Bremsscheiben eher fertig als Beläge?

Hi,

hätte da mal eine Autofrage:

War heute bei der „GTÜ“ und habe HU und AU machen lassen. Fahre einen Twingo Bj. 2001. War alles kein Problem, bis auf die Horrosumme, wenn es zum Bezahlen geht. Aber egal.

Das Auto hat 21.000 km runter, ist also sehr wenig gefahren. Bremsen sind noch niemals gemacht worden. Der Prüfer meinte nun, daß meine Bremsscheiben ziemlich runter seien. Nicht akut, sollte aber bald mal gemacht werden. Meine Bremsbeläge sähen aber noch gut aus. Ich fragte ihn dann, wie es sein könne, daß die Bremsscheiben eher fertig sind, als die Beläge, obwohl es noch die ersten Bremsen sind. Er meinte, er könne sich dies auch nicht erklären und habe so etwas auch noch nie gesehen.

Hat jemand von Euch eine Idee, wieso bei mir die Bremsscheiben eher runter sind, als die (ersten) Bremsbeläge. Verbaut Renault vielleicht gepreßte Baguettes als Bremsscheiben?

Benni

Hallo Benni,

ich weiß zwar nicht, welches Material Renault verbaut, aber normal ist das sicher nicht.
Ich würde mir das aber auf jeden Fall mal von einem anderen Fachmann ansehen lassen. Eine zweite Meinung kann ja nicht schaden.

Beste Grüße
Guido

Hallo Benni,

Hat jemand von Euch eine Idee, wieso bei mir die Bremsscheiben
eher runter sind, als die (ersten) Bremsbeläge. Verbaut
Renault vielleicht gepreßte Baguettes als Bremsscheiben?

Dann wären die Bremsbeläge schon runtergefahren :wink:)

Normalerweise ist die Scheibe härter als die Beläge. Somit nutzen sich die Beläge schneller ab als die Scheiben. Die Beläge und Scheiben werden normalerweise aufeinander abgestimmt. Man kann nicht die selben Beläge für Stahl- oder Carbonscheiben benutzen. Zudem gibt es schon beim Stahl, je nach Legierung und thermischer Behandlung, unterschiede.

Also entweder hatte da einer komisch gerechnet, die haben falsche Teile verbaut oder der Zulieferer hat einen Fehler bei der Herstellung begangen.

MfG Peter(TOO)

Holla.

Hat jemand von Euch eine Idee, wieso bei mir die Bremsscheiben
eher runter sind, als die (ersten) Bremsbeläge.

Eine Idee schon - nur hätte ich gedacht, dass es diese Probleme schon recht lange nicht mehr gibt.

Irgendwann in den 80er Jahren verschwand das Asbest aus den Bremsbelägen, und es wurde mit diversen Mischungen herumexperimentoren. Man konnte tw. den Eindruck bekommen, als hätte das Asbestverbot die Hersteller aus heiterem Himmel getroffen - dabei hatte es sich eigentlich lange genug abgezeichnet.

Jedenfalls waren verschiedene Phänomene zu beobachten, die von gräßlichem Quietschen, verglasten Belägen über digitale Bremswirkung bis zu spangebender Bearbeitung der Scheiben (und Trommeln) reichten. Verursachte nicht ganz geringe Aufwendungen für Garantie und Kulanz.

Will sagen : Wenn die Reibpaarung nicht stimmt, kann durchaus der falsche Partner verschleißen.

Scheiben kommen - bei uns zumindest - als Rohteil an und werden nur noch ein bisschen per Hi-Speed-Cutting übergedreht; großartige Spanmengen werden da nicht mehr erzeugt. Sollte sich mal eine Charge zu weichen Stahls in die Fertigung verirren, würde man das, denke ich, an der Werkzeugstandzeit, aber vor allem an den entstehenden Spänen merken - mal vorausgesetzt, die Werkstoffprüfung hat nicht schon Alarm geschlagen.

Die andere Möglichkeit ist natürlich die, dass die Bremsen an Deinem Fahrzeug so albern eingebaut wurden, dass von Haus aus etwas schleift - im Laufe von 20000 km geht dann schon allerlei ab. Dass das nicht zu hören und zu spüren wäre, möchte ich aber bezweifeln. Es sei denn (Du schreibst ja von 21000 km in fünf Jahren), ein/e stocktaube/r O/m/p/a mit diversen Ausfallerscheinungen war der Vorbesitzer …

Vielleicht hat man bei Renault aber auch einen Kundenversuch losgetreten. Sagen wir mal, man will mit einem weicheren Werkstoff (oder härteren Belag) in kurzer Zeit breite Erfahrungen sammeln : Entweder man verballert Tausende von Scheiben auf Prüfständen, oder aber man riskiert den Einbau ins Kundenfahrzeug. Da man davon ausgeht, dass, bevor es kritisch wird, das Fahrzeug in einer Werkstatt oder bei der TÜ landet … aber das ist schon arg spekulativ.

Ansonsten fällt mir nur noch eine Erklärung ein : Bremsscheiben rosten in feuchter Luft ganz gut und gerne. Das ist - innerhalb gewisser Grenzen - auch gewollt. Wenn so ein Auto fünf Jahre lang nur zum Brötchenholen benützt wird und ansonsten dunkel im Mondschein helle parkt, summiert sich der Flugrost mit der Zeit auch. Das Gleiche gilt sinngemäß, wenn die Kilometers nur bei Urlaubsreisen gesammelt wurden und die Scheiben den Rest des Jahres fröhlich vor sich hinrosten durften. Bei einem Twingo denke ich eher an die erste Variante.

In jedem Fall dürfte sich die Firma Renault für diesen Sachverhalt interessieren - entweder ist die Misere schon bekannt und wurde klammheimlich („einlaufend“) längst umgestellt, oder aber das Phänomen hat natürliche Ursachen wie vor; da Twingos sehr gerne als Zweitwagen gefahren / gestanden werden, bestünde dann Handlungsbedarf.

Oder aber Du bist der einzige solchermaßen von bösen Mächten verfolgte Renaultfahrer auf dieser Welt. Dann sollte auf dem Kulanzwege wenigstens ein bisschen was zu machen sein.

Gruß Eillicht zu Vensre

In jedem Fall dürfte sich die Firma Renault für diesen
Sachverhalt interessieren - entweder ist die Misere schon
bekannt und wurde klammheimlich („einlaufend“) längst
umgestellt, oder aber das Phänomen hat natürliche Ursachen wie
vor; da Twingos sehr gerne als Zweitwagen gefahren / gestanden
werden, bestünde dann Handlungsbedarf.

Danke für die ausführliche Erklärung. Ich fuhr schon realativ selten - in drei Jahren etwa 15.000 km. Die restlichen 6.000 km stammen aus der Zeit als Vorführwagen (zwei Jahre lang). Aber ich bezweifle, daß der Rost daran schuld ist.

Ich werde mich auf jeden Fall einmal mit Renault in Verbindung setzen und denen den Sachverhalt schildern. Vielleicht gab es ja sogar schon mal Rückrufaktionen, von denen ich nichts mitbekommen habe. Mal schauen, was die mir antworten.

Benni

Hallo !

Defekte bzw schlecht abgelaufene Bremsscheiben entstehen bei Autos, die wenig fahren und wo nur selten hart gebremst wird. Ein altes Leiden.

Du solltest täglich mindestens eine Vollbremsung machen.

mfgConrad

Defekte bzw schlecht abgelaufene Bremsscheiben entstehen bei
Autos, die wenig fahren und wo nur selten hart gebremst wird.
Ein altes Leiden.

Ja, aber bei mir ist es doch eher so, daß die Bremsscheiben außergewöhnlich stark abgenutzt sind.

Benni

Völlig gleichmäßig und glatt?

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Völlig gleichmäßig und glatt?

Weiß ich nicht. Der Prüfer meinte, daß beide vorderen Bremsscheiben, aber insbesondere die linke, bereits sehr stark abgefahren wären und keine großen Reserven mehr hätten und deshalb in nicht sehr ferner Zukunft, am besten noch dieses Jahr, ausgewechselt werden müßten.

Benni

Mess mal!

ich weiß zwar nicht, welches Material Renault verbaut, aber
normal ist das sicher nicht.
Ich würde mir das aber auf jeden Fall mal von einem anderen
Fachmann ansehen lassen. Eine zweite Meinung kann ja nicht
schaden.

Hallo!

Dem kann ich zustimmen.
Wer weiss, was der Prüfer gesehen hat, oder was ist.

Ich kenne 2 typische Fälle:

  1. Es kann sein, dass die Bremsscheiben verrostet sind.
    das passiert oft besonders stark an der Innenseite.
    Da ist manchmal die Hälfte der bremsenden Fläche verrostet.
    Da helfen dann auch keine extremen Bremsmanöver mehr, weil der Rost den Bremsbelag abträgt.
    Da hilft dann nur ev. die Drehbank oder neue Scheiben.

  2. Kann es sein, dass sich aus Rost und Dreck an den Rändern der Bremsscheiben eine Kante gebildet hat. Die sieht oft ziemlich „echt“ aus. Der Prüfer denkt, die Bremsscheibe sei soweit abgenutzt.
    Ist aber nicht so, weil das ein Dreck-und Rostrand ist, den man mit einem kleinen Hammer leicht abklopfen kann.

Ich würde vorschlagen:
Mach mal ein Rad ab.
Auf dem äusserem Umfang der Scheibe ist irgendwo das Verschleissmass eingeschlagen. Ev. mit einer Drahtbürste reinigen. Oder fragst mal in einer Werkstatt.
Dann die Bremsscheibendicke messen, mit einem Messschieber:
2 Münzen nehmen, deren Gesamtdicke messen.
Dann die Münzen innen und aussen an die Bremsscheibe halten, und die Gesamtdicke messen.
Die Dicke der Münzen abziehen, so weisst Du genau, was los ist.

Grüße, Steffen!

Hi Benni,

zunächst ist diese Aussage des Prüfers als eher subjektiv zu werten, es sei denn er hat die Stärke der Bremsscheibe gemessen und mit den Sollwerten verglichen.
Genau das ist aber unabdingbar um eine derartige Aussage zu untermauern.
Ich selbst habe schon jede Menge TÜV-Prüfer erlebt die solche Aussagen trafen. Da ich teilweise keine Notwendigkeit sah diese „Mängel“ zu beheben habe ich es darauf ankommen lassen. Und siehe da, selbst 2 Jahre später wurde der gleiche Prüfpunkt bei einem anderen Prüfer nicht bemängelt.
Das soll nicht heissen das ich bemängelte Bremsen nicht reparierte, aber bei mir ging es um beginnende Korrosion.
Ich kannte mal einen Prüfer der bei jedem zweiten Auto die Stossdämpfer bemängelt hatte. Vielleicht hatte der irgendein Kindheitstrauma oder sowas. Er bemängelte nämlich teilweise sogar nagelneue Stossdämpfer :wink:
Ich würde das zusammen mit dem Meister in einer Werkstatt mal messen.
Die Sollwerte haben die Werkstätten und beim Ablesen der tatsächlichen Stärke kannst Du ja selbst anwesend sein.
Dann sieht man weiter.

Gruss Sebastian

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Hi Steffen,

2 Leute - 1 Gedanke :wink:
Ähnliches habe ich auch gerade geschrieben. Wobei ich zum Messen eleganterweise eine Bügel-Mikrometerschraube benutze, aber wie Du geschrieben hast gehts natürlich auch.

Gruss Sebastian
(der sich jetzt ins Bett legt)

Ich würde das zusammen mit dem Meister in einer Werkstatt mal
messen.
Die Sollwerte haben die Werkstätten und beim Ablesen der
tatsächlichen Stärke kannst Du ja selbst anwesend sein.
Dann sieht man weiter.

Bevor ich viel Geld ausgebe, steht das selbstverständlich an erster Stelle. Wenn ich das Auto in eine Werkstatt bringe, wird ja auf jeden Fall noch mal alles angeschaut. Viel Hoffnung habe ich allerdings nicht.

Benni

Es kommt weniger auf den gleichmäßigen Abrieb an, als auf die Ungleichmäßigkeit.

Defekten Scheiben kann man das meistens von aussen ansehen.

Bremsscheiben
hi benny,

wundert mich nicht, ich hatte nen 806er peugeot, da waren die hinteren (!!) bremsscheiben auch nach 30.000 km fertig. keine ahnung warum, war aber tatsächlich so.

tiger

wundert mich nicht, ich hatte nen 806er peugeot, da waren die
hinteren (!!) bremsscheiben auch nach 30.000 km fertig. keine
ahnung warum, war aber tatsächlich so.

Wow, die hinteren. Das muß man aber auch erst schaffen. Und die vorderen gingen noch? Eindeutiger kann ein Materialfehler wohl nicht aussehen.

Benni

Wow, die hinteren. Das muß man aber auch erst schaffen. Und
die vorderen gingen noch? Eindeutiger kann ein Materialfehler
wohl nicht aussehen.

ja, es wurden lediglich die hinteren scheiben gewechselt. das teil war überhaupt ein montagsauto, nach einem weiteren jahr setzte der turbo zeitweise aus. dann war es zeit ihn abzustoßen …

tiger