…oder das strahlendste Weiß Ihres Lebens!
Hallo!
Shell bietet doch diesen teuren Sprit „V-Power“ an…
Nun hab mal gefälligst ein bißchen Verständnis! Schließlich wollen die gebeutelten Mineralölgesellschaften und deren Werbefritzen von irgendwas leben. Diese Leute stecken in einem Dilemma: Alle verhökern den gleichen Saft und jetzt muß man sich Sachen aus den Fingern saugen, damit die Kunden ausgerechnet bestimmte Tankstellen ansteuern und nicht die der Konkurrenz. Außerdem haben Mineralölgesellschaften das Problem der Preisfindung. Wo liegt die Schmerzgrenze? Solange es Leute gibt, die für gewöhnlichen Sprit nur aufgrund von Werbesprüchen noch mehr Geld zu zahlen bereit sind, ist die Schmerzgrenze in weiter Ferne. Das „Premium-Benzin“ ist der Kundschafter, der vorfühlt, was noch geht. Du kannst ganz sicher sein, dass die Mineralölgesellschaften den Absatz und seine Veränderungen als Funktion des Preises genau registrieren und penibel auswerten. Das macht nämlich jeder kluge Vermarkter. Ein besonders beworbenes und besonders teures Premium-Produkt und dessen Verkaufszahlen als Funktion des Preises liefern weitere Daten, die zusammen mit langjähriger Erfahrung Rückschlüsse auf die Befindlichkeiten des Marktes ermöglichen. Anders geht es nicht. Man kann ja schlecht die Kunden befragen, weil die nämlich mit Vorliebe dummes Zeug erzählen. Schon als der Sprit weniger als die Hälfte kostete, erzählten viele Leute, demnächst ihr Auto abzuschaffen, ihr Gewerbe aufzugeben oder aufgrund der unbezahlbaren Spritpreise Insolvenz anzumelden. Deshalb gibt nur der permanente Praxistest Auskunft, was wirklich geht.
Ein ähnliches Spiel wird bei vielen Produkten zelebriert, übrigens auch beim Heizöl. Auch da gibts Premium-Sorten, die ihre Kunden finden und anzeigen, dass der Markt noch Luft hat. Anbieter anderer Energieträger vom Gas bis zum Brennholz sind darüber nicht böse, denn der Markt zieht deren durchsetzbare Verkaufspreise mit in die Höhe. Das ist übrigens der Grund, weshalb Investitionen für den Wechsel des Energieträgers nicht an erster Stelle stehen sollten, sondern Investitionen zur dauerhaften Minderung des Verbrauchs.
Einer der Gründe für steigende Preise ist die Trägheit wohl der Mehrheit aller Verbraucher. Der Energiesektor ist ein Paradebeispiel dafür. Es gibt vereinzelt die Bereitschaft, mit hohen Umrüstkosten den Energieträger zu wechseln. Es gibt aber nur wenig Bereitschaft, das Verbrauchsverhalten spürbar zu verändern. Solange Millionen Menschen ihr Selbstwertgefühl an die Größe ihrer Karosse und deren Motorisierung knüpfen, ist das Ende der Preisfahnenstange noch nicht einmal in Sicht. Solange Hauseigentümer lieber 5.000 € für Heizöl ausgeben, als 500 € für einen sachkundigen Bau-Ing., der genau sagen wird, an welchen Stellen die Energie nutzlos verblasen wird, solange sind Energieträger noch nicht teuer genug.
Ich rede übrigens mit persönlichem Erfahrungshintergrund, der vielleicht nicht repräsentativ ist, aber eben meinem Erleben entspricht. So kenne ich etliche Häuser hier im Dorf bis ins Detail. Ich weiß, was nur nachträglich verkleidete Baracken sind, wo bei jedem Regen der Keller feucht wird und wo eine riesige Ölheizung im Bretterschuppen steht, auf Rat des Heizungsmonteurs ganzjährig betrieben, weil man dann immer warmes Wasser hat. Gegen solches Verhalten und gegen uralte Gepflogenheiten ist kein Kraut gewachsen. Die Menschen müßten sich mit der Problematik beschäftigen, müßten nicht einmal vordenken, Nachdenken würde schon reichen. Das ist zu viel verlangt und äußert sich in Beratungsresistenz. Solange Mineralöl irgend bezahlbar ist, wird nur geschimpft, aber nichts geändert.
Im Nachbardorf gibts einen Penny-Laden. Davor ein großer Parkplatz. Der ist immer voll. Und ein Fahrradständer. Der ist immer leer oder fast leer. Das war schon vor Jahren so und hat sich nicht geändert. Nein, die dort einkaufenden Leute sind nicht allesamt gehbehindert und nein, die dort einkaufenden Leute sind nicht allesamt von Terminen getriebene Spitzenmanager.
Gruß
Wolfgang