Was soll ich bloß tun?

Von: , Frage gestellt am Mi, 19. Jul 2000

Hallo in den Raum,

habe folgendes Problem:

Vor 2 Wochen hatte ich mit meinem Auto (MB E 230) einen Unfall.
Mir ist einer hinten draufgefahren (Stoßstange, Kofferraumdeckel, rechter Blinker, rechter Kotflügel, rechte Tür verzogen usw.). War auch schon beim Gutachter und warte nun auf das Gutachten. Der Schaden, laut Werkstatt wird auf weit mehr als 5.000 DM geschätzt. Klar, die gegnerische Versicherung muss den Schaden bezahlen. Soweit alles OK.
Doch nun habe ich von verschiedenen Seite gehört, dass ich das Auto doch als Exportauto ins Ausland verkaufen soll, das Geld von der Versicherung und den Verkaufspreis zusammenschmeissen soll und mir einen neuen Wagen kaufen soll (sozusagen als wirtschaftlicher Totalschaden).
Gekauft hab ich den MB (BJ 03/92) für 17.600 DM im Sept. 99.

Wer kann mir bitte dazu was sagen bzw. wer kann mir hier weiterhelfen oder sagen, was ich machen soll oder nicht????

Ich danke euch allen schon jetzt im voraus für eure Antworten.
Herzliche Grüße
Judith

6 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 6 Stunden hilfreich
    Re: Was soll ich bloß tun?

    Hallo Judith,

    "Von einem Totalschaden spricht man, wenn die Wiederherstellung des beschädigten Fahrzeuges entweder nicht möglich (technischer Totalschaden) oder dem Geschädigten nicht zumutbar ist (unechter Totalschaden) oder unwirtschaftlich ist (wirtschaftlicher Totalschaden). "

    Wenn das zutrifft (Gutachter!), muß die Versicherung den Zeitwert erstatten. Verkaufen kannst Du das Auto dann aber nicht mehr, da es der Versicherung gehört.

    Eine Reparatur darf auch dann vorgenommen werden, wenn die Reparaturkosten den Zeitwert übersteigen (bis max. 30 %).

    Es ist - sofern wirklich ein Totalschaden vorliegt - Deine Entscheidung, ob Reparatur oder Auszahlung.

    Denk daran, in jedem Fall alles geltend zu machen (Nutzungsausfall/Mietwagen, Auslagenpauschale 50 DM, Gutachterkosten...). [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 21 Stunden hilfreich
      Re^2: Was soll ich bloß tun?

      Hallo Jörg,

      erstmal vielen Dank für deine schnelle Antwort.

      Da stellt sich mir jetzt die Frage, was macht eine Versicherung mit so einem "Totalschaden"? Es wäre doch unsinnig, so ein Fahrzeug von der Versicherung selber reparieren zu lassen. Wären ja doppelte Kosten. Was machen die mit solchen Fahrzeugen? Verkaufen?

      Von der Werkstatt weiss ich, dass die Reparatur ca. 1 1/2 bis 2 Wochen dauern wird. Kann ich für diese Zeit einen Mietwagen haben (könnte ja auch mit dem MVV fahren) und in welcher Klasse? Könntest du mir bitte auch noch sagen, was ein Nutzungsausfall ist und wie der Zeitwert ermittelt wird?

      Liebe Grüße Judith

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Re^3: Was soll ich bloß tun?

        Hallo Judith,

        keine Ahnung, was die Versicherung mit Totalschäden machen läßt... Sie werden aber wohl ihre Abnehmer haben.

        Zum Mietwagen: Während einer Reparatur hast Du grundsätzlich Anspruch auf einen Mietwagen. Zur Sicherheit besser eine Klasse unter dem eigenen Fahrzeug bleiben (schon weil Dein Auto nicht mehr ganz neu ist), Du kannst ja mal fragen, was Deine örtlichen Vermieter da so anbieten können. Es ist aber nicht nötig, endlos Preise zu vergleichen. Einfach einige Angebote einholen und den günstigsten Anbieter wählen, dann sollte es keine Probleme geben.

        Die Alternative ist Bargeld für den Nutzungsausfall, bei Deinem Auto dürften es durchaus 100 DM oder mehr pro Tag sein. Im Zweifelsfall ist das aber wieder vom Gutachter festzustellen (dessen Honorar die Versicherung ja auch bezahlt). Das Geld reicht also auf jeden Fall für Bus und Bahn, und es sollte noch einiges übrig bleiben... Wenn Du wenig fährst, ist das natürlich die bessere Wahl. Ich bin nicht ganz sicher, aber es kann evtl. schwierig werden, länger als zwei Wochen bezahlt zu bekommen.

        Der Zeitwert wird - wie gesagt - vom Gutachter ermittelt. Es ist halt der Wert, den ein Gebrauchter (mit der Austattung, km-Stand, Alter usw.) vom Typ Deines Autos direkt vor dem Unfall hatte. Streng genommen kann man es nicht Zeitwert nennen, da der Händler ja auch etwas verdienen will. Das berücksichtigt der Gutachter aber, d.h. der Endbetrag liegt dann über dem Zeitwert. Außerdem muß der Preis dem ortsüblichen Niveau entsprechen.

        Gegenüber der Versicherung ist es wichtig, alles (!) anzugeben. Was man selbst nicht geltend macht, wird natürlich auch nicht bezahlt. Abzüge sollte man sich nicht gefallen lassen, viele Versicherungen machen das schon standardmäßig. Es gibt teilweise sogar Prämien für die Sachbearbeiter, wenn sie den Geschädigten billig "abfertigen"! Dazu gehören manchmal auch Lügen wie z.B. "Sie können sich den Gutachter nicht aussuchen, wir schicken jemanden" usw. Wenn die Versicherung größere Probleme macht, würde ich zum Anwalt gehen, was ich auch in Anbetracht der Schadenshöhe angemessen fände. Den Anwalt zahlt die Versicherung ja auch (ebenso wie Kostenvoranschläge, Abschleppkosten, die oft vergessene Pauschale von 50 DM)...

        *Viel Erfolg!*

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          Re^4: Was soll ich bloß tun?

          Hallo Jörg,

          du hast sicher gelesen, was die Vers. mit den Autos machen. (Ich kann da nur staunen).

          Mietwagen ist schon erledigt. Man sollte immer 1 bis 2 Klassen unter dem eigenen Wagen bleiben. Hab meinen Versicherungsvertreter gefragt, der wusste es genau.

          Das Gutachten hab ich jetzt, bin ganz schön erschrocken. Dachte gar nicht, dass das so viel ist. Laut Gutachten beläuft sich der Schaden auf 8.773,57 DM (Gutachter: 737,30 DM), der Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs liegt bei 11.500,-- DM und der Restwert bei 4.500,-- DM.

          Das mit dem Anwalt hat mir gestern schon der Chef von der Werkstatt gesagt. Er meinte, ich sollte auf alle Fälle bei meiner Rechtschutzvers. anrufen und mir Deckungszusage geben lassen. Er hatte schon öfter solche Fälle, dass die Versicherungen nicht bezahlen wollen, weil dies und das noch unklar sei oder ist.

          Da war es ja richtig gut von mir, dass ich gleich zu meiner Werkstatt gefahren bin und der Chef sofort den Gutachter vom TÜV bestellt hat. Bin ich froh! Der wusste das wohl auch schon, dass da solche Sachbearbeiter sitzen.

          Es ist doch einfach Superklasse, dass es wer-weiss-was gibt.

          Ich danke dir nochmals herzlich für deine Bemühungen.
          Liebe Grüße Judith

          • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
            Re^5: Was soll ich bloß tun?

            Wenn Du eine Haftpflicht hast, ist es sicher gut, mit denen Kontakt aufzunehmen. Uns ist mal von einem Haus eine Dachlatte auf den brandneuen Passat geknallt. Resultat: eine dicke Delle an der Dachkante des Autos. Teure Reparatur, vorher Gutachter bestellt, alles soweit klar. Unverschämt bloß: Versicherung des Hausbesitzers weigerte sich, Wertverlust zu zahlen. Obwohl die Reparatur kein simpler Blechschaden.

            Und natürlich fing es genau an der alten Schadenstelle 3 Jahre später an zu rosten! Sch... VW-Werkstatt.

            Nach dieser und ähnlichen Reparatur-Erfahrungen (dann ist uns später noch mal die Bundeswehr reingefahren. Gott sei Dank mit 'nem Bulli, nicht 'nem Leo) denke ich, dass die meisten Blechreparaturen am Auto früher oder später wieder "hoch" kommen. Irgendwie scheint da am laufenden Meter gepfuscht zu werden.

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Gewerbliche Aufkäufer

        Da stellt sich mir jetzt die Frage, was macht eine
        Versicherung mit so einem "Totalschaden"? Es wäre doch
        unsinnig, so ein Fahrzeug von der Versicherung selber
        reparieren zu lassen. Wären ja doppelte Kosten. Was machen die
        mit solchen Fahrzeugen? Verkaufen?
        Genau das.Versicherungen arbeiten mit gewerblichen Aufkäufern zusammen.Die kaufen diese Autos nach den Angaben des Sachbearbeiters unbesehen.Mal ist ein Schnäppchen dabei,mal ein faules Ei.Aber verdient wird immer,verlass Dich drauf.
        Der Zeitwert wird durch die berühmte "Schwacke-Liste"ermittelt.
        Danach gibts Ab- oder Zuschläge für Ausstattung,Sonderzubehör etc. Desweiteren ist in der Liste eine KM-Angabe drin.Hat Dein Wagen weniger gelaufen gibts einen Zuschlag,hat er mehr km auf dem Buckel,gibts Abzüge.Meistens ist es so,das der Wert des Autos
        in der Liste auf dem freien Markt nicht erzielt werden würde.
        Gruß Sebastian

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