Turbo-'Philosophie'

Hallo,
anliegend an den unteren Thread, „wie funktioniert ein Turbo?“ möchte ich gerne eine grundlegende Frage aufwerfen:

In den letzten Wochen und Monaten wurde oft im Freundeskreis über Turbo-Anwendungen bei Automotoren debattiert bei uns. Dabei scheint es doch einige hm… vieleicht nicht grad Vorurteile aber Cliches (technischer Natur) zu geben.

Beispielsweise ist ein häufiges Argument gegen solche Zusatzgeräte, dass diese Technologien und Materialien sehr heickel sind oder sein können. Sie belasten den Motor und seine Teile stärker als ein normaler Motor. Die Lebensdauer ist daher generell kürzer und man ist eben weil’s heickler ist öfters in der Werkstatt.

Ich kann dem nur bedingt zu stimmen. Hierzu würde ich gerne mal eure Meinungen hören.

Selbst, fahr ich zwar keinen aufgeladenen Motor, wäre aber dem nicht abgeneigt, was mich auf die nächste Sache bring:

Wieso sind denn Turbos, abgesehen von Dieseln, nicht sooo populär ? Oder, wer baut Turbo-Motoren ? Audi, Saab, Volvo (Mercedes Kompressoren) was ja relativ wenig sind. Die meisten arbtieben mit konventionellen Motoren.

Was mich auch noch interessieren würde, ist eure „politische“ Meinung hierzu.

Ich denke, Turbos werden künftig verbreiteter sein. Denn ich kann mir Vorstellen, bei den heutigen und erst künftigen Benzin-, Steuer- und Versicherungspreisen werden die Menschen wohl eher zu einem optimierten 1.8er oder 2 Liter greifen, als zu einem > 3.0 Liter grossen Motor mit entsprechenden Unterhaltskosten. Dies wird früher oder später auch BMW einsehen müssen, die ja wegen der Langlebigkeit auf Turbos und Agegate verzichten, was ich schade finde. Stattdessen, einfach einen rel. grossen Motor bauen…

Roger

Ich denke, Turbos werden künftig verbreiteter sein. Denn ich
kann mir Vorstellen, bei den heutigen und erst künftigen
Benzin-, Steuer- und Versicherungspreisen werden die Menschen
wohl eher zu einem optimierten 1.8er oder 2 Liter greifen, als
zu einem > 3.0 Liter grossen Motor mit entsprechenden
Unterhaltskosten. Dies wird früher oder später auch BMW
einsehen müssen, die ja wegen der Langlebigkeit auf Turbos und
Agegate verzichten, was ich schade finde. Stattdessen, einfach
einen rel. grossen Motor bauen…

ich hab eigentlich immer gedacht, die leute kaufen sich nen turbo, weil sie damit turbomäßig unterwegs sein wollen. aber wenn ich dann die dicken zwei-liter-tdi-audis und die fetten 2xx-kompressor-mercedesse seh, wie sie innerorts mit 40, außerorts mit 60 vor einem herschleichen, dann frag ich mich schon, ob’s nicht ein 45ps-golf ohne turbo und derlei schnickschnack auch täte.

gruß

michael

Hi Roger
Aller Vorausicht wird es in absehbarer Zukunft eine Schwemme an
Turbo-Benzinern geben,nämlich dann wenn die Drehzahlregelung
nicht mehr über eine Drosselklappe,sondern über die Ventilsteu=
erung erfolgt,wie jetzt von BMW publiziert.
Aber erstmal zu deiner Frage warum es heute nicht mehr Turbos gibt.
Im Gegensatz zu Dieselmotoren die idealerweise immer mit Luft=
überschuß laufen (sonst qualmen sie wie Sau),laufen Benziner,
außer bei Vollgas (d.h.voll geöffneter Drosselklappe)immer mit
Luftmangel und somit kommt der Turbolader garnicht richtig zum
Zuge und deshalb ist auch der Spritverbrauch enorm hoch;außer,
und das ist der Knackpunkt,bei Vollast.Hier sind die Turbos den
Saugmotoren weit überlegen.Für die ehemaligen Formel-1 Turbos
wurden Verbrauchswerte von unter 180g pro PS/Stunde angegeben.
Normale Straßenmotoren liegen bei 220-260.
Ein zweiter Punkt ist die wesentlich höhere Abgas-Temperatur
eines Benziners,die natürlich das Material mehr strapaziert als
ein Diesel.Aber das ist nur ein lösbares technisches Problem.
Ein dritter viel angeführter Punkt,der aber für beide gilt,ist
das verzögerte Ansprechen beim Gasgeben (der Turbo kommt ja erst
dann in „Fahrt“ wenn viel durch den Auspuff geht),ein Nachteil,
den der Motor-getriebene Kompressor nicht hat.
Ich hoffe das reicht erstmal
Hans Lorenz

Hi Roger,
mein Vater hatte anno `69 einen der ersten Ford Capri mit Turbolader.Damals war die Leistungsentwicklung brachial und schlecht kontrollierbar.Heute sieht das natürlich anders aus.
Die Motoren sind robust und können die Aufladung gut ab.
Mein Saab 900 turbo lief wie ein Uhrwerk und hat sehr wenig verbraucht.Turbomotoren sind entgegen landläufiger Meinung nämlich sehr sparsam und zuverlässig.Wenn mal von den Problemen bei dem G-Lader von VW absieht (ist auch eher ein Kompressor als ein Turbo)sind mir keinerlei Probleme bekannt.Ausnahmen sind die
„Tüftler und Bastler“,die am Ladedruckregler manipulieren.Das bringt schon mal den robustesten Motor zum platzen.Aber digitales Motormanagement und die ganze Elektronik haben gezeigt,
das die gleiche Leistung auch so zu erreichen ist,nur eben mit weniger mechanischer Belastung.Aber wer mal einen kernigen Turbo gefahren hat (Mitsubishi Starion,Renault 5 etc.)wird mir beipflichten,es macht verdammt viel Spass mit einem Auge auf den Ladedruckanzeiger zu schielen und auf die Brachialbeschleunigung zu warten.Nur waren viele mit der Leistung überfordert,wenn plötzlich im 3.Gang nochmal die Hinterräder pfeifen :wink:
Gruss Sebastian

Hi,

Beispielsweise ist ein häufiges Argument gegen solche
Zusatzgeräte, dass diese Technologien und Materialien sehr
heickel sind oder sein können. Sie belasten den Motor und
seine Teile stärker als ein normaler Motor. Die Lebensdauer
ist daher generell kürzer und man ist eben weil’s heickler ist
öfters in der Werkstatt.

Das stimmt nicht mehr. In der Frühzeit gab es oft Ausfälle wegen der noch unausgereiften Technik, und auch heute noch muss man
einen Turbo ein bischen pflegen, aber generell halten auch Turbomotoren im normalen Betrieb 300000 und mehr.
SAAB hält den Weltrekord über 100000 km nonstop mit einem Turbo (Durchschnittsgeschwindigkeit ungefähr 220 km/h).

Selbst, fahr ich zwar keinen aufgeladenen Motor, wäre aber dem
nicht abgeneigt, was mich auf die nächste Sache bring:

Wieso sind denn Turbos, abgesehen von Dieseln, nicht sooo
populär ? Oder, wer baut Turbo-Motoren ? Audi, Saab, Volvo
(Mercedes Kompressoren) was ja relativ wenig sind. Die meisten
arbtieben mit konventionellen Motoren.

Da es in Italien enorme Strafsteuern auf Motoren über 2l Hubraum gibt, gibt es auch dort (FIAT, LANCIA) leistungstarke Turbos mit 2 l Hubraum. Früher ein 2l 4Zylinder, heute ein 2l 5Zylinder mit 220 PS, Verbrauch 10-11 Liter.

Was mich auch noch interessieren würde, ist eure „politische“
Meinung hierzu.

Ich denke, Turbos werden künftig verbreiteter sein. Denn ich
kann mir Vorstellen, bei den heutigen und erst künftigen
Benzin-, Steuer- und Versicherungspreisen werden die Menschen
wohl eher zu einem optimierten 1.8er oder 2 Liter greifen, als
zu einem > 3.0 Liter grossen Motor mit entsprechenden
Unterhaltskosten. Dies wird früher oder später auch BMW
einsehen müssen, die ja wegen der Langlebigkeit auf Turbos und
Agegate verzichten, was ich schade finde. Stattdessen, einfach
einen rel. grossen Motor bauen…

Wie oben gesagt, in Italien sind die wegen der Strafsteuer beliebt.
Ein weiterer großer Vorteil ist die Größe. Werner hat das unten schon angesrochen. BMW und andere bauen je Längsmotoren und Heckantrieb. Das liebt zwar die AMS und findet das Schleudern toll, aber im Grunde ist Frontantrieb überlegen. Im Innenraum hat man mehr Platz, weil Getriebe und Kardanwell ihn nicht brauchen. Um weniger Gewicht auf die Vorderachse zu bringen nimmt man einen kleineren Motor mit Turbo.
Nachteil:
Kein 8 Zylinder möglich
Mehr als 250 Ps nicht mit Frontantrieb
Die einfachste Lösung ist dann wirklich ein 2-2,5 Liter Motor mit 4 oder 5 Zylindern und Turbo.

Max
Lancia Dedra Integrale, 2l Turbo, 124 kW, 181000 km

Nachteil:
Kein 8 Zylinder möglich

Warum geht das nicht? Wie sieht’s denn aus, wenn man zwei Turbolader nimmt, je einen für 4 Zylinder?

CU

Stefan

Hi,

weil der Motor im Normalfall nicht quer in den Motorraum passt.

Max

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