so schlimm.
Da jedoch an jeder Ecke massiv gespart werden muss bei gleichzeitigen kontinuierlichen Preiserhöhungen (s. „Shareholder-Value“), sinkt die Gesamtqualität des Produktes massiv und Elektronikmängel treten stark zu Tage, da der Kunde auch mit dem Rest unzufrieden ist. Die alte S-Klasse (W140) hatte beispielsweise zu Beginn der Serie Probleme mit Bremsenfading bei scharfer Fahrweise in den Bergen. Der Rest des Produktes war jedoch qualitativ derart hochwertig gefertigt, so dass dieser MAngel durch Mercedes quasi klammheimlich abgestellt worden ist und niemand sich aufregt. Beim Nachfolger findet man einen Innenraum in Taxi-Qualität vor UND die Elektronik funktioniert nicht ordentlich. Das macht den Kunden sauer.
Zum Thema Entwicklungen und Innovationen:
Bei den neueren S-Klassen sind häufig Fehler an der Einparkhilfe zu verzeichnen. Wo bitte musst hier noch entwickelt werden. ich baue das System, des Virgängers nach nauer kalibrierung auf die neuen Aussenmasse ein und fertig.
ferner gab es bei Benz erst ab Modelljahr 2003 ein DVD-Navigerät. Alle anderen Wettbewerber hatten das seit 2002. Das neue DVD-Navi funktioniert, das Telefon dazu (im Command-System) jedoch nicht immer…
c) Toyota arbeitet hauptsächlich mit seinem Ableger Denso
zusammen.
Die Bremsen bei Lexus kommen m.W. von Brembo und Bosch.
Denso ist der einzige große Elektronikhersteller,
das zum einen eine hohe Umsatzrendite (~12%) aufweist und zum
anderen keine(!) Niedrigkostenstandortstrategie (NKS)
verfolgt.
Und das im aktuellen japan. Wirtschaftsumfeld!
Die amerikanischen Zulieferer Delphi (ehem. GM) und
Visteon (ehem. Ford) sind hier am weitesten, Bosch und Siemens
ziehen mit klarer Strategie nach. Aber Du hast recht, nicht
alles was NKS heißt, ist preiswert, einiges ist schlicht
billig…
Darum ging es mir. Natürlich ist es wichtig, Kosten einzusparen. Es ist allerdings peinlich, bei der Diskussion um gedrückte Zulieferer, Lopez-Effekt und schliesslich Qualitätsprobleme bei parallel immer weiter steigenden Produktpreisen dann auch noch eine sinkende Gesamtqualität des Produktes (nach Kundenempfinden) am Hals zu haben…
d) Die europ. Automobilindustrie schwingt große Worte, was
vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Systemlieferanten angeht,
die Wahrheit sieht anders aus. Waren früher jährliche
Rationalisierungsabschläge von 3-4% üblich, werden
mittlerweile eher 5-6% gefordert. Die zunehmenden Versuche,
darüberhinaus Abschläge durchzusetzen (s. DC, die dies bereits
zum zweiten Mal versuchen, ein anderer dt. Konzern verlangt
mittlerweile bereits direkt nach dem Abschluss eine
„Abschluss“-Zahlung etc.),
Tja, nach 20 Jahren hat das Einkaufs-Management der Autofiirmen mal einen Blick auf den Handel (Verbrauchsprodukte) und die dortigen Gepflogenheiten bei Abschlüssen geworfen.
Werbekostenzuschüsse, Schlecker-Prämien u.ä. sind allerdings mit Industriezulieferern schwer zu realisieren, da diese deutlich komplexere Produkte mit v.a. deutlich größerer Produktionstiefe in Hochlohnländern machen, als der Creme-Fuzzi, der Schlecker beliefert.
führen dazu, dass die Margen der
Zulieferer dahinschmelzen. Da aber immer mehr Entwicklungen zu
den Zulieferern verlagert werden, kann man sich überlagen, was
das bedeutet.
Eben.
e) In deutschen Konzernen laufen Entwicklungen nach dem Motto:
„Jugend forscht“. Mehr brauche ich nicht zu sagen…
Nein, es ist leider nicht die Jugend, die forschen darf, sondern das Controlling, welches den jungen Ingenieuren sagt, was ihre Ergebnisse kosten dürfen.
Genau hier handeln die Japaner anders. Sie trauen sich auch mal in vermeintliche Sackgassen, s. Lexus Hybrid-SUV. Nun kommt das Ding bald auf den Markt, mit reichlich Power bei niedrigen verbrauchswerten. Und BMW, Benz & Co. werden sich wundern, warum keiner mehr einen X5 4.4i oder einen ML 500 haben will…
Grüße,
Mathias